Marburg, Sonnabend, 14 October 1876.
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Zuchthaus zu bestrafen. Ferner sind alle sich vorfindenden
Exemplare der zu Zürich im Verlagsmagazin mit der
Jahreszahl 1876 unter dem Titel „Pro nihilo", Borge-
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Graf Harry von Arnim ist — wie bereits durch den Telegraphen gemeldet — des wicdelholten LandeSverraths, der MajestätSbeleidigung, der Beleidigung des Reichskanzler« Fürsten Bismarck und des Auswärtigen Amtes des deutschen Reiches schuldig und deshalb mit fünf Jahren
Er schwatzt vielleicht, droht und preßt mir ab, was ihm beliebt. Aber die Jüdin? •
Frage der Konzesstonirung drehen. Man fürchtet, daß diese Frage in einer die Jntereflen der einzelnen Staaten und Provinzen schädigenden Weise werde gelöst werden. Rur die Etnzelstaaten — so folgert man — besitzen die zur Vorprüfung und Begutachtung der Konzessionen noch- wendigen lokalen Behörden und Organe. Je ferner die Stelle, die über die Konzesstonirung entscheiden soll, den Bedürfnisien der einzelnen LaodeStheile steht, desto schwieriger und zeitraubender wird die Entscheidung «erden. Vielleicht dienen nachfolgende Mittheilungen auS den Akten der Spezial-Eisenbahn-Untersuchungskommission in dieser Frage einigermaßen zur Orientirung. Der Geh. Ober finanzrath Scheele äußerte sich dahiu: „Zunächst ist zu bemerken, daß die ReichSverfasiung im Artikel 41 jetzt schon dem Reiche daS Recht gi'bt, Konzessionen wider den Willen der Bundesregierungen zu ertheilen, wenn die pro- jektirten Eisenbahnen im allgemeinen Verkehrstnterefse noth- wendig erscheinen. In Bezug auf die Ausdehnung dieser Befugniß kommt für Preußen der Mißstand in Betracht, daß die Verwaltung der Staatöbahnen und die Beaufsichtigung der Privatbahnen, sowie die Konzessionirung neuer Bahnen sich in einer Hand befinden. Selbst in dem kleinen Königreich Sachsen ist der Finanzminister Verwalter der Staatsbahnen, während der Minister des Innern die Oberaufsicht über die Privatbahncn hat; auch im Geoßherzog- thum Hesien sind diese Geschäftszweige getrennt, und auch für Preußen halte ich es für sehr nothwendig, daß In dieser Beziehung eine Trennung deö Refiorts vorgenommen wird. ES ist nicht anzunehmen, daß die übrigen Bundes- staaten in die Ausdehnung der Reichskompetenz willigen werden, während andererseits auch vom Standpunkte der Reichsinteressen mit Rücksicht auf die für dies Interesse ausreichende Befugniß auS Artikel 41 kein Grund vorliegt, solche Ausdehnung zu erstreben. Tritt hinzu, daß die einzusetzende Reichseisenbahnbehörde durch das Konzession«, wesen sofort mit einer Masse Detail belastet werden würde, so wird nur erübrigen, in Preußen daS Konzessionswesen vorerst auf eine andere Behörde zu übertragen, fei eS im Anschluß an den StaatSrath, sei eS nach Analogie des Kompetenzgerichtshofes. Eventuell würde es sich empfehlen, m Ministerium zwei Abtheilungen für das Eisenbahnwesen zu bilden, wie man denn tu Oesterreich, wo keine Staatsbahnen find, zwei ziemlich selbstständig dastehende Central- abtheilungen mit je einem Generalinspektor hat." Der Geh. Rath Koch hält die Mitwirkung des Reichs bei Ertheilung von Konzessionen namentlich dann für Wünschenswerth, wenn die Bahnen verschiedene Staaten berühren. Die bisherige Methode der Staatsverträge erschwert die Kon zesstonirung in einer nahezu unerträglichen Weise. Regie rungsrath v. Unruh hält die Mitwirkung des Reichs für zweckmäßig und nothwendig und für das einzige Mittel,
vor sich hin. Da schreckten ihn plötzlich eilige Tritte auf, schnell öffnete sich die Thür und Balky trat ein. Rasch verriegelte dieser das Zimmer, griff dann unter den Pelz und warf ein klirrendes Bündel auf den Tisch.
