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$r. 226.

JTIarÖlirg, Dienstag, 26. September 1876.

XL Z-lMst.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattei, sowie die Lnnoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein L Vogler in Frankfurt a M, Berlin, Leip­zig, Köln ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

ObcrhcMc Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes sowie d,e Annoncen-Bureaux von (S L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- mepet in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich nutzer den Werttagen nach Soim- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS Sonntagstlatt" durch die Srpedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen U Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeue 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheUende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

iMit dem 1. October beginnt ein neues Quartak- ^*1 Abonnement auf die vb-rh-Wche Z-i. wir ersuchen die Bestellungen, nament­lich die beiderPost, baldigst machen zu wollen.

Tagesbericht.

Der Reichskanzler hat dem Bundesrath eine Vorlage wegen Einziehung der Zweithalerstücke zugehen lassen. Danach wird die Außetkursetzung dieser Münzsorte mit dem 1. November d. IS. beabsichtigt, von diesem Teimine an sollen dann noch für weitere drei Monate in allen deutschen Staaten Einlösungsstellen designirt werden.

lieber die Vorgeschichte der Berlin-Dresdener Bahn, welche nach neuesten Gerüchten mit der königl. sächsischen Regierung in Kaufsverhandlungen stehen soll, dürften fol­gende Daten von Juterefle sein. Die Idee der Bahn tauchte zum ersten Mal im Jahre 1868 auf; daS Cvmilo, welches sich damals um die Konzession bewarb, wurde vom Handelsmtnister abgewiesen, weil ein Bedürsniß zu dieser Bahn nicht vorliege. Ebenso erging eö vier anderen Comi le3, die sich surcessive April 1869, Oktober 1869, Januar 1870, Februar 1870) um die Vorarbeiten bewarben. Als endlich im Oktober 1870 ein neues Comits (Vorsitzender Prinz Handjert) eine Bewerbung einreichte, fetzte sich der Hancelsminifter mit der sächsischen Regierung unter Hin. weis auf die Linie Roveberg-Kamenz Lübbenau in Verbin­dung und erhielt die Antwort, daß im Hinblick auf letztere ein dringendes Verkehrsbedürsniß für die direkte Linie Berlin Dresden nicht bestehe. Zn Folge besten beschied der Handelsminister das Comits abschläzlich, gestattete jedoch endlich auf dessen nochmaliges Ansuchen im Februar 1871 die Vorarbeiten gegen Kaution und es wurde nach ver schiebenen Zwischenfällen unterm 24. Juni 1872 die Kon­zession erthetlt. Inzwischen war der Berlin Görlitzer Bahn die Erlaubniß der Vorarbeiten für die Linie Senftenberg- Dresden und der Berlin-Anhalter Bahn für die Linie Falkenberg-DreSden mit Rücksicht auf das Comits Berlin- Dresden versagt worden. Diese Daten dürften eö begreiflich machen, warum sich das preußische Abgeordnetenhaus in seiner Sitzung vom 23. Juni so wenig geneigt zeigte, die ZtnSgarantie für ein Prioritäts-Anlehen bet Berlin-Dres­dener Bahn zu gewähren.

In einem „Deutschland und die türkischen Grausam­keiten" überschriebenen Artikel stellt die „Times" einen Vergleich zwischen der Haltung Englands und Deutschlands den türkischen Gräuelthaten in Bulgarien gegenüber und bemerkt u. A.: „ES fcheint, daß England für den Einfluß eine» Gefühles zugänglicher ist, als Deutschland, denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das England jetzt bewegende Gefühl ein echtes ist. Obwohl aber die ruhige und fast kaltblütige Apathie Deutschlands für die Sache

Der Diener ler Gerechtigkeit.

Criminal - Novelle von A. L- Lua. (Fortsetzung).

12.

