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Marburg, Mittwoch, 18. October 1876.

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Die Abgesandten der bulgarischen Nation, die gegen« te&itig in England weilen, sind beide Schriftsteller. Zan- ftos ist der Verfasser einer Geschichte BulgarimS und auch einer bulgarischen Grammatik, die auf den Rath von Miklosich in deutscher Sprache herauSgegeben worden ist. n Konstantinopel, wo er Professor der bulgarischen Sprache

Die .Time»" glaubt, e« hänge von dem Fürsten Bis­marck ab, die Welt vor einem furchtbaren Kriege zu retten, und wünscht, er möge seine Macht gebrauchen. Deutsch­land möge erklären, eS erlaube Rußland nicht den Besitz der Donau und der slavische Enthusiasmus werde sich legen. Im Weiteren befürwortet das Blatt ein Bündniß zwischen Deutschland und England zur Vornahme nöthiger Aende- rungen in der Türkei. Wir hoffen jedoch, daß Fürst Bis» marck seine Macht nicht gebrauchen wird, jedenfalls nicht, ohne zu bedenken, ob der Gewinn den Einsatz werth ist. Deutschland hat kaum ein Jntereffe, die Donau nicht in

den modernen gordischen Knoten mit seinem Schwerte durch- naefteD^eueiL Die Lösung der orientalischen Frage wird früher oder später doch einen blutigen Krieg herbeiführen. Man

die Hände Rußlands gelangen zu lasten. Die Christen in dm türkischen Provinzen werden sich unter russischer Herr-

Kabinette zu lebhaften und energischen Schritten in Kön stantinopel einzuladm, um von der Pforte mindestens eine vierwöchentliche Waffen»Ruhe zu erlangen, damit den Mächten Zeit zur Verständigung unter einander und zur Bildung einer Konferenz gegeben werde. In Folge dieses englischen Vorschlages sind von den Ver­tretern aller Mächte neue Anstrengungen in den letzten Tagen gemacht worden, um vor allem die Pforte zum Zugeständniffe eines Waffenstillstandes zu bringen. Die Konferenzfrage soll zwischen den Kabinetten erst nach zu- gestandenem Waffenstillstände gründlich verhandelt werden; aber schon , jetzt geht aus den zwischen England und Frankreich ausgetauschten Ansilten hervor, daß eS sich nicht um eine regelrechte Konferenz handeln würde, welche in einer europäischen Hauptstadt o er einer neutra­len Stadt zusammentret n, aus den Ministern der aus­wärtigen Angelegenheiten bestehen und die orientalische Frage in ihrer Gesamtheit erörtern sollte. Man hat sich in London und in Paris darüber Rechenschaft gegeben, daß die Idee einer Konferenz in diesem weiten Sinne unüber- steiglichen Hindernisten begegnen würde. Deuischland ist beständig dagegen, Oesterreich scheint nicht günstiger dafür gestimmt und Rußland würde sicherlich die Ausschließung der Türkei verlangen. England vielleicht auch andere Mächte würden schwerlich dieses russische Verlangen accep tiren und dies würde genügen, um die Konferenz in diesem Sinne zum Scheitern zu bringen. Man denkt demnach auch nur an eine engere Konferenz und zwar an eine solche der Botschafter in Konstantinopel, welche im be­ständigen Kontakte mit der Pforte bliebe und sich speziell nur mit der Reformsrage und der Gaiantiefrage befassen würde. Solche Konferenzen haben schon zu wiederholten Malen mit Erfolg in Konstantinopel stattgefunden. Mit- theilungen in diesem Sinne sind ganz zuletzt von Paris und London dem Wiener Kabinette gemacht worden, ,um dessen Bedenken und wahrscheinlichen Einwendungen zu begegnen." >; ..

am kaiserlichen Lyceum war, wurde er auch im Preßbureau beschäftigt. Balabanof ist der Verfaffer vieler Dokumente, die auf das Exarchat von Bulgarien, besten erster Sekretär er gewesen, Bezug haben, und er war auch der Redakteur eines politischen Journals, des'Viel" oderZeitalter" betitelt, welches vor einigen Jahren in Konstantinopel in bulgarischer Sprache erschien.

