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Marburg, Sonnbend, 16. September 1876.
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gliche Kirchengängerin noch nie erlebt. Mit jedem -Witte glaube sie in ein Todtengewölbe zu steigen, denn Mer dem Steinpflaster waren, wie sie wußte, alle Gräber.
esonders der „Rechenschaftsbericht über die Gesetzgebung er letzten sechs Jahre." Natürlich sind dieselben nach Ort, ’;jit und Gelegenheit individuell gefärbt, doch fehlt eS nicht a gewissen gemeinschaftlichen Momenten.
Zunächst spricht sich in allen diesen Kundgebungen daS iewußlsein auS, daß die nationalliberale Partei auf die
iS das Produkt der sozialen und wirthschastlichen Gesammt «Wickelung darzustellen. Und — um nur ein Beispiel ktvorzuheben — natürlich sagt die Gewerbeordnung nichts »von, daß ein Lehrling das Recht habe, aus der Lehre zu mfen, um als Pfuscher weiter zu arbeiten und das bereits »«gesprochene Verdikt über deutsche Arbeit seinerseits belügen zu Helsen, aber es ist doch kein Trost, daß die
Dem Vernehmen nach soll eS in der Absicht der Reichs- Regierung liegen, die Frage der Kommunalsteuerfreiheit der Militärpersonen auf dem Wege der Reichsgesetzgebung zu ordnen.
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Der Diener der Gerechtigkeit.
Criminat - Novelle von A. L. Lua. (Fortsetzung).
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Wie unS berichtigend mitgetheilt wird, ist der ReichS- tagsprästdent v. Forckenbeck, aus Anlaß der am Mittwoch stattgehabten Sitzung deS Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten nach Berlin gereist. Herr v. Forckenbeck hat wenigstens nicht in offizieller Form Anlaß genommen, wegen parlamentarischer Angelegenheiten zu verhandeln.
In einem Artikel des „Memorial diplornatique", den wir vor einigen Tagen erwähnt haben, ist die Behauptung aufgestellt, daß von einer „nordischen Großmacht" die Idee eines Kongresses der Signatarmächte dcS Pariser Vertrags in Anregung gebracht worden sei. Gleichzeitig wird in einem italienischen Blatte daS deutsche Reich als diejenige Macht bezeichnet, welche die Kongreßidee zur Diskussion gestellt habe. Wie wir auS bester Quelle erfahren, ist diese Angabe vollständig unbegründet. Die deutsche ReichS- regierung hat sich nie für die „Kongreßidee" erwärmen können und insbesondere Fürst Bismarck ist derselben vollständig abgeneigt. Wenn wir recht berichtet sind, so hat Fürst Gortschakoff den fraglichen Kongreß in Vorschlag gebracht. Die Idee hat jedoch bet sämmtlichen Mächten keinen Anklang gefunden.
Die Warschauer Reise des Freiherrn von Manteuffel hat das Jntereffe der politischen Kreise des In- und Auslandes in sehr lebhafter Weise angeregt. Wir können heute folgende französische Stimmen verzeichnen: Die „Patrie" schreibt: „Eö dürste nicht unangemessen fein, bei Gelegenheit des neulichen Besuchs des FeidmarschallS v. Manteuffel bei dem Czar daran zu erinnern, daß dieser diplomatische General nicht zum e.sten Mal mit einer hohen ko-ifiden- tieOen Mission betraut worden ist. Er war eS, der stch im Jahre 1870 nach Petersburg begab; ein reiner Schritt der Höflichkeit behauptete man damals; thatsächlich aber war er beauftragt, die Neutralität Rußlands vorzubereiten. Dieses frühere Vorkommniß sowohl, wie die wiederholten geheimen Besprechungen des FeidmarschallS mit dem Kaiser Alexander — scheinen sie nicht darauf hinzudeuten, daß diese Reise eine gewiffe politische Tragweite habe? Herr v. BIS marck verwendet Herrn v. Manteuffel nur in großen Zeit- urnständen." — Der entgegengesetzten Ansicht ist „L'Evsne- ment*. Dieses Blatt meint, daß eine derartige Sendung ganz gegen die Gebräuche der Höfe und sehr wenig im Einklang wäre mit der Intimität, die zwijchen dem deutfchen Kaiser und seinem Neffen besteht.
