Marburg, Donnerstag, 5. Cctobcr 1876.
»r. 28«.
XL Jahrgang.
Der Seher von CoSnieza.
werden wir Eme Güte dankbar anerkennen. Denn da | Joch der Fremden, aber er wird auch die HcrzcnSbärtiakcit w r morgen mit dem Frühesten weiter zu gedenken, und derer strafen, die nicht hören auf das demülhige Flehen wir Euch gewiß behlnd-rn oder beschränken, so danken wir des Geschlagenen, Gestoßenen, Mißhandelten, er wird Euch für Euer freundliches Anerbieten." Gericht hallen und die ungcrcchlcn Unterdrücker verwerfen
»Ihr se«d zu ermattet, meine Freunde", entgegnete der und ihr Geschrei um Erbarmen auch nicht hören wie sie Greis, „bleibet also. Mich und die Meinen störet Ihr nicht den Jammer der Elenden und Armen gehört'haben "
Greis,
so.
SN.
diskontire, welche das Wort „Mark" genau in dieser Recht schreibung tragen. Diese Kreditanstalt hat ganz kürzlich sich geweigert, die Tratte eines Ftorenzer Hauses auf ein
Eme höhere Rölhe färbte bei di.sm Worten sein Antlitz, seine ehrwürdigen Züge nahmen einen erhabenen Ausdruck an, und sein großes Auge flammte einen Augenblick hindurch mächtig. Allein er faßte sich bild und indem rr den er. höhten Ton seiner Stimme mäßigte, sagte er: „Wenn Ihr an Ort und Stelle seid, findet Ihr ei^en ehrlichen Lerather, im Falle Ihr Raths bedürft und ihn hören wollt, an meinem künftigen Schwiegersöhne Jakob, welcher dort die Schenke besitzt. Und hier steht," fuhr er fort, indem er auf Reb-cca deutete, „diejenige, milche Euch dort Speisen und Lagerstatt bereiten wird. Doch ihr bedürfet der Ruhe, meine Freund,, folget darum getrost der Magd,
Uebcr die In Konstantinopel getroffene Entscheidung bezüglich der seitens der Mächte gestellten Friedensprcpo- itioncn liegen wenig aussichtsvolle Nachrichten vor. Die letzten Telegramme lassen erkennen, daß im Rache deö Sultans diejenige Partei das Uebergewicht hat, welche darauf
Tie Fremden ließen sich endlich bewegen, blichen, und machien es sich bequem. Im Verlaufe des Gesprächs erfuhr der Greis von dem Fremden, welcher das Wort bis- h-r g.führt hatte, er heiße Anton, und sein Reiscgesell schafter Heinrich, sie wären beide Vettern und aus Strausberg gebürtig. Ihr Zweck sei gegmwärttg, nach Ostrowo zu reisen und dort von dem Starosten eine beträchtliche Anzahl Vieh cinzuhandeln.
„Ter Weg ist weit", sagte der Rabbiner, „fürchtet Ihr
nicht. Oben in einem Kämmerchen stehen zwei Betten, bedienlEuch derselben, und ziehet morgen früh, unter Gottes Obhut, weiter, zu welcher Zett Ihr immer wollt."
Zur Illustration der Zustände in den christlichen Ländern der Pforte entnehmen wir dem Wiener „Fremdenblatt" folgenden „Nachtrag":
Man meldet unS, daß aus dem Gefolge deS Kanonikus Dr. Liddon, der nach der Türkei gereist ist, um die Zustände der Christen dortfelbst zu untersuchen, sebr traurige Nachrichten aus Bosnien eingelaufcn sind. Die Türken, und zwar die regulären Truppen, gehen mit der furchtbarsten Grausamkeit vor, sie psählen alle Christen, die sie mit den Waffen in der Hand fangen oder bei denen sic in den Häusern Waffen finden. Diese Meldung soll angeblich durch Offiziere unv Mannschaften von österreichischen auf der Save verkehrenden Schiffen bestätigt werden.
