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Marburg, Freitag, 20. October 1876.
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igste und klarst« überzeugt hatte, daß derselbe in all n
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W- Bernhardt. (Fortsetzung).
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So glaubt denn die Regierung sich in Wahrheit auf die breiteste Schicht der wahrhaft tonservativen und besonnen freisinnigen Bevölkerung stützen zu dürfen, um die Lö sung ihrer weiteren Aufgaben zuversichtlich ins Auge zu fasten.
Durch die Wahlbewegung geht ein Zug lebhafter Be- sorgniß in Betreff der nächsten wirthschaftlichen Entwickelung: so schwer aber der jähe Umschlag von dem vorherigen turzen Aufschwünge zu dem jetzigen Druck fast alle Schichten der Bevölterung betroffen hat, so ist doch baß Vertrauen »»erschüttert, daß „Preußens Könige ein tlareS Auge und ein warmes Herz für die Bedürfniste deS Landes haben," und daß die Regierung Sr. Majestät auch jetzt mit treuester Hingebung alles daran fetzten werde, das Land, soweit es im Bereiche staatlicher Fürsorge liegt, durch die augenblicklichen wirthschaftlichen Nothstände, so Gott will, zu neuer gewerblicher Blüthe hindurchzuführen.
Auch dazu aber ist vor Allem nöthig, daß die Landes Vertretung in ihrer Mehrheit aus Männern bestehe, die, fern von allem schroffen Parteiwcsen entschlosten sind, in wahrhaft vertrauensvollem Zusammenwirten mit der Regierung das Wohl und Gedeihen deö Landes zu fördern.
Mögen die Wähler hierauf schon bei der Wahl der Wahlmänrzer entschieden ihr Augenmerk richten. (Pr Cor.)
i, Zm- treisen unter dem Nachhall der Verhandlungen über die (401 streiSordnung noch die stärksten Bedenken gegen den be-
Unter solchen Umständen schien der Rath JakobS, daß selnrich die Nacht bei ihm bleiben, und sich durch die Arten zurückgeleiten lasten solle, auffällig, und der Ge- anke, daß letzteres namentlich wohl überlegt geschehen sei, kwann durch die Aussage deS Burschen, welcher dem Er» ivrdeten zum Führer gedient hatte, hohe Wahrscheinlichkeit. llS dieser nämlich mit Heinrich an einen hohen hölzernen Steg gelangt war, welcher über einen Graben führte, der en Garten deS Juden von einem benachbarten trennte,
onnenen Aufbau der Selbstverwaltung zu Tage traten, l inzwischen durch die praktische Theilnahme an den neu eschaffenei» Einrichtungen der Gegensatz größten Heils übermüden und eine freudige Bereitwilligkeit zu lebendigem Kitwtrken neu belebt worden.
Auf der andern Seite ist wett hinein in die liberalen Helfe durch die positiv schaffende Arbeit, an welcher sie in Gemeinschaft mit der Regierung betheiligt waren, eine Abwendung von dem früheren bloß kritischen Wesen, ein post' v staatliches Jnterrffe und ein praktisch ernster Sinn zur Geltung gelangt, welche ein weiteres ernstes Zujammen- oirken mit der Regierung verbürgen.
