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Marburg, Sonntag, 10. September 1876.
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Raths zu pflegen, nach Locarno begeben.
Der französische Gesandte in Madrid, Graf von Chaudordy, ist an Stelle Bourging's nach Konstantinopel gesandt, während dieser nach Madrid geht. Der Minister des Innern hat durch ein Dekret angeordnet, daß die erledigten Sitze in den Gemeinderäthen, welche die Maires zu wählen haben, bis spätestens zum 17. September durch Neuwahlen besetzt werden sollen; zu gleicher Zeit fordert der Unterrichts Minister Waddington die Präfekten auf, statistisches Material über die Elementarschulen zu sammeln. Das Gerücht von einer beabsichtigten Umwandlung der üprozentigen Rente ist durch eine offiziöse Note des Finanz- Ministers dementirt. Durch einen Erlaß des Präsidenten der Republik ist der ganze örtliche Bereich der Ausstellung für 1878 einem wirklichen Entrepot gleichgestellt.
Die spanische Regierung lenkt in eine abschüssige Bahn ein. Wenn der Ministerpräsident CanovaS durch seine Znkluge und sogar verfasiungswidrige Politik einerseits die freieren Elemente von sich abstößt und die bisher wenig geeinigten zu einem festen Bündnisse gegen ihn selbst veranlaßt, dürfte er sich andererseits sehr täuschen, wenn er sich den Dank der Moderad os verdienen zu können glaubt. Die Ultras, denen er jetzt zu Gefallen lebt, würden ihn über Bord werfen, sobald sie ans Ruder gelangen können.
Auf die Vermittlunzsvorschläge, welche die Großmächte im Juteresie Serbiens und Montenegros gemacht haben, hat die Pforte bisher noch keinen endgültigen Bescheid gegeben; zum «bluffe eines Waffenstillstandes scheint sie noch nicht geneigt zu sein. Am 1. September hat die von Tschernajew geführte serbische Armee bei Alexinatz einen empfindlichen Schlag erlitten. Abdul Kerim Pascha, der, beiläufig bemerkt, das Kriegsministerium an Rebif Pascha abgegeben hat, um als Generalissimus an der Morawa weiterzuwirken, ist siegreich gegen die Schanzen der Stadt vorgegangen, so daß die Serben ihr Hauptquartier nach Deligrad haben verlegen müffen. Ebenso ist auch Mukhtar Pascha mit 30,000 Mann gegen Montenegro eingeschritten und bei Grahovo über die Gränze gerückt.
—r. Leipzig, 7. Sept.
Die so lange erwarteten und vorbereiteten Feierlichkeiten
Sehr pünktlich traf Se. Majestät der Kaiser Dienstag chmittag 4zz hier ein und wurde vom V ee Bürgermei 1 Dr. Georgi durch eine feierliche Ansprache, worin ter anderen auch des verstorbenen Bürgermeisters Dr. 4 anerkennend Erwähnung geschah, im Namen der üdt festlich begrüßt. Der Kaiser dankte in herzlichen irten, gedachte darin in dankbarer Erinnerung des ver- rbenen Königs Johann, wie er auch die Verdienste von »ig Albert hervorhob. Ec begab stch darauf in Leglei- *8 des sächsischen Königs zu der vor dem Bahnhof auf« Klten Ehrencompagnie vom Sarde Grenadier-Regiment • 101 (ft iser Wi helm) und nahm die Parade ab.
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Dem Bundesrath sind die Entwürfe der Etats auf Vierteljahr vom 1. Januar bis 31. März 1877 für___
auswärtige Amt des deutschen Reichs, das ReichSeisenbahn« Amt, das Oberhandelsgerichl, über den allgemeinen Pen- sionsfond, für die Verwaltung der Eisenbahnen und über den Reichsinvalidenfond vorgelegt worden.
Die Deutsche ReichS-Correspondenz Hilt „nach ihren Information" die Meldung eines italienischrn Correspon- denz-Bureaux für begründet, daß Se. Eminenz der Car- dinal zu Hohenlohe feine Vermittelung im Vatikan behufs Beilegung deö Kirchenpolitischen Streites in Deutschland angeboten habe. Auf Grund unserer „Informationen", schreibt die „Post", die wir der D. R. C. gegenüberstellen, bezeichnen wir die ganze Geschichte als müßige * findung.
