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Marburg, Sonntag, 17. September 1876.

xi. Jahrgang

ObrchcMe Zcilung

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In Frankreich besteht eine Versicherungsgesellschaft für Militärs, La Provoyance militaire, mit einem Grundkapital von 2 Millionen Frcs., welche Kapitalverstcherungen auf folgender Basis übernimmt. Der Versicherte zahlt fünfmal einen Jahresbeitrag von 10 bis 200 FrcS. oder auf einmal den ganzen Betrag, jedenfalls unter Anrechnung der Zwi­schenzinsen. Im Falle einer Verwundung, welche die Pen»

In Folge eines Rundschreibens des Reichrsisenbabn- amteS sind neben den Bahnverwaltungen auch die Han­delskammern aufgcfordert worden, über die bevorstehende Revision deS deutschen Eisenbahn - Betriebsreglements eia Gutachten abzugeben.

Vaterhauje in vollem Galopp nahete, stand die kleine Magd Lisbeth eben vor der Thür desielbcn. Ihr Herz jauchzte beim Anblick des stattlichen Reiters hoch ans. Er schien ihr so hoch, so verehrungöwürdig, so mannhaft und kühn, und in dem Gruß, den er ihr triumphtrend zurief, ver­nahm sie den Ausdruck einer treuen Seele, welche als Schutzengel liebend die Flügel über die Unschuld breitet, Liebe und Schutz! wie nölhig waren sie der achtzehnjährigen Lisbeth I — Trotzdem, daß sie in der Schulzenfamilie fast wie ein Kind des Hauses behandelt wurde, fühlte sie sich doch meist unter den Knechten und Mägden recht verlassen. Ihr ganzes Wesen paßte nicht zu dem rohen Gesinde; denn sie besaß eine solche Zartheit deS Gefühls, eine so fein unterscheidende Empfindung und so edle Sinnigkeit, daß sie vermöge ihrer ursprünglichen Anlage selbst gegen die feinste Salondame nie Verstöße im Benehmen gemacht haben würde. Dazu war sie schön im wahren Sinne des Wortes. Ihr Gesicht hatte die regelmäßigen Formen, die Wangen glühten von einem sanften Roth, das Auge war tief dunkel und dabei so lebhaft, als ob eine Schaar von Geistern in seinem nächtlichen Dunkel Wacht hielt. So- gar die Bauern im Dorfe, welche sonst nie ihren Blick bis zu den Augen einer Magd erhoben, sondern nur bar nach sahen, ob eine solche starke Knochen zu Feldarbeit hatte, bewunderten deS Mädchens Auge. ES sei, sagten sie, Tag und Nacht zugleich.

Lisbeth aber war auch in der Thal so schön, daß sie selbst dem ungeübten Auge auffallen und in dem rohesten Gcmüth eine Ahnung von den ewigen Schwingungen der Schönheit wecken mußte. Schönheit aber, durch die Glieder eines armen KindeS gegoffen, ist nicht selten demselben ein Empfehlungsbrief an den Teufel, und selbst in der Dorf­einsamkeit — fern den großen Städten, in denen die Vam pyre der Unschuld ihre Beute suchen. Denn auch aus dem

Gunsten einer allgemeinen Amnestie Statt. Die Republi­kaner bereiten für die nächste Session einen Gesetzentwurf vor, durch welchen den Franzosen das Tragen fremdherr- licher Orden und Adelstitel verboten werden soll.

Um den Unwillen, den die Haltung der spanischen Regierung in der religiösen Frage allenthalben im AnS- lande wie in den liberalen Kreisen Spaniens selbst hervor­gerufen hat, einiger Maßen zu beschwichtigen, hat der Minister der auswärtigen Angelegenheiten ein Rundschreiben an die Vertreter Spaniens im Auslande gerichtet, in welchem die Haltung der Regierung gegenüber dem berühmten § 11 der Verfassung mit ziemlich hinfälligen Gründen beschönigt wird.