Nach Berichten Wiener Blätter haben sich die Regierungen des deutschen Reichs und Oesterreichs aus Anregung der ersteren dahin verständigt, die Elbe Verträge einer zeitgemäßen Revision zu unterwerfen. Die bezüglichen Konferenzen werden demnächst in Wien statt finden.
In Mailand ist am 11. d. MtS. der internationale bekologische Kongreß eröffnet worden. Unter den fremden
Je furchtsamer ste auftrat, desto unheimlicher war eS ihr Als sie eben die Thurmtreppe erreicht hatte, meldete der Glockenhammer die Mitternacht. Mit dem zwölften Schlage erreichte sie den Raum, wo Wilhelm lag. DaS blaffe Mondlicht, welches durch die Löcher deS Daches fiel, ließ ste deutlich erkennen, in welchem kläglichen Zustand stch der Arme befand. Vor Schreck und Entsetzen schrie ste laut auf.
Der Gefangene, von den Schmerzen deS Einspannens ganz betäubt, erwachte durch den unvermutheten Schrei wie auS einem tiefen Schlaf und blickte, neue Schrecken fürchtend, scheu um sich. Wie aber fühlte er stch belebt und gestärkt, als er das treuherzige Mädchen gewahrte. „Lisbeth", ries er, „Engel vom Himmel I außer Dir also war Niemand im Dorfe, der Muth gehabt hätte, mich zu befreien!"
Ohne ein Wort zu entgegnen, schnitt das Mädchen die Stricke entzwei, mit welchen der Arme gebunden war, und schnell erhob sich nun derselbe aus seiner Qual. „Jetzt bindet mich kein Teufel mehr", rief er in dem Übermaßen den Gefühle der Freiheit und drückte die Befreierin an seine wogende Brust, kaum ahnend, daß ste, indem sie ihn so befreite, mit den süßen Ketten der Liebe auf ewig an ihn stch knüpfte.
Der Weg vom Thurme nach Hause wurde in Sturm schritten zurückgelegt. Wilhelm hielt ihn für das Ende aller Leiden. Neue Schrecken aber warteten feiner. Die Mutier nämlich wollte, nachdem sie stch aus der Ohnmacht erholt hatte, ihre Tochter Louise sehen und sprechen, doch Niemand wußte dieselbe zu finden, noch zu sagen, wo sie geblieben. Die arme Frau, in ihrem erregten Zustande
liberale Theorie eingesteht, gegen den Kontraktbruch außer der formalen RechtSentscheidung kein Schutzmittel zu kennen.
Die Kundgebungen bemühen stch daher auch nach Möglichkeit, die Parteigenossen von dem unliebsamen Gebiet der ökonomischen Fragen abzulenken, indem sie die Unterordnung derselben unter die politischen fordern — denn „leicht bei einander wohnen die Gedanken."
Sollten sich aber die verehrten Parteigenoffen doch noch von „den Dingen im Raume," von den praktischen Konse- quiNzen der Theorie unangenehm berührt finden, so werden sie belehrt, daß stch hinter den Klagen übet die wirihschaft lichen Verhältnisse lediglich die politische Reaktion verberge.
