Einzelbild herunterladen
 

Itn tr­eu

is

fbr. 2ML

Atarkurg^ Freitag, 13. October 1876.

xi. Zahrgasg.

flmetgen nimmt entgegen: Me Expedition d. Blatte», sowie die Amumcen-Bureaux von LH. Dietrich & ®°- *B Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Aranlfurt a M ; Haasenstein & Boiler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Löln re; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.

©bctljrflifdjf Jrthing.

Anzeigen nimmt entgegen: die Eqreditton d. Blatte» sowie die Anuoneen-Bureaux von L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Sari Schüß» ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

«rf$eint 14 g l i ch außer den Werktagen nach Sorm» und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Mnfhrtrte» Conntaatllatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen Sh «srk, durch die Postämter des Deutschen Reiche» S Wart 50 Pf«, (exk. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene gale 10 Pf,, »ür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

er

'üße.

td,

sten

2325

|t!

über-

stehen tiger.

A

illen 1986

i ver

iß.

k-siel 'S.

Se»

t .Ulf- Reise n.

70.

12 .

87.:

br.

,60b 80 B Mb. i,— b. JO 6. MG. 7<>b.

75 b 10 G

rfMN.

50 b. 75 b ,50 b.

1,10 G 50 G.

OUig — G -G. MB.

1,20 b 1,50 G

85 G 50 -bG

90 bB - B Wf

,00 fi. — b. 85 K. OI.G

Dem Berichte des „BureauS VeritaS" zufolge sind im Monat August auf offener See 76 Segelschiffe total zu Grunde gegangen. Von der Gesammtzahl waren der Flagge nach 30 englische, 10 deutsche, 8 holländische, 5 norwegische, 4 amerikanische, 4 französische, 3 spanische, 2 dänische, 1 österreichische», 1 italienisches, 1 schwedische» und 7 deren Nationalität nicht ermittelt wurde. In der Totalanzahl sind 4 Fahrzeuge eingeschlossen, die vermißt werden. Von Dampfern sind 11 zu Grunde gegangen und zwar 6 eng­lische, 2 deutsche, 1 amerikanischer, 1 belgischer und 1 por­tugiesischer.

Die amtlichen Ausweise für den Monat September zeigen, daß der Handel England'» fortwährend in der Abnahme-begriffen ist. Im AuSsuhrwerth zeigt stch gegen September vorigen Jahre» eine Verminderung von lOVgpCt. und gegen Siptember 1874 von 171/4 pCt., nämlich 17,777,917 Pfv. Sterl. gegen resp. 19,353,750 und 21,463,876 Psd. Sterl. In den ersten neun Monaten diese« Jahre» betrug der AuSsuhrwerth 151,135,247 gegen 169,355,594 Psd. Sterl. im Jahre 1875 und 180,940,908 Pfd. Sterl. im Jahre 1874. Die Einfuhr verminderte sich im September gegen den entsprechenden Monat der beiden vorhergehenden Jahre um 1/2 und l^pCt., nämlich von 30,858,909 und 31,142,994 Pfo. Sterl. auf 30,694,539 Psd. Sterl. Die Abnahme de» EinsuhrwertheS der ersten neun Monate dieses Jahre» gegen die beiden vorhergehen­den beträgt etwas über eine Million Lstr.

Reuter'» Bureau meldet aus Belgrad: Der serbische M nistcrrath beschloß, einen regelrechten Waffenstillstand anzunehmen, sobald die Consuln der Mächte einen bezüg- lichen Antrag stellen.

Die Denkschrift, welche kürzlich von zwei Abgesandten oer bulgarischen Nation den Botschaftern der Mächte in London überreicht wurde, ist nunmehr veröffentlicht worden. Nach Herzählung der Leiden, welche die bulgarische Nation fünf Jahrhunderte hindurch unter der türkischen Herrschaft auögestandtn, der jüngsten Grausamkeiten uno insbesondere ver üblen Behandlung der gebildeten oder reichen Stände in Bulgarien, erklärt die Denkschrift, daß die bulgarische Nation alle die Elemente besitze, um erfolgreich auf der Straße de» friedlichen Fortschritte» zu wandeln, und kein weiteres Vertrauen in die türkischen Resormveisprechungen setze. Sie ersucht demnach die Mächte, die Protektoren der Christen im Orient, dahin zu wirken, daß ihr da»

