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Marburg, Sonntag, 1. Oktober 1876.
XL Jahrgang.
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Der seeleuvollc Ton zartester Weiblichkeit, mit welchcm die Braut diese Worte sprach, führten, bei der Glorie in ihrem Angesicht, zu welcher der tief empfundene Schmerz ich« jungfräuliche Schönheit in demselben verklärt Hai e,
matt gewordenes Auge aber, das zuweilen von furchtbaren Blitzen eines wirren Geistes durchzuckt wurde, das Haar, welches ihm wüst auf die Stirn fiel, der verschlossene Mund, die krampfhaften Bewegungen der Hände, das AlleS schien eine bestimmtere Antwort zu geben, als der beredteste
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auf keinen Frieden hoffen, oder denselben nicht herbeiwünschen. Sie errichten neue Redouten zwischen Alexinatz und Deli- grad, sowie Batterien auf den Gipfeln der Berge, die von dem Morawapaffe nach der linken Flanke der Division Suleiman Pajcha's führen. Das Plateau, welches Haflz Pafcha's Brigade besetzt hält, ist eine halbe Kanonenschuß weite von dem Eingänge zum Morawapaffe unweit Deligrad entfernt und jeder Quadratfuß ist dem Feuer aus sieben serbischen Redouten ausgesetzt. Der Angriff auf den tür- kischen Brückenkopf am letzten Freitag wurde nicht vom General Tschernaj-ff, sondern von einem russischen Subaltern- Osfizier befehligt."
Initiative ergreifen würde und deßhalb sei es zu Differenzen im badischen Ministerium gekommen und Jolly von seinem Posten zurückgetreten.
Der Stadtverordnetencongreß in Berlin ist nach dreitägigen Verhandlungen geschlossen worden. Eine zweite Session ist in Aussicht genommen. Wie sich voraussehen ließ, hat die Versammlung über das Dreiklassenwahlsystem keinen Beschluß gefaßt.
Am Donnerstag wurde in Pest der Reichstag eröffnet. Das bezüglich der AuSgleichssraze zwischen den beiden Hälften der österreichisch-ungarischen Monarchie nunmehr glücklich hergestellten Kompromiß bedeutet ohne alle Frage das schwerstwiegende Ereigniß, 'welches im Laufe diese« JahreS die innere Politik des Kaiserstaates bisher zu verzeichnen gehabt hat.
In England hören die EntrüstungSmebtingS allmälig auf. Selbst Herr Gladstone scheint der Ansicht zu sein, daß eS des grausamen Spieles nunmehr genug sei. Dieser Tage hat er eS abgelehnt, den Vorsitz bei der in der St. Jameshall abzuhaltenden Arbeiterversammlung, in welcher die Politik der englischen Regierung in der Orientfrage zum Gegenstände der Erörterung gemacht werden soll, zu übernehmen. Er glaubt, daß, nachdem er seine Anschauungen über die Frage seinen Wählern und dem Publikum dargelegt, und Lord Hartington'S Vorschlag für eine Herbstsession unterstützt habe, die Frage der besonnenen aber entschloffenen Erwägung des LanoeS überlaffen werden sollte.
In Griechenland macht die fortdauernde Ansiedelung tscherkessischer Kolonisten längs der theffalischen Grenze böses Blut. Der „Messager de Athönes" erklärt, daß die Pforte abermals in flagranti ertappt sei und beschuldigt jene der mala fides, da sie dem athenischen Kabinet das formelle Versprechen ertheilt habe, keine Tscherkeffen mehr in die griechischen Grenzdistrikte zu entsenden. Demselben Blatte zufolge ist der Rckrutirungsgesctzentwurf soweit gediehen, um der Kammer gleich nach Eröffnung der Session unterbreitet werden zu können. Die mit Ausarbeitung deS Entwurfs betraute Commission soll nach französtchen Vorbildern gearbeitet haben, nur mit der Modifikation, daß die Dienstzeit im stehenden Heere auf zwei Jahre normirt wird und weder das Institut der Einjährig-Freiwilligen noch UclaubSertheilungen noch anderweitige Dienstnachläffe Ausnahme finden.
Der Diener der Gerechtigkeit.
Eriminal» Novelle von A. L. Lua.
(Fortsetzung).
Herr von Grünau saß trauernd in seiner einsamen Stube und hatte sich schon seit mehreren Tagen nicht mehr vor Leuten sehen laff.n, als Louise und die Schulzin zu ihm eintraten. Mutier und Schwester desjenigen vor sich zu sehen, durch den, wie e8 sich doch als ziemlich wahrscheinlich herausstellte, ihm die einzige Schwester geraubt: was für ein Zittern und Beben erweckte das in seiner Seele I Die geheimsten Kräfte seines Gemüths wurde durch den Sturm von Gedanken und Gefühlen, der ihn wüthend berückte, furchtbar ausgeschreckt und zum wilden Kampf gegen einander geführt, die tiefste Stille seiner Brust in ihrem Centrum angegriffen, und wer konnte wissen, ob Haß oder neu verklärte Liebe die Ausgeburt dieser fast übermenschlichen Erregung sein würde! —
Louise erkannte sogleich den gewaltigen Kampf, welcher in der Brust des Bräutigam- tobte.