Was die militärischen Kräfte Montenegros betrifft, so belaufen sich diese auf 21,800 Mann. Seit Beginn des Krieges sind 2200 Mann thcils gefallen, theilS durch Ver- wundung kampfunfähig geworden. Um diese Lücke auSzu- stllen, hat der Fürst Jünglinge von 15 und 16 Jahren zu den Waffen berufen. Die Armee ist so eingekeilt, daß gegen 11,000 Mann dem Mukhtar Pascha gegenüberstehen und nicht ganz so viel, aber durch 2000 Insurgenten ver­stärkt, dem Derwisch Pascha den Weg in das Cettinjer Thal versperren. Dieser Tage erwartet man an beiden Seiten entscheidende Kämpfe. Im türkischen Lager von Risch verlautet, der unfähige Abdul Kerim Pascha werde demnächst abberufen und durch Ali Saib ersetzt werden. UebrigenS ist man dort sehr kriegerisch und wünscht lebhaft einen Krieg mit Rußland. Der 20,000 Mann starken Timokarmee soll nach demR. W. T." die Rolle zuge­dacht sein, in einem Kriege mit Rußland durch Occupation der Donaulinie Radujevac Kladowa zu verhindern, daß russische Truppen über Rumänien nach Serbien einbringen.

Hebet die diplomatischen Vorgänge der letzten Zeit bringt diePol. Corr." in einem Pariser Briefe vom 11. o. M. eine Nachlese, der wir Folgendes entnehmen:Fürst Gortschakoff, in Kenntniß deS Inhalts der türkischen Ant wort (auf die Friedensvorschläge der Mächte) und ebenso auf telegraphischem Wege von dem Ergebniste der Mission deS Generals Sumarokoff bereits unterrichtet, hat unter dem 3. Oktober an alle russischen Botschafter eine Depesche gerichtet, welche den Zweck hatte, die Mächte einzuladen, der Türkei einen zweimonatlichen Waffenstillstand aufzu­erlegen («imposer» lautet der authentische Ausdruck), um den Mächten Zeit zur BerstSnoigung über die weiter zu verfolgenden Schritte zu geben. In dieset Depesche bean- tragt« Fürst Gorischakoff keine Konferenz und erwähnte der- eiben nicht einmal mit einem Worte. Einige Stunden nach dem Eintreffen, und wahrscheinlich in Folge dieses TelegrammeS des russischen Kanzlers, machte Graf Derby einen ähnlichen Schritt, wobei er aber die russischen Aus­drücke modifizirte. Er expedirte eine Depesche, um die

stand. Aus dem Walde traten zwei dunkle Gestalten deren eine auf dem Haupte eine Flamme trug, hervor', welche beide auf ihn zuwanderten. Doch verschwand die mit der Flamme bald wieder, während die andere sich lang­sam näherte. Plötzlich fuhr aus dem Busche, neben dem Greise, ein Wesen hervor, das mit gelungenem Beile auf die herannahende Gestalt losstürzte und diese, welche einen dumpfen unartikulirten Schrei auöstieß, lachend nie verschlug. Entsetzt wandte sich der Greis ab, fuhr ober erschrocken zurück, als er von einer scheußlichen Gestalt, deren Glieder flüssiges Feuer schienen, angegriuzt ward. Kleine heimtückische, schief geschlitzte Augen blinzelten ihm aus einem pockennarbigen G> sichte mit breitgeschlagener Nase und struppigen Haaren entgegen. Die Figur war mit einem alten Pelze bekleidet, der die Höcker auf Brust und Rücken bedeckte und trug in der rechten Hand ein altes Fletschetbeil.Komm mit mir," heulte die Gestalt hervor und grinzte dabei entsetzlich,ich will Dlr's zeigen." Bei diesen Worten fühlte sich der Geels gepackt und blitz­schnell in die Höhe gehoben. Er fühlte, daß er durch die Luft flöge und blickie unter sich; da lag ruhig und still ein kleines Städtchen unter ihm, über das er hinwegflog, bann kam ein Tannenwald und er stand mit einem Mate

lugen, au» denen im wunderbarsten Vereine der furchtbare dmst, kindlich unschuldvolle Heiterkeit und tiefe gottbegei-

