Einzelbild herunterladen
 

XL Jalrgaig.

Marburg, Sonnabend, 21. October 1876.

r. 2«8

VbcrhcUche Zeitung

age.

> und

i der

und

3fi;

Der Seher dsn EaSxieza.

(Fortsetzung).

6.

0.1

irtn, vtrd »ste» >ew» 2520

e und hnung

[2519

non* t und l und isen- »en, Ingen, >»ttz- ?t in iffer« iber* und

3c Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Di.' W. Bernhardt.

schuffeS werben nicht lange Zeit in Anspruch nehmen, da eS sich weniger um princlp eile Erörterungen als vielmehr darum handelt, die Majorität gegenüber den Beschlüßen der Reichstagskommission festzustellen.

erst überzeugt hat, daß alle diese Seitensprünge nicht» nützen, so wird ste schließlich doch klein beigeben. ES ist auch noch ein anderes Moment, welches den Ausbruch deS Krieges sür unwahrscheinlich erklärt; daS ist nämlich der vollständige Geldmangel auf den beiden gegnerischen Seiten; weder Rußland noch die Türkei besitzen die Mittel, um, einen großen Krieg zu führen und ste werden auch Nie* mand finden, der ihnen Geld leiht. Man sagt zwar, Eng. land sei entschlossen, der Türkei die nöthigen Mittel vorzu­schießen. Aber wir glauben nicht daran, daß die englischen Ccpitalisten dürften geneigt sein, ihr Geld weg zu werfen, wenn sie keine Garantie erhalten. DaS große Cityblatt hat denn auch schon einen solchen Garanten ge­funden, der den Capitalisten der City sehr angenehm sein würde und zwar Deutschland. Zufälligerweise aber hat, dieser keine Lust, die Garantie für die Türkei zu über­nehmen und der dritte im Bunde mit England und der Pforte zu fein, und davor werden die englischen Capitalisten sich wohl hüten, ihr Geld in diesen bodenlosen Sumpf zu werfen. Bei genauerer Betrachtung muß man die Situation deshalb viel weniger kriegerisch erklären, wie die Börse ste auffaßt. ES ist daher immer noch die Möglichkeit gegeben, daß trotz des allgemeinen Kriegslärmes, der Friede erhalten bleibt, wenigstens sind die Chancen für den Frieden noch ebenso bedeutend wie für den Krieg.

ra-eSdertcht.

Kaiser Wilhelm feiert bekanntlich am 1. Jan. 1877 fein 70jährige» militärisches Dienstjubiläum. S. M. hat nun auf jede- äußere Zeichen der Dankbarkeit, Hingebung u. Treue verzichtet und den Wunsch ausgesprochen, den Tag ohne Entfaltung eines größeren militärischen Glanzes ,u verleben. In Osfizierskreisen ist man deßhalb von der Absicht, dem Kaiser eine entsprechende Ehrengabe zu überreichen zurückgekommen; dagegen werden von sämmtlichen deutschen Regimentern Deputationen am 1. Januar in Berlin ein­treffen.

pelabgaben, sowie der Erbschaftssteuer, Aufhebung deS ChauffeegeldeS auf den Staatsstraßen) die Ausgabefonds im Ordinarium des Etats in immer fortschreitendem Maße reicher zu dotiren und zu einmaligen und außerordentlichen Ausgaben große Summen zur Verfügung zu stellen und dadurch, soweit es an der Bereitstellung der finanziellen Mittel liegt, die Verbesserung der Einrichtungen deS Staates und die Hebung der Wohlfahrt des Landes in umfassendster Weise zu fördern.

In der diplomatischen Situation hat sich seit gestern, wenig oder nichts geändert. Von Sensationsnachrichten, wie solchen, daß Rußland dem Fürsten von Rumänien die KönigSkrone zugesichert habe, braucht man keine Notiz zu nehmen. Die Lage ist übrigens recht unheimlich; der Ausbruch eine- wirklichen Krieges würde kaum schädlicher sein, als da- gegenwärtige „Hangen und Bangen." Hin­sichtlich Rußlands sind die Nachrichten sehr widerspruchs­voll. Nach der einen Angabe soll der russische Säckel bis auf den letzten Pfennig erschöpft fein. Nach der andern rüstet Rußland im großartigsten Maßstab, kaust Munition Lebensmittel u. f. w.

