Jsr. 211.
Marburg, Freitag, 8. September 1876.
XL Jahrgang.
dien 1986
Inietgen nimmt entgegen: He Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureanx gon Th. Dietrich & Co. in -affet und Hannover; Th. Vietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leiv- lig, Cöln rc; Rudolf Moffe In Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blattes sowie bie Annoncen-Bureaur von S. L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Sete» meyer in Berlin; Carl Schüß» ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint t S gl i ch außer den Wetttagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JAufttirteS SonntagSblatt" durch die Srpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejL Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespattene Zeile 10 Pf».
in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
ra-erberlcht.
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Das Reichskanzleramt hat bekanntlich Schritte gethan, um die in Folge dcs BundcSrathsbeschlusseS vom 11. Juni 1874 von preußischen Eisenbahnverwaltungen für den Lokal- Berkchr etng. führten Tariferhöhungen rückgängig zu machen. Wir sind in der Lage, aus amtlichen Quellen mittheilen zu können, in wie weit von jener Begünstigung s. Zt. Gebrauch gemacht worden ist. Eine Tariferhöhung haben die Ber- valtungen folgender Bahnen nicht eintreten lassen: Aachen Mestrichter Eisenbahn, Krefeld Kewpener Jndustrie Eisenb., hessische LudwigSbahn, Homburger Eisenb., Oberschlesische
Eisenb., Ostpreußische Südbahn, Rechte Oder Ufer Eisenb,
Eeorg-Marienhütte-Halsberger Eisenb., Nordbrabant deutsche
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Eisenbahn. Die Berlin-Stettiner Eisenbahn ließ nur für Stückgut eine Erhöhung um 20pCt. eintreten. Die Nassauische Eisenbahn erhöhte Eil- und Stückgut um 20pCt., Wagenladungszeit um 10pCt. Die Rheinische Eisenbahn
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Die Pariser „Patrie", welche bekanntermaßen eine un Ähnlich« Feindin DeulschlandS ist, widmet dem deutschen isul Lindau folgenden Nachruf: Frankreich zählt nicht
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«höhte vereinzelt Trarifsätze bis zu lOpCt. Die Berlin »amburger Etnsenbahn klassenweise verschieden bis 20pCt. Skalaartige Erhöhungen ließen eintreten die Niederschlestsch-
imm sMarrlschen, -oerltn-Anyalttscyen, Berltn-Gorlitzer, yetUn- DP- Potsdam - Magdeburger, Breslau - Schweidnitz - Freiburger, 1868 dreslau Warschauer, Glückstadt-Elmshorner, Halle-Sorau- —- jSubener, Hannoverschen, Hannover - Altenbekener, Köln H £*e Mindener, KottbuS Großenhainer, Lübeck-Büchener, Mär-
isch-Posener, Magdeburg Kölhen Hallc-Lelpziger, Magde- «rg-Halberstävter, Main-Neckar, Main Weser, Nordhausen. irfurter, Saarbrücker, Thüringische und Werra, Tilsit- snsterburger, Westfälische, Oberlausitzer Eisenbahn.
Zu den Vorlagen, mit welchen sich der Reichstag in tiurr kommenden Session zu beschäftigen haben wird, ge> ört auch das Patentgesetz. Die Arbeiten der Enquete lvmmijsion haben die Palentfrage wesentlich gefördert. Zwischen dem BundeSrathSauSschusse und der Mehrheit der kRNmisston hat sich ein vollständiges Einvcrständntß über it Hauptpunkte der Vorlage ergeben.
Märkische Eisenbahn von 10—20pCt. und die Ostbahn een 5—20pCl. Durchweg um 20pCt. wurde der Tarif «höht von der Altona-Kieler, Bebra-Hanauer, Bergtsch- Mälkijchen, Berlin-Anhaltischen, Berlin-Görlitzer, Berlin-
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»hr unter den Auswärtigen Konsuln Herrn Lindau, vor Ämtern noch deutscher Konsul zu Marseille. Vor einigen Achren durch seine Regierung in besonderer Mission an die sranzöstsch > spanische Grenze entsendet, hat sich Herr Äadau eine Art von Berühmtheit gemacht durch den Elser, 6Ü dem er angebliche Beweise von der Nachsicht Frankreichs
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Der Diener der Gerechtigkeit.
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(Fortsetzung).
Jetzt war Niemand sroher, als der GerichtSdiener. Ohne sich weiter zu besinnen, ergriff er sogleich die Flasche <nb tränt. — Um aber gegen die versöhnenden Bestrebungen Ma« Beleidig«, als deren Bel.idiger er sich ja doch auch «klagen mußte, nicht zurückzubleiben, sprach er: „Gebt «r eine Pfeife I — ich will mitten unter Euch vor der Hür rauchen, damit Ihr sehet, daß ich eS gut mit Euch «tue und keiner von den Spitz n bin, die nur mit allen «sten Freundschaft machen, um in ihre Geheimnisse zu Hauen und so zu Anzeigen Gelegenheit zu finden."
D« Versöhnte empfing aus diese Forderung augenblick »ch eine Pfeife und rauchte auch wirklich vor der Thür.
standen die Herren Wiesenwitzer wie in Stein ver «adel; und wußten nicht, ob sie ihren eigenen Augen sollten.
«Der dreiste Raucher", murmelten mehr«e nach einigen Minuten deS Staunens, „gibt uns den deutlichsten Beweis, *6 n uns nicht anzeigen will; denn wollte er j.tzt irgend «t Miene machen, uns zu kitzeln oder zu kneifen, so i'faetn wir ihm augenblicklich die Zange anlegen."
»Ja, das ist wahr I" tönte eS sogleich von allen Seiten „Herr GerichtSdiener", sprach der alte Rude, „Sie H» der Mann, den wir gebrauchen können. — Bei un«! ^manchmal ein Auge zuzudrücken, aber dasür öffnen wir
stets die Hand der Freundschaft."
j. Aus diese versöhnende Verständigung begann ein lustiges und nachdem der von den Wiesenwitzern spendirte j^chnaps auSgetrunken war» ließ der GerichtSdiener ein Wjes Quart Liqueur geben. Das nun setzte die Leute F noch größeres Erstaunen, als da« Tabakrauchen des
für die Karlisten dennnc rte. Diese Rapporte waren eS, wenigstens zum Theilc, welche die Uebersendung des famosen, heute vergeffenen „Memorandum" provozirten. Von Marseille ist Herr Lindau als Konsul nach Barcelona versetzt worden.
Dem „Pungolo" von Neapel wird aus Rom berichtet, daß es der italienischen Diplomatie nicht gelungen ist, die Unterlage zu Friedensnnterhandlungen zwischen der Pforte, Serbien und Montenegro zu finden, und daß die italienische Regierung deßhalb den ebenso schwierigen wie schönen Auf- tcag d« Großmächte, den Frieden zu vermitteln, denselben zurückgegeben hat.
Auf Vorschlag seines Ministeriums hat Fürst Milan von Serbien angeordnet, daß der UkaS vom 11. Mai d. I-, mittelst welchem alle Zahlungsfristen, alle Entscheidungen in Civilproz.ffen, alle UrtheilSfällungen, wie auch alle Exekutionen auf drei Monate eingestellt wurden, auch ferner hin, bis zur Dauer deS Krieges in Wirksamkeit zu bleiben habe. Es dürste dies auch für die deutschen Handelskreise von Interesse fein.
Um zu erweