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r. 240.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von LH. Dietrich & So. in Kassel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a- M.; Haasenftein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Söln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.

JRarßutg, Donnerstag, 12. October 1876. ------ t

Q)bfrl)flTifd)f Jalung.

XL Zahrgaig.

Anzeigen nimmt entgegen: die E>q»editton d. Blatte» sowie tue Annoncen-Bureaux von 0 L Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jüger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä. Siete- meyer in Berlin; Sarl Schüß- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage Buchdruckerei) bezogen »h Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Warf 50 Pf«. <exl. Bestellgebühr) in bet Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden

Laserbericht.

Uebrr die Betheiligung Deutschland« an der Pariser Ausstellung hat der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wtrthschastllchen Interessen in Rheinland und Westfalen einen Beschluß gefaßt, den man wohl als einen solchen bezeichnen kann, der mit der allgemeinen Anschauung der deutschen Interessenten in voller Uebereinstimmung steht. Der Beschluß lautet:Obgleich nach der Ansicht des VereinSauSschusies der zu häufigen Wiederholung von Weltausstellungen dem Jnteresie von Handel und Industrie nicht entspricht, dem Ausschüsse daher eine Hinausschiebung der Pariser Ausstellung höchst wünschenswerth erscheint, so erachtet er doch in Anbetracht der zur Zeit obwaltenden Vrrhältnifie, und namentlich mit Rücksicht auf die Vorur theile, welche auf Grund deS Reuleaux'schen Gutachtens gegen die deutsche Industrie Wurzel gefaßt haben, eine Beschickung der Pariser Ausstellung für Deutschland alS eine patriotische Pflicht, und verpflichtet seinen Vereins- Mitgliedern eine lebhafte Brtheiligung an derselben."

Wiederum habe» sich die Mächte zu einem gemeinsa­men Schritt bei der Pforte vereinigt und e< handelt sich diesmal, wie schon so oft um einen Waffenstillstand. Die spfortt welche vermuthlich im stillen Einverständniß mit der englischen Regierung handelt wird aber jetzt so wenig wie früher den Waffenstillstand gewähren. WaS die Pforte zu ihrer Rechtfertigung anführt, ist durchaus keim leere Ausrede die Serben werden die Zeit des Waf­fenstillstandes dazu anwenden, ihre Festungsanlagen zu verbeffern und noch mehr Streitkräfte heranziehen. Die Türkei steht sich also vorn herein schlecht dabei und sic handelt von ihrem Standpunkte au» ganz richtig, wenn sie dm Waffenstillstand verweigert.

1 Nach gewissen Zeitungsstimmen wäre da» Bändniß zwischen Rußland u. Oesterreich ein fact accompli Es wäre dieß ein höchst bedenklicher Anfang jener Ereigntffe, welche seit Monaten unausgesetzt vorhergesagt worden sind. England wird nimmermehr zugeben, daß in der Türkei ir- Mdwelche Aenderungen vorgenommen werden, denen das englische Eabinrt nicht zugestimwt hat.

Ueber die Geschichte der englischen FriedenSvorschläge gehen uns von unterrichteter Seite folgende erklärende Be­merkungen zu. Die FriedenSvorschläge abzulehnen war von Seiten der Pforte ein Wagstück, welche» nicht unternommen werden konnte, wenn die Pforte der Gesinnungen Englands nicht vorher sicher war. Als die Pforte ihre Erklärung

