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Marburg, Mittwoch, 4. Octobcr 1876.
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Anzeigen nimmt entgegen: die «q>edittou d. Blatte! sowie die Amwncen-Bureaur von G L. Daube & So. in
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Der Seher Hin CsSniez«.
Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Dr.
W. Bernhardt.
diationSgesuch und der Wunsch hinsichtlich der Suspension der Feindseligkeiten keinen anderen Zweck gehabt habe, als ohne Hinderniß die gesammten serbischen Streitkräfte be Alexlnatz konzentriren zu können.
Telegraphisch wird aus Wien gemeldet: General Su marakoff weilt noch hier. Die kaiserliche Antwort auf das Schreiben des Czaren ist noch nicht festgcstellt. Von guter Seite verlautet, man warte auf den Beschluß der Pforte über die Friedensbedingungen. Lauten dieselben bedingungslos annehmend, dann dürfte die österreichische Antwort auf daS Schreiben des Czaren dahin lauten, daß man dergleichen radikale Mittel vorerst noch perhoreScire. Wenn der türkische Beschluß ablehnend oder nur verzö gernd aussällt, dürfte die österreichische Antwort mehr in russischem Sinne lauten. Zur gemeinsamen Occupation könnte sich Oesterreich lediglich als Mandatar Europas entschließen, nämlich, trenn die gegenwärtigen Unterhand- lungen derartige Beschlüsse der Großmächte ergeben. An- tererseitS verlautet, die Großmächte acciptirtn prinzipiell eine Occupation, wenn Oesterreich daran Theil nehmen wolle. Die Stimmung ist eine sehr ernste.
Die sechs Großmächte, um deren Entscheidung hinsichtlich der Kompetenz der gemischten Tribunale der Khedive nachgesucht hatte, werden ihre Antwort bis zum 10. Oct. amtlich mittheilen, einige Tage also vor dem Wiederzu- sammentreten der Tribunale, welches auf den 15. October festgesetzt ist. Die Entscheidungen der deutschen, englischen und französischen Regierung sind dem Khedive bereits in halbamtlicher Weise mitgetheilt.
Deutsche« Rei* . T
** Berlin, 2. Oft. Von Seiten des Bunde-raths- auSschuffeS für Handel und Verkehr ist in Betreff der Vertagung der Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbe Nutzung und der Viehhaltung der Antrag beim ButideSrathe «ingcreicht, daß die Festsetzung des Zeitpunktes für die Ermittelung der Viehhaltung weiterer Beschlußfaffung Vorbehalten, die Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodcnbe- nutzung aber auf das Jahr 1878 verlegt werde. Ebenso st dem BundeSrathe das Protokoll über die Verhandlung der Patentenqustekommisston zugegangen. Nach der fast einstimmigen Ansicht der vernommenen Sachverständigen wird die gesetzliche Regelung des Patentwesens im Interesse der deutschen Industrie für dringend erwünscht angesehen.
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Verwüstet ist des Herren Stadt, Ui-L chj
3«trämmert ist des Tempels Helligthuui,,- .! Mhge »j »» Die Wolken ziehn über die öde Stätte, ? !L ” Und fragen wo ist Jerusalem? ' --mmm u '
Die Geber rauscht am Libanon, ’ ‘® .
Und Kidrons Quell durchwallt das heil'ge Land.
Umsonst seufzt «lättergeräusch und Welle, Ü -S-ö ,ni, Und fragen: wo ist Jerusalem?