Natürlich ist eö vor Allem die „deutsch-konservative Partei," welche sich eine solche Reaktion zum Ziel gesetzt hat, zumal wenn man sich die Freiheit nehmen kann, sie als eine „junkerlich - feudalistische" zu charakteristren und entaeber in der verblümten Redeweise deS RechenschaftSbe richtS oder — wie die „Magdeb. Ztg." — rund heraus und auf den Kopf zusagen, daß sie Verbindung mit dem Centrum suche und dabei noch das Unglück gehabt habe, durch eine Zurückweisung gedemüthigt werben zu sein.
lieberljaupt habe, so versichert die „Magdeb. Ztg.", die „deutsch konservative Partei" bisher keinen nennenSwerthen Erfolg gehabt — (und die „Magdeb. Zig." muß eS wiffen, sonst würde sie es ja nicht sagen); aber wenn ste es weiß und ihre Parteigenossen dem entsprechend belehrt, so begreifen wir nicht, warum die liberalen Organe nicht müde werden, die „deutsch-konservative Partei" unermüdlich zu verfolgen und in Ermangelung besserer Angriffswaffen — zu verdächtigen.
Gerade die nationalliberale Partei, soweit ste fernerhin noch gewillt ist, praktische Politik zu treiben, sollte eine stärkere parlamentarische Vertretung der konservativen Anschauungen mit Genugthuung begrüßen; sie würde sich bann unabhängiger und freier in der politischen Aktion fühlen, als auf dem Boden der liberalen Jntereffen-Solidarität.
Tagesbericht
Der „Reichs-Anz." veröffentlicht an der Spitze des Blattes einen Erlaß des Kaisers, wodurch der Monarch |ür die ihm im Laufe des Sommers sowohl aus Preußen wie aus allen Gauen des deutschen Reiches bei festlichen Veranlassungen, insbesondere am Sedantage zugegangenen Zurufe und Kundgebungen treuester Gesinnung für Kaiser, König und Reich seinen aufrichtigen Dank auöspricht und den Reichskanzler beauftragt, dieß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
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das Entsetzlichste fürchtend, jammerte wieder mächtiger auf, stch kaum einer neuen Ohnmacht entwindend.
So fand ste der Sohn, als er in die Stube trat. Ihr schmerzlicher Anblick ging ihm durch Mark und Bein, und kaum wußte er noch, ob er Mensch war, als er von Louisens Verschwinden hörte.
In demselben Augenblick klopfte e» an's Fenster. Man vernahm sogleich, daß es der aus der Residenz zurückkehrende Herr des Hauses sei. Die Angst, mit welcher man ihm die Thüre öffnete, war entsetzlich; denn welche traurigen Erlebniffe zu erfahren kam er! Die sonst fast nie krank gewesene Frau in ihrer Gesundheit schwer erschüttert, Louise nicht vorhanden, der Aufruhr im Dorfe über die Auspfändung, des Gerichtsdieners Brutalität in den ehrsamen stillen Räumen, die schon Großvater und Urgroßvater stets vor schlechtem Besuch und Unziemlichkeiten bewahrt: wer sollte ihm daS Alles erzählen? — DaS fragte sich die jammernde kranke Frau, das fragten die anderen Leute sich unter einander. „Wäre eS," sprach unter An- berm eine Stimme, „nicht bester, dem rückkehrenden Manne in den ersten Augenblicken den Grund des schrecklichen Anblicks zu verhehlen?" Eine große Verwirrung schien stch aller zu bemächtigen. Wilhelm aber wußte bald, was nöthig war. In fester Haltung empfing et den Vater, erzählte demselben mit dem ruhigsten Tone da» Vorgefallene, und schloß mit den Worten: „Die Strafe empfängt der Gerichtsdiener von mir."
„Du wirst," sprach darauf der Vater, „Deine Hand nicht an den Schurken legen."
„Aber bedenke nur", entgegnete Wilhelm, „wie et mich hat schinden und peinigen lasten, was die Mutter erlitten,
Zur Wahlbewegtmg
chreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Zunächst zeigt sich in ier Praxis, daß die Solidarität der liberalen Interessen mb die daraus gefolgerte Nothwendigkeit des Zusammen gehens der liberalen Parteien bei den Wahlen nicht so robehaltig ist, als die Zaghaften sich eingeredet hatten, po ersehen wir z. B. aus einem in der „Wandsbecker Zei- »ng“ abgedruckten Brief des Dr. Lutteroth (Fortschritts- zannS) an die Wähler des Kreises Storinam, daß der- tlbe außer dem freikonsetvativen Gegenkandidaten, Landrath lon Levetzau, auch einen liberalen Gegenkandidaten gefttn« en hat.
