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Marburg, Dienstag, 10. October 1876.

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im dichtesten Kugelregen; in seiner nächsten Umgebung fielen ein Generalstabsoffizier, der Lieutenant von HeinecciuS, und zwei Ordonnanzen. General von Bose selbst wurde zum zweiten Male schwer verwundet.

Am 17. Juni erfolgte die Ernennung von Bose'S (bis dahin war feine Stellung nur eine interimistische gewesen) zum Kommandirenden General des 11. Armeekorps. 1873, 22. März, wurde er zum General der Infanterie, am 2. September desselben Jahres zum Chef des 1. Thüringischen Infanterie Regiments Nr. 31 ernannt.

mich doch in Frieden, ich werde mich schon selber wahren. Sieh Du lieber zu, wo Pichori liegt und sorge, daß Du dort Geschäfte gemacht hast, wenn ich komme."

Sie schritten nun rasch vorwärts und waren bald am Ziele. Als sie in die reinliche Stube traten, kam ihnen Rebecea sogleich als alten Bekannten entgegen, hieß sie freundlich sich setzen und brachte augenblicklich Speise und Trank zur Eiquickung.

Ihr habt einen schlimmen Weg gehabt, sagte sie,setzt Euch doch näher zum Ofen und legt Euer Gepäck ab. Der Schnee ist tief und der Wind scharf, da wird das Reisen schwer."

Freilich wohl," erwiderte Anton,allein wenn man solch ein angenehmes Ziel weiß, als uns bekannt war, da tröstet man sich im Voraus mit den Annehmlichkeiten, die uns erwarten."

Ich will versuchen," sagte Rebecca,Eure Hoffnungen nicht zu täuschen und Euch, so gut das Haus vermag, bedienen. Freilich wird das nicht eben viel fein, denn un« fere Mittel find gering, aber am guten Willen wird es nicht fehlen."

In diesem Augenblicke erscholl der Ruf einer krähenden, heiseren Stimme, welche nach SchnappS tief, und dies zwang Rebecca, die Freunde zu verlaffen.

Gut, daß ste geht," murmelte Heinrich,ich kann da« Judengefchmeiß durchaus nicht leiden! könnte ich in diesem verwünschten Polen nur anderswo einfp rechen, als bei dem Pack, wie glücklich wollte ich sein."

Zänker, der Du bist," sprach Anton,steh lieber hin, aaS das für eine vermaledeite Gestalt ist, die uns der schönen Wirthin beraubt hat. Der Höcker hinten und vorn, die kleinen Schweinsaugen, das pockennarbige Gesicht, die breitgeschlagene Nase, alles paßt herrlich zusammen, um ein vollkommenes Ungeheuer zu bilden."

General von Bose.

Im Elsaß, dem wiedergewonnenen Reichslande, sind ! vor wenigen Tagen hohe Worte des Friedens und kaiserlichen Wohlwollen« gesprochen und mit Worten des Friedens und ehrfurchtsvoller Ergebenheit erwiedert worden. Die Ehrfurcht und Vertrauen erweckende Erscheinung des kaiser­lichen Herrn hat auf die Bewohner des Elsaß einen tiefen Eindruck gemacht. Aus jenen Schlachtfeldern, auf welchen ,D0r sechs Jahren die deutsche Tapferkeit im blutigen Ringen die ersten entscheidenden Siege erkämpft, deren nächster Erfolg die Flucht des Feindes über die Vogesen war, auf diesen Felbern sah das elsässische Volk den Kaiser seines Amtes als höchster Verwalter der deutschen Wehrkraft warten. ES sah in ihm den Vertreter der Kraft, die ent» schlossen ist, das in ruhmvollem ehrlichem Kampfe Erwor­bene festzuhalten; e« sah in ihm aber auch das Wohlwollen und die Liebe verkörpert, die Deutschland den wiederge- I wonnenen StammeSgenossen entgegenträgt. Nicht al« fremder Eroberer, sondern alS deutscher Herrscher zu einem deutschen Volksstamme, der auch unter fremder Herrschaft deutsche Sprache und deutsche Sitte festgehalten hat, war der Kaiser gekommen.