Erscheint täglich außer den Werttagen nach Soun- und FeiertagemPreis für das Quartal mit der wöchenllichen Beilaae ___ ... 7777 —. .. 1
Buchdruckerei) bezogen 21 Werf, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Warf 50 Bfg? (ert.^ßrilaebftbr) b,ur? dte Expedition («och'fche
Sfa in der Expedition zu ertheittnde Auskunft SbItaM o°n !Kbug£ben 25 KZ berW?^ aef’’ofUn< 10
3« den Ergebnissen der Enquete seien im Großen tuO Ganzen die geeigneten Grundlagen für eine gesetzliche Ordnung be« Gegenstandes geboten, das Reichskanzleramt behält sich vor, den Entwurf eines Patentgesetzes demnächst zur Vor-
JLUnT: nflen‘ — war bisher in maßgebenden Kreisen ficht, den Reichstag noch im Laufe des Oktober zur Herbstsession zu berufen, doch wird jetzt mit Rücksicht auf die Wahlen daS Zusammentreten frühestens am 31. Oft. erfolgen. Außerdem kommt in Betracht, daß auf den 1. “nb November hohe katholische Festtage fallen, so daß die Verhandlungen sogleich eine Unterbrechung erfahren werden. DaS sind die Rücksichten, welche für die Even- tualrtät sprechen, daß der Reichstag erst am 3. November berufen werden wird: Eine Entscheidung ist bis jetzt noch nicht getroffen. — Die Thatsache, daß bei dem Beschluß des hannoverschen ProvinziallandtagcS, die Freigebung des Welsrnfonds betreffend, Herr v. Bennigsen als Antragsteller und Hauptredner betheiligt gewesen ist, ist vielfach als eine Bestätigung der Ansicht angesehen worden, daß der Antrag im Einverständniß mit der Slaatsregierung gestellt sei. @4" muß dahin gestellt bleiben, in wie weit eine solche Meinung berechtigt war. Zutreffend ist die auch in liberalen Blättern' vertretene Ausführung, daß die etwaige Zustimmung derl Regierung zu dem Anträge jedenfalls davon abhängig fein werde, ob Seitens der welfifchen Dynastie vorher Schritte geschehen, welche eine ausdrückliche Verzichtleistung auf die bisher in Anspruch genommenen Rechte einschließen. Maa hat in dieser Beziehung auf gewisse vermeintliche Anzeichen in der Umgebung des Königs Georg hinzuweisen geglaubt, dagegen muß die Thatsache betont werden, daß gerade tu dem Augenblick, wo der Provinziallandtag seinen auf Versöhnung und Ausgleichung gerichteten Bestrebungen so entschiedenen Ausdruck giebt, das Hauptorgaa des Welfen- thumes, die „Deutsche Volkszeitung," bei eiugetretenem Re- daktionSwechsel ein Programm aufstellt, welches mit derartigen versöhnlichen Absichten im schärfsten Widerspruche steht. Die Schlußworte dieses Programmes lauten nämlich: jeder Hannoveraner müsse dahin streben, daß Hannover als vollberechtigtes selbstständiges Land unter dem angeborenen Herrscherhause in das deutsche Reich eintrete. Demnach ist tark zu bezweifeln, daß der hannoversche Provinziallandtag bei Annahme des Antrages die thatsächltchen Verhältnisse richtig bcurtheilt hat. — Heute findet ein Minister-Rach tatt, in welchem die auf die parlamentarische Session bezüglichen Fragen zur Verhandlung kommen dürften.
Berlin, 2. October. Der „St.-Anz." schreibt: Ueber die Dauer der Liesetfristen im Gütertransport auf
braune Augen, in denen sich wundersam Kindlichkeit, Melancholie und milde Heiterkeit begegneten, eine sanft gebogene Nase, ein kleiner, rubinrother Mund, noch einen besonders ergreifenden Ausdruck gaben. Die reiche Kleidung hob die Schönheit der schlanken Gestalt in ihrer ganzen Jungfräulichkeit anmuthig hervor, und alle ihre Bewegungen sprachen graciöse Leichtigkeit auS.
„Nun, meine liebe Tochter", fragte der Greis, „was macht denn die Muhme Rahel?"
„Sie wird wohl," entgegnete mit wohltönender Stimme das Mädchen, „zu den Vätern versammelt werden, und eingehen in Abrahams Schvoß."
| .Möge", entgegnete der Vater, „fie der TodeSengel sanft hiuwegführen, und sie das Antlitz deS Herrn schauen. Sie war also sehr krank?"