„Dich quält," sprach sie, „ein Schmerz, dessen Grund nichts Anderes ist, als Dein Verhältniß zu wir. Dos ertrag' ich nicht! — Du sollst Dein so ungetrübtes Leben an meinen finstern Gram nicht knüpfen. Sünde wäre es von mir, auf Dich irgend Anspruch erheben zu wollen. Einsam will ich mein Leben beschließen und die treue Liebe zu Dir in dem tiefsten Herzen bewahren als die höchste Gabe de« Himmels, die mir bis jetzt geworden, als das einzige Licht in der Nacht meines Lebens."
sowie daß im Jllnftrirte« Simntagsttatt in Nr. 40, welche mit der Nr. für den ersten October ausgegeben wird, beginnt:
Ein weiblicher Polizei-Agent, Erzählung aus dem Tagebuch eines Criminal- beamten von L. Schub ar.
SÄ* Um vollständige Exemplare zu erhalten bitten wir die Bestellung baldigst machen zu wollen.
im Feuilleton der Zeitung Anfang October Abdruck kommt:
Der Seher von Cosnicza, Erzählung aus dem polnisch-jüdischen Volksleben von Dr. W. Bernhard i,
15.
Während sich nun die Mutter und Louise über ihr Schicksal etwas beruhigten, rückte der Tag der öffentlichen Gerichtsverhandlung über die Brandstiftung, deren Wilhelm angeklagt war, schnell heran. Die Menge der Neugierigen, welche zu dieser Verhandlung herbeiströmte, war unerhört. Der GerichtSsaal vermochte sie nicht alle zu fassen, so daß Biele vor der Thür stehen blieben. Das eigentlich anziehende Element war aber nicht die Neugier auf den Ur- theilsspruch; denn diesen glaubte man im Voraus mit voller Best mmtheit zu wissen. Nur daS Ungeheuere an Verruchtheit wollte man sehen, das die Geliebte, um sich ihrer zu entledigen, dem qualvollen Feuertode übergeben.
Eine tiefe Stille herrschte vor dem Beginne der Verhandlungen im Saal. Aller Augen waren auf die Thür genchtet, aus welcher man den Eintritt des Angeklagten vermnthete. Nach halbstündigem Harren endlich erschien dieser in der Mitte zweier Gefängnißaärter. Der Ge- richtSdiener führte den Zug und warf e neu verwegenen Blick auf den Schulzen von Schleusenburg, der sich mit der ganzen Unwandelbarkeit seines Charakte.S unter den
Zuschauern befand. „Siehst Du", sollte unglücklichen Vater jagen, „wie Dein Blut in meiner Gewalt ist?"
Sobald Wilhelm seinen Platz auf eingenommen, begann die Verhandlung, wurde verlesen, die Zeugen vernommen
Mlit dem 1. October beginnt ein neues Quartal-
Abonnement auf die vb-rhesfisch- Zei« timg, wir ersuchen die Bestellungen, namentlich die bei der Post, baldigst machen zu wollen. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam,
die Entscheidung des Kampfes in dem sturmbewegten Bräu tigam herbei. Sie plötzlich umarmend, rief er: „In Ewigkeit lasse ich Dich nicht, Du Engel meines LibenS. Gott muß uns wohl recht lieb haben, daß er uns so große Leiden schickt; denn wen er lieb hat, dessen Herz läutert er durch das Feuer der Trübsale, um eS sich recht eigen zu machen, und leben wir in ihm, was kann uns dann die Welt mit ihrem Hohn und Spott schaden?"
„Ach, waS für eine Macht liegt doch in dem tröstenden Worte," sprach hierauf die Schulzin; „mir fällt ein Stein vom Herzen, und nach langem Leiden ist es daS erste Mal, daß wieder durch die schwarze Nacht der Trübsal ein Lichtstrahl in meine Seele fällt. Gott wird uns nicht verlaffen."
Louise jedoch wollte .sich nicht so schnell durch daS tröstende Wort aus ihrem Kummer erheben.
„Die Schuld des Bruders", sprach sie, „liegt wie eine tiefe Nacht in meinem Gernüth, und nie werde ich wieder froh sein können."
„Obwohl", sprach hierauf der Herr von Grünau, „eS allen Anschein hat, daß Dein Bruder die schreckliche That begangen, welcher er angetlagt wird, so kann doch kein Mensch mit Gewißheit behaupten, daß er wirklich schuldig ist. Vielleicht könnte er nach dieser und jener Vermuthung unschuldig sein."
Bei diesen Worten flammte LouisenS Auge auf, wie vom ewigen Licht verklärt. Der Bruder könnte unschuldig sein! — weich' ein Gedanke, weich' ei e Erhebung! Die Getröstete sank dem Bräutigam an die Brust, und während sie den Puls seines treuen Herzens vernahm und gleichsam in demselben den Schlag der Weltuhr zu fühlen glaubte, sang ein armes Mäd^qp vor der Thür:
„Der Mensch hat nichts so eigen, So wohl steht ihm nichts an, Als daß er Lieb' erzeigen Und Treue halten kann."