Zahlen bloß um die Ausübung eines Rechts, so hätte der Einzelne es vor sich allein zu verantworten, ob er von emjelben Gebrauch machen will oder nicht; aber neben
Noch vor wenigen Tagen hatte es den Anschein, als ob Oesterreich Rußland feindlich gegenüber treten wolle. Kaiser Franz Joseph hatte den Brief deS Kaisers Alexander, in welchem dieser Oesterreich zur gemeinsamen Intervention in Bosnien und Bulgarien aufforderte, ablehnend beantwortet. Man wollte dann ein Anzeichen erblicken, daß Oesterreich an England anlehne und entschlosten fei, die russische Aktion in der Türkei zu verhindern. Indessen hat eS sich bald genug gezeigt, daß diese Austastung der Situation eine voreilige sei. Ocsterreich hat die Folgen seines Verhaltens in den Jahren 1853—56 schwer genug gebüßt, um noch einmal in denselben verhängnißvollen Fehler zu fallen. Eine Anlehnung an die westliche Allianz ist schon- deshalb unmöglich, weil eine solche überhaupt nicht besteht; denn Frankreich hat aufs bündigste erklärt, sich in der orientalischen Frage durchaus neutral verhalten zu «ollen und am allerwenigsten mit England gemeinsame Sache zu machen. England aber vermag Oesterreich nicht glänzend zu unterstützen, so daß Oesterreich alsdann allein mit Rußland zu kämpfen hätte. Die Gefahren einer solchen Lage haben sich sofort dem Kaiser von Oesterreich aufgedrängt, und sie sind noch dadurch verstärkt worden, daß Gerüchte von einer Allianz zwischen Italien und Rußland anstauchten, die ihre Spitze gegen Oesterreich richteten. Wenn nun auch diese Gerüchte ohne Zweifel übertrieben sind, so wird doch die Haltung Italiens und die mit Rußland übereinstimmende Ablehnung des sechsmonatlichen Waffenstillstand^ anerbietenS der Pforte jedenfalls das Nachdenken der österreichischen Regierung erregt haben. Oesterreich könnte sich demnach durch eine feindliche Haltung gegen Rußland zwischen zwei Feuer begeben und schließlich für feine Freundschaft mit der Pforte die Zeche bezahlen. Unter solchen Umständen ist eS natürlich, daß Oesterreich seine Augen nach Deutschland gerichtet hat. Würde sich Deutschland bereit erklärt haben, mit Oesterreich gegen Rußland aufzutreten, so würde dadurch Oesterreichs türken - freundliche Politik unterstützt worden sein. Nun ist aber wohl kein Zweifel darüber vorhanden, daß Deutschland sich auf die Seite Rußlands gestellt hat, gleichzeitig aber auch Oesterreich über die Absichten Rußlands vollständig beruhigt hat. Seitdem in Wien von deutscher Seite die Zusicherung ge. geben worden ist, daß Rußlands Absichten durchaus nicht egoistisch seien und daß für den Fall, daß dennoch «ine Veränderung in der Türkei sich als nothwendig erweisen sollte, Oesterreichs Jnterrffe unbedingt in erster Linie zur Berücksichtigung gezogen werden solle, ist ein wesentlicher Umschwung in der österreichischen Politik bemerkbar. Oester« reich opponirt jetzt dem russischen Vorgehen nicht mehr und läßt in allen osficiöseu Organen demonstrativ erklären, daß eß von dem Kaiserbündniß unter keiner Bedingung zurück treten werde. Rußland hat demnach einen hervorragenden
®n für Anzeigen nimmt entgegen: «erwöge Pie E^edttion d. Blatte!,
Der Seher ku CoSnicza.
Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Bolksleben von Dr.
rage»b«rtcht
Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht folgende kaiserliche Verordnung: „Wir Wilhelm von Gottes Gnaden deutscher Kaiser und König von Preußen rc. verordnen auf Grund des Artikels 12 der Verfassung des deutschen Reichs, im Namen deS Reichs, waS folgt: Der Reichstag wird be- rufen, am 30. Oktober dieses Jahres in Berlin zusammen» zutreten, und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zwecke nöihigen Vorbereitungen. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem kaiserlichen Jnstegel. Gegeben Baden-Baden, den 16. Okto ber 1876. gez. Wilhelm, gez. Fürst v. Biömarck."
Im JustizanSschuffe des BundeSrathes beginnen am 19. d. M. die Berathungen über die Relchsjustizgesetze. Eine Vereinbarung über die bestehenden Differenzpunkte dürste in den Berathungen der Kommission kaum mehr zu erzielen sein. Dieselbe dürfte vielmehr den Plenarbera- thunge« deS Reichstages Vorbehalten fein.
Im Kultusministerium Ist der Entwurf einer evangelischen Kltchenversaffung für Schleswig-Holstein ausgearbeitet worden, welcher zur Zeit dem Staatsministerium zur Berathung vorliegt Möglicher Weife wird er schon dem im November er. zusammentretenden Landtage der Provinz Schleswig Holstein vorgelegt werden.
1,50 b 00 I.