Der ehemalige britische Botschafter in Konstantinopel, Lord Stratford de Redcliffe, hat in der Times eine Zu schrift veröffentlicht, in der er sich für Autonomie der christlichen Provinzen der Türkei vom Schwarzen bis zum Adriatischen Meer ausspricht und ein gemeinschaftliches Zusammengehen Englands mit den übrigen Mächten befür­wortet. Dasselbe verlangte Gladstone in einer Rede, welche er am 9. September vor einer großen Volksversammlung in Greenwich hielt. Die Entrüstungsversammlungen gegen die von den Türken begangenen Grausamkeiten dauern fort, Maffenpeiitionen, die sich in diesem Sinne aussprechen, werden vorbereitet, Deputationen an die Minister, insbe- besondere an Lord Derby, gesandt, um der Regierung Vorstellungenl über ihre Haltung in der Orientfrage zu machen.

In Amsterdam.haben am 11. und 12. d. M., Abends, Pöbelaufläufe wegen der Aufhebung der berühmten Amster­damer Ktrmeß Statt gefunden, sind aber durch Einschreiten von Polizei und Militär baldigst gestillt worden.

Der König der Belgier hat am 12. d. M. einen Geographischen Kongreß, zu welchem derselbe eine Anzahl von wiffenschaftlichen Notabilitären eingeladen hatte, mit einer Rede eröffnet, in welcher die Förderung der Er» forschungsreifen im innern Afrika und die eventuelle Anlage von Stationen daselbst dringend empfohlen wird. Der Congreß soll die zu diesem Zweck erforderlichen Mittel und Wege beraihen.

Der Kaiser von Rußland hat sich von Warschau nach der Krim begeben. Polnische Blätter wollen wiffen, daß ihn unterwegs ein ernster Eisenbahnunfall auf der Kiewer Bahn bei der Station Zmiranka betroffen habe. Auf der Krim hat der Hof in der Villa Orianda bei Lwadia Wohnung genommen, in der Mitte November kehrt er nach Petersburg zurück. Während dieser zwei Monate bleibt der Reichskanzler Fürst Gortschakow mit seinen Unter« Staatssekretären Hamburger und Baron Jomini in un­mittelbarer Nähe des Kaisers.

Sultan Abdul Hamid hat am 7. d. MtS. durch die

platten Lande, in dem unscheinbarsten Erdwinkel, wohnt er und sitzt ebenso auf dem Bund Stroh in der Scheune, wie auf dem Sammetseffel eines lüsternen reichen Herrn der Hauptstadt, spaziert auf dem Felde hinter dem Pfluge mit ehrbarer Miene einher, wie er auf prunkvollen Bällen nach der Musik schelmisch lächelnden Blickes tanzt, und weiß sich nicht minder des Abends schlau und listig in die Spinn- stuben zu schleichen, als er sich bei hellem Tage in Kirchen und Kunstsäle drängt.

Der Teufel, an welchen LiSbeth'S Schönheit sie empfahl, war der Großknecht in der Schulzenwirthfchaft zu Schleu- fenburg, des alten Rude zu Wiesenwitz einziger Sohn, derselbe, welchen der Gerichtsdiener im Stall beim Tabak­rauchen ertappt hatte. Obgleich ein Tolpatsch durch und durch, besaß er doch eine gewisse Verschmitztheit und eine alles Maß übersteigende Leidenschaftlichkeit, und diese ge­rade machte seine Tollpatschigkeit recht gefährlich. Kaum war er in das Schulzenhaus gekommen, so hatte auch schon LiSbeth seine ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und in wenigen Tagen war seine ganze Leidenschaft auf das schöne Kind entbrannt gewesen, worauf er angefangen, sie mit Liebesontrigm rastlos zu verfolgen. Doch wie An­fangs, so wußte sie auch jetzt noch seine Zudringlichkeit mit großer Klugheit in Schranken zu halten. Wenn er wie ein Habicht auf sie los schoß, schlug sie saust ihr Tan- bmauge nieder und wachte eine so ruhige zurückhaltende Miene, als habe sie den ganzen Schatz ihrer Unschuld und Schönheit verschloffen, und jedesmal sühlte sich der Unhold in seiner Absicht wenigstrns so lange aufgehalten, biS sie ihn durch des Wortes Macht bändigen konnte; Denn dieses stand ihr in einer seltenen Weise zu Gebote; es war stets in ihrem Munde scharf, doch nicht verletzend. Ueberhaupt waren in L-Sbeth Unbefangenheit und Klugheit auf die wunderbarste Weise vereinigt. Die Natur hatte eine solche