Die „Corresp. Stefani" bringt — ihren früheren Mit- theilungen widersprechend — folgende Nachricht: „An die deutschen Bischöfe sind Instruktionen abgegangen, daß sie ohne ihren Pflichten ungetreu zu werden, alles vermeiden sollen, wa» sie mit der Regierung in Konflikt bringen könnt«. Wenn die deutsche Regierung andere Tendenzen zeigte, wäre der heilige Stuhl nicht abgeneigt, den Kardinal LedochowSki in seiner Etgmschast als Erzbischof von Posen durch einen anderen, nicht kompromittirten Prälaten zu ersetzen."

Auch der Militäretat für das erste Vierteljahr 1877 ist nunmehr dem BundeSrath vorgelegt worden. Die fort­dauernden Ausgaben belaufen stch für das preußische und die unter Preußen'» Verwaltung stehenden Kontingente aus 60,040,466 Mk, 662,817 Mk. weniger als im Vorjahre, für Sachsen auf 4,534,751 Mk., 90,875 Mk. weniger und für Württemberg auf 3,289,070 Mk., 71,700 M. weniger als im Vorjahre. Die einmaligen Ausgaben betragen für Preußen u. s. w. 28,692 M., für Sachsen 253,264 M. und für Württemberg 2193 Mk.

In der nächsten Woche »erben die Beratungen des Justizausschuffeo des BundeSratheS über die Reichsjustiz Gesetze beginnen. Die dem JustizauSschusse angehörmden Justizminister der Bundesstaaten werden anfangs der nächsten Woche hier erwartet.

Währmd einerseits behauptet wird, daß der zweite The» de» Pamphletes „Pro nihtlo" noch nicht ausgegeben worden sei, bringen mehrere Berliner Blätter bereits Auszüge aus demselben. Der Titel der Schrift lautet: „Brief des Grafen Harry von Amim an den Fürsten v. Bismarck, Entgegnung auf da« im „Reichs-Anzeiger" veröffentlichte

LaseSbertcht

Die „Prov.-Corresp." bespricht den dem BundeSrathe soebm vorgelegten Gesetz • Entwurf, welcher bei allen Ge­setzen für Elsaß-Lothringen über Angelegenheiten, die nicht der ReichSgesetzgebung durch die Versaffung Vorbehalten sind, gestattet, von der Mitwirkung des Reichstages abzu­sehen, sofern Bundesrath und Bundes-Ausschuß denselben zugestimmt haben — und sagt: Auch dieser Schritt lasse klar erkennen, daß, weit entfernt, die Behandlung der elsaß-lothringischen Landes-Angelegenheiten mehr und mehr nach dem Reichsmittelpunkte ziehen zu wollen, bei der Re­gierung vielmehr die entschiedene Absicht obwalte, dieselbe, soweit dies ohne Bmachtheiligung der ReichSintercffen irgend chunlich, unter unmittelbarer Mitwirkung der Bevölkerung in den Reichölanden selbst wahrnehmen zu lassen, — Die „Prov.-Corr." kündigt die Rückkehr deS Kaisers nach Ber­lin bald nach dem 20. October an.

Die Prov. Corr, weist ans Anlaß der Vorgänge in Magde­burg, wo der Abg. Eugen Richter mit Entschiedenheit gegen die Kandidatur des Herrn v. Sybel auftrat, auf die son­derbare Freundschaft hin, welche von den nationalliberalen Blättern mit der Fortschrittspartei angestrebt wird, zumal da dieselbe al« ein Ausfluß der angeblichen Gemeinschast der beiden liberalen Parteien für nothwendig erklären wird. Wetter mahnt sie die Wähler auf der Hut zu sein gegen Wahlkandidaten, die unter dem weiten Mantel der großen „liberalen" Gemeinschaft ihre „demokratischen" Neigungen verhüllen und die „Herbeiführung eines Konflikts für die Summe aller politischen Weisheit haltm." Zum Schluß schreibt sie: Mehr als je ist unter den jetzigen schwierigen Zeitverhältniffen Vorsicht bei der Auswahl der Abgeordneten nöthig — um der Regierung de» Königs in der Landes­vertretung eine sichere Stütze zu geben zur besonnenen und festen Durchführung ihrer mannigfachen wichtigen Aufgaben unter sorglicher Berücksichtigung der wirklichen Bedürfniffe de« Staat«- und Bolklebens. Was die Stellung der Re­gierung betrifft, so kann nur wiederholt werben, evaS hier beim Beginn bet Wahlbewegung ausgesprochen würbe: bie Re­gierung ist Überzeugt, baß die große Mehrheit der Bevölkerung die bisher befolgte Politik, namentlich den Ausbau des nationalen Werke« sowie den Fortgang des inneren Reform­werke« auf dem allseitig gelegten festen Gmnde zu unter­stützen bereit ist. „Die Regierung hält in allen Bezie­hungen mit voller Ucbcrzeugung an den wesentlichen Grund­sätzen fest, von welchen ste bei ihrem gesammten bisherigen Wirken ausgegangen ist. Sie wird stch da, wo die prak­tische Eifahrung und die dringende Bevürfniffe deS Volk« wohl« neue Erwägungen nothwendig machen, diesen For­derungen gewiß nicht entziehen. Ebenso wie fie in den