Bus Madrid wird telegraphisch berichtet: Die „Nachricht einiger auswärtigen Blätter, daß der päpstliche Nuntius Madrid verlaffen würde, falls die Regierung dem Artikel 11 der Verfassung eine liberale Auslegung geben sollte, entbehrt absolut aller Begründung."
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Lord Derby hat in seiner Orientrebe vom 28. v. M den Umstand als einen für die Frtedensverhandlungen günstigen bezeichnet, daß auf keiner der beiden Seiten ein ent schiedener Erfolg errungen worden ist. Die beiden Parteien würden die Angelegenheit als ein nicht entschiedenes Spiel betrachten und zum status quo zurückkchren. Der Erfolg hat gezeigt, wie irrig diese Voraussetzung war und wie schwierig gerade unter dt°sen Umständen die Friedens- Verhandlungen für die Mächte sein müssen, weil in keiner Richtung eine Pression ansgeübt werden kann. Keiner der kriegiührenden Theile hält die Wiederaufnahme der Feind seligkeiten für keinen besonderen Nachthcil, wie das Beispiel Serbiens ^zeigt. Serbien lehnt den „status quo" ab, weil das Spiel ein untcntschiedenes ist und etz mehr gewinnen zu können hofft. Die Türkei lehnt als Siegerin das Zugeständniß der lokalen Autonomie ab, will aber großmüthig den „status quo* für Serbien und Monte- gro „wiederherstcllen". So steht die orientalische Frage in diesem Augenblick. Wir sind begierig, welche Mittel die Erfahrung des Lord Derby ausfindig machen wird, um die verwickelte diplomatische Schachaufgabe zur Lösung zu bringen.
Das himmlische Reich, in welchem bisher nur auswärtige Silbermünze gang und gebe war, steht im Begriff, ein an das amerikanische sich anschließende Münzsystem und eine eigene Münze sich zu Eigen zu machen. Die offiziellen Verhandlungen mit dem nothwendigen Sachver ständigenpersonale sind angeknüpft. Die Entwerthung des Silbers wird demnach keine weiteren Fortschritte mehr machen können, da China einen nahezu unbegrenzten Metallbedarf hat.
keine Unfälle, da Ihr, wie es scheint, so bedeutende Geld-' summen bei Euch tragt."
„Ach bewahreI" rief behend Anton, „unseren Stöcken und unseren Hunden können wir unbedingt verträum."
„So, so, wenn das ist, so habt ihr nichts zu besorgen. Aber kennt Ihr den Starosten, zu welchem Ihr wollt?"
Gruner Haus zu dtSkonliren, aus dem einzigen Grunde, > rechnet, daß die Jntereffengegensätze der europäischen Mächte weil die Summe mit dem Worte „marcs" anstatt in „Maik" sich wie bisher so auch ferner als die besten V rbündetm ausgedrückt war, wie sich dies in französischen Und italieni-1 der Türkei und die sichersten Pfeiler des status quo im
Anton verneinte das „Er soll wie mir mein Neffe Jakob sagt," sprach der Rabbi, „ein wilder Mann sein von rohen Sitten und harten Sinnes. Ein Schlemmer, stets halb trunken und besonders jähzornig; nehmt Euch also vor ihm in Acht, wenn Ihr mit ihm handelt. In. deffm kann eö sein, daß er gegen Leute seines Glaubens anders gesinnt ist, als gegen eie Söhne Israels, die zu schmähen dem Starosten ein großes Verdienst scheint. Wohl hat der allmächtige Gott die Schmach und Verfolgung seiner Kinder zugelaffen, und sie gebeugt unter das
Tage-bertcht.
In einem Cireular an die Handelskammern bett, die Pariser Weltausstellung von 1878 hat der Handelsminister die Erwartung ausgesprochen, daß von Seiten des Reichs die Kosten des Gütertransports, die Einrichtung der Ausstellungsräume und der allgemeinen Dekoration, mithin diejenigen Ausgaben werden übernommen werden, welche der Gesammtheit der Aussteller zu statten kommen, falls die deutsche Industrie in ihrer überwiegenden Vertretung zur Betheiliguug bereit sein sollte.