formulirt hatte, lobte die englische RegierungSpreffe die Freistnnigkeit und Mäßigung der türkischen Regierung und schmähte gleichzeitig auf Rußland . . . Offenbar wurde die Renitenz Serbiens auf russische Verhaltungsmaßregeln zu­rückgeführt. Man deutet an, daß Rußland, mehr wie irgend eine andere Macht in der Lage wäre, auf Serbien eine Pression zu Gunsten einer ernsthaften Einstellung aller Feindseligkeiten auSzuüben. Falls sich General Tschernajeff ungehorsam erweisen sollte, brauchte der Czar nur alle seine Unterthanen, welche in der serbischen Armee dienen, zurück zubcrufen. Der serbische Oberfeldherr würde durch eine solche Maßregel seiner Kombattanten und deS Mittels be­raubt, den Wünschen Europa'S entgegen zu handeln. Als über die Absichten Serbiens ein Zweifel nicht mehr auf­kommen konnte, dürfte England selbst der Pforte indirekt den Rath gegeben haben, den zweiten Paffus der englischen Punktation abzulehnen. Das Fiasko der englischen Politik ist nur scheinbar; Lord Derby hätte niemals die Ange­legenheiten der insurgirten Provinzen in seinem Programme berücksichtigt, wenn er dem Drucke der öffentlichen Meinung hätte widerstehen können. Allem Anscheine nach ist dem Lord Derby daS Fiasko der ihm aufgedrungenen Politik gar nicht ungelegen gekommen.

Da» rumänische Amtsblatt bringt folgendes Kommu- niqus:Der Chef des rumänischen Kabinet» habe bei seiner Begegnung mit dem Kaiser von Oesterreich die Ver­sicherung empfangen, daß die österreichisch - ungarische Re gicrung allsoglcich nach Abschluß des Friedens zwischen Serbien und der Türkei die «ulmerksamkeit der Pforte auf die Punkte des rumänischen Memorandums lenken werde, die geeignet sind, im Wege des guten Einvernehmens definitiv geregelt zu werden, ist nicht exakt. Der Minister­präsident unv der Justizminister halten ntcht diesen Auftrag und eS wäre auch ntcht einmal am Platze gewesen, eine solche Frage in Erörterung zu ziehen. Die Reise der Minister nach Siebenbürgen hatte keine« anderen Zweck, als Se. Majestät den Kaiser von Oesterreich, welcher sich nahe der Grenze befand, im Namen Sr. Hoheit des Fürsten der Rumänen zu bekornplimentiren."

Dnasche- «eich.

* Berlin 10. Oktober. DieNat.-Ztg." brachte kürzlich die Mittheilung, daß die Berathungen über das Unterrichtsgesetz soweit vorgeschritten seien, daß das Gesetz schon zu Anfang der nächsten Session dem Landtage vor­gelegt werden könnte. Nach Nachrichten aus guter Quelle ist diese Mittheilung unbegründet. Es ist nur das wahr,

Der Seher »« CoSnieza.

Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Dr.

W Bernhardt.

(Fortsetzung).

Hund", fuhr der Herr ihn an, und griff nach der Peitsche,wo hast Du so lange gefleckt? Weißt Du nicht wehr, was Deine Pflicht ifl? Wart', ich will sie Dir einbläuen."

Herr," sprach der Eingetretme, und fiel dem Gebieter zu Füßen,schonet mein, ich war in der Schenke."

»In der Schenke, wo Du säufst und lärmst, während ich Deiner bedarf I Du entgehst der Peitsche nicht. Steh auf."

Nicht eher, als bi» Ihr mir verziehen habt, obschon ch Euretwegen in der Schenke war."

Meinetwegen, und wie so?"

Ihr braucht Geld, Euch kann geholfen werden; ein keicher Viehhändler ist da, der will kaufen."

So, und der Jude? Steh auf."

Valky erhob stch von der Erde und sagte dann:Er »ill kommen, aber als ich von Geld sprach, zuckte der Mansche! die Achseln und wiegte den Kopf hin und her, 616 wenn er sagen wollte, daran» wird nichts."

»Und wenn alle seine Tmfel ihm hülfen, er muß zahlen."

Das sag' ich auch. Ich bin mit mir fertig, vielleicht erbet Ihr'» ebenfalls, und dann ist e» gut für Euch. Acht, was ich hier habe. Er holte das Beil unter dem "tlze hervor.

Thorheitl Was ist's denn? Ein altes Beil zum Sleifchhacken, weiter nichts! Wo hast Du'S her?