Wenn der Besuch des Kaisers unwillkürlich die Er­innerung an die großen Augusttage de« Jahres 1870 wach ruft, fo gereicht es und zur besonderen Freude und Be­friedigung, heut einem der Heerführer den Ausdruck unserer DankeS und unserer Verehrung zu zollen, die bei Weißenburg und Wörth Deutschlands Kriegsmacht zu Kampf und Sieg geführt haben. Am 8. Oktober begieng der General der Infanterie, tommanbtrenber General des 11. Armeekorps, von Bose, die Feier des Tages, an welchem er vor 50 Jahren in die preußische Armee getreten ist.

Julius von Lose, geboren am 12. September 1809, trat am 8. Oktober 1826 im Alter von 17 Jahren bei dem 26. Infanterieregiment ein, wurde im folgenden Jahre Potepscfähnrich, 1829, 14. März Sekondelieutenant und avancirte am 26. September 1843 zum Premierlieutenant, 1845, 25. Januar wurde er als Adjutant zur 7. Land wehrbrigade, 1847, 27. März in derselben Eigenschaft zum Generalkommando des 4. Armeecorps tommanbirt. 1848 zum Hauptmann in der Adjutantur beförbert, ging et am 17. Juli 1852 als Kompagniechef in bas 27. Infanterie- Regiment über. 1853 wurde er zum Major im General» stabe der 8. Division ernannt, 1855 zum Generalkommando des 4. Armeekorps versetzt, 1858 zum Chef deS General« stabeS deffelbe» Armeekorps beförbert. Am 22. Mai bee- felben JahreS erfolgte seine Ernennung zum Oberstlieu­tenant; 1860 würbe er mit Führung be« 40. Infanterie- Regiment« beauftragt, in bemfelben Jahre zum Obersten und Äommanbeur beS Füsilier »Regiments Nr. 40, 1861,

Möge eS bem hochverehrten Jubilar noch lange ver­gönnt sein, in bem Armeekorps, mit bem sein Name un­auflöslich vecknüpft ist, bie kriegerischen Tugenden zu pflegen, die ein Erbtheil unserer Armee sind, und die von Gene­ration zu Generation zu verpflanzen, die höchste Aufgabe unserer Heeresleitung ist. (Post.)

[Der Sehr, Den CsSnieza.

Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Dr.

W. Bernhard i. z

(Fortsetzung).

ES wat in der zweiten Hälfte deS Januarmonats, als um bie Mittagszeit zwei Wanderer, begleitet von zwei mächtigen Hunden, durch die öden, schneebedeckten Felder auf ein Städtchen, welches in einiger Entfernung vor ihnen l»fl, zuschritten. Die Sonne glänzte matt vom blauen Himmel auf die weiten Ebenen hernieder, welche kalt und Ion die Sonnenstrahlen zurückstrahlten, die Luft wat hell Und Har, und bie Umriffe aller Gegenstände schnitten sich scharf unb sicher ab. Bei einem Baume, besten kahle, schneebedeckte Beste sich gleichsam betlangenb gen Himmel «npor streckten, stauben bie beiden Wanderer still, um sich von den Mühsalen deS Weges etwas zu erholen, und blickten um sich.Dort liegt Osttowo," sprach der eine, nbem er mit bem Stabe nach bem Orte hinwies,unser vorläufiges Ziel, unb dort wohnt auch die hübsche Jüdin, deren Vater uns so gastfrei unb freundlich aufnahm. WaS »einst Du, Heinrich, würben wir nicht auch bei dem Schwiegersöhne gutes Quartier finden, unb zwar aus dop- pelter Ursache, einmal als vom Rabbi Empfohlene, unb bann dlS Zechgäste für unser gutes Geld?"

Geh' mir mit Deinen Juden I* entgegnete der Anbere »der Teufel traue bem Volke! Sie sind, wie eS ihr Vor- theil erfordert, freundlich, kriechend, schmeichlerisch, unb bie ärgsten Schufte unb Betrüger.