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«ljicht, das. prächtige Wetter. Fast schien eS diesmal, als Ate eine Ausnahme von der sonst üblichen Unberechenbar tit deS Wetters gemacht werden; denn am Montag konnte An an allen Straßenecken, in allen CajsS und Restau- »tionen, auf Plakate gedruckt, lesen: „Morgen, Diee Scag,
5. September: Kaiserwetter. W. Stannebein." Und ,. prophezeit, so traf eS ein: Stannebein, der über rg von Az>gs Grenzen bekannt gewordene Meteorolog und Wett- „ L-i "Prophet hatte eben für diesen Tag das schönste Wetter i Auf- Hellt. Besonders Aufsehen erregten feine Plakate, da itt. k in der letzten Zeit fast durchgehends Regen hatten; ---Bb auch heute regnet eS wieder ganz gemüthlich vom
Politische W-cheu - Ueherficht
Deutschland hat vorigen Sonnabend den Sedantag als sein nationales Reichsfest zum sechsten Male gefeiert und zwar in bemerkenswerthem Grade noch allgemeiner als in rüheren Jahren. Es ist das Fest nunmehr unwiderruflich n die Reihe der alljährlich wiederkehrenden eingetreten, kach dem Festtage haben in Deutschland die außerpreußischen aiferlid,en Trupp nschauen begonnen. Nachdem der Kaiser freitags voriger Woche die übliche Herbstparade deS Garde- korps abgenommen hätte, ist er am Dienstag zu den großen ftaisermanövern des 4 und deS 12. deutschen Armeekorps chgereist, zunächst nach Leipzig, und von da mit dem Könige ton Sachsen zur Abnahme der Parade deS 12 ArmercoipS «ach der Ebene bei Pulgar. Der Kronprinz hatte sich lhon am Sonntag Abend zur Inspektion des bayrischen ÄrmeecotpS nach Regensburg begeben und ist dann, nach wenbder Besichtigung, bereits am Dienstag Abend von lort gleichfalls zu den kaiserlichen Truppenschauen in wachsen geeilt. Es wohnt diesen zugleich eine glänzende Weihe fremdländischer Offiziere als Gäste des Kaisers bei. Der Empfang des Kaisers durch den König Albert war kr herzlichste, und der Kaiser bezeugte in feiner Antwort
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tiixl« Ad vorüber, und noch heute verläßt der Kaiser unsere
deren Btabt. Aber was wir erwartet, was wir uns von den [2833 feierlich!.iten versprochen, ist nicht nur ersüllt, sondern fößtentheils übertroffen. Zu letzterem ist vor allen ein dktor zu rechnen der stets soviel zur Verschönerung eines festes beiträgt aber, stch menschlicher Gewalt leider
nächtigten über die Fortsetzung^des GotthardbahnbaueS^seine |in der Krim liegenden Güler verfügt, wo er dem Kaiser nahe ist und die Entwickelung der Dinge abwarten kann.
Die Panzerschiffe „Kaiser" und „Deutschland" sind am Donnerstag von Gibraltar nach Plymouth, „Friedrich Karl" und „Kronprinz" von Salonichi nach Smyrna in See gegangen.