ist denn Euer Diener, der pudelnärrische Kauz, der vor­hin in der Schenke war?"

„Dort steht er."

Heinrich drehte sich um und rief, al« er Valky erblickte: »Ach ja, da ist er! He, Du, komm her und trinke nur. SRa, mach nur keine Umstände, bet Herr Starost erlaubt es schon." Dieser nickte beisälltg, worauf benn Valky herantrat, ben Becher au« beö halbberauschten Heinrich» Hanb nahm unb trank. „Nicht wahr, baS schmeckt," rief eer Viehhänbler, so etwa» kommt Dir armen Kerl wohl nicht oft? Na Prosit. Ich habe auch heute recht über Dich gelacht. Ich glaub'», ber lumpige Branntwein in ber Jubenschenke ist keinen Groschen werth. Aber Du hast bem Kerl recht mit bem Liebe die Wahrheit gesagt. Ei, wie war e« doch gleich — e» war gar zu schön — hm, hm, kann ich mich doch durchaus nicht besinnen — ja: laß Dich stoßen, schlagen, schimpfen — nein, so fing es nicht an, so nicht. — Herr Starost, meiner Seele, Ihr seid so gnädig und erlaubt es, daß er mir es noch einmal vor­singt. Ich kann die Juden nicht auSstehen, benn ich weiß, da» Volk ist aller Ränke voll. Valky soll auch ein tüch­tiges Trinkgelb haben. Denn seht, Herr, ich kann e» machen, wozu hätte ich benn bas viele Geld." Er schlug mit ber Hanb auf bie gefüllte Geldkatze.

„Hm", sagte ber Starost, „Du scheinst Dich gut ver» sehen zu haben."

„Ja, Herr," erwiderte Heinrich, „da« habe ch, denn mein Onkel, oh, daS ist ein kluger Mann; der sagt immer: gute« Geld, gute Waare. Das habe ich mir wohl gesagt sein lasten. Die gute Waare habt Ihr, Herr, und das gute Geld habe ich, hä, hä, hä." Dabei klopfte er wie­derholt auf seine Geldkatze. „Aber, gnädiger Herr, erlaubt, da« Judenlied, eö ist gar zu schön und wird Euch gefallen. Ich bezahle ben Äerl honnett."

Der Seher van CaSuieza. *

Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Bvllsleben von Dr.

W. Bernhardt.

(Fortsetzung).

„Ich danke untetthänigst," sagte Heinrich unb trank tüchtig, ba ihn etwas fror unb ber Wein vortrefflich war. »Da« Vieh habe ich gesehen, gnäbiger Herr, unb muß sagen, baß e» schön ist unb seinen Preis gilt. Aber, was wir ber Verwalter al« solchen nannte, kann ich nicht geben. Wenn bavon nicht« abgeht, so muß ich le,ber darauf bet« iichten. Fünfzehnhundert Thaler für die fünfundzwanzig Stück, ba« ist mir zu theuer.

„Darüber läßt stch ja sprechen, meinte ber Starost. »Doch vor allen Dingen trinke, benn beim Weine behan­deln stch berglelchen Sachen am besten; auf glückliche Ge­schäfte."

