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Marburg, Dienstag, 17. Oktober 1876.

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Hastigen nimmt entgegen: die «Leditton d. Blattes sowie die Amwncen-Bureaur von ®. L- Daube & To. in Stanlfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Arankfutt a. M.; Jnvalidendanl, Ä- Stete« meyer in Berlin; Earl Schütz« ler in Hannover; T. Schlotte in Bremen.

Inietgen nimmt entgegen: die GÄedittvn d. Blattes, sowie die Amwncen-Bureaux von Lh. Dietrich & To. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein L Bögler in Kranttutt a. M, Berlin, Leip« rig, Töln k ; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. rc-

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Stfdbeint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirtes Lonntagsblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen LH Mark, durch die Postämter bei Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (exl. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Kür die Urwähler lassen wir in Folgendem diejenigen Paragraphen der Wahl- Verordnung vom 30. Mai 1849 resp. des Wahlreglements vom 10. Zull 1870, auf die es bei der Wahlmänner Wahl zunächst ankommt, ihrem Wortlaute nach zugleich mit den nölhigsten Erläuterungen folgen."

(Wahlverordnung vom 30. Mai 1849) § 8. Zeder selbständige Preuße, welcher das 24. Lebensjahr vollendet und nicht den Vollbesitz der bürgerlichen Rechte in Folge rechts kräftigen richterlichen ErkenntnisieS verloren hat, ist in der Gemeinde, worin er feit 6 Monaten seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat, stimmberichtigter Urwähler, sofern er nicht aus öffentlichen Mitteln Armen-Unterstützungen erhält.

Um die Eigenschaft als Urwähler zu besitzen, wird also nicht, wie meistens fälschlich angenommen wird, die Zahlung eines gewisicn Steuersatzes oder überhaupt irgend einer Steuer verlangt. Ferner ist auch die Führung eines eigenen Hausstandes nicht als Bedingung zur Ausübung des Wahlrechtes anzusehen, so daß jeder Dienstbote eben so wie beispielsweise ein 24jähriger, aber noch unter väterlicher Gewalt stehender Sohn wahlberechtigt ist. Zeder Arbeitgeber ist übrigens gesetzlich verpflichtet, seinen Arbeitern oder Dienstboten die freie Zeit zur Ausübung des Wahlrechts zu gewähren. Selbständig ist Zeder, der einen eigenen Erwerb hat und nicht durch richterliches Erkenntniß in dem versügungSrechte über sein Vermögen beschränkt ist. Zm Besitz der bürgerlichen Rechte endlich ist Jeder, der sie nicht durch rechtskräftig gewordenes Strafurtheil verloren hat.

§ 12. Die erste Abtheilung besteht aus denjen gen Urwählern, auf welche die höchsten Steuerbeträge bis zum Belaufe eines Drittheils der Gesainmtsteurr des Urwahlbe­zirks (§ 10) fallen.

Die zweite Abtheilung besteht aus denjenigen Urwählern, auf welche die nächst niedrigeren Steuerbeträge bis zur Grenze des zweiten Drittheils fallen.

Die dritte Abtheilung besteht au- den am niedrigsten besteuerten Urwählern, auf welch« das dritte Drittheil fällt. In diese Abtheilung gehören auch diejenigen Urwähler, welche keine Steuern zahlen.

8 17. Die Wahlmänner werden in jeder Abcheilung aus der Zahl der stimmberechtigten Urwähler des Urwahl­bezirks ohne Rücksicht auf die Abtheilung gewählt.

Jede Abtheilung wählt ein Drittel der vom Urwahlbezirk zu wählenden Wahlmänner und ist dabei nicht an ihre eigne Abtheilung gebunden. So kann ein Urwähler der dritten Klasie zum Wahlmann der ersten gewählt werden

und umgekehrt, so daß eS sich bei der Stimmenabgabe für den Urwähler nur darum handelt, in welcher Klasie der von ihm gewünschte Wahlmann am sichersten durchkommt.