„So krank dem Anscheine nach nicht", sagte Rebecca, „als schwach und abgemattet. Ich konnte mich der Thränen nicht erwehren, da ich sie sah. 01 wie schwach, mein Vater, ist der Mensch! diese Frau, vor einem halben Jahre noch gesund und kraftvoll, konnte sich jetzt nicht ohne ftembe Beihülfe im Bette aufrichten. Jeder Windstoß, der gegen die Fensterscheiben fuhr, erschreckte die Arme 'und alle« Geräusch ängstigte sie, sobald fie dessen Ursache nicht wahrnehmen konnte."
„DaS ist natürlich, meine Tochter," nahm der Rabbiner das Wort, „denn sie wird wohl beständig an ihren Sohn denken, der gewiß bereits auf der Reife hierher ist, da er die Nachricht von der Krankheit seiner Mutter erfahren hat."
„Ach, der arme Jacobi" entgegnete die Jungfrau mit einem leisen Seufer, welcher verrieth, daß auch ihrem Herzen der Genannte theuer sei; „er wird eine schlimme Reife bet diesem fürcht rlicheu Wetter haben."
„Und eine ernste Hochzeit," fügte der Vater hinzu, „der Herr gebe nur, daß er seine Mutter noch am Leben finde, und diese den Wunsch ihres Herzens, euch als Mann und Weib zu erblicken, noch in Erfüllung gehen sehe."
Die Jungfrau schlug erröthend die schönen Augen nieder
Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A. Rete- ▲ meyer in Berlin; Earl Schütz- ” (er in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kastel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln m; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Das grüne Thal ertönet nicht
Von deines frommen Volkes Lobgesang, 'V Nicht Harfenspiel, noch der Leviten Chöre, . . Durchrauschen laut die entzückte Luft. .■ Ui-j Ungläub'ge herrschen frevelhaft ;,m,4 In deinem Litze, spottend deines Volks,
E« war ein dunkler Dezemberabmd, der Wind flog beulend durch die Luft und trieb die großen, dichten Schnee- fiockm vor sich her, welche Wald und Flur mit schaurigem Weiß bedecktm. Da saß, am äußersten Ende des polnischen Stäbchens CoSnicza, im kieinm Stübchen der Rabbiner der dortigen Gemeinde, Isaac Ben David, ein ehrwürdiger Breis, und las in den heiligen Schriften. Vor ihm stand, in sieben Flammen brennend, bet heilige Sabbatleuchter f und er schien ganz im Lesen und tiefen Betrachtungen ver- ftnft. Plötzlich fuhr ein heftiger Windstoß gegen dqö Fenster, daß eS gewaltig dröhnte und klirrte, und den Greis aus seinen Gedanken emporriß. „Heiliger Gott unserer Liter", rief er, indem er aufstand, und zum Fenster schritt, »welch ein entsetzliches Wetter 1 diese Schneewirbel, in denen der Wanderer Weg und Steg verliert, diese Windstöße, ' von denen die Häuser zittern, wie müssen sie nicht dem 1 «men Reisenden gefährlich sein!" Er versank in neues l «innen und ging, wie es schien, sehr bewegt die Stube ' , auf und nieder. Da öffnete sich die Thüre deS Zimmers, 1 und ?nb ganz mit Schnee bedeckt, trat ein junges Mädchen
Wein, welches sogleich lebhaft auf den Rabbiner zueilte. I 1 »Erwärme Dich nur erst, meine Tochter", sprach dieser, i i »denn das Wetter ist grauenvoll, und dann setze Dich I 10',,-siedxr, damit ich erfahre, wie Du die Muhme gesunden 90,'l *a^,e I
88, J. DaS Mädchen wickelte sich aus dem umhüllenden Man , ikl, den fie sorgfältig auf einen Stuhl legte, band ein Tuch, I *omit sie sich sorgsam, der Kälte wegen, verwahrt hatte, und stand in wahrhaft blendender Schönheit vor dem
Wreise, der sie wohlgefällig lächelnd betrachtete. Lange \ __Fvarze Locken ringelten sich sanft an ben hold gerötheten i
Wangen eines edlen Antlitzes herab, dem schöne dunkel«
LaseSbericht.