Dem Inden gestohlen," sagte der Diener und schwang £ über dem Kopfe,da« wird auch an» der Noth helfen,

I

DaS Beil? Es spuckt wohl im Gehirn bei Dir, oder der Gott Schnaps spricht seine Orakel wieder?"

Wollt Ihr mich machen laffen? fragte Valky, und fletschte die Zähne."

Mache, was Du willst, nur schaffe mir Geld."

Gewiß, und das hübsche Judenweib aus der Schenk, nach der Euch so lüstet, oben ein."

»Das wäre! Ich würde Dich wahrlich gut belohnen."

Gieb mir Wein, Herr!"

Nimm Dir oie Flasche dort."

Gierig griff der Diener darnach, setzte sie an den Mund und leerte sie in einem Zuge.Ach!" sprach er, und setzte sie wieder hin,das labt, das macht Muth! und Muth, Herr, brauch' ich eben." Dann begann er zu tanzen, wobei ee das Beil über dem Kopfe schwang, und krähte mit wunderlicher heiserer Stimme:

Weiß ist der Schnee und das Blut ist roth. Was macht Ihr, Herr, auf der Haide?

Warm ist das Leben und kalt der Tod, Was macht Ihr, Herr, auf der Haide?

Doch plötzlich verstummte er, horchte aufmerksam, ver- barg daS Beil schnell unter dem Pelze, und sagte leise: Sttll, ich höre Tritte, es kommt Jemand." Ein Diener öffnete auch in dem Augenblicke die Thüre und meldete, daß der Jude Jakob da sei.

Laßt ihn herein kommen", tief der Staroft, und kurz nachher stand Jakob, der durch die Gärten einen näheren Weg zum Schlöffe, als Heinrich, gegangen und diesem da­her zuvorgekommen war, vor ihm.

Nun, Manschet," schnob ihn der Starost an,hast Dn das Gcld?"

G-ld?" fragte scheinbar erstaunt Jakob,Euer Gnaden haben ja nicht beliebt, welches von mir zu verlangen."

Hund," fuhr der Starost auf,willst Du meiner spotten, oder hast Du Dich in der Hochzeitsnacht um Deine fünf Sinne gelikbkos't, daß Du nicht mehr weißt, wie Du

JluftrirteS LonutagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sch« JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

25 Pf», berechnet.

I daß bet Entwurf in nächster Zeit in die weiteren Stadien der Berathung innerhalb des Staatsministeriums gelangen wird. Jrn günstigsten Falle würde die Vorlage des Gesetze» in bet zweiten Hälfte ber Session des Abgeordnetenhauses erfolgen. Eine Berliner Coirespondenz spricht den Wunsch aus, daß von ber Festsetzung des Termins für die Reichs­tagswahlen auf denselben Tag, wie die Eröffnung deS Land­tages Abstand genommen würde. Davon ist niemals die Rede gewesen Bekanntlich ist der Termin für die Reichs- tagSwahlcn auf den 10 , die Eröffnung dcS Landtages auf den 12. Januar festgesetzt. Mit dem 1. b. MtS. ist für bie Verwaltung bet Zölle unb ber indirekten inneren Abgaben der Provinz Brandenburg mit der Stadt Berlin ein Provinzialsteuerdirektor mit dem Sitze in Berlin und mit dm Pflichten und Befugniffen der in den anderen Provinzen bereits fungirenben Provinzialsteuerbirektoren an­gestellt worben. Dagegen stnb die bisherigen Abteilungen für inbirekte Stenern beibet Regierungen zu Potsdam und Frankfurt a. O. aufgelöst worden. Dem neuen Provin- zialsteuerdirektorium werden außer den bisher zum Ver, waltungsbcreich der erwähnten Regierungöabtheilungen ge­hörigen Beamten, einschließlich ber in PotSbam unb Frank­furt a. O. bestehenden Erbschaftsteuerämter das bisher in Berlin in 2 Abtheilungen fungitenbe Erbschaftsteueramt, sowie die beiden Hauptsteuerämter für in- und ausländische Gegenstände untergeordnet werden. Die bezeichneten Be­hörden reffortirten unmittelbar von dem Finanzministerium. Die Nachricht, daß bet älteste Rath im StaaiSmini» ftetium, Geh OberregierungSraih Esteimann im Januar abgehen wirb, ist vollständig au» der Lust gegriffen. Daß auch ter Verbreiter ber Nachricht, baß Geh. Rath Bettel­mann daS Kuratorium des RcichSanzeigerS niederlegen und diese Stelle überhaupt auf gehoben werden wird, nicht mit den thatsächlichen VerhällN!ffen vertraut ist, geht schon au« dem Umstande hervor, daß bet Etat für da« StaatSmiui sterium bereit» vor längerer Zeit enbgültig unb unver­ändert festgestellt worden ist.

