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r. 211.

Atarkurg, Dienstag, 12. September 1876.

xi. Jahrgang.

fn«tgen nimmt entgegen: lt Expedition d Blatte», Mie die Amwnceu-Bureaux m Th. Dietrich & Co. in iffd, und Hannover; Th- iktrich in Frankfurt a- M.; eafenftein & Vogler in tantfurt a. M, Berlin, Leip» n Cöln tc; Rudolf Masse Berlin, Frankfurt a. M. rr.

WcrhcUlhc Jttlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Gy>editton d. Blatte» sowie bie Annoncen-Bureaux von L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß» ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJInstrirteS LonutaaSblatt" durch die Expedition lAoch'fche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch bie Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Bf«. Mr in bet Expedition zu ertheilende Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Tagesbericht.

General * Feldmarschall Freiherr von Manteuffels hat tarschau am 7. d. Mlö. Nachmittag» verlaffen und ist, ich kurzem Aufenthalt in Berlin, am 8. von da nach erseburg weiter gereist, um sich bei Sr. Majestät dem ,iser zu melden. Den 9. früh ist der Feldmarschall wieder irch Berlin gereist, um sich nach Varztn zu begeben.

DerReichsanzeiger" meldet ferner, daß die von der Kkei gezahlte Entschädigung im Betrage von 300,000 k». der Wittwe de» ermordeten deutschen ConsulS Abbott ergeben worden sei. Dieselbe habe in einem Schreiben i den Reichskanzler ihren Dank hierfür ausgesprochen.

Schon seit langer Zeit sind Gerüchte in Umlauf gesetzt, Fürst Bismarck wegen Ankaufs eines stattlichen Hauses i Kensington bei London in Unterhandlung stehe, da er i Zukunft häufige Besuche in England machen wolle. Wir nvähnten dieselben nur, al» das Court Journal davon »tiz nahm. Nun erklärt aber die Wef.-Ztg. die Gerüchte I eine müßige Erfindung. Sie schreibt: Dieselben scheinen in einem bekannten Londoner Financier auSgegangen zu in, der dadurch als Pression bei dem Verkaufe seines »chtvollen HauseS in.Kensington an den Herzog von «rthumberland einen sehr hohen Preis erzielen wollte.

Der Moniteur enthält folgende vermuthllch osficiöfe ittiheilung:Die Pforte beeilt sich nicht, auf die For- ning der Mächte betreffs des Abschlusses eines Waffen- llstandeS zu antworten. Jndeß hat sie versprochen, nächstens jtt Antwort sowie ihre Friedensbedingungen mitzutheilen. Bit haben schon bemerkt, daß die Wiederherstellung deS «iedenS zwischen der Türkei und den Fürstenthümern, die k den Krieg erklärt, nicht als der alleinige Zweck zu be­achten ist, welchen die Mächte unter den gegebenen Ver- jiltniffen verfolgen. Dieser Krieg, der nun bald zu Ende »en wird, war nur ein Zwischenfall in der orientalischen fcege. Derselbe hatte eine große Wichtigkeit, aber er wird sirr Wahrscheinlichkeit nach durch einen besonderen Frie imsschluß zwischen den Kriegführenden beendet werden. ISIr wiederholen aber, daß durch dieses Verfahren nicht «es zum Abschluß gekommen ist. ES gibt eine allge- ttinere Frage. Wenn die Fürsten Milan und Nikita die l-ffen gegen die Türkei ergriffen, so muß man nicht ver- ssen, daß e» geschah, um den Herzegowinern und den i»Sniaken zu Hülfe zu kommen, welche sich vor 15 Mo­llen gegen die Pforte erhoben haben, um einer unerträg- hm Lage ein Ende zu machen. Es ist dringlich, wir Lünen eS an, daß dem Kriege zwischen der Pforte und