Herr von Grünau bekam indessen beim Gericht eine feste Anstellung mit einem ansehnlichen Gehalte, wodurch die MSglichkeit für ihn erwuchs, einen Hausstand zu be gründen. Noch desselben Tages, an welchem ihm daS An­stellungsschreiben von seinem Vorgesetzten eingehändigt ward, eilte er nach Schleusenburg und hielt dort beim Schulzen und der Schulztn ,um die Hand ihrer Tochter an. Die Freude, welche hierüber im Schulzenhause entstand, war außerordentlich. Louise empfand die reinste Verklärung ihre« Liebelebens tu dem Bewußtsein, dem Manne ihres Herzens nun immer angehören zu sollen, ihr innerstes Leben, ihre heiligen Gefühle mit seiner Hoheit und Würde zu ver- einen. Der Jungfrau Augen blitzten auf wie Meeres­leuchten, und in der bräutlichstillen Herzenskammer erklang bet ewige Hymnus der Liebe, von besten Harmonie in ihrem Temüth so unendlich tief bewegt sie sich an die Brust des Stiletten schmiegte, und in sein treues Auge schauend, auf b<i Vaters Frage: „Ist denn auch der Herr von Grünau meiner Louise einverstanden?" fteudeflammendcn Blickes : Antwort gab. Die äußere Förmlichkeit, welche dem innig* sttn Einverstindniß der beiden Liebenden durch die zu ihrer ^erheirathung erfolgende Einwilligung von Seiten des «Iternpaare» der Braut hinzugesügt wurde, gewann durch <i»e sehr gemüthliche Verlobungsseier, welche schnell ver-

der Civilisation und Humanität im Orient ermuthigend genug ist, so ist sie nicht unverständlich, wenn sie im Lichte deutscher Geschichte und deutscher Interessen betrachtet wird. Doch würde eö ein böser Tag für Europa und Deutschland selber fein, wenn eS dauernd die kurzsichtige Politik der Selbstsucht und Jsolirung adoptiren würde, die so oft mit Unrecht England zugeschrieben wird. Wit können die öffentliche Meinung eines Landes nicht für gesund halten, trenn eS für die nationalen Interessen außerhalb seiner eigenen Grenzen keinen Gedanken hat. Eine öffentliche Meinung in Deutschland dürfte viel dazu beitragen, die orientalische Frage zu lösen, ehe sie auS dem Bereich der Diplomatie tritt, und wenn Deutschland etwas Höheres verfolgen würde, als eine bloße politique de bourboire, wie Fürst Bismarck sie genannt hat, kann eS nicht viel länger wagen, eine gleichgültige Haltung gegen eine Agita­tion zu behaupten, die, seitdem sie begann, niemals aufge­hört hat, um sich zu greifen und die Europa noch in Brand ft- den dürfte." — Wir können den Vorwurf der „Times" nicht auf sich beruhen lasten; derselbe bildet für Deutschland eine ungeheuerliche Beleidigung, die wir mit gutem Gewisten und der größten Energie zurückweisen dürfen. Die „Times" ist nur mit einer totalen Unkenntniß deutschen Wesens zu entschuldigen. Mag auch der Deutsche noch so gerne fremde Moden nachahmen — bei Gefühlsäußerungen hört die geborgte Mode auf und es zeigt sich die angeborene Eigen­art. Wenn die englischen Meetings auf deutschem Boden nicht gedeihen, so darf daraus nicht der Schluß gezogen werden, daß wir irgend einer großen Bewegung gleichgültig gegenüberstehen. In Deutschland ist die Entrichtung über die Schandthaten der türkischen Verwaltung eben so groß und jedenfalls noch viel allgemeiner als in Engi nd. Den englischen Meetings liegt die ausgesprochene Absicht unter, einen Fehler der englischen Politik zu sühnen. Die deutsche Politik bedarf einer solchen Sühne nicht. Deutschland hat von Anfang an mit den unterdrückten Völkerstämmen auf der Balkanhalbinsel sympathisirt und wo eine Stimme laut wurde, hat sie sich für die Befreiung derselben von der türkischen Verwaltung ausgesprochen. Wir schließen mit der Bemerkung, daß es ein Zeichen einer gewisten Be­schränktheit ist, deutsches Wesen mit dem englischen Maß­stabe meffen und nach demselben beuriheilen zu wollen.