— Die Anklage
_ und an Wilhelm
verschiedene Fragen gerichtet. Aus seinem Munde erfolgte jedoch kein Wort auf irgend eine Frage des Richters. Sein
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Politische Woche« - Uetzerficht.
Wir beginnen unsere heutige Wochenschau wohl am besten mit einer Aeußerung unseres Kaisers über die politische Lage; der Kaiser sagte gegenüber einer Person in Stuttgart gelegentlich: „Er sei erfreut, sich der Hoffnung hingeben zu können, daß nun der Friede gesicherter erscheine. Die Lösung der Aufgabe sei freilich keine leichte gewesen; man möge nur bedenken, wie schwer eS dem Kaiser Alexander gemacht worden sei, diesen neuen Beweis seiner Friedens liebe zu geben Jetzt scheine aber eine Grundlage für die Politik der großen Mächte gefunden, welche hoffentlich zu einem gedeihlichen Ziele führen werde." Die dienstliche Reife deS Kaisers in Württemberg und Elsaß glich einem Triumphzuge. Jedenfalls berechtigen die Tage von Weißenburg zu der Hoffnung, daß eS in nicht zu ferner Zeit gelingen werde, die Gefühle der Eisäffer mit dem deutschen Mutterlande vollständig zu versöhnen. Die Kaiserreise bedeutet auf diesem Wege entschieden einen Wendepunkt. — Angesichts des Friedens, weicher unter Vermittelung der Mächte zu Stande kommen soll, machte die russische Kriegs Partei alle Anstrengungen, um hinter den Serben die Brücke abzubrechen und Rußland zur Kriegserklärung zu nöthigen.
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In St. Petersburg waren zum Beginn dieser Woche Ge- Baden der schutzzöllnerischen Richtung zugewandt und rächte über eine nahe kriegerische Wendung in Umlauf. Dem auch bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin zum GeburtS- gegenüber schrieb der „GoloS": „In St. Petersburg fingen tage deS Kaisers in diesem Sinne ausgesprochen. Baden in letzter Zeit die allerunwahrscheinlichsten Gerüchte an, werde nun derjenige Staat sein, welcher im BundeSrathe
Ziemlich hartnäckig zu karstren. Nach diesen Straßenge- für eine schutzzöllnerische Wendung der Reichspolitik die rüchten zu urtheilen, ist „der Krieg" schon lange entschieden ~ ‘
und in der Staatsdruckerei wird bereits das betreffende Manifest gedruckt. Mit wem Krieg fein soll, darüber wird freilich geschwiegen und eS wird dem Scharfsinne jedes Einzelnen überlaffen, den Feind Rußlands unter dm europäischen Staaten, mit denen Rußland, Gott fei Dank, in den allerfreundschaftlichsten Beziehungen steht, aufzusuchen. Ungeachtet deffen, daß dieses „kriegerische" Gerücht durch eine einfache Nachfrage in der Staatsdruckerei kategorisch widerlegt werden konnte, hielt es sich nicht nur in der Gesellschaft, sondern wuchs in den letzten Tagen zu kolossalem Maßstabe. Viele erzählten als sicher, daß Se. Majestät der Kaiser bald auö Livadia nach St. Petersburg zurückkehren werde und verbanden das mit der Kriegserklärung, an welcher angeblich nicht der geringste Zweifel mehr fein könne. Die Leichtsinnigeren gingen noch weiter, sie nannten den Tag, an welchem Se. Majestät in die Residenz zurück kehren werde und wußten sogar, zu welcher Stunde der Krieg erklärt werden würde u. s. w." Der „GoloS" mag diese Gerüchte in einem spöttischen Tone kritistren; dadurch wird aber nicht bewiesen, daß sie eines thatsächlichen KerneS entbehrten. „Es ist dem Kaiser Alexander schwer geworden, diesen neuen Beweis seiner Friedensliebe zu geben." Auch Die Demonstration des Generals Tfchernajeff läuft auf einen Versuch hinaus, Serbien auf das Aeußerste zu bringen und jeden Versuch der Friedensvermittelung zu vereiteln. Die Omladina fühlt sich noch unbesiegt, sie will allen Mächten trotzen. Dem „Standard" wird aus Deligrad relegraphirt: „Ungeachtet der Verlängerung der Waffenruhe bis nächsten Dienstag feuern die serbischen Batterien Tag und Nacht auf die türkischen Vorposten und einzelne Ba- schibozukS, die Mais oder Kürbiffe von den Feldern am rechten Morawaufer stehlen. Es scheint, daß die Serben
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Bis zum Jahre 1871 gab eS in Preußen im Ganzen 76 Lehrerbildungsanstalten und zwar 71 Seminare und 5 HülfSserninare. Inzwischen d. h. seit fünf Jahren haben
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