Wahlreglement vom 10. Juli 1875. § 14. Zu Be­ginn der Wahlverhandlungwerden die Namen aller stimm­berechtigten Urwähler aller Abtheilungen in der Reihe vorgelesen, wie sie in der AbtheilungSliste verzeichnet sind, wobei mit den Höchstbesteuerten begonnen wird."

Später (nach dieser Vorlesung) erscheinende Urwähler melden sich bei dem Wahlvorsteher und können an den noch nicht geschloffenen Abstimmungen Theil nehmen.

Abwesende, mit Ausnahme der zum Dienste einberufenen Landwehrpflichttgen, können in keiner Weise durch Stell­vertreter oder sonst an der Wahl Theil nehmen.

8 16. Die dritte Abtheilung wählt zuerst; die erste zuletzt.

Aus vorstehenden Paragraphen ergiebt es sich zunächst, daß namentlich für die Urwähler dritter Klasse, aber auch für die der andern, dringende Pflicht, ja von der größten Wichtigkeit ist, pünktlich und möglichst vollzählig zu erscheinen. Kommen sie zu spät, so ist eS leicht möglich, daß di« gut organistrten Gegner das Wahlgeschäft der betreffenden Klasie bereits beendet haben und sie selber somit überhaupt nicht mehr wählen können. Kommen sie während deS Wahlgangs, so müsien sie sich sofort beim Wahlvorstand melden, um noch an der Wahl theilnehmen zu dürfen. Je pünktlicher sie übrigens erscheinen, desto eher ist die Wahl erledigt und desto früher können sie wieder zu ihren andern Geschäften zurückkehren. Bemerkt zu werden verdient noch, daß Jeder, der wählen will, selber zum Wahlgeschäft gehen muß, also nicht etwa seine Frau oder sonst wen zur Abstimmung schicken darf, wie das vielfach vorgekommen ist.

Wahlrcglement § 18. Die Wahl erfolgt nach abso­luter Mehrheit der Stimmenden.

8 19 Soweit sich bei der ersten oder einer folgenden Abstimmung absolute Stimmenmehrheit nicht ergiebt, kommen diejenigen, welche die meisten Stimmen haben, in doppelter Anzahl der noch zu wählenden Wahlmänner auf die engere Wahl.

Eine engere Wahl findet auch dann statt, wenn bei der nsten Abstimmung die Stimmen zwischen zwei oder wenn sich um die Wahl von zwei Wahlmännern handelt zwischen vier Personen ganz gleich getheilt find.

8 20. Die gewählten Wahlmänner müsien sich, wenn sie im Wahltermine anwesend sind, sofort, sonst binnen drei Tagen, nachdem ihnen die Wahl angezeigt ist, erklären,

ob sie dieselbe annehmen und, wenn sie in mehreren Ab­theilungen gewählt sind, sür welche derselben sie annehmen wollen. Annahme unter Protest oder Vorbehalt, sowie das Ausbleiben der Erklärung binnen drei Tagen gilt als Ablehnung.

Jede Ablehnung hat für die Abtheilung eine neue Wahl zur Folge.

8 21. Erfolgt die Ablehnung sofort Im Wahltermine und bevor die Wahlverhandlung der betreffenden Abthei­lung geschlossen ist (8 16 des Reglements), so hat der Wahlvorsteher sofort eine neue Wahl vorzunehmen.

Vorstehende Bestimmungen zeigen, daß der Urwähler so lange im Wahllokal verbleiben soll, bis seine Abtheilung vollständig gewählt hat, und die von ihr gewählten Wahl­männer endgültig seitens des Vorstandes als gewählt ver­kündigt sind, sofern dieselben anwesend sind; oder aber wenn letzteres nicht der Fall, bis der Vorstand die Wahl als geschloffen erklärt hat. ES wird nämlich ost ein« engere Wahl oder auch eine Neuwahl eintreten; wenn nun die Urwähler vor Abschluß derselben sich entfernen, so kann diese leicht ganz anders ausfallen, als sie es gewünscht hätten.