Der von der französischen Regierung in Anregung gebrachte Zuckerkongreß hat mit einem Fiasko geendigt. Deutsch, land und Oesterreich haben — den Wünschen der französischen Regierung entgegen — den Kongreß nicht beschickt. Außer Frankreich beteiligte sich nut England, Belgien und die Niederlande. Die Niederlande sprachen sich gegen eine Znckersteuer aus, ebenso protestirte Frankreich, falls die Steuer nicht mit einer Entschädigung für die französtjchen tonisch schönen Abschluß geben. In ter Mitte deS Platzes erheben stch zwei kolosale Triumpfjäulen, deren eine den Werken des Krieges, die anterc den Werken des Friedens gewidmet ist. Auf beiden Säulen sieht man große Viktorien. Die KriegSsäule enthält zwischen den Guirlandenwindungen die Namen großer KriegShelden des deutschen Volkes, sowie Wahlsprüche: „Wehrlos, EhrlosI — VorwSrlsI — Erst wägen, bann wagen I — Furchtlos und beharrlich l — Durch Einheit zur Freiheit I — Alle Zeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit I" Der Sockel zeigt die Inschriften: „Den großen Thaten deS deutschen Volks in Waffen. Solange die Ströme zum Meere reifen, wird noch der späteste Enkel preisen die Leipziger Schlacht — Welch' eine Wendung durch Gottes Führung I" Ferner ist auf der Rückseite das eiserne Kreuz angebracht. Die FrieocnS- sänle enthält die Inschriften: „Arbeit adelt! — Handel uns Wiffenschast im Bunde erobern die Welt. — DaS Heil der Deutschen ist in der Wiffenschast. — Auch die Kunst verlangt ein Dalerland. — AuS dem engen, dumpfen Leben fliehet in des Ideales R ich." Auf dem Sockel steht: „Den Werken deS Friedens der deutschen Nation. — Möge die Aufgabe des deutschen Volk.s sorlan darin beschießen fein1, sich in dem Wetlkamps um die Güter deS Friedens als Sieger zu erweisen. Das walte Gott! — Wahrheit, Einfalt, Redlichkeit! — Also: Offener Weg, hohe Zwecke und reine Mittel. — Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen, ist bet Mühe Preis."
Im Hintergrunbe zeigt stch ein großes Transparent, vom Maler Clasen entworfen, die Saxonia und Borussta darstellenb, beide von bet Germania besa,ützt. Am Museum sinb Medaillons angebracht, welche die Manneslugenden: „Weisheit — Gerechtigkeit — Beharrlichkeit — Tapferkeit — Treue — Wahrhaftigkeit — Mäßigung — Barmherzigkeit" bezeichnen. Am Univerfitälsgebäude steht man dir Znfchrist:
Erscheint täglich anher den Blerttagen nach 6onn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beitaae Ätlnftrirt. , . ■ .
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Anzeigen nimmt entgegen: die Erpedttion d. Blatte» sowie die Annoneen-Bureaux von ®. L. Daube & 6o. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Siete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
mf eine Begrüßungsrede des Bürgermeisters von Leipzig Me Verdienste, die König Albert um das Reich sich erworben hat, wie als Feldherr durch Heldenmuth und Serik. knnenheit in Führung feiner braven sächsischen Truppen, jo auch durch sein Streben nach Befestigung der deutschen -— Einheit, hinsichtlich dessen er in die Fußstopsen seines königl. F latere tritt.
■f» Dem Grafen Andraffy jwurde am 3 September die
sowie die Annoncen-Bureaux ,on Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M ; Haasenstein & Vogler in zrankfurt a. M, Berlin, Leiv- >ig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
j mir m 1. September von Alexinatz erlittene entscheidende Nieder- „(sch ige der Selben durch den Dr. ZulicS, diplomatischen einem genten Serbiens, in offizieller Weise an gezeigt und die n Ab- ffriebenötermittlung dringend nachgesucht. Am 1. Sept, inrbe in Pest der neunte internationale Congreß durch en Erzherzog Joseph eröffnet. In den vorbereitenden
In den größeren Städten Englands mehren stch die Volksversammlungen, welche ihre Entrüstung über die tür- kischc Barbarei kundgeben und die englische Regierung wegen ihrer angeblichen Fahrlässtgkeit in Verhinderung derselben angreifen. Gladstone wird in einem Meeting aus der „Schwarzen Haide" bei Greenwich als Redner auftreten unb hat inzwischen schon eine Schrift erscheinen lasten, in welcher er folgenbe Punkte erörtert: ben Ursprung ber gegenwärtigen Lage, ben Charakter des türkischen Volkes und Ministeriums, die Politik England«, die bulgarischen Greuel, die Anwesenheit der britischen Flotte in der Besika- Lai, die Fallstricke, welche vermieden, und die Ziele, welche erstrebt werden müffen. Gladstone befürwortet die Erhaltung des türkischen Gebietes, aber die Abschaffung türkischer Verwaltung in Bosnien, ber Herzegowina und der Bulgare!.