Bochum, 7. Oct. Die Petitionsbewegung in Sachen ber Eisenzölle, welche in ben letzten Wochen in den Kreisen Essen und Duisburg stattgefunben hat, wirb jetzt, wie man berW. Z." von hier schreibt, auch im Bochumer unb i Dortmunder Wahlkreise in Szene gesetzt. DaS Petitum der bezüglichen in Zirkulation gesetzten Eingabe an den Fürsten»Reichskanzler läuft nam dem von betW. Z " mitgeiheilten Wortlaute betfelben im Wesentlichen aus fol- genbe Punkte hinaus. 1. Daß die deutsche Arbeit nicht ohne eine billige Gegenseitigkeit der Wettbewerbung fremden ArbeitsbedürfniffeS auf ihren eigenen Markte preisgegeben werde; 2. daß die deutsche Eisen unv Stahlindustrie l icht hier an eben dieser Stelle auf den Knieen gelegen und mir versprochen hast, nach gehaltener Hochzeit zweitausend Thlr. zu zahlen?"

Ich erinnere mich wohl, daß ich versprach, mir von meinem Schwiegervater das Geld geben zu lassen; allein auch dieser hat es nicht, unb es wirb ihm wohl eben so unmöglich sein, bte Summe aufzutreiben, al« mir, obschon ich bereit« feit meiner Rückkehr einmal deshalb an ihn ae- schrieben habe."

-Das mag fein unb ist schabe," sagte gelaffen bet Starost,aber ich erinnere mich genau meine« Schwure«, unb ben werbe ich halten. Ich versprach Dir, wenn Du baS Gelb nicht schafftest, sollst Du hängen, unb bas soll pünktlich geschehen." Er klingelte nach biefen Worten und hieß ben herbei eilenden Diener, einige handfeste Knechte herauf schicken. Dies geschah, und nun redete ber Staroft den Juden an:Entschließe Dich schleunig, schaffe da« Gelb, ober Du hängst im nächsten Augenblicke." Jakob kämpfte zwischen ben Regungen des Zornes, bet Furcht und ber Liebe zu feinem Eigenthume, unb schwieg.Nun denn, Knechte," rief bet Starost,so packt ihn und hängt ihn auf brm Hofe." Die Dienet gehorchten bem Befehle, faßten ben Juden unb rissen ben Widerstrebenben nach ber Thür des Zimmer« hin.

Greift nur derb zu," rief ber Valky höhnisch,unb hängt ben Hund über ben Saukoben auf. Als Strick könnt ihr ben brauchen, ber zum letzten Schweineschlachten gebient hat." Unter biefen Reden hatten die Knechte ben Unglück­lichen bereits bi« zur Thür gezerrt, als er stch nach langem Kampfe umwandte unb rief:Herr, ein Wort, und bann möge mir geschehen wie Euch beliebt." Der Starost befahl ben Knechten, zu warten.Gnädiger Herr," sprach nun mit zitternder Stimme ber Arme,die ganze Summe kann ich Euch nicht schaffen, unb ist da« die umwanbelbare Be­dingung, an welche mein Leben ober Tod geknüpft ist, so muß ich sterben. Wollt Ihr aber Euch an der Hälft«