Herr Dr. Lutteroth protestirt in beweglichen Worten gegen seine Beerbung noch vor dem Todesfall, da er durch- INS nicht Willens sei, vom politischen Schauplatz abzutreten mb hält sich für verpflichtet, gegen seine Mitbewerber per- inlich zu Felde zu ziehen; eine Pflicht, deren Erfüllung
---- inigen läßt. Man überläßt es sonst gewöhnlich den poli- und jschen Freunden, die Wähler über die Unannehmbarkeit
Can- mbequemer Gegenkandidaten auszuklären.
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. Während nun Lisbeth gegen Mitternacht den Wächter •i dem Thurmschlüstel in der Hand schlafen sah, richtete ! ihren Weg nach der Kirche, welche auf dem GotteS iw E" stand. Bebenden Herzens schritt sie durch die Gräber 4102 ^«n bis an die Kirche, öffnete behende ein leicht zuge —7" Achtes Fenster und stieg in den schauerlich stillen Raum,
1 welchem der Aberglaube die nächtliche Zusammenkunft , 8, . 11 Geister wähnt. Die tiefe Stille rings um sie her 86,j, tobe nur von den Perpendikelfchlägen der Thurmuhr verbrochen. So eine schauerliche heilige Nacht hatte die
irnen.^tvße Schrcckbild der Reaktion mit der Ueberschrift „Deutsch- »nservative Partei" an die Wand malt, giebt man deutlich ZZZlienug zu erkennen, daß der Mißrnuth über die wirthschaft- Kar,WN Verhältniffe die eigene Partei ergriffen und miß t im iranisch gegen die liberale Wirthschaftstheorie gemacht habe, üben- Sieht man nun auf die Rechtfertigungsmethode des 2243 Rechenschaftsberichts hin, so läuft dieselbe einfach darauf inauS, die einzelnen Akte der Gesetzgebung zu tfoliren und ie üblen Wirkungen derselben, übet welche alle Welt klagt,
, Der Nachtwächter, welcher zugleich im Dorfe als eine olizeillche Person galt, hatte von dem Gerichtsdiener den hurmschlüssel mit dem Befehl erhalten, denselben bis zu »er Rückkunft streng zu bewahren und die Kirche in der kcht zu bewachen. Den Schlüssel bewahrte er nun zwar, k ihm aufgetragene Bewachung aber unterließ er, weil sie für unnütz hielt; denn, dachte er, die Kirche trägt «t so wenig Jemand fort, wie der Gefangene auf dem hurm stch aus dem spanischen Bock befreit. Daß stch 961 ier irgend ein Mensch aus dem Dorfe in der Nacht auf 021 in Kirchthurm wagen könnte, kam dem Alten freilich nicht 1 den Sinn. Er blieb deßhalb, der Ruhe bedürftig, wie bdöhnlich in seinem WachthäuSchen und schlief ein.
Indessen gedenken wir dieses Spezialfalles nut bei« hälig luftg; interessanter und wichtiger für die Wahlbewegung ) an Herhaupt sind die nationaCiberalen Kundgebungen, — ganz unter " " ... - - - -
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I )cfcnsivc verwiesen sei, sodann daß ste in diese für eine litenbe Partei verhängnißvolle Lage durch den allgemeinen _____kißmuth über unsere wirthschastlichen Verhältnisse versetzt korben sei. Und indem sich an diese Eingeständnisse zu- » «ich die Klage über den sinkenden Parleieifer knüpft, innen »eichen man dadurch zu beleben versucht, daß man das
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