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nn tieferen Garten nach der Wohnung zueilen. Bei Er- ffnung der Geldkatze fand man in derselben auch beß Er- b- «erbeten Uhr mit Kette unb Petschaft, unb in einer Ecke _ B* h Viergroschenstück. Als man hierauf zur Untersuchung X) hfl. kS Beutels schritt, nachbem man sich zuvor auf das sorg»
' ielmehr die Einsicht unb bet Patriotismus ber angesehenen lürger sich wirksam geltenb zu machen suchen.
Die Regierung unseres Königs, welche bei ber Durch» lhrung ihrer Absichten für baß Wohl des Volkes wesent- , ch von ber Unterstützung ber Landesvertretung abhängt, inß Angesichts der neuen Wahlen bringend wünschen unb «trauen, daß alle biejenigen im Lande, welche mit ihr ine feste unb besonnene weitere Entwickelung auf dem -runde einer zugleich konservativen unb freisinnigen Politik rstreben, thatkräftig in die Wahlbewegung eintreten, nm )r in dem künftigen Abgeordnetenhause eine sichere Stütze l verschaffen.
Die Regierung glaubt sich zu solchem Vertrauen mehr lS je berechtigt, well die Erfahrungen ber letzt verflossenen ahre in ekler Beziehung geeignet waren, manche frühere egensätzliche Auffaffuugeu unb Bestrebungen abzuschwächen
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaup von Ä. L- Daube & So. in Frantfurt a. M : Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete» meyer in Berlin; Carl Schütz» ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.
iem Rechte unb Interesse des Einzelnen steht die Pflicht ür das Gemeindewohl, welcher sich kein gewiffcnhafter Mann . ntziehen darf. Je freier baß Staatswesen, je allgemeiner
>te Wahlberechtigung ist, besto größer ist bie Gefahr für le gemeinsamen Volksinteressen, wenn bie Entscheidung bei >en politischen Wahlen dem Zufall ober ben Einwirkungen er politischen Parteileidenschaft überlassen wirb, wenn nicht
ber angevrohten Folter ankvmmc» zu lasten. Als daher jedes gelindere Mittel erschöpft und die Unbengsamkeit beß Beklagten immer mehr ben Schein einer trotzigen Verstocktheit annahm, so glaubte man, ben damaligen RechtSgrund- sätzen zu Folge, zu bem letzten Mittel, baß GestSnbniß zu erpressen, schreiten zu müffen unb spannte ben Juden auf die Folter. Lange hielt der Unglückliche bie ihm bereiteten Qualen auß, allein endlich erlag er ben Schmerzen. Er bat, man möge ihn loslasten, er wolle gestehen und be»- «kannte sich nun unter tausend Thränen zum Mörder des erschlagenen Heinrichs. Er gab an, wie er, geängstigt durch die wiederholten Drohungen des Starosten, gleich bei dem Eintritte Heinrichs und AntonS den Gedanken zum Morde des einen von beiden bei günstiger Gelegenheit ge- faßt und um so leichter festgehalten habe, als der Spott des lahmen Valky, das Beifalljauchzen ber versammelten Gäste zu bem von diesem angeftimmten Liede, seine Seele von neuem mit tiefem Zorn gegen bie Christen erfüllt habe. Die gleichzeitig erhaltene Aufforderung, zum Starosteü zu kommen, habe ben Vorsatz, ba er den Zweck des ihm zugekommenen Befehls gekannt, zum festen Entfchluste gereift. Absichtlich fti er, ohne bem Vichhänbler, ber eben auf baß Schloß gewollt, feine Begleitung anzubieten, burch bie Gärten gegangen, habe baß Beil, weicheß er ber Küche entnommen, auf bem Hinwege in bem Gebüsche versteckt und bann wohl bedacht dem Viehhändler gerathen, feinen Rück« weg gleichfalls durch die Gärten zu nehmen. Ais er den Burschen mit dem Lichte erblickt, habe er in seinem Versteck über fein Thun und Lasten geschwankt, als dieser aber verschwunden, sei ihm sein voriger Entschluß wiedergekommen, er sei hervorgesprungen, habe ben Trunkenen getßötet, ihm bie Gelbkatze abgerissen, ben Leichnam in ben Back- Ofen gesteckt unb das Beil in ben Schnee vergraben.
