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Kr. 250.

Marburg, Dienstag, 24. October 1876.

XL Mrgmig.

Anzeigen nimmt entgegen: ich vvWit T^edMon d. Blattei,

MtcchciWe Jeitung

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^I^^DnUschland sich zu L Bald wird von östei

Rufjlanb wird von einer Reihe von Blättern als das

fcfit 54clngefpuift hin gestellt, welches Freiheit und Fortschritt n Europa vernichten will. Man sollte meinen, das deutsche

ing verlaß Bismarck nicht daran denken wird, dem Rus der

ion,

Laßt sie eintreten," rief dieser,und Du, Jude, halte

O, Herr," betete der Rabbi leise,laß Deinen Diener

ikunft

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Dann wandte er sich zum

Rabbiner und sagte:

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n Deutschland selbst vernimmt man Stimmen in der presse, welche dieser selben Anschauung Ausdruck geben.

)olk sei endlich so reif geworden, um vor solch theoreti- chem Gerede bewahrt zu werden, chis jetzt Hai es sich wch nicht als durchaus praktisch und für Deutschland vohlthätig erwiesen, daß Preußen« Staatsmänner die Illianz mit Rußland zur Grundlage ihrer Politik machten. Dian sollte doch j-tzt wieder zu dem Fürsten Bismarck . >as Vertrauen hab-n, daß er die Angelegenheit dahinaus- ühren wird, daß sie zu Deutschlands Vortheil auSfchlagen nuß Bon fortschrittlichen Deklamationen und von Ge-

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Erde n Abo

1870.

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16 80.

Nun wohl," entgegnete der Präsident, indem er sein uge fest auf dem Rabbiner haften ließ.Angenommen, Sohn wäre unschuldig, wer sollte dann die Mord- begangen haben?*

.Der Starost. von Ostrow."

Thörichter Greis," fuhr hier der Präsident auf,wie ust Du nur wagen, so etwa« auszusprechen I und da« en einen Mann, der wahrlich nicht Ursache nm elender

Nun wohl, wenn D-in Glaube so

übergeben und auch Du sollst der Verkündigung de« Spru­ches beiwohnen. Ist e« dann so, wie Du gesagt hast, daß dem Gefangenen die« Urtheil nicht eröffnet wird, dann gebe ich Dir mein heiliges Wort al« Mensch, al« Edelmann

Europa hinauSgetrieben werden und Rußland und Oester­reich sich in dieses^ Gebiet theilen; Deutschland hat so lange die übrigen Mächte diese« nicht zu dem Anlaß eines Krieges nehmen, keine Ursache, sich direkt einzumischen oder gar Rußland in den Arm zu fallen, und kann dem Ver­lauf einer solchen Entwickelung ruhig zusehen. Rußlands

Action hat deshalb keine Gefahr für Deutschland, weil sie mit Wissen, und mit Uebereinstimmung Deutschland« ge­schieht und weil Deutschland von Rußland am allerwenigsten etwa« zu fürchten hat. Wir finden mithin die Forderung fortschrittlicher Blätter, da« deutsche Volk möge zu Gunsten der Türken gegen Rußland demonstriren unv die Regierung zu einer auch iniereffirten Politik treiben, ebenso unver­ständig al« dem nationalen Jntereffe de« deutschen Volkes widersprechend. Dos deutsche Volk hat weder fortschritt- liche noch kosmopolitische Politik zu treiben, e« soll sich weder jür die Türken noch für die Serben begeistern, fon- dern nur sein eigene« nationale« Interesse im Auge be­halten und dieses gebietet ihm, das Dreikaiserbündniß auf recht zu erhalten und eine Annäherung von Rußland und Frankreich zu verhindern. Da« deutsche Volk will keinen Krieg und gebraucht keinen weder mit Frankreich, noch mit Rußland noch mit Oesterreich; e« will Friede behalten,