Die „Corresp. vom.Sunde" bringt heute folgenden Artikel: „Nach einem körrigl. preußischen Erlaß ist die dänische Sprache in gewissen nordschleSwig'schcn Versammlungen nur noch in fünf Jahren zulässig. Diese Anordnung hat ein doppeltes Interesse. Erstens erkennt sie, — waS man bisher nur ungern gewollt — die dänische Sprache als vorherrschend bis Tondern und Flensburg, zwei tenS schließt sie von den Versammlungen, in denen das dänische noch fünf Jahre gesprochen werden darf, die Ge- meindevertretungen der Städte, in welchen eine künstliche deutsche Mehrheit geschaffen worden, tote auch die Kreis tage j>on Apenrade und Sonderburg aus, während die dänische Sprache beim Kreistage von Hadersleben erlaubt ist. Dieser Unterschted ist, wie daS „Damvsike" bemerkt, höchst sonderbar, da in keinem der drei Kreise auf dem Lande deutsch gesprochen wird. Man kann ebenso gut die die Kreistage auflösen, als von ihnen zu verlangen, daß sie (bis auf wenige Ausnahmen) deutsch sprechen. Das „Dar.evirke" tröstet sich indessen damit, daß in den bestimmten 5 Eprachjahren der Art. V des Prager Friedens auSgesührt werde. „Die Hoffnung, macht keine Schande", sagt ein dänisches Sprichwort, aber cs ist wenig Aussicht vorhanden, daß man in Deutschland einsehe, daß die politische Ehre und Klugheit der preußischen Regierung gebieten eine vertragsmäßige Verpflichtung nicht ewig unerfüllt dastehen zu (offen."
Den französischen Handelskammern ist von dem jenseitigen Minister der Landwirthschaft und des Handels solgendeS Circular zugegangen. „Herr Präsident I Der Herr Minister der auswärtigen Angelegenheiten hat mich informirt, daß die deutsche Reichsbank nur solche Wechsel
erquickt hatten und Anstalten trafen, das HauS wieder zu verlassen, beginn der Greis: „ES ist schon spät, Ihr Fremdlinge, und bis zur Schenke deS OrteS eine ziemliche Entfernung; wollet Ihr also meine Wohnung nicht verschmähen, so seid meine Gäste und bleibet. Was ich Euch zur Erquickung und Erholung, so weit eS mein Gesetz er. laubt, bereiten kann, soll gern und willig geschehen."
„Wir sind Viehhändler, Herr", entgegnete einet der beiden Fremden, „und haben uns bei dem heftigen Schneegestöber verirrt. Das Licht, welches uns aus Eurer Woh nung entgegenstrahlte, als wir Weg und Steg verloren hatten, war unser Leitstern bis hierher. Wir standen in dem Glauben, cs sei die Schenke des Ottes. Bei unserem Eintritte überzeugten wir uns bald, dem sei nicht also, und daher wollen wir Eure Gastfreundschaft nicht miß' brauchen. Gebt uns nur einen Boten, der uns zur Herberge leitet, und das Gepäck trägt, welches wir haben, so
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|an sich gewiß nicht unrichtigen Erwägung and, daß die Türkei nicht rcformiren kann, wenn sie nicht die Grundbedingung ihres Seins mit eigenen Händen umwerfen will. DaS Fundament der gelammten staatlichen und gesellschaft- lichen, politischen und wirthschaftlichen Ordnung — richtiger vielmehr Unordnung: — in der Türkei ist der Koran, und derjenige Sultan oder Minister, welcher Reformen einführen will, die eine Gleichstellung der Christen und Muselmänner in der Türkei bezwecken, würde mit den gewaltigsten Explosionen deS alttürkisch-n strenggläubigen Fanatismus zu rechnen haben und wahrscheinlich kaum den Beginn seiner reformatorischen Thätigkeit übcrlchen. Wurde doch schon in den letzten Wochen wiederholt aus Konstantinopel gemeldet, daß die Alttürken sich von dem neuen Sultan wieder abwenden, weil er ihnen zu resormfreundlich sei, und beglaubigte Ccnespondenzen haben wiederholt konstatirt, daß der Sultan eS nicht wage und nicht wagen dürfe, auf ernstgemeinteReformvorfchläge einzugehen. Von diesem streng türkischen Standpunkte aus sind die Berather deö Sultans allerdings im Recht, wenn sie Beschlüsse faßten, denen er aud Rücksicht für die Mächte — vielleicht mit eigener peri sönlrcher Gefahr — seine Sanktion versagen zu müffen glaubt. 7 > . u !; ?.-■ r ' -j
Anzeigen nimmt entgegen: die «tt-edition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Dureaux von @ L. Daube & 6o. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß- ” ter in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Dr.