„Da habt Ihr deu ganzen Quark!" rief er «Ud lachend, „der gute Bursche hat mir's leicht gemacht. ES war gar keine Arbeit, er wußte kaum von feinen fünf Sinnen etwas. Seid ganz ruhig und mattet es getrost ab. Niemand hat mich gehm oder kommen sehen. Es ist alles gut eingefädelt l Der Jude muß bluten, juchheißa bluten und Alles ist unser!"
„Und der Hund?" fragte der Starop.
„Ist begraben und wird zu rechter Zett schon auf« stehen! der Himmel hat ein herrliche« Schneewetterchen
nacht. — Wenn Balky nur klug ist! — Jetzt sind sie fort, ich sehe nichts mehr, der letzte Schein deS Lichtes ist verschwunden. Sie sind um die Ecke gebogen. — Was sorge ich doch für Balky! der Kerl ist klug! allzuklug.— Er weiß zu viel und ist gefährlich. Aber dies ist auch sein Letztes. Er muß fort, für immer in Sicherheit und mit ihm di- Geheimnisse, deren Herr er ist; daS ist gewiß." — Er ging gedankenvoll im Zimmer auf und nieder. — „Was ist ein Leben mehr oder weniger? Gar nichts, eine bunte Seifenblase platzt, ein Wesen stirbt, das ist alles. — Horch! waren da« nicht Tritte, die im Schnee knarrten?* — Er trat schnell zum Fenster. „Rein, es war gar nicht«; die Einbildung schuf den Ton, draußen ist alles stumm, öoe, finster und kalt. — Die Nacht paßt recht dazu, Einen
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Tagesbericht
Der BundeSrath ist nunmehr vollständig mit den Etats- vorlagen versehen, die demnächst ein Pensum deS Reichstage« bilden sollten. Auf Schwierigkeiten dürften die be- züglichen Berathungen wohl kaum stoßen, da ein Deficit vermieden worden ist. Der Eröffnung be« Reichstages wird nicht bloS im Reiche mit Spannung entgegengesehen. Man erwartet allgemein, und wohl mit Recht, daß die Thronrede einen auf die orientalischen Angelegenheiten bezüglichen PafluS enthalten werde. Vielleicht bietet sich auch anderweitig Gelegenheit, die orientalische Frage im Reichstage zur DiSeusston zu stellen. Somit dürste es der nächsten Session de« hohen Hause« durchaus nicht an Beachtung sehlen.
Die Mitglieder der ReichSjustizkommisston sind zum 17. d. Ml«, zur Wiederaufnahme der Arbeiten eingeladen.
Der Sehe, bin CaSnicza.
Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Dr.
W- Bernhardt.
(Fortsetzung).
Alle Pläne, welche Dein listiger Kopf noch brütet, gehen in dieser Nacht mit einem einzigen Trünke zu Grabe. Die eigene Gier wird Dich tödten. Dein Possenreißen und Lachen wird ein schleuniges Ende nehmen! Mache Dich gefaßt, dahin zu wandern, wo wir, wie die Pfaffen sagen, gerichtet werden sollen. Nun, Du hast eine hübsche Zeche au der Kreide! Du kannst die Rechnung wohl abschließen." Er ging wieder eine Zeitlang auf und nieder. Dann sprach er wieder laut: „Ader nein, erst muß der Jude hier ge wesen sein, eher geht eS nicht. — Valky'S Plan ist gut. — Wohl, will der Jude nicht kommen, so schicke ich, — doch die Furcht wird ihn schon hertreiben. Nun, wie dem auch sein mag, immerhin, wir wollen schon sehen. — Kommt denn noch Niemand? — Nein, alles ist still."