,Times" Folge zu leisten und Politik in englischem Jnter- ffe zu treiben. Fürst BiSmarck hat nun seit 14 Tagen lewiefe», da« er weder Kosmopolit ist, noch Humanitäks- iclitif treibt, sondern einzig und allein deutsch-nationale " Znterkssen vertritt. Daß er auch diese in der orientalischen irage befolgen wird, davon können wir unS fest überzeugt »alten. Legen wir uns nun die Frage vor, was verlangt a« Jntereffe Deutschlands? so ist jedensall« die allgemeine Intwort, daß der europäische Friede aufrecht erhalten, und lie gegenwärtige Constellation der Mächte nicht verschoben vird. Nach dieser Seite hin hat Deutschland bisher seinen iinfluß mit großem Erfolg geltend gemacht. ES hat ein-

felsenfest ist, schau her. Hier falte ich daS Blatt, auf welchem daS Urtheil steht, zusammen und stecke eS in diese Tasche. Ich selbst will bei der Eröffnung de« Urtheils im Kerker Deines Sohnes gegenwärtig fein, ich selbst will dies Blatt dem Sekretär an Ort und Stelle unmittelbar

DaS hohe Gericht," begann der Secretär,hat, nach reiflicher Erwägung, seinen Ausspruch gethan, ihn Seiner Majestät, unserem allergnädigsten Könige und Herrn, vor» gelegt und dieser hat denselben durch seine allerhöchst«

«tschlaudr Gtelluug z« der orientalische» Frage.

Es ist AlierSschwäLe", sprach der Präsident für fich,

man muß Geduld haben".

Der Sehn »e« EoSnicza.

Erzählung au« dem polnisch-jüdischen Volksleben von tir.

W. Bernhardt.

(Fortsetzung).

Freilich." entgegnete spöttisch lächelnd der Präsident, wenn ihr an diesen Richter appellirt, so muß sich der lenschliche wohl beugen. Allein e« ist nur übel, daß sein Spruch erst im Jenseits gefällt wird und nicht auf das egenwärtige Leben zurückwitkt; mindestens nicht in unseren

XaQe»eert<t>i.

Se. Maj. der Kaiser ist am Sonnabend Morgen an« Baden-Baden in Berlin eingetrcffen. Der Kaiser erfreut sich des besten Wohlseins; am Mittwoch begibt sich der Monarch, einer Einladung des Großherzogs von Mecklen­burg-Schwerin folgend, nach Ludwigslust, woselbst an den folgenden Tagen Jagden abgrhalten werden. Arn 28. d. wird der Kaiser nach Berlin zurückkehren.

Der deutschen Reichsregierung ist von Seiten Frank- reichs wiederholt die Einladung zugegangen, an der im December stattfindenden internationalen Zucker-Konferenz theilzunehmen und zu diesem Behuse Delegirte zu ernennen. Voraussichtlich wird die Einladung abgelehnt werden.

DerNational-Zeitung" zufolge hat Deutschland seinen Standpunkt zur WaffenstillstandSsrage den verschiedenen betheiligten Mächten gegenüber dahin präcistrt, daß e« weder gegen die Bestimmung einer sechsmonatlichen noch einer sechswöchcntlichen Frist für den Waffenstillstand zu machen habe und daher nicht in der Lage sei, den einen Vorschlag mehr, als den anderen, zu unterstützen. Für die Verständigung unter den Mächten könne da« Eintreten Deutschlands für den einen ober ben anberen Vorschlag von keinem Vortheil sein, bagegen erkenne Deuischlanb foriwährenb bas zu erstrebenbe Ziel in der Herstellung eines auf Erhaltung beS Friedens ädzwecken- ben Einverständnisses unter den Mächten.

Sensationsnachrichten schwirren durch die Luft, in so dichten Schaaren, daß es kaum mehr möglich ift, den Ver­such zu macken, fie auf ihren Anhöhen zu prüfen. Ruß­land soll England gegenüber die bindende Erk.ärung ab­gegeben haben, e« sei bereit, die Action niemals über die christlichen Provinzen der Türkei hinaus auszudehnen. Die türkische Regierung soll den Kopf (welchen denn??) ver- ' loren haben. Die Pforte soll einsehen, daß England äu­ßersten Falls nur Konstantinopel veitheivigen, keineswegs aber mit der Türkei gegen Rußland kämpfen werde. Man erkennt in dieser Auslastung desPester Lloyd" deutlich den Nachklang dc« bekannten TimeS-ArtikelS.

Dem Vernehmen derAgence HavaS" zufolge hätte England erklärt, e« könne, nachdem es den fechSmonatlichen Waffenstillstand angenommen, gegenwä tig nicht bie'sechs- wöchentliche Frist besürworten, doch habe eS gegen letzteren Termin nichts einzuwenden. Somit schwebe die Frage

verheißen hast." Hierauf wandte er sich zum Präsidenten und sprach:Ich bin in jedem Augenblicke bereit, Herr, Euch zu folgen, wohin Ihr immer befehlen werdet."