Lasesdericht

DerReichs-Anzeiger" publicirt eine k. Verordnung vom 14. Oktober, wodurch das Abgeordnetenhaus aufgelöst wird. Eine Bekanntmachung des Ministers de- Innern setzt die Wahlmänner Wahl auf den 20. Oktober und die Abgeotdneten-Wahl auf den 27. Oktober fest.

DaS fürstliche rumänische Decret betr. die Truppen­bewegungen welche in den letzten Tagen so vieles Aufsehen machten, hat folgenden Wortlaut:Wir, Carol I , durch die Gnade Gottes und den Willen der Nation, Fürst der Rumänen . . . haben mit Hinblick auf da- Gesetz über die Organistrung der HeereSmacht und über den Bericht unseres KriegSministttS Rr. 8165, dekretier und dekretiren wie folgt:Artikel I. Das Journal Unseres Minister- ratheS vom 24. September ist joon Uns genehmigt. Art. H Die permanenten Truppen und die Reserven derselben sowie Territorialtruppeo, werden sich zur Instruktion und zu den Manöver« konzentriren. Art. III. Zur Deckung der durch diese Konzentrirung entstehenden Auslagen wird dem Kriegsminister ein außerordentlicher Kredit von 200,000 Francs eröffnet. Att. IV. Unser Minister des Krieges ist mit der Durchführung des gegenwärtegen Dekrets be­auftragt. Gegeben zu Bukarest am 24. September 1876.

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De» Sehn von SoSnieza.

Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Dr.

W. Bernhardi.

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(Fortsetzung).

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Valky trieb jetzt allerlei Posten und zeigte sich aus- gelosten lustig.Ja, Herr Starost", sprach er,Ihr müßt bekennen, ich habe meine Sache vortrefflich gemacht, und heute mein Meisterstück abgelegt. Wenn der Jude sestgenommm ist, was unter bewandten Umständen schon so gut olS geschehen, dann Ihr könnt's auf mein Wort glauben führe ich Euch die schöne Rebecca zu und ver- traue Eurer Liebenswürdigkeit, sie mit festen Banden zu umstricken, damit sie Euch nicht wieder entschlüpfe. Was Zhr mir dagegen versprochen, Herr Starvst, das werdet Ihr Euerm getreuen Diener redlich halten. Aber ich weiß nicht, ich werde so müde! Muß noch eins daraus fetzen." Er nahm die Flasche, setzte sie an und trank sie rein aus.So, das kurirt den Magen und vertreibt das Kopfweh," sagte er,und ich denke wohl, die Flasche wer­det Ihr mir heute wohl noch gönnen."

Gewiß", sagte der Starost,ich gönne sie Dir von Herzen."

O, das glaub« ich, Herr," entgegnete grinsend Valky. »8bet die Patronen befl Juden müßt Ihr aufreißen und mupacken, denn er hat ste mit meinem Petschafte versiegelt und man weiß ost nicht, wie der Teufel sein Spiel hat. Kommt her, ich will helfen."

Die Arbeit war schnell gethan, das Geld umgepackt, mit des Starosten Wappen vttsiegelt, von ihm überschrie« den und in einen Beutel gethan. i

Nun schafft'» bei Zeiten fort," drängte Valky,man könnte doch suchen und die beiden ganz gleichen Summen wären sür eine juristische Spürnase eine gar zu sichere Fährte. Schickt gleich dem Polizeiminister."

k,___Dein Rath ist sehr gut," sagte der Starost mit einem

bedeutend« Blick auf Valky, schrieb eilig ein paar Zeilen

und klingelte einem Diener. Als dieser kam, befahl ihm der Starost, am morgenden Tage mit dem Frühsten zu satteln und Bries nebst Beutel nach Warschau an ben Grafen CzerinSky zu überbringen. Unterdesien hatten die edleren Geister des WeineS auf des alten Bösewichts Ge Hirn gewirkt und er ward lustig. Er trillerte Liedchen und sprang tanzend im Zimmer umher. Plötzlich aber fing er an, still zu werden und sagte:Der Teufel weiß, was mich mit einem Male plagt, Kopfschmerzen, Halsweh, ich weiß gar nicht, wie mir ist."