den beiden Fürstenthümern ein Ende gemacht werde. Wenn die Mächte jedoch ihre Anfgabe darauf beschränken, würden sie denn nicht zugleich den moralischen Schutz aufgeben, den sie der christlichen Bevölkerung der Türkei schulden? Die Pforte hat in dieser Beziehung Europa gegenüber feierliche Verpflichtungen übernommen; bis jetzt wurden diese Ver­pflichtungen nicht gehalten, und die Diplomatie muß zu­künftig deren Ausführung mit förmlichen Bürgschaften um­geben, da Europa sonst die Hand einem Frieden leihen würde, der alle Ursachen zu Streit und Krieg bestehen ließe. Es will uns daher nicht zulässig erscheinen, daß die Pforte den Anspruch erhebt, die Vermittlung der Mächte nur in so weit anzunchmen, als die FiiedenSbedingungen zwischen ihr und den beiden Fürstenthümern erörtert werden. Europa hat das Gefühl seiner Verantwortlichkeit und feiner Pflichten, und es wird seine Anfgabe mit der genauen Würdigung der Jntereffen erfüllen, die es sowohl im Orient als im Occident zu wahren hat.*

Die bereits mehrfach angekündigte Schrift Mr. Glad- stone'S überdie bulgarischen Gräuel und die orientalische Frage* ist erschienen. Die von dem Verfaffer erörterten Punkte sind folgende: Wie ist die gegenwärtige Lage ent­standen? Skizze über das türkische Volk und die tür kische Regierung die Politik deS britischen Ministeriums Aufdeckung der bulgarischen Gräuel die britische Flotte in der Befika-Bai Fallstricke, welche vermieden, und Ziele, die angestrebt werden müffen. Gladstone hebt mit Nachdruck hervor, eS sei noch nicht zu spät, aber dennoch äußerst dringlich, außer der Beendigung des Kriege» auf Die Erfüllung der drei großen hiermit unzertrennlich zu­sammenhängenden Aufgaben hinzuarbeiten, nämlich: 1. Ein Ziel zu setzen der anarchischen Mißregierung, sowie dem Plündern und Morden, welches nach glaubwürdigen Zeug- niffen in der Bulgarei fortzudauern scheine. 2. Der Wtever- holung der jüngst unter Billigung der ottomanischen Re­gierung ausgeübten Gräuel in wirkungsvoller Weise dadurch vorzubeugen, daß für die Zukunft nicht bloS Bosnien und die Herzegowina, sondern auch, und zwar in erster Reihe, die Bulgarei der türkischen Verwaltung entzogen werden, deren unheilvolle und blutige Spuren selbst im besten Falle noch auf Jahre und Geschlechter hinaus in letztgenannter Provinz sichtbar bleiben würden. 3. Durch diese Maß­nahmen die Ehre deS britischen NamenS wieder herzustellen, welche durch die beklagenswerthen Ereigniffe dieses JahreS schwerer gefährdet worden sei, als seines (Gladstone's) Wissens zu irgend einer früheren Zeit. Die Integrität des türkischen Gebietes wünscht der Verfaffer indeß auch noch aufrecht erhalten zu fehen, ohne freilich die Behandlung

dieses Wunsches als eines andere höhere politische Zwecke an Wichtigkeit überragenden zu verlangen. Dagegen bean­sprucht er, wie bereits bemerkt,die völlige Abschaffung der türkischen Verwaltung in der Bulgarei eben so wohl und noch mehr, al» in der Herzegowina und Bosnien.*

Deutsche- »eich.