Unruhig wandelte der Starost nun wieder schweigend im Zimmer auf und nieder, trat bald an das Fenster, blickte in die Dunkelheit hinaus und sah, daß die Schneeflocken immer dichter und dichter fielen, rieb sich mit den Händen das Haar, oder schlug sich leicht vor die Stirn,
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--er versank von Neuem in tiefe Gedanken. „Nein," ward er wieder laut, „ich bedarf dazu Valky'S nicht. Es giebt tausend Mittel, eines schwachen Weibes Herr zu werden. Er muß fort, heut noch, das ist das klügste." Nach diesen Worten ging er in ein Seitenkabinet und kam bald mit einer kleinen Phiole zurück. Er öffnete dann die noch dastehende gefüllte Weinflasche, goß erst seinen Becher voll und tröpfelte dann den Inhalt der Phiole in die Flasche. „So," sprach er, „die Portion ist stark und gut. Niemand wird ahnen, roie Du gestorben," fuhr et fort und schüttelte die Flasche tüchtig um, „benn bet Schlag wirb Dich rühren. Du wirft Dich munbernl
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Amwncen-Bureanx von ®. L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Sari Schußler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
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Rach dies« Worten wankte et zur Thüre hinaus und chwelgend sah ihm der Starost nach. Sodann trat er »»’« Fenster und blickte in die Nacht hinaus. Der ganze Himmel war mit Wolken bedeckt und nur der Schnee fänzte aus dem rabenschwarzen Dunkel leichenhaft hervor, kaum konnte man die schwachen Umriffe des unweit vom Schlöffe gelegenen Tannenwäldchens noch erkennen. Der Wind pfiff hohl und trieb emsig die schweren Wolken vor w., ...............— F4fjl ttq,t oaju öintn
A hcr. Da erschien plötzlich ein einsames Licht auf der «zur Ruhe zu schicken! — Balky muß fort, das ist gewiß, vchneefläche und zwei dunkle Gestalten bewegten sich übet " -
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Erscheint tSglich außer bett Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „zSuftrirteS Lonntag«»latt" durch die Srvedition (ft o tb’f<be Buchdrucker-,) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Warf 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr) - JnfertionSgebühr stir die ges?alten! K10 Psa Für m der Expedition zu etthetlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.
Deutsche, Reich.
— Berit», 12. Oktbr. Es darf behauptet werden, daß sich die zahlreichsten Vorurtheile, welche hinsichtlich der Relchselsenbahnangeiegenheit im Umlauf sind, sich um die
O Rebekka! All mein Blut kocht, wenn ich an Dich denke!
Ich muß Dich besitzen, und sollte ich den Weltbau Deinet- ___________„„ ,^.„o „„ viv wniH
halbe» vernichten. — Und Valky versprach, sie in meine heftete die Augen auf den Boden und starrte bewegunaslo«
Gewalt zu bringen. Wohl, bis nach Erfüllung dieses — njL " —....... - 8
Versprechens mag er leben, und dann — und dann"
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um eine gewiffe Uebereinstimmung Hervorzurusen; namentlich aber würde er in dm Behörden des Reiches eine zweite Instanz sehm. Es ist ja nach der jetzigm Verfaffung schon so, daß, wenn der Einzelfiaat eine Konzession verweigert, dann die ReichSbehörde entscheiden soll, ob gegen den Willen des Einzelstaates die Konzession ertheilt werden soll oder nicht. ES ist ein großer Uebelstand, daß in Preußen derselbe Minister, der die Staatsbahnen verwaltet, auch die Ertheilung der Konzessionen hat, und zugleich die Aufsicht über die Privalbahnen, er ist also »usstchtSbehürde und gleichzeitig Konkurrent; cs sind eine Menge Fälle bekannt, wo ausdrücklich gesagt ist: nein, die Bahn laffen wir nicht zu, denn sie würde der und der Staatöbahn Konkurrenz machen.
Mitt).