Du wirst den Schnupfen bekommen, Alter," lachte der Starost,das kommt vom langen Stehen im Schneegestöber, Du hast Dich erkältet, lege Dich zu Bett."

ES muß auch so etwas sein," sagte der Diener,die Müdigkeit überfällt mich gewaltsam I hm, ich kann doch sonst etwas vertragen I Aber es war auch ein wildes Weiter. Weht nur hin, wie der Wind die Schneeflocken treibt. Ah, das ist schön, das verweht alle Spur, der Himmel dient uns gefällig. Wohl bekomm's, Jude!

Es pfeipft der Wind, eS tnarrt der Schnee, Gar lustig klingt'S wie Ach und Weh.

Schlaft wohl, Herr, ich fühle Frost in den Gliedern, der Teufel hole den Schnupfen! Schlaft wohl, Auf Wieder« sehen, Herr, ich will in» Bette. Huhu, das Fieber schüttelt mich ordentlich. Wenn ich nut diese Nacht nicht träume. ES wäre mir doch unangenehm, den grünröckigen Vieh­händler noch einmal zu sehen. Gute Nacht." Er schüt­telte sich vor Frost und hinkte zur Thür hinaus.

Geh nur," sagte der Starvst nach einer tiefen Pause, morgen kannst Du Dich selbst bei St. Peter oder dem Teufel erkundigen, ob Dein Compagnon richtig einpasfirt ist." Er trat ans Fenster und blickte durch die Scheiben in die Winternacht. Der Wind pfiff scharf übet die öde weite Fläche und wirbelte die Schneeflocken durch die Lust; im fernen Städtchen brannten nur noch einzesn« Lichter, überall nur Todtenst lle. Der Starost lehnte sich an den Fensterpfosten und gab, die Arme fest in einander geschlagen, seinen Gedanken Raum, welche sonderbar durcheinander

flogen, während sein Auge bewegungslos aus den Tanz deS fallenden Schnees gerichtet war. Wie et so gar nicht an fein Ende dachte, der alte Schurke I Es ist doch wunderlich mit dem Menschen I Wie ein brennendes Licht im Hanse, di« Flamme ist fort und alles dunkel. Er sah nach dem Himmel, an dem die düsteren Wolken vor­über flogen, ohne daß der schwach« Mond fit zu zertheilen vermochte.

Wie flüchtig," sprach er,wie Nichts ist alles,, was wir treiben, wie die Empfindung deS Haffes und der Liebe, die wir daran verschwenden. Ein unbedeutender Zufall und alles hat eine andere Gestalt, verfolgt andere Bahnen, erreicht ein anderes Ziel. Wohl, Du wirst wich nicht verrathen, alter stumm gewordener Sünder. Dafür habe ich mich gesichert; daß eS auf andere Weise nicht geschehen kann, dafür hat Dein höllischer Scharfsinn genügsam gesorgt."

So sprach der Starost noch eine Zeitlang sür sich hin, als et plötzlich einen lauten Schrei und gleich darauf einen dumpfen Fall vernahm.

Es ist aus mit ihm," sagte er gelassen,bet Schlag hat ihn gerührt, et ist stumm."

Schweigenb nahm er den Leuchter, blickte noch einmal in den Kamin, wo eben die letzten Kohlen verglimmten und ging in fein Schlasgemach.

5.

Im trauten Stübchen zu CoSnicza faß der ehrwürdige Jfaak Ben David auf feinem Lehnstuhle und blickte, wäh- rend feine Geda?ken in bet Vergangenheit lebha'te Be­schäftigung fanbea, vor sich hin auf ben Boden. Er wat bei bet kranken Mutter Jakob'S gewesen unb es war daher natürlich, daß seine Seele bet entfernten Kinder gedachte.

Wie mag eS Dir nur gehen," sprach er bei sich,Du liebe Tochter? wie fühlst Du Dich in der neuen Heimath? Gedenkst Du oft des alten Vaters, ober bist Du burch die Umgebung fo fest an die Gegenwart geknüpft, daß Du de» alten Manne- Dich nicht mehr erinnerst? Ach,