O!" sprach ber Erstere,Du ihust Unrecht. Der alte tote Mann unb seine anmuthige Tochter verdienten wohl kür die Labung und Ruhestätte, die sie unS zukommen »eßen, von Dir ein besteres Lob."

LageSbericht

ES ist eine Thatsache, daß die Produkte ber einheimi­schen Lanbwirthschaft weitaus nicht mehr zur Ernährung ber eigenen Bevölkerung auSreichen unb baß von Jahr zu Jahr bie Einfuhr zu-, bie Ausfuhr rapide ebnimmt. In solcher Zeit ist eS bie ernsteste Pflicht be« Staates ein jo wich­tiges Mittel zur Vermehrung ber inländischen Produktion, wie es sich in der Trainkultur bietet auch den ärmeren LandcStheilen zugänglich zu machen. Anvere Länder haben sich die Vorlheile der Drainage längst im großen Maß­stäbe zu Nutzen gemacht. In Frankreich wurde bereits 1856 ein Draingesetz erlaffen und zugleich 100 Millionen Francs zur Erleichterung von genoffenschaftlichen Drain- Unternehmungen zu 4 Prozent Zinsen und in 25 Jahren zu amortifiten, zur Verfügung gestellt. Die hypothekarisch eingetragenen Meliorationsdarlehen haben die Priorität vor allen anderen Schuldforderungen. In England stellte das Gesetz vom 28. August 1846 die allgemeinen Grund­sätze für die Ausführung von Bodenverbefferungen, gegen­über den Rechten der Hypothekengläubiger, der Pächter und sonstigen Grundberechligten fest. In Irland sind durch die Gesetze vom 8. Juni 1847, 24. Mai 1849 und

Gewiß," schalt Heinrich,wenn ich solch ein ver­liebter Thor wäre, wie Du, der gleich schwatzt wie eine Elster, und alles haarklein erzählt. Mich wundert nur, baß Du bem Alten nicht auch erzählt hast, wie viel Gelb jeder von uns bei sich trägt.

Unb hätt' ich eS gethan," entgegnete Anton,so war baS auch gleichgültig.

Ach was", sagte Heinrich,baS sprichst Du nur, um mit Deiner Jübin recht nach Herzenslust liebäugeln zu können unb mich in bem Pichori sitzen zu lasten. Nein, nein, barauS wird nichts, eS bleibt beim Alten, ich gehe zum Starosten, laufe womöglich und komme mit dem Vieh nach Pichori, wo Du inbtffin Deine Geschäfte wirst ge- macht haben. Dann geht es geraden Weges gemeinsam inS liebe christliche Vaterland."

Wenn Du eS fo haben willst," sprach behend Anton, meinethalben, des Menschen Wille ist sein Himmelreich! Aber, wenn Dich die hübsche Reb.cca tobt schlägt, so be- schwere Dich nachher nicht, als hätte ich es meinerseits an Freunbschast gegen Dich, meinen leiblichen Vetter er­mangeln lasten, ba ich mich doch erboten habe, mich von ihr an Deiner Statt umbringen zu lasten."

So waren sie bem Oertchen näher gekommen unb konnten eS nun völlig übersehen, ba es ausgebreitet vor ihnen lag. Das Schloß beS Starosten lag, durch ein kleines Fichten Wäldchen vom Orte selbst getrennt, dem Anscheine nach eine Viertelstunde ungefähr vom Flecken entfernt. Am Ende desselben, nach dem Schlvste zu, erhob sich ein neugebautes einladendes HauS.

Das wird wohl", sagte Anton, indem er auf dasselbe wie«,die gefürchtete Mordschenke sein. Nochmals biete ich Dir den Tausch an, Heinrich, besinne Dich wohl, nach­her ist es zu spät."