Nach einer kleinen Pause trat bet Diener wiederum ein und meldete, baß bie Wagen vorgefahren seien. Die Anwesenden stiegen ein, man hielt»bald am Crimlnalge« fänzniste und wenige Augenblicke später traten die Ange­kommenen in Jakobs Kerker. Als sich die schweren Thüren deS GefängnisteS knarrend in den Angeln drehten, sprang Jakob schnell auf und erblaßte in ahnungsvollem Grauen, sobald er die Eintretenden gewahrte.

Nehmt ihm die Festeln ab," begann der Präsident und sogleich war der Befehl befolgt. Da bemerkte der Ge­fangene erst dm Rabbiner und, ohne aus irgend etwas zu achten, stürzte er auf ihn zu und rief weinend:O, Vater meine« Weibe«, geliebter Lehrer, bist auch Du g> kommen, die Schmach Deine« Sohne« zu sehen?"

Schweige jetzt, Jakob," entgegnete dieser würdevoll, und vernimm, wa« der Herr über Leben und Tod Dir bestimmt hat."

st weit genug verbreitet. Davon legt auch der Hülferuf . EtagnerTime«" Zeugniß ab. Nur kann man versickert {ein,

Mit größter Spannung erwartet man allgemein, wie > der orimtalischen Frage stellen wird, österreichischer, bald von englischer Seite in Deutschland da« Ansinnen gestellt, in dieser Frage Partei zu nehmen und Rußland Einhalt zu gebieten. Auch

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eanai er.

M. 0 M. Idoyi i Frank [25&

E« ist wahr," erwiderte der Rabbi,die Heiligen Botte« wandeln nicht mehr unter un« und. eben so wahr, > wir der Erscheinungen, durch welche unsere Vorfahren ppenzel ieglückt wurden, nicht mehr gewürdigt werden, allein der ^tonj&err, unser Gott, ist derselbe, von Ewigkeit zu Ewigkeit, nweisu b wenn er die Hand auSstrecket, siehe, so ift e« da, und ils burfKHn er gebeut, siehe, so geschieht eS."

pensterfurcht vor dem PonslaviSmuS wird er sich sicherlich daß di licht bestimmen lasten. Fürst Bismarck hat bis j.tzt in ter un Wen Lagen bewiesen, daß et die Umstände beherrscht und b bcson sicht umgekehrt fie ihn. Auch ta der orientalischen Frage üse un ann man annehmen, daß die Fäden seit langer Zeit in »ftStSnz einer Hand zusammen laufen. Die Ueberzeugung taoon Reit' '

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte« sowie die Annoneen-Bureaur von ® L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete- meyer in Berlin; Earl Schüß» ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

England daran verhinderte, Europa in Conflagration gu o.ltvv

'ringen. ES ist dem Fürsten BiSmarck weiter gelungen, aber auch gleichzeitig seine Macht und seinen Einfluß in :er orientalischen Frage eine solche Entwickelung zu geben,[Europa; wenn Fürst Bismarck diese GcstchiSpunkte noch

~{Tagen, wo die Wunder nicht mehr geschehen und die Pro- ^amps^Eten GotieS, welche fie lhaien, unter uns nicht mehr

send Thaler willen, sich mit Blut, und wäre eS auch ......

r mit dem eine« Juden, zu besudeln. Thor, der ich!und StaatSdicner, daß alle«, was Du verlangen willst r, einem kindischen Greife, der im Schmerz über bie; ober kannst, um bie Unschulb JakobS zu erweisen, geschehen neu vertzandeSschwachgeworben, so lange Ausrnersarnkeit.soll, ja, baß ich jede Deiner Anorbnungen ober Wünsche schenkenI Wie willst Du solche furchtbare Beschuldigung' ist dieser Sache unbedingt befolgen will."

nur entfernt beweisen? Sprich!" 'Dem sei also, Herr," sprach ruhig der Rabbiner,und

owi« bie Amwuceu-Bureaur wm Th. Dietrich & Co. in (taflet und Hamwver; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; R- lein L Vogler in rta.M^Berlm,Leip. In ic; Rudolf Moffe strankfutt a. M. ic. macvev