Der „Nordd. Allg. Ztg." wird von angeblich guter Seite aus Petersburg gemeldet, der Großfürst-Thronfolger wolle sich alsbald- von Livadia nach Wien, Berlin und London begeben, um bei den betreffenden Höfen und Ca- binetten persönlich für einmüthiges Handeln der Großmächte im Jntereffe eines gedeihlichen AustrageS der orientalischen Frage zu wirken. Nach allen Versicherungen ans Peters­burger Kreisen halte der Kaiser unverändert an dem Ent­schlüsse fest, in dieser Frage nicht isolirt vorzugehen und seine Allianzen nicht aufzugeben.

Die Börsen wittern schon den Krieg und sind von ben neuesten Nachrichten so empfinblich berührt, daß sich eine beträchtliche Panik aller Course bemächtigte. Unb dennoch schwankt die Wage noch durchaus hin und her und ist es keineswegs ausgemacht, daß der Krieg zwischen der Türkei und Rußland schon beschlossen ist. Auch von einem Kriege zwischen England und Rußland ernsthaft zu reden, ist bis heute noch keine Veranlaffung. England möchte wohl, wenn eS einen Partner fände, den Krieg gegen Rußland ent­zünden. Da eS aber überall, wo es anklopft, bis jetzt Körbe bekommm hat, und namentlich Deutschland seine Hand über dem Dreikaiserbündniß gehalten hat, so ist der KampfeSeifer in England bereits wieder verraucht. Aber auch von der Türkei ist eS kaum anzunehmen, daß ste große Neigung verspürt, mit Rußland den Krieg zu be­ginnen. Alles was über Schutz und Trutzbündniffe zwischen der Türkei und England berichtet wird, ist noch sehr zu bezweifeln. Die Türkei sucht eben ans alle mögliche Weise und namentlich durch diplomatische Kreuz» und Querzüge ihre Stellung zu verbeffern. Wenn sich die Pforte aber

leeren Augenhöhlen anstarrte. Entsetzt vor dem Schrecken der eigenen Gedanken sprang er auf, hielt sich die Stirn und blickte wild um sich. Er fühlte daö Wehen der gütige des Wahnsinns, die ihn urnrauschten; alle Gedanken, Em­pfindungen, Bilder, Ereignisse und Worte stoffen seltsam in ihm zusammen; es gab keine Vergangenheit mehr, die er dachte, sondern alles war Gegenwart, die geschah. Da stand ja sein alter, längst gestorbener Vater vor ihm, schüt­telte sein greises Haupt und drohte mit aufgehobenem Finger. Er sah seine Mutter, wie sie auf dem Kranken­bette lag und ihn segnete,. dazwischen grinzte Valky'S abscheuliches Gesicht und sang Spottlieder auf die Juden, und auch Rebecca fah er, wie sie die Hände rang und unter Thränenströmen das Haar raufte. „O, mein Weib," rief er, „mein Weib," und stürzte vorwärts, um sie zu er­fassen. Da fühlte er sich zurückgeriffen und viel vom Rucke zu Boden. Die Kette war die Ursache davon, deren Dasein der Unglückliche vergeffen und welche ihn nun an die Gegenwart mahnte. Der Fall auf die kalten Stein­platten des Kerkers brachte den Armen wieder zu sich. Er erhob sich und seufzte tief auf, die Anspannung seiner Seele ließ nach, der Wahnsinn, welcher in feiner furcht­barsten Gewalt vor ihn getreten war, erfaßte ihn nicht und ermattet setzte er sich nieder.

„O, Gott meiner Väter," seufzte er leise „was war das? Weh euch, die ihr meine arme Seele in Versuchung geführt, weh mir, der ich ihr beinahe erlegen!"

Ein heißer Thränensttom erleichterte wohlthätig die be­ängstigte Brust und bald übermannte den Ermatteten ein tiefer, erquickender Schlaf.

Als wollte der Schlummer bie Qualen des Leidenden

je länger, je mehr an, ja selbst der oft sehnsüchtig nach seinem Weibe gerichtete Gedanke diente nur dazu, den Wunsch in ihm zu befestigen, daß er bald aus den Pforten des Lebens herausschreiten möge, da alle Verzögerung dieses letzten Schrittes doch nur nutzlose Qual sei.