Berlin, 9. Sept. Es hat sich als wünschenSwerth herausgestellt, da» für die beabsichtigte Ermittelung der landwirthschastlichen Bodenbenutzung s. Z. ausgestellte For­mular zu vereinfachen. Der Minister für die landwirth- schafrlichen Angelegenheiten hat deSbalb die Vorstände sämmlichec landwirtschaftlicher Central- und Provinzial- verbände ersucht, diesen Gegenstand den Berathnngen seines Verbandes resp. seiner Unterverbände zu unterbreiten. Dabei hat der Minister bemerkt, daß wenn die Aufnahme einer Anbaustatistik für Preußen auch ein Bedürfniß sei, weil nur eine solche, in angemessenen Zwischenräumen zu wiederholende Aufnahme die Grundlage zu einer richtigen Beurtheilung des Zustandes und der Anbetungen in der landwirthschaftlichen Produktion und der Konsumtion land- wirthschastlicher Erzeugnisse und zu einer Berechnung der Ernteerträge eines jeden JahreS in absoluten Zahlen bieten könne, eS doch fraglich erscheine, ob Aufnahmen sich auf alle in dem Formular ausgezählten Früchte zu erstrecken brauche, oder ob es nicht genüge und auch zuverlässigere Resultate garantire, wenn nur die Angaben für die Haupt- und Stoppelfrüchte gesondert oder in zu- sammenfaffenden Rubriken, wie Wintergetreide, Sommer­getreide, Hülsensrüchte, Hackfrüchten rc. gemacht würden. Hierdurch würde nicht ausgeschloffen, daß In allen den Gegenden, wo eine fpecielle, in jenen Hauptarten nicht enthaltene Frucht, eine besondere Bedeutung beansprucht, hierüber besondere Angaben gemacht würden. Die Vor­nahme der Aufnahme sei so gedacht, daß allen Vorständen selbständiger Stadt und Landgemeinden und Gutsbezirke das Formular zugehen soll, den betreffenden Verwaltungs­vorständen bleibe es dann überloffen, wie sie die nöthigen Daten ermitteln und verifiziren und ob sie hierzu direkte Schätzungen oder Berechnungen nach Prozentzahlen vor­nehmen wollen. Aus den Einzel berichten soll dann an einer Centralstelle das Gefammtrefullat zusammenstellt werden. Von der Zuverlässigkeit dieser Aufnahme werde eS abhängen, ob die Erntestatistik in Zukunft in der Weise geändert werden kann, daß an die Sttlle der jetzt durch die landwirthschaftlichen Vereine eingesorderten Berichte über die ErnteauSstchten, und bet Ernte- und Erdrutjch- tabellen, nur zwei Mittheilungen treten. Von diesen

andere, Jemanden bei der Uebertretung eines polizeilichen Gesetze« zu ertappen. Wer von den Ertappten sich nicht mit ihm unter vier Augen abzufinden wußte, den zeigte er an. Der neu angestellte junge Polizei-Amtmann wies nicht wie fein Vorgänger, die sich dem ächten Kennerblick als un- begründet darthuenden Anzeigen zurück, sondern nahm selbst die geringste Angeberei willig an und belobte den Angeber häufig. Dadurch wuchs diesem der Kamm ungemein, und feine Herrschergelüste sanden volle Befriedigung. Wo er

nung war, dem Gesetzübertreter den richtigen Wink gegeben zu haben.

Der Wirth hatte den Wink verstanden und fuhr schon am nächsten Tage fünf Scheffel Hafer nach der Stadt, welche er der Frau des Gerichtsdieners mit der Verstche- rung übergab, daß die Bezahlung dafür schon in Richtig­keit fei.

nach den strengen Gefetzen der Polizei mit einer Gelbstrafe von fünf Thalern heimgesucht. Ich bringe dies dem Herrn Schulzen in Erinnerung und verbiete die Fortsetzung der Ernte am heutigen Tage.*

Sieht Er nicht,* entgegnete der Schulze,daß, wenn wir heute nicht ernten, morgen schon der wachsende Strom alles Heu hinweg geschwemmt hat, und wir dann nach, sehen können?*

die Leute in ihrer Hantierung an irgend einem Häckchen des Gesetzes zu fangen. Da» Alles jedoch genügte ihm noch nicht. Den Schulzen von Schleußenburg auch einmal mit Erfolg anzuzeigen, denselben so recht demüihigen zu können: das verlangte fein Rachegefühl unablässig, und dazu sollte ihm bald Gelegenheit kommen. Sehen wir zu, auf welche Weise.

Die Wiesen Schlcusenburg» wurden von einem Strome durchschnitten, welcher, als eben die erste Heuernte deS Jahre» nahte, plötzlich zu wachsen anfing und denselben mit einer Ueberschwemmung drohte. Der Schulze besten Wiesen am meisten der Gefahr ausgesetzt waren, ließ ungesäumt sein Gra» mähen und strengte alle Kraft an, daS Heu den wachsenden Finthen zu entreißen; doch, wollte er seinen Zweck erreichen, so mußte er den eintretenden Sonntag selbst zur Arbeit verwenden. Da» nun war

Wirklich machte der Gerichtsdiener in kurzer Zeit einen raschen Fortschritt mit seinem Pferde; denn durch die Schnelligkeit destelben gelang es ihm einmal über das

Äl» der Gerichtsdiener nach Haufe kam und den Hafer erblickte, dachte er nicht daran, den Krüger aus Wiesenwitz anzuzeigen, sondern betrachtete mit großem Wohlgefallen das Geschenk und sprach zu seiner Frau:Siehst Du, wie ich Futter für da« Pferd bekomme? Da smüßte ich nicht wisten, wie eS in der Welt zugeht, wenn ich für Heu und Hafer einen Pfennig ausgeben sollte.'