Dummer Schnack, mit Deinem ewigen Hänseln, laß

Unter den hohen Orden, mit welchen der Jubilar seinem Kaiser und Könige ausgezeichnet ist, nennen wir Großkreuz deS Rothen Adlerordens mit Eichenlaub Schwertern am Ringe, den Orden pour le merite, Königl. Kronenorden 2. Klasse, das Eiserne Kreuz 1. 2. Klasse, den Johanniterorden. Außerdem schmücken ihn zahlreiche fremdherrliche Orden, darunter das Komthurkreuz des württembergischen Kronenordens, das Großkreuz des FriedrichSordenS, der Kaiser!, österreichische Leopoldsorden, der Kaiser!, russische Alexander-Newskyorden und der St. Georgenorden 4. Klasse u. a.

20. September, zum Chef der Abtheilung für die Armee- Angelegenheiten im Kriegsministerium ernannt. 1863 wurde er militärisches Direktionsmitglied der Centralturnanstalt, 1864 am 25. Juni erfolgte feine Ernennung zum General­major und Kommandeur der 15. Jnfanteriebrigade.

Der Krieg von 1866 trug der 15. zur Division Horn gehörige» Brigade unb ihrem tapferen Führer unverwelkliche Lorbeeren ein. Es war ein rascher aber blutiger Sieges­lauf von Münchengrätz über Gitschin bis Königgrätz. Die Division Horn beren Gros an biefem Tage Generalmajor von Bose befehligte, bilbete gewissermaßen bie Avantgarde der ersten Armee. Ihr todeSmuthiges fünfstündiges Aus- harren im Holawalde unter dem vernichtenden Granatseuer des Feindes, sichert ihr ein unvergängliches Andenken in ber preußiechen Armee unb im preußischen Volke, unb legt da« glänzendste Zeugniß ab für die großen Eigenschaften der Führer, die eS verstanden, unter den schwierigsten Um­ständen den Geist ruhigen unerschütterlichen AuSharrenS in jedem Manne zu erwecken und aufrecht zu erhalten.

Am 30. Oktober 1866 erhielt v. Bose das Kommando der 20. Division, am 31. Dezember desselben Jahre« wurde er zum Generallieutenant ernannt, 1870, 18. Juli für die Dauer des mobilen Verhältnisse« mit der Führung des 11. Armeekorps beauftragt, an dessen Spitze et einen so bedeutungsvollen und entscheidenden persönlichen Antheil an den ersten ruhmvollen Kämpfen der brüten Armee nahm, deren an das 5. Armeekorps sich anlehnenden und mit diesem in Tapferkeit und frischen Angriffslust wetteifernden linken Flügel das 11. Korps bildete.

Bei Weißenburg führte der umfaffenbe Angriff beibet Korps gegen bie Stellung beS FelnbeS um baS Schloß Geißberg die Entscheidung herbei. Bei Wörth fand bas 5. Armeekorps bei feinem kühnen Frontalangriff in ber tafchen unb entschlossenen Mitwirkung beS Generals von Bose auf bem linken Flügel (auf dem rechten Flügel brangen die Bayern vor) eine für den Busgang des Kampfes ent« scheidende Unterstützung. Es wat ein blutiges furchtbares Ringen um die festen Stellungen der Franzosen bei Elsaß - Hausen. In dem gewaltigen Ansturm waren alle Verbände Der einzelnen Truppenkörper auseinandetgetifsen. Rasch und energisch aber wurden die Kompagnien und BataillonS- Vetbinde wiederhergestellt, unter der ausmunternden un­mittelbaren Mitwirkung ves kommandirenden Generals und bet Divisionskommandeure, die sich in den vordersten Schützen­linien befanden.

Auch an dem allgemeinen entscheidenden Angriff auf Fröschweiler nahm das 11. Korps unb sein Führer ben ruhmvollsten Antheil. Obwohl bereits verwunbet, führte General von Bose seine rasch wieber gesammelten Bataillone unter bem mötberischen Feuer beS FeinbeS gegen bie furcht« baren feinblichen Stellungen vor. Der General befanb sich

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJüuftrirteS tonntagSMatt" durch die Expedition («och'fche Buchdruckerer) bezogen 31 Mark, durch dre Postömter deS Deutschen Reiche« 3 Mark 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespattene Znle 10 Pfa. Für rn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

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