„O, wie schwach und nichtig," sprach er, „ist alle Menschenweisheit, wie lügenhaft und erbärmlich ist jeder Ausspruch des Rechts! Ein leerer Schein verdammt mich und die Schwäche des menschlichen Geistes ist unsähig, ihn als daS zu erkennen, was er ist. Aber so ist es überall, lauter Blendwerk umgiebt und führt uns von den ersten Jahren der Kindheit, bis in die letzten Tage deS Greifes. Blind rennen wir an der Wahrheit vorüber, weil ein wesen­loses Schattenbild uns äfft, das des AuffchauenS nicht werth ist, allein immer und immer wieder wird unsere Leidenschaft geweckt und genährt, aber niemals befriedigt. — Hier bin ich nun verlassen, von Allen unbebauert, als Mörber eines Unschulbigen verflucht. DaS Volk freut sich schon auf bie Hinrichtung; wie zu einem Schauspiele werben ste sich versammeln und, theilnahmloS bei den Qualen meiner Seele, zusehen, wie ich zuckend sterbe. Ein halber Tag später und Niemand bentt an bas, was geschah. Der Lärm beS Lebens, ber Drang bet Geschäfte, bie Plage beS Fortkommens, wischen allen Schrecken, allen Schauer beS Erlebten spurlos aus ber Seele. O, was ist der Mensch, baß seiner Du gebenkest, des Menschen Sohn, daß Du Dich seiner annimmst!"

Seine Gebavken verwirrten sich immer tiefer in bem ewigen Labyrinthe düsterer Betrachtungen, welche bem Leben eine Blüthe nach ber andern abstreiften, bis nichts blieb, als das tobte Gerippe, bas ihn, gräßlich grinzend, mit

»tief. 1021

1021

98i 971

94

1024 525 96*4

108

134

62

981

250

85

1164

47

139

95$

Deutsche« Reich.

«« Berlin, 19. Okt. Der jüngste politische Artikel bet „Ptov. - Cottesp." hat in ber Presse mancherlei Deu­tungen hetvorgerufen, bie einer Berichtigung bebürfen. DaS halbosstzielle Blatt geht von benselben Grundsätzen unb Begründungen aus, welche es von Anfang an in feinen Wahlartikeln entwickelt hat. Wie seht recht dasselbe in feiner scharfen AuSeinandethaltung der Fortschrittspartei und der nationaHibetalen Partei hatte, geht wiederum deut­lich aus der Candidatenrede deS Abg. Virchow in Magde­burg hervor, dieselbe ist sowohl dem Umfange als auch bem Inhalte nach in hohem Grade bedeutungsvoll. Vor allem ist die Offenheit anzuerkennen, mit welcher der genannte Abgeordnete die Ziele der Fortschrittspartei auf politischem und kirchlichem Gebiete bargelegt. In letzter Beziehung stnb Herrn Virchow alle bisherigen Maßregeln im „Cultur- kamps" nur Mittel zu weitergehenben antikirchlichen Zwecken, welche ben Staat aus ben Geleisen seiner Gesammtent- wickelung hinauSbringen sollen. Zu solchen Zwecken wird bie Regierung nie bie Hand bieten. Sicher befinbet sich bieselbe in dieser Beziehung in Uebereinftimmung mit der überwiegenden Mehrheit unseres Volkes, während Virchow mit seinem Programm die Bezeichnung als „Rabulist" be­gründet hat. UebtigenS dürfte der fortschrittliche Abge­ordnete mit seinen Forderungen in Betreff beS Unterrichts­gesetzes schwerlich eine Richtschnur für bie legislativen Ar­beiten im Kultusministerium geben unb Herr Falk wird

Die Beratungen, ber Reichsjustizcommission sind am Donnerstag zu Enbe gegangen, es wirb vor bem Wieder- zusammentritt beS Reichstag» keine Sitzung mehr abgehalten werben. Dagegen haben an bemfelben Tag im Justizaus- schuße deS BnndeSratheS die Beratungen begonnen. ES sind hierzu die Justizminister von Bayern, Sachsen und eine Reihe von Rächen aus den übrigen Staaten des Reichs in Berlin eingetrrffen. Die Beratungen des AuS-