'er unk Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilagezinftrirtes Lonntaasblatt" durch die Expedition (Koch'fche eichnunr Buchdruckerei) bezogen Mark, durch bie Postämter des Deutschen Reiches 2 «art 50 Pf,, lexl. Bestellgebühr) - JnsettionSgebübr fiir die gefnaltene firile 10 Bfe

Mr in der Expedition ,u -rtheilende Auskunft und Annabme von Adreffen werden 25 Pf,, berechnet.

daß DeustchlandS Macht und Einfluß dadurch nicht ge- in der orientalischen Politik maßgebend sein läßt, bann schwächt werben konnten. Selbst wenn Im 'weiteren Ver- verfolgt er in Wahrheit eine nationale Politik.

laufe bie Occupation der europäischen Türkei sich noth- wenblg erweisen sollte, wenn Rußland Bulgarien, Oester­reich Bosnien und Albanien, und Griechenland Theffalien und Macebonien erhalten sollten, so würbe bamlt baS Interesse DeutschlanbS in keiner Weise geschäbigt, benn dieser Zuwachs würde dadurch wieder paralistrt, daß sich Rußland und Oesterreich an der unteren Donau das Gleichgewicht hielten, außerdem sich aber auch vielleicht für Deutschland irgend eine Cooperation finden würde, wodurch eine solche Vergrößerung seiner Bundesgenosten ausgeglichen werden könnte. Aber auch wenn Deutschland seine Compcnsation durch eine Abtretung österreichischer oder russischer LandeStheile erhalten sollte, so ist schon die Verhinderung einer europäischen Conflagrativn und bie Be­festigung deS europäischen FriebenS an und für sich ein großer Gewinn für Deutschland, denn eS involvirt eine Störung seine« Einflusses und seiner Stellung in Europa. Deuschlanb würbe in seiner inneren Fortentwickelung nicht ausgcstört, währenb Rußlanb unb Oesterreich burch ben Zuwachs an Gebiet zu neuen Organisationen gezwungen würben. Mag nun aber bie orientalische Frage sich in ber Weise lösen, ba Reformen in ber europäischen Türkei eingeführt werden, ober den einzelnen Provinzen eine Anto» nomie verliehen wird, oder daß endlich die Türken aus

Ich habe gesagt, ich nicht, Gott, unser Herr, wird ich sage Euch, beweiset Gott der Allmächtige nicht die Un-

da« erweisen. Er wirb Jakob aus ben Banben ber Schmach j schuld meines Sohnes, so mag er bahin fahren unb ich

erretten und ihn fröhlich zu seinem Weibe zurücksühren." jmag ihn ferner nicht sehen."

MitleidSwürdiger Schwärmer," sagte der Präsident Der Einttltt eine« Diener«, welcher meldete, der Secre- J und zuckte die Achseln,ber das Kartenhaus seiner Hoff- tär de« Criminalgerichts und zwei Räthe erwarteten bie

nungett auf Unmöglichkeiten baut, Deine Täuschungen wer- Befehle de« Präsidenten, unterbrach dies Gespräch

den schnell und furchtbar verschwinden! Hier ist daS Ur-Laßt fie eintreten," rief dieser,und Du Jude halte theil, vollkommen rechtlich abgefaßt, vom Könige bestätigt Dich bereit, mitzufahren." '

unb reif zur Vollziehung. Heute noch wirb es Deinem'O, Herr," betete der Rabbi leise,laß Deinen Diener Schwiegersöhne bekannt gemacht und morgen steht er vor nicht zu Schanden werden, sondern führe ihn, wie Du dem Richter, an welchen Du ihn weisest."h#rK»i6»n nm..«.. ,...

Und ich sage Euch, Herr," nahm mit erhöhter Stimme, doch ober ruhigen Tones B n David das Wort,Ihr werdet dieses Urtheil dem Angeschuldigten nicht vorlesen, so wahr der Herr lebt! Euch werden die Schuppen von den Augen fallen und wa« Ihr jetzt Eure« Mitleid« werth achtet, wird Eure Anbetung fordern."

HOUS eilige Allianzen verhindert und den europäischen Krieg üiyei 'Usgehalten, benn ein localifirter Krieg kann nicht al« ein , J europäischer, unb al« eine Störung de« Gleichgewichts ' Ungesehen werden. Indem Deutschland bisher eine ver- ______nittelnde Stellung tingcnomircn hat, und Rußland unb