«Danke schönstens", sagte Heinrich unb stieß fröhlich

„ja, bie Ochsen flnb prächtig, ba« ist wahr unb ihr ®«lb werth."

„Wenn Du ba« selbst anerkennst, so wirst Du auch du billige« Gegengebot thun."

„Meiner Seele, Herr," sprach ber Viehänbler, in besten Gehirn ber außerorbentlich schwere Wein bereits zu kreisen begann, „bas werbe ich auch! benn Ihr seib ein leutseliger vtrr. Eure Gesundheit, mit Etlaubmß!" Et ergriff den vecher unb trank ihn au«.

«Ei, da muß ich ja", entgegnete Star ost, indem er Aacky den Befehl gab, bie Becher von neuem zu füllen, »aus Deine Gesunbheit hinten.

L »Ja, wahrhaftig, Herr," sagte Heinrich unb schlug mit b" Hanb auf ben Tisch, „ba« müßt Ihr." Et leerte Ruten Becher wiederum. „Aber fuhr er bann fort, „wo

„Meinethalben benn," sagte ber Edelmann, „Valky, so singe." Dieser wiederholte nun da« Lieb, welches er vorher in ber Schenke gesungen hatte.

„Hahaha", tief Heinrich am Schluffe, „ba« »ar schön, bravo, bravo! Nun aber will ich Dich auch bezahlen, wie eS einem ehrlichen Deutschen zukommt.'

Er taumelte hieraus in bie Höhe, schnallte bie Gelb­katze los und schüttelte einen Theil beö Inhalts berselben auf ben Tisch. Dann ergriff er ein Goldstück, um es bem Diener zu geben, zog aber plötzlich die schon auSgestreckte Hanb zurück, schob einen ber Armleuchter näher zu stch heran, besah bie Münze unb murmelte barauf für sich, inbem er ben Kopf schüttelte, „nein, ba« geht nicht, ei, ei, das ist ba bie schöne Medaille von der seligen Tante, welche auf den westphälischen Frieden geschlagen wurde, ich muß ihm was anders geben." Er warf da« Gold­stück hin, kramte lange unter dem Gelbe unb gab enbllch bem Diener einen Thaler.

»Du bist ein guter Deutscher", grinzte Valky ihm zu, „unb recht spendabel! Aber Du hast e« auch in Hausen." Er warf bei diesen Worten einen gierigen Blick auf da« zusammengehäufte (Selb.

»Ei freilich," sagte Heinrich, inbem er das Geld zu sarnrnenscharrte und in die Katze that, „das vermehrt stch. Handel und Wandel macht reich, sagt mein Oheim, darum handle ich auch. Mit Verlaub, gnädiger Herr", wandte er sich zum Starosten, „ich will dem armen Teufel noch einen Becher Wein geben. Der gute Kerl steht immer so sehnsüchtig nach bem Becher, unb eS ist eine verdammte Empfindung, zusehen zu müffen, wenn andere genießen und selbst zu entbehren. Oh, ich weiß da» sehr gut. Da, Knecht, nimm unb lhue Dir was zu Gute. Aber aus einen Zug aus, ba« sag' ich Dir."

letzten Sessionen um erkannter Bebürfniffe beö Staats- Schreiben beö Fürsten v. Bismarck an Se. Majestät ben unb Volkslebens willen Verbesserungen ber vor Kurzem deutschen Kaiser vom 14. April 1873. Als Manuskript erlassenen Gesetze in wichtigen Punkten angestrebt unb gebrückt." zum The» bereits erreicht hat, — so wird ste auch ferner die beffernbe Hanb ihrerseits nicht zurückhalten, wo es sich um unzweifelhafte Interessen ber öffentlichen Wohlfahrt hanbelt, unb ste wirb eintretenben Falls gewiß auf bie Mitwirkung aller bet Parteigruppen rechnen dürfen, welche ihr seither mit immer wachsendem Berständniß und Sinn für praktisch politisches Wirken erfolgreich zur Seite ge­standen haben." Zur Erfüllung solcher Hoffnungen taugen nicht Männer, die in unfruchtbarem Parteiwesen befangen sind, sondern Männer von praktisch-tüchtiger Gesinnung und Erfahrung, die ihre Ehre darein sitzen, in ernster Gemeinschaft mit ber Regierung baS Wohl beS Volke» erfolgreich zu förbern.