LageSdericht

Wie sich Vorhersagen ließ, hat Rußland den von der Türkei vorgeschlagenen ömonatlichen Waffenstillstand abge­lehnt. Man hat in St. Petersburg den türkischen Vor­schlag als einenSchachzug" gegen Rußland aufgefaßt; wir können in der impertinenten Naivetät, mit welcher die Pforte vorging, nur eine Beleidigung für alle Mächte fin­den. Die Haltung Griechenlands, d. h. vorläufig des griechischen Volkes wird täglich bedrohlicher; die Städte eröffnen Subskriptionen für die Bewaffnung des Volkes, und es sollen fich auch bereits Banden von Bewaffneten gebildet habe«.

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Deutsche» Reich.

Berlin, 16. Ott. Heber die Frage, in wie weit bei äng-rer Abwesenheit im Sinne deS § 13 des RelchSge- efcc« vom 6 Juni 1870 eine Fortsetzung des Aufenthalts angenommen werden könne, hat sich das Bundesamt für das Heimathwesen durch Erkenntniß vom 16. September 1876 in Sachen Frtedeberg R./M. wider Potsdam dahin ausgesprochen: Obgleich nach § 13 deS Reichsgesetzes vom

»Isaac Ben David," begann jetzt die Erscheinung mit einer Stimme, majestätisch sanft wie Orgelton,ich bin zu Dir gekommen, weil Du ein rechter Israelit bist, ohne Falsch-"

DemuthSvoll sank der Rabbi auf die Kniee und fragte: Herr, wer bist Du?"

Mild lächelnd antwortete der Mann:Erkennest Du mich auch nicht im Fleische, wirst Du mich doch dereinst gläubig schauen. Ich bin mit Dir. Antworte mir nun. Willst Du Deine und der Deinen Zukunft schauen, oder in die Vergangenheit zurückblicken?"

Herr", antwortete der Greis, die Zukunft steht in der Hand des Herrn, meines GotteS, er wird mich und meine Kinder wohl leiten und ich mag sie nicht zuvor kennen. Auch meine Vergangenheit ist meiner Seele gegenwärtig, so daß ich keiner Erinnerung an dieselbe bedarf. Aber, was meine lieben Kinder machen, o Herr, wie sich deren Geschick gestaltet hat, dies zu roiffen, wenn eS sein könnte, wäre mir wohl angenehm."

ES sei Dir gewährt," erklang e» mit wunderbarem Tone auS dem Munde des Mannes,tritt her, daß ich Deine Augen berühre."

Der Greis trat näher, leise berührte die Gestalt seine Augen Und verschwand. Nun befand sich bet Rabbi wieder allein, Dunkelheit der Nacht umgab ihn. Mühsam erkannte er nach und nach die Gegenstände. Er war in

vor den Thoren eine« ungeheuren Gebäude-, übet welchem in Flammenschrift Schloß Ostrowo stand. Neben sich sah er die unheimliche Feuergestalt, welche heufte:Hier, hier wohnt er," daS Beil ergriff und so donnernde Schläge gegen das verschloffene Thor that, daß der Greis heftig zusammen fuhr und erwachte.

Herr, mein Gott," tief er entsetzt und sprang vom Lehnseffel auf,was bedeutet mir das? Wo bin ich?

Mühsam faßte et sich und halte kaum seine Sinne so weit gesammelt, daß er das tief eingebrannte Licht ergreifen und in fein Schlafgemach gehen wollte, als die ferne Thurm- uhr des Ort« in langsamen Schlägen durch die Stille der

Injeigen nimmt entgegen: die Spedition b. Blatte» sowie die Annoncen-Burraux von @ L- Daube & 6o. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Siete» menet in Berlin; Carl Echüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Der Sehe, in CsSttieza.

Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Ur.