• W. Bernhardt.
(Fortsetzung).
Kaum waren die letzten Klänge deö Liedes verhallt, so Hirte man heftig an die Thüre pochen. Etwas erschrocken sprangen Vater uird Tochter von ihren Sitz n empor, doch soßte der erstere sich bald wieder, ging an daS Fenster und rief hinab: „Wer ist denn dort draußen?" Eine unbekannte Stimme antwortete in den beweglichsten Tönen: „Um GotteS Barmherzigkeit willen, öffnet uns armen Rei- f nben, die sich verirrt haben, nicht wissen wohin, und im Unwetter nicht weiter können." Einen Augenblick schwankte der Rabbiner, waS er thun solle, denn die einsame Lage deS Hauses, seine Hilflosigkeit im Falle eines mörderischen Angriffs und andere solche bängliche Gedanken durchflogen seine Seele. Allein bald war er entschlossen, und hieß der Wagd im Hause die Thüre öffnen, damit die Fremden ein- treten könnten. ES geschah, und bald darauf erschienen zwei junge Leute, deren AeußereS genugsam die gänzliche Erschöpfung ihrer Körperkräfte beurkundete. Ohne eines Wortes fähig zu sein, schwankten beide zu den nahestehenden Siffeln und erst nach einiger Erholung konnten sie Auskunft über sich geben und ihren Eintritt entschuldigen. Beide trugen grüne Oberröcke mit blanken Knöpfen, hatten Pelzmützen auf dem Köpft, hohe Stiefeln, schwere lederne Beldkatzen um den Leib geschnallt, in der Hand starke Peisestöcke und waren von zwei mächtigen Hunden begleitet. Sie schienen fast eines Alters zu fei und ihr AeußereS betrittst, ohuerachtet der E> tstellung durch Reise und Wetter, ziehung und Wohlhabenheit. Der Rabbiner befahl der agd, ben Fremdlingen Speise und Trank zu reichen, und > sie ein, sich an beide« zu erlaben. Nachdem sie stch
Erscheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen . . .. „—------------
«uchdruekerei) bezogen N Warf, burd, die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Warf 50 (ejl. »eft®gebftb^ Kfertton® e“S&?för bi! geSÄ
_______.______________qür m der Expedition zu ertherlenbe Auskunft und Annahme von Äbressen werden 35 Pf,, berechnet. 9 * o IV Vf8.
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Der „AgenceHcvas" zufolge enthä t die von der Pforte auf die FricdenSvorschläge der Mächte erthcilte Antwort eine Darlegung der für das ganze Reich etnzusührenden Reformen, durch welche die vollständige Emancipation der christllchen Unterthanen hergestellt werde; ferner wird darin die Nutzlosigkeit der Verleihung der lokalen Autonomie au Bosnien, Hezegowina und Bulgarien geltend gemacht,' jedoch ohne daß eine formelle Weigerung ausgesprochen" wird, und schließlich das Anerbieten einer Waffenruhe (nicht eines Waffenstillstandes) gemacht.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Amwncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M , Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. Ai. rc.
schm Wechseln häufig findet. Der Minister der Landwirth-, Orient erweisen werden. Diese Partei geht dabei schäft und deS Handels: Teifferene de Bort." f - njr ------- ~ - u *