Der Finanzminister hat, wie bereits erwähnt, einen Be­richt an Se. Maj. ben Kaiser unb König erstattet über ben Gang unb bie Ergebnisse ber preußischen Finanzver- Wallung in ben brei letztverfloffenen Jahren. Die in bie- fern Bericht enthaltene Gesammtüberstcht über bie Entwi­ckelung ber Finanzlage in den sechs Jahren von 1870 bis 1875 läßt erkennen, wie bie Staatsschuld sich vorn Schluffe des Jahres 1875 von 1,334,333,243 M. auf 919,409,505 M. b. t. um 414.923,738 M. ober um 31,io Prozent i vermindert hat, wie die von Preußen an baS Reich zu entrichtenden Matrikularbeiträge in diesem Zeitraum, nach einer Steigerung im Jahre 1871, von da ab stetig, nahezu um bie Hälfte ihres bamaligen Betrages, herunter- gegangen sinb, wie bie wichtigsten Einnahmequellen des Staates in ben Jahren beS höchsten wirtschaftlichen Auf­schwunges ganz außerorbentlich hohe Erträge geliefert haben, wie biefe Erträge bann zwar wieber zurückgegangen ftnb, aber doch am Schluffe biefet Periobe bei einzelnen Einnahmezweigen immer noch höher stnb, als sie am Anfang berfelben waren, wie endlich bie baburch gewonnenen rei­chen finanziellen Mittel berwenbet worben sind um, neben mannigfachen unb burchgreifenben Erleichterungen ber Steuerlast beS Landes (Ermäßigung ber Klaffensteuer, Er­mäßigung ber Gewerbesteuer für einzelne Klaffen von Ge- werbtreibenben, Aufhebung ber Schlacht und Mahlsteuer­unter Einführung ber Klaffensteuer in bie bis dahin schlacht- unb mahlsteuerpflichtigen Orte, Aushebung deS ZeiinngS» unb Kalenbeistempels, Ermäßigung anberer Stern-

M- r »• -Ih'-rd

Anzeigen nimmt entgegen: die «Heditton d. Blatte» sowie die Anno ncen-Burean$ von G L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jägerftche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Sete» ♦ menet in Berlin; Carl Schütz» ter in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Orf*tint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchenllichen Beilage „JlnstrirteS SonntagSblatt" durch die Spedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 34 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Seiche» 3 Kart 50 Psg. (ejl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfß.

Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Psg. berechnet.

2396

guten u er«

2522

Er schwieg unb starrte wiederum auf einen Punkt. Gein ganzes Leben ging an ihm vorüber, seine Kinberjahre, seine Jugend, seine Liebe zu Rebecca unb alle bie schönen tage bet Vergangenheit.

„O, meine geliebte Rebecca," rief er au», mein armes, arme» Weib! Wer wirb Dich trösten? Wer wirb Dein Stab fein in ber Verlassenheit, wenn ich nicht mehr bin? — O, wie buntel ist mein Geschick, keine menschliche Hülfe kann mich retten, ich bin verloren, ba» Spielwerk unb Opfer abscheulicher Bosheit."

. Er versank nach Hefen Worten immer tiefer in Trauer und empfand bie Oebe und Leerheit de» Dasein». Es bemächtigte sich seiner nach unb nach bie entsetzliche Em- pfindung, daß Alle» nur ein seelenloses, mechanisches Spiel sei, welche» nach unerforschlichen, unwanbeibaren Gesetzen dahin rauschte, theiluahmslos an ben Geschicken des Ein­zelnen. Die beiden Gedanken, daß sür ihn alle» Leben vorüber sei und der Tod mit seiner ruhigen GrabeSnacht ihn für immer nach wenigen schmerzlichen Augenblicken um­fassen und er nicht mehr da» Elend de» Leben» empfinden Werbe, traten schärfer und schärfer in seiner Seele hervor.

Er begann eine wahrhafte Todessehnsucht zu empfinden, er verwünschte die langsamen Minuten, bereu trüget Lauf da» Erreichen de» unfernen Zieles hinbette; ba» Leben »it seinen Freuden, Leiden und Ungerechtigkeiten elelte ihn

flmetgen nimmt entgegen: ' 60m »ttSAedMon d. Büttt* |«wie die Annoncen-Bureaux fx ton DH- Dietrich & Co . m fr kastel und Hannover; DH- ' * Dietrich in Frankfurt a- M , «asenstein & Vogler in ranffurt°.M.BellmLeip. ig, »Bin h ; Rudolf Moste lachen d> Berlin, Frankfurt a.M.rc-