W Bernhardt- (Fortsetzung). Der GreiS überließ sich bald, nachdem Benjamen sich mtfernt hatte, wieder dem Spiele seiner Gedanken.Die

sterie Welßheit hervorstrahlten, bildttm ein Antlitz, deffen ' einer ihm gänzlich unbekannten Gegend. In der Emser- wundersame Züge der erstaunte Greis nicht ohne die tiefstes nung lag ein dunkler Nadelholzwald und er sah daß er Ehrfurcht und innigste Liebe zugleich betrachten konnte, in einem mit dichtem Buschwerke besetzten Baümaarteu Mit Verwunderung sah der Rabbi, wie das Helle, aber'-'------ - -

milde Licht, welches die ganze Hütte durchleuchtete, von der Erscheinung auöging, die vor ihm stand und ihn mit tigen Blicken betrachtete. Er wagte eS, schnell umher zu blicken und sah in der entferntesten Ecke deS Zimmers, worin er sich befand, seinen Schwiegersohn, bleich und entstellt unbeweglich am Erdboden liegen und neben ihm, Jammerthränen vergießend, mit gerungenen Händen, Re­becca.

BHDschast sicherlich besser befinden, al« unter der türkischen ___ Tyrannen- und Paschawirthschast. Mißgönnt England dem MI russischen Reiche die Herrschaft über Asten, so möge eS

, 70, l»iietgen nimmt entgegen:

* ' Me Expedition d. Blatte«,

fotnie Me Annoncen-Bureaux von LH. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a. M.; roe Haasenflein & Vogler in Mr. Franffurta. M, Berlin, Leip, zig, Cöln ic; Rudolf Moste tz« Qnl in Berlin, Frankfurt a. M. ic

vi ! & r ii r i\ eil wAvf KurA ki. 03-- k.» JL.irx!? ttiöchenttichen S^cilagt ,,3«u|trtrte6 ConntagOlatt durch die Expedition (Koch'sche

Buchdruckerei) bezogen t\ «mck, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 «art 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr) - Jnsettion^ühr str die gehaltene Zeile lO Ps. *

Sflt tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,. berechnet.

ittne gute Rahel" seufzte er,ihre Befferung war nur Sie nähert sich dem Grabe täglich mehr und ^ vielleicht trägt die Entfernung von den Kindern, an denen tosOe |fo sehr hängt, nicht wmig dazu bei. Sie wird uns Ewvhl bald verlassen und Friede fei mit ihrer Seele.

Unter solchen Gedanken beschlich dm alten Mann der iO2l®t^umner und bald umgaukelten Träume den Schlasen- 57 den. Er befand sich im dunkeln Walde, ein scharfer Wind «Ohuob ihm heftig mtgegm und schlug Ihm den Schnee 103 gewaltsam in das Gesicht. Mit Mühe stemmte er fich

"hegen das Unwetter und blickte vergebens nach einem Ob- ^dache, welches ihm Schutz gewährm könne, umher. Plötz 250 iich stand et vor einer Hütte, die et, als einen willkomme- 86 Ren Zufluchtsort, öffnete und hineintrat. Sie wat ganz ^^sstnster, so daß et nichts erkennen vermochte, allein eine ihm bekannte Stimme rief Ihm zu,was suchst Du hier?" Während et sich nun noch besann, wessen Stimme ihn wohl augeredet habm möge, sah er auf einmal weit in der Ent- letnung vor sich, ein kleine« Helle« Licht, welches mit Blitzesschnelle auf ihn zu kam, und als er sich erinnerte, t.12- °äß e« Jakobs Stimme fei, welche zu ihm gesprochen, 12»,-stand plötzlich ein schönet großer Mann vor ihm, in einem 1 Weißen idealm Gewände mtt scharlachrothem Uebertoutfe. 4,4'3u langen schönen dunkelbrannm Locken floß das geschei» lckte Haar aus die Schultern herab, ans der hohen ernsten, doch milden und heitern Stirn thronten Weisheit und Liebe, kitt schöner kleiner Mund, der hinreißende liebevolle Beredt- wttfeit verkündete, eine edelgeformte Nase und große braune

15 __jgehe jetzt daran und befreie Europa von dem lästigen Alp,

»et den Aufschwung des Handels lähmt. Will England M. 90 ft* dem deutschen Reiche ein Bündniß schließen, sei es zum ?. 230 oder Trutz, so frage man, was man uns bietet.

' Deutschland ist nicht der Don Quixote, der für die Ideen resGleichgewichts" oder gar für die Interessen Englands , /zu Felde rückt.

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