feierliche Schwertumgürtung in der Moschee de Ejub jene historisch-religiöse Weihe empfangen, die seinem unglücklichen Bruder gar nicht zu Theil geworden ist. Abdul Hamid will noch sparsamer, noch freisinniger sein als sein Bruder, im klebrigen bleibt Alles beim Alten, falls nicht etwa ein Wechsel im Großvezirate zur Durchführung kommen sollte. In den serbischen Regierungskreisen zeigt man sich nicht - unbartbar für die russische Hülfe, der "allein der verhält- nißmäßig erfolgreiche Widerstand bei Alexinatz zu verdanken sein dürfte, und während die serbischen Osfiziere und zum Theil auch die Mannschaften über den Vorrang, den man ihren russischen Collegen einräumt, sich immer unzufriedener geberden, ist der NameStag des Kaiser« Alexander am 11. d. M. in Belgrad mit einem demonstrativen Enthusiasmus gefeiert worden, der seinen Zweck ziemlich offenkundig auf der Stirn trug. Seit der Schlacht vor Alexinatz am 1. September haben an diesem Hauptpunkte des Kriegsschau­platzes nur noch am 10. und 12 kleinere Gefechte bei Djunis Statt gefunden.

Der Diener der Gerechtigkeit.

Eriminal - Novelle von A. L- Lua. (Fortsetzung).

7.

Tagerdericht.

Die Intoleranz Spaniens gegen die Protestanten ver­anlaßte der „National-Zeitung" zufolge eine sehr lebhafte schriftliche Communication zwischen der deutschen und eng­lischen Regierung. Es soll im Werke sein, eine Vorstellung an die spanische Regierung zu richten, um dieselbe zu einem ihren Verpflichtungen entsprechenden Verfahren aufzufordern.

Ein intereffanteS Dokument aus der Zeit des nordame rikanifchen SceefsionSkriegeS ist kürzlich in den Archiven der Rebellen-Regierung aufgefunden worden. ES ist dies die vom Papste PiuS IX. eigenhändig unterzeichnete, in lateinischer Sprache abgefaßte Anerkennung der Regierung der südlichen Staaten. Diese Regierung kämpfte bekannt­lich für die Aufrechterhaltung der Sklaverei, gegen die „von Gott geordnete Obrigkeit."

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux eon Th. Dietrich & Co. in gefiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in kanksurt a. M, Berlin, Leip- ig, Cöln k; Rudolf Messe n Berlin, Frankfurt a. M. rc.

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für. 219

P.littfche Woche«, Ueherficht

Daß zur Zeit Verhandlungen zwischen unserem Kaiser enb dem Kaiser Alexander über die orientalische Frage Statt laben, wird daraus wohl nicht mit Unrecht geschloffen, ia6 der Feldmarschall v. Manteuffel, der von unserem Kaiser zur Begrüßung des Kaisers Alexander nach Warschau tzesandt war, nach seiner Rückkehr sofort zum Kaiser nach Merseburg, von dort nach Varzin und dann abermals nach Merseburg eilte. Am vorigen Freitag kam der Marschall in Merseburg an, meldete sich sofort beim Kaiser und hatte »ährend des Tages zwei Mal eine längere Audienz. Sonnabend Nacht um 1 Uhr traf der Marschall wieder In Berlin ein, wo ihm nur wenige Zeit zur Nachtruhe Hieb, denn ein Viertel vor 6 Uhr reifte er nach Varzin ab, von wo er am Montag nach Berlin zurückkehrte, um Kinn abermals nach Merseburg zu reisen. Inzwischen ist der Kaiser von den großen Manövern der zuletzt gegen- -Inander manövrirenden beiden sächsischen ArmeecorpS (des L preußisch - sächsischen und 12. königlich - sächsischen) bei Leipzig und Merseburg nach Berlin zurückgekehrt, befriedigt don den Leistungen der Truppen, in Betreff deren er zum Schluffe dem König Albert und dem Prinzen Georg von Sachsen, sowie dem General v. Blumenthal seinen Dank «Ssprach, und im erfreulichsten Wohlbefinden. Am Mon­tag (11. Sept.) begab sich der Präsident des Reichskanzler llmtS, Minister Hofmann, nach Varzin, vermuthlich um Iber die Einberufung des BundeSrathS und sonstige Vor- lrbeiten für die gegen Ende Oktober beginnende Reichs lagssttzung mit dem Reichskanzler zu verhandeln.