ES liegt heute die zuverlässige Mittheilung darüber vor, daß eine Einigung der Mächte auf Grund der englischen Friedensvorschläge erfolgt sei. Hiemit ist aber die Wiß begierbe der politischen Welt nur sehr wenig befriedigt. ES fragt sich, wie weit sich die Vorschläge des englischen KabinetS erstrecken?: nach der Natur der Sache und in Konsequenz der von bet englischen Regierung seither be­folgten Politik nur auf Serbien und Montenegro. Von Seiten EnglanbS wirb die Frage, wie baS Verhältniß ber Bulgaren und Bosnier zur Pforte zu regeln fei, als ein diplomatisches Objekt betrachtet, welches mit dem serbisch- türkischen Kriege in keinem Zusammenhänge steht, und daher

anstaltet wurde, einen besonderen Reiz. Die geladenen Nachbarn bekundeten die freudigste Theilnahme an d-m schönen Familienfeste und erinnerten auch wohl hin und wieder an die trübe Stunde, welcher eS doch eigentlich zu verdanken sei. Mehr aber blickte man in die Zukunft, die sie durch das Freudenleuchten der unverhofften Feier für daS ganze Schulzenhaus in Schleusenburg, wie sie ein­stimmig meinten, in eine goldene verwandeln mäste .... Herr von Grünau würde es bei feiner Gelehrsamkeit weit bringen. Sogar Staatsminister könne er werden. Die anderen älteren Herren vom Gericht deuteten nicht selten auf solche Erhöhung deö jungen Mannes hin.

Solchen und ähnlichen Gedanken und Hoffnungen war daS Mutterherz der Schulzin allerdings nicht; sie erhöhten noch ihren Herzensjubel, welchen sie schon über die baldige Erhebung ihrer Tochter zur gnädigen Frau empfand. Dem Schulzen hingegen war der einfache kluge Jurist, der charakter volle Mann des strengen Rechts, dxr sich als Mitglied der Familie einführte, Grund genug, diese Feier als das schönste Ereigniß seines Lebens zu betrachten. Wilhelm aber, der Bruder bet glücklichen Braut, empfand in dem Glücke des frohen Paares den reinsten Quell feiner Freude, indem er zugleich der Hoffnung war, die allgemeine Freude des HauseS würde ihm den Weg zu der Erreichung seines sehnltchsten Wunsches bahnen, nämlich ihm der Eltern Ein­willigung zu feiner Verheirathung mit Lisbeth verschaffen. ES ward sein Vorsatz, sie in der ersten Auswallung ihrer Freude darum zu bitten.

Der heitere Verlauf deS Verlobungsfestes gab dem Hoffenden Grund genug, nicht in ter Ausführung seines

getrennt von diesem behandelt werden muß. Wir glauben auf diesen Zug der englischen Politik Hinweisen zu sollen, um eine mißverständige Auffassung ber gegenwärtigen Frie denSverhanblungen zu verhüten. ES ist burchauS wahr­scheinlich, baß wir uns eines Tages lieber aus dem Stanb- punkte befinden werden, welcher das „Berliner Memorandum" veranlaßt hat. Das von uns neulich erörterte Kon­stantinopeler Privattelegramm hat ein an und für sich richtig skizzirteS FricdenSprogramm Irrig als das englische bezeichnet; dasselbe ist vielmehr identisch mit dem inzwischen ander­weitig bekannt gewordenen italienischen Vorschläge.

Deutsches «eich.