Dies war baß Geständniß, welches der arme, von Fol»
^scheint t6glich außer ben Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen I j die Srvedition (Rodrtebe
ffflr rn der Sxpedrtron zu ertherlende Auskunft und Annatzme von Adressen werden 35 Pf,, berechnet.
«Meiden. Als er endlich gar nichts mehr vernahm, faßte r von neuem Muth, kroch mühsam ouß bem Graben »por unb sah nur noch eine dunkle Figur, in welcher er fclob zu erkennen glaubte, mit schnellen Schritten auß
Daß Abgeordnetenhaus ist durch Allerhöchste Verord- he ar >ung aufgelöst worden, damit noch vor der bevorstehenden ihr je Reichstagssession die Wahlen zum neuen Abgeordnetenhaufe pattfinden können.
Das preußische Volk steht somit vor der Ausübung seines Hchsten politischen Rechte», zugleich vor der Erfüllung feiner öchsten öffentlichen Pflicht. Handelte es sich bei den
feinen Theilen vollkommen unverletzt geblieben fei, fand man in demselben genau die von Anton vorher angegebene Summe. Die Goldrollen waren, wie sich schnell außwieS, sämmtlich mit Heinrichs Petschaft wohl versiegelt, unb an bem Silbergelbe, worunter sich auch bie Mebaille auf ben westphLlifchen Frieben botfanb, fehlten gerabe jene vier Groschen, welche in ber Eile, bem Mörder unbewußt, in der Geldkatze zurückgeblieben waren.
Alle diese Anzeichen verschlimmerten JakobS Sache gar sehr. Vergebens warf sich der Arme vor seinen Richtern nieder, umfonst beschwor et seine Unschuld unter tausend Thränen; man drang immer heftiger in ihn, zu gestehen Durch ein auf das bündigste abgesaßteS ärztliches Zeugniß erwies der Starost vollkomm n die natürliche plötzliche TodeSart feines Dieners Valky, gerade an jenem verhängnißvollen Abend, und in ähnlicher Weise rechtfertigte er sich wegen der allerdings auffallenden Maßregel, ben Gelbsack umgekehrt zu haben, so vollkommen, daß ber leise Schatten, welcher burch beibe Umstände wohl auf ihn hätte fallen können, gänzlich verschwinden mußte. Alles bie» befestigte bie Richter in ber Meinung, ber Verbrecher weigere nur halsstarrig, ohnerachtet aller fo klar gegen ihn sprechen- ben Beweise, das Geständniß, unb man drohte ihm daher mit ber Folter, im Falle er nicht gutwillig bekennen wolle. Da Jakob dennoch standhaft blieb, so schritt man zur Aus sührung des DrohworteS.
Der Scharfrichter führte den Unglücklichen in die Folterkammer, unb zeigte ihm alle jene furchtbaren Instrument', welche ber menschliche Scharfsinn erfunden hatte, die Verbrecher zu peinigen, während er den Gebrauch unb bie Wirkung bt ff eiben mit grausamer Weitläufigkeit schilderte.
Auch dies erschütterte den Gefangenen noch nicht, er blieb bei ben Verheuerungen seiner Unschuld, obwohl ihn der Richter nochmals ermahnte, es nicht auf bie Vollziehung
?xtor (2254
Holzfen in [2511
Befiel
m.
i Gra-
)ar er ouflgeglitten und in ben sehr tiefen, hartgefrorenen traben gestürzt, wobei bie Laterne, welche er in der Hand rag, zerbrach unb baß Licht in derselben verlosch. Der 75 b. «füg« Sturz hatte ihn eine Zeitlang ber Besinnung be- ObUg. aubt, unb als er sich endlich wieder erholte und aujrich- — g. rtf, hörte er mehrere Male von Heinrichs Stimme die • Sorte: „Hülfe — verruchter Jude — he, Packan, faß!" i,2ob. tot Plötzliche Furcht, die ihn anwandelte, hieß ihn nun ,75 d. I>e geraume Zeit hindurch still sitzen und jedes Geräusch » b. - - - '