Wie wir hören, soll Se. Majestät der Kaiser Wilhelm sich durch die Widerspenstigkeit der Serben persönlich sehr unangenehm berührt gefühlt und seine Ungeduld erklärt haben, den Frieden wiederhergestellt zu sehen. Es soll in der betreffenden Zett von der deutschen Retchsregierung der Vorschlag gemacht worden sein, in Serbien militärisch zu interveniren und Oesterreich mit der Exekution zu betrauen
Wie der Staatsanzeiger erfährt, beträgt nach tele graphischem Berichte aus Philadelphia (nach der der Vervollständigung noch bedürftigen Liste) die Zahl der deutschen Aussteller welchen Auszeichnungen verliehen worden find, virrhundertsechsundsetzig
Die „Cortesp. Stesani" schreibt: „Die Standhaftigkeit der deutschen Regierung in Beobachtung der Meigesetze hat alle indirekten Versuche einer Transaktion zwischen den Bischöfin und jener Regierung zu Richte gemacht. Perem- torische Befehle find nun der deutschen Geistlichkeit für einen festen Widerstand in Allem was die Rechte der K rche betrifft, vom Vatikan zugegangen. Einige deutsche Bischöfe haben dem Vatikan ehrerbietige Bemerkungen zukommen lassen. Dieselben beweisen , daß eS unmöglich wäre, den Widerstand in allen Dingen durchzuführen, ohne die Interessen der Kirche in Gefahr zu setzen. — Diese Benter hingen werden einer Prüfung unterworfen werden.
Die Mittheilungen der „Reuen freien Presse" über die Mission des Grafen Sumarakoff, haben sich als eine reine Erfindung erwiesen. Mindestens wird von offiziöser Seite erklärt, daß bis jetzt noch immer nicht der Inhalt des kaiserlichen Schreibens — dessen Uederbringer Sumarakoff war — errathen worden ist. Vergeblich ist das Bemühen, da« Geheimniß ergründen zu wollen, so lange man die Lösung in der Ferne sucht. E« scheint doch sehr natürlich, daß die beiden Monarchen sich in so schwierigen Zeitläuften Mittheilu'-gm zu machen haben, die mit einem „Ultimatum" oder ähnltclen diplomatischen „Spielpapieren" — um im Style der Börse zu reden — keine Sehnlichkeit haben, die aber wichtig genug sind, um sie nicht zum Gemeingut zu machen. ''
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Die Pforte hat an ihre Vertreter bei den Mächten ein Telegramm gerichtet, welche« die leeren Ausflüchte der serbischen Regierung konstatirt und versichert, daß das Mr-
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und fuhr dann nach einer Pause fort: „Gott erhalte sie noch lange, und ihre Freude fei ohne Ende."
„Amen," sprach der Vater, und legte die Hand öewcat auf des MäochenS Haupt. „Du bist eine gute Tochter und der Herr wird Dich behüten und Deine Schritte sea' neu Er wird Dein Herz mit Freude füllen, und Deine Feinde m Deine Hand geben. Vertrau' auf ihn, der Himmel und Erde gemocht hat, er wftd Dein Hort sein in aüen Trübsalcn der Welt, darum lobe den Herrn, o Seele und preise seinen Ramm. Sela."
Er schwieg, und eine lange heilige Stille herrschte im Zimmer. Schweigend nahm nun der Greis feinen gewöhn- "chen Sitz widerum ein, und die Tochter ließ sich ohnweit davon nieder. Er las eine Zeit lang, dann aber begann er von neuem: „Der Herr hat Dft, liebe Tochter, eine Kone Stimme gegeben, die dem Ohr lieblich klingt und die Seele erfreut. So finge denn das Lied, welches Jakob gemacht hat, auf die Trübsale unseres Volkes, denn e« paßt gar wohl zu der ernsten Stünde, in welcher wir leben." Ohne etwas zu erwidern, erhob Rebecca ihre Stimme und während ihr Vater aufuwrkfam zuhörte, fang sie fol' gendeS Lied: „ - '
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Der Berge Schlucht erschallet nicht ......... Von deiner Heldensöhne Kriegesruf, , ■ Drommeten nicht, noch der Posaunen Klänge Verkünden laut den gewalt'gen Kampf.