Wie», 10. Oct. Gestern ist aus Konstantinopel die Nachricht eingetroffen, daß die Pforte sich geneigt zeigt, den von Rußland beantragten und von den Großmächten mit allem Nachdrucke unterstützten Waffenstillstand anzunehmen. Eine offizielle Bestätigung ist indessen bis jetzt noch nicht eingetreffm. Darüber, in welcher Weise während der Dauer deS Waffenstillstandes die FriedenSverhandlungen gefördert werden sollen, schweben in diesem Augenblicke die Verhandlungen. Von einer Conferenz ist keine Rede mehr und ist dieses Projekt ebenso schnell verschwunden, als eS aufgetaucht ist; eben so wenig erwartet man von der neue» stenS in Anregung gebrachten Gesandten-Commisston, daß nämlich die Botschafter jn Konstantinopel vereint mit der türkischen Regierung ein vollständiges Reform-Programm ausarbeiten sollen, da abgesehen von anderen Schwierig- keitm, die Pforte schwerlich diesen Vorschlag acceptiren wird. Jn den hiesigen diplomätischen Kreisen macht sich über- Haupt immer mehr die Überzeugung geltend, daß die nicht mehr aufzuhaltendc Umgestaltung im Oriente sich nicht im Frieden vollziehm werde. Die Unterhandlungen, die jetzt noch in Stambul stattfindm, seien durchweg belanglos und nur als Vorspiel zu der großen Staatsaktion zu betrachten, welche noch yor eintritt des Winters in Scene gehm werde. Alle jene Gerüchte, welche von einer Verstimmung zwischen Deutschland und Rußland und von einem Scheitern der Sumarokoff'schm Mission zu erzählen wiffen, werden al« Erfindungen bttrachtet. Man denke hier nicht daran, sich von Rußland zu trennen und man habe sich bereits über die neue Ordnung der Dinge auf der Balkanhalbinsel, so- w e über die weiteren staatlichen Veränderungen, die sic nach fich ziehen muß, mit Rußland verständigt, nachdem dieses — und das sei der Hauptzweck der Mission Snma- rokoff's gewesen — jede Garantie nicht auf dem Papier, ' ondcrn in Wirklichkeit geboten habe. Die Bildung selbstständiger slavischer Staaten an unseren südöstlichen Grenzen
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!1 Dietrich in Frankfurt a. W.;
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geschichte de« Arnim-ProzeffeS" erschienenen Druckschrift, sowie alle zu deren Herstellung bestimmten Platten und ist. Formen unbrauchbar zu machen und dem Angeklagten die ^Kosten deS Verfahrens aufzulegen.
„Da gehen sie," sagte der Starost für sich hin, „daS “ tr. Wie sonderbar die Gestalten und ihre Schatten sich Mig. ^nehmen! — Wie weit solch ein kleines Licht in der - g. Dunkelheit reicht und wie stark es leuchttt. — Hm, hm, OG. sonderbar, dieser kleine Punkt erhellt die ganze Gegend.— SOG & Bitten Hund bei sich, es sind nur zwei Schatten. 76 B 6 * kommen mühsam fort, der Schnee liegt tief." Er trat -6 W Tische zurück, nahm den Becher und trank ihn hastig 0 6. «iS, bann ging er rofeber an das Fenster. „Aha!" sprach
„es fängt wieder an zu schneien. Wie langsam und Wr die großen Flocken niederfallen! — Du wirst bem My willkommen fein." Er blickte nach bem Lichte. „Sie «b halb zum Tannenwalde. Jetzt traten sie hinein. Wie kusam und schaurig daS Licht zwischen den dunklen StSm- - 59* hindurch scheint. Sie entfernen sich immer weiter. — *ltfam, wie mich der Schimmer dieser Laterne feflelt, «ser helle Punkt in der wüsten Fiusterniß der Winter-
Brtrs Die Mittheilungen über die Einwilligung der Pforte iO2j zum Abschluß eine« Waffenstillstandes sind zwar bisher nur aus offiziöser Quelle gefloffen. ES darf iudeffen 9811®°&1 kaum bezweifelt werden, daß die Pforte die Kühnheit 871 gkhabt hat einen Waffenstillstand auf sechs Monate anzu- 911 bieten. S« gehört ein unverwüstlicher Optimismus dazu >021 diesen Vorschlag für einen solchen zu halten, der im Jn- tereffe de« allgemeinen Friedens und nicht lediglich deshalb 103 gestellt wird, einen gefährlichen Winterfeldzug zu vermeiden.
141 Serbien würbe geradezu seine beste Chance opfern, wenn «>->, es auf den Vorschlag der Pforte eingehen würde. Die 9~4 Situation dürfte sich durch diese neuerliche Zumuthung der i 851 Worte nicht gebessert haben.