Der König ber Nieberlanbe hat Herrn Alting Me S zum Minister ber Colonien ernannt. Der Marineminister Taalman Kip übernimmt bis auf Weiteres bas Kriegs- Ministerium. Die onberen Minister verbleiben im Amt.
Der Kaiser von Rußlanb hat acht Tage in War, schau zugebracht. Am Donnerstag reiste er nach ber Krim, wo bie Kaiserin mit ihrer Tochter, ber Herzogin von Edin- burg, bereits Wohnung genommen hat. Auch Jgnatiew hat stch, statt auf seinen Posten nach Konstantinopel, auf Daraus bestiegen Kaiser Wilhelm und König Albert den Wagen und unter den donnernden Hochs des Publikums begannen sie die Fahrt zur Stadt. Dem Wagen folgten noch mehrere andere, deren Jnsaßen bie übrigen fürstlichen Personen unb Generäle waren. Alle b sonders Moltke, würben freudig vom Publikum begrüßt. Die Fahrt ging durch bie festlich geschmückte Windmühlenstraße zum Königs platz. Da, wo ber Königsplatz in die Peterstraße übergeht, erhob sich ein mächtiger Triumpsbogen mit der In schrift: „Willkommen — den Trägern deutscher Größe — Heil ihnen." Nach der Peterstraße zu befand stch die Inschrift: „Gesegnet sei ber Tag, an bem Deutschlands Kaiser unb Sachsens König — vereint in Leipzig weilten «m Fries nach bem Schloß stanb: „Groß im Kriege" nach der Bürgerschule: „Stark im Frieden." Außerdem war bas beutsche Wappen mit ber Ueberschrift: „Suum cuique" unb bas sächsische Wappen mit ber Ueberschrist: »®ott segne Sachsen" angebracht. Die Wagen fuhren burch den Triumpfbogen in die prachtvoll becorirte Peter- JfJrofje bis zum Markt unb bann quer herüber zum Rath- hauS. Rechts unb links vom Haupteingang waren zwei riesige von Herrn Profeffor Nieper gemalte Staubarten aufgestellt, Freiheit unb Gesetz darstellend. Der bazwischen befindliche reich becorirte Halcon trug die Inschrift:
.Die Einheit ist gewonnen! Nun halten wir sie fest Daß sie vorm jüngsten Tage nicht wieder uns verläßt. Mit Blut und Thränen zahllos der Krieg uns neu verband Nun bleib uns untastbar, daß einige Vaterlands
Von da ging bie Fahrt burch bie ebenfalls überreich geschmückte Grimmaische Straße zum Augnstusplatz. Die prachtvollen Decorationen beffelben übertrafen alle« sonst Geleistete U'b lassen stch kaum beschreiben. Die Unregelmäßigkeit beS Platzes ist durch eine Anzahl großer Säulenhallen verdeckt, die da« Museum links und rechts erweitern unb bem Platz einen architek-
Sitzungen war abermals, wie im vorigen Jahre in Peters-
•tg, um die „Sprachensrage" gestritten, schließlich aber Zluan; fit bie Gleichberechtigung gegen bie beanspruchte Bevor- ichiicn jigung der französischen Sprache entschieden worden. Am
Sonntag fand zu Pest die hundertjährige Jubelfeier zu ausen. Kren des in Ungarn hochverehrten Erzherzog« Palatin 7777 pofcW Statt, deren Mittelpunkt ber Sohn beffelben, der lucht f^ige Erzherzog Joseph mit feiner Familie bildete.
n* be» L 3n ^otn hat bie Entrüstung über türkische Greuel« 12183 S°,en f*4 >n einer groß n Volksversammlung Luft gemacht, i_____ i welcher nebenbei republikanische Stichworte eine große
(»ff. iiolle spielten. Der Ministerpräsident unb ber Finanz U|l' tinifter haben sich, um mit bem schweizerischen Bevoll M " ......... ' -—