Der Kaiser Franz Jos,pH war vorige Woche wohlbe- alten aus Feldsberg von den Manövern nach Wien zu- ückgekehrk und hat sich am Freitag zu den stebenbürgischen Ranöoern nach Hermannstadt begeben, wo ihm die sächsische lation einen glänzenden Empfang bereitet hat. Die friebenSverrnittlungen in Konstantinopel rückten nach den »er österreichischen Diplomatie zugegangenen Nachrichten >is jetzt wenig von der Stelle. Aus einen ersten Schritt Kr Mächte, welche in voriger Woche gleichmäßig die Be- »illigung eines Waffenstillstandes empfohlen hatten, erfolgte Seiten» der türkischen Regierung Ablehnung. Sie könnten keinen Waffenstillstand willigen, so erklärten die Psorten- ^linister, der ganz und gar zum Vortheile Serbiens und m Nachtheile der Türkei ausgenutzt werden könnte.

Der Präsident der französischen Republik besuchte i 10. d. Mts. ans seiner militärischen Inspektionsreise on und wurde im Allgemeinen gut empfangen. Der eneralrath von Lyon freilich, welcher zur Vorstellung Im Marschall zu ffpät angemeldet wurde, zog sich unter rötest wegen eines solchen seine Würde verletzenden Ver- renS zurück. Auch sanden einzelne Kundgebungen zu

»eg von Schleusenburg nach der Stadt gemacht hatte, um ich in den verschiedenen Dörfern als den gegen den Schulzen siegreichen Eroberer zu zeigen.

DaS Pferd wurde sogleich seinem Eigenthümer zurück- gegeben, da der königliche Befehl zur Niederschlagung der iber den Schulzen verhängten Strafe dem Gericht bereits ^gegangen war. In was für eine peinliche Lage sich da- ] »rch der Gerichtsdiener versetzt fühlte, läßt sich leicht i Unten. Nicht allein mußte er befürchten, in seiner Schel Metti entdeckt zu werden, auch sein Hochmuth empfand »Über einen sehr empfindlichen Schlag. Aus seinem Ritte »ach bet Stadt hatte er nämlich immerwährend die Ein- iabung zum Kaufe des Pferdes ergehen lasten, und da Mancher den stattlichen Fuchs hätte kaufen mögen, so *»ren ihm viel Leute gefolgt. Diese alle nun tarnen, um &uge seiner Niederlage und Beschimpfung zu sein.

Wilhelm, der froh war, daß er fein Pferd wieder hatte, litt nun mit demselben nach Schleusenburg wieder zurück, »ährend der Vater noch zur Besorgung einiger Geschäfte hl der Stadt blieb. So froh und rnuthig war der Jüng- Mg noch nie auf dem Pferde daher geflogen, wie dies ]«al. Als er mit dem wiedereroberten Renner sich dem

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlnftrirteS LonntagSdlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2b Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.

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nächsten Tage ging der Schulze mit Wilhelm nach bet Stadt, um den Fuchs zurückzuholen. Als sie dort wkanen, hatte sich aber der Gerichtsdiener mit dem Pferde »och nicht sehen lasten. Erst gegen Mittag desselben Tages engte er an. lieber fein langes Ausbleiben erfuhr man, baß er mit dem ausgepfändeten Pferde einen großen Um»