Umsonst*, antwortete die Frau,ist der Tod i* Hüte Dich!*

Wenn ich Andere hüte, habe ich genug zu thnn,* antwortete der eitle Mann, indem er sich nach einem so

wähnte und seiner Ehehälfte in kurzer Zeit noch ganz andere Früchte feine« ReiterihnmS zu zeigen hoffte.

5.

früh, während die Glocken zum Gotteshause luden, auf deS Schulzen Wiese, wo er Herrn und Knecht, Frau und Magd, Sohn und Tochter in der thätigsten Arbeit fand.

Mistet Ihr nicht, daß heute Sonntag ist?* ries der unverhoffte Reiter den fleißigen Arbeitern zu.Der Brod- Herr, welcher am Sonntag feine Leute arbeiten läßt, wird

Der Dieuer der Gerechtigkeit.

Criminal» Novelle von A. L. Lua.

(Fottsetzung).

Während der staunende Wirth, so sich hin und her »gend, kein Wort herausbringen konnte und den Gerichts knet mit großen Augen anstierte, tief dieser endlich: So spät hätten Sie mich wohl nicht verrnulhet?*

In Ewigkeit nicht!" war die Antwort.

Wenn man durch die Füße des Pferdes den Raum krzchrt und aus zwei Stunden eine halbe zu machen Der« -ht. ann man natürlich viel durchsetzen*, entgegnete der mlchtsdiener.

Aber doch wohl nicht etwa, um ein harmlose» Ver­zügen an die große Glocke zu bringen?" sprach darauf

Wirth.Da» junge Volk hat sich nur die Leine ta» vertreten. Al» wir jung waren, haben wir e» nicht Her gemacht *

»Rur nicht wiri* unterbrach der Gerichtsdiener: Seine Beine sind noch kräftig genug, einen Tanz zu *$en. Deßhalb aber übertrete ich nicht das Gesetz. Sie %n doch, daß nach der strengen Vorschrift der Polizei 7 Tanzboden vor Mitternacht Punkt 11 Uhr geschlossen t,a soll, und jetzt geht e» schon stark auf den Morgm.*

.Das weiß ich allerdings*, sprach der Wirth;ich obte ober nicht, daß eS schon so hoch an der Zeit sein £®te. Drücken Sie nur einmal da» Auge zu! Ich ^hie nicht gern beim Polizei-Amtmann als ein Urber- fkt be» Gesetze» bekannt werden. Verstehen Sie?" 1, »Tesetzverletzungen anzuzeigen,* antwortete bet Gericht»- 1***,ist mein Pflug unb Wagen.*

. »Einmal ist kein Mall* entgegnete der Ertappte.

ffen Sie die Anzeige! E» wird Ihnen nicht leid werden."

»Denken sie denn, daß ich das schwere Futter sür da» ,r»<r «ycieimrmriunt wm viiiiiviyuiig.

tb umsonst habe?* sprach darauf der Reiter mit-sich sehen ließ unter den Leuten auf dem Lande, zitiertesDaS geht mich nicht» an,* entgegnete der GerichiS-

^tungsvoller Miene und ritt davon, indem et der Hoff man vor ihm, weil er beständig mit der Absicht umging, diener im trotzigen Tone. (Fons, folgt )

Wasser auf de» Gerichtsdiener» Mühle. Am Sonnabend . , T ------ bereit» schon in Schleusenburg mit der Bermuthung einge«

gelungenen Anfang in seinem Treiben vollkommen sicher treffen, daß sich bei dem wachsenden Strome dort mancher mÄfcnf* imh feiner öhrhsift. t« o.i*»-«-*'! keine Sonntagsruhe gönnen würde, ritt er am Sonntag