Berlin, 23. Sept. Vor ungefähr zwei Jahren be­antragten 263 PftiÜonen verschiedener Korporationen und Vereine, vorzugsweise Handwerker Innungen, beim Reichs­tage, folgende Bestimmungen in die Reichs Gewerbeordnung au zunehmen: „Jeder Lehrling ist verpflichtet, seine auf Grund abgeschlossener Kontrakte bestimmte Lehrzeit durch* zuführen. Die Lehrzeit kann, ohne daß ein anderer ge­setzlich feststehender Grund dazu berechtigt, nur unterbrochen oder beendigt werden, wenn ein Zeugniß des Lehrherrn die legale Lösung des bisherigen Lehrvcrhältnistes beschei­nigt. Ohne ein solches Attest darf daS Lehrverhältniß bei einem andern Lehrherrn desselben Geschäfts weder fortge­setzt, noch darf dem Lehrling von irgend einer Behörde eine Legitimation als Geselle oder Gehülfe ausgestellt werten." Diese Petitionen hatten keinen direkten Erfolg weil der Regierungskommisiar erklärte, die ReichSregierung sei mit den nöthigen Erhebungen bezüglich ber Lehrlings­verhältnisse beschäftigt, um eine gesetzliche Regelung derselben vornehmcu zu können. Betreffs dieser bekanntlich seitens deS ReichökanzleramteS in Ausführung eines bezüglichen BundesrathsbejchluffeS angeordneten Erhebungen, welche nächstens veröffentlicht werden sollen, erfährt d e „Bost. Ztg.", daß allseitig, sowohl seitens der Arbeitgeber, wie seitens der Arbeitnehmer, die Herstellung festerer, gebundener Rechtsverhältniffe der Lehrlinge für nothwendig erachtet, wird, um eine dem Interesse der Lehrlinge, der gewerbli­chen Produktion und der Volkswirthschast entsprechende Ausbildung der Lehrlinge, herbeizusühren. Speziell wirb beiderseits anerkannt, baß mür.blUc Kontrakte ungenfigenb sind, unb gewünscht, baß bie Einführung von schriftliche» Kontrakten gesetzlich bestimmt werbe. Auch wird auf bei­den Seiten fast durchweg die Einführung einer kurzen Probezeit, von deren Ablauf die bindende Kraft brS Lehr­vertrages bedingt ist, für nothwendig erachtet, um dem un­überlegten Eingehen unb Auflösen von Lehrverträgen ent­gegenzuwirken. Betreffs ber übrigen Punkte deS Pro­gramms gehen bie Ansichten und Wünsche ber Arbeitgeber unb Arbeitnehmer mehr ober weniger auseinanber. Wäh­rend z. B. bie Mehrzahl ber Arbeitgeber eS für nothwen. big hält, bem Meister gesetzlich bas Recht zu sichern, einen eigenmächtig ausgetretenen Lehrling wieber zurückzuführe

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Vorsatzes wankend werden. Schon am nächsten Tage er­klärte er den Eltern, daß eS seine Absicht sei, sich mit Lies­beth zu verheirathen, und ihre bereitwillige Zustimmung nicht in Zweifel setzend, fügte er seiner Erklärung sogleich die Bitte um den elterlichen Segen für sein Vorhaben hinzu

Wie aber irrte sich Wilhelm I Nichts kam seinen Eltern unerwarteter als diese Erklärung; ihr in ber gehörigen Weise zu begegnen, schienen sie gar nicht bas rechte Wort finden zu können.

„Sohn," sprach endlich der Vater nach einigen Minuten der Bestürzung, „waS Du uns soeben mitgetheilt, ist gewiß nur Dein Scherz, nicht Dein Ernst; denn wie könnte sich der Schulzensohn mit der kleinen Magd verheirathen! Es wäre ja das eine Erniedrigung für unser ganzes HauS."

„Erniedrigt sich etwa," sprach Wilhelm, „ber Herr von Grünau, wenn er sich mit meiner Schwester verheirathet? Ich glaube wohl, daß zwischen ihm unb ihr eine tausenb Mal größere Kluft ist, als zwischen mir und Lisbeth."

„Davon wollen wir nicht weiter reden," entgegnete bie Mutter. „T ie Magb gehört ihrem Stande nach dem Knecht. Du aber suche Dir eine Braut, bie bester für Dich paßt, als bie kleine Magd, bie Du schon wegen ihres Ursprunges nicht zur Frau nehmen könntest; denn eS ist Dir boch be­kannt, baß sie das Tochterkmb ber alten schwarzen Susanne ist. Jeder Stanbesunterschied läßt sich nicht aucheben, baß es sich gleich bliebe, ob bet Schulzensohn eine Viehmagd ober eine Prinzessin heirathet."

„Hebt nicht," fragte Wilhelm hierauf, „Herr b. Grünau den Standköunterschied auf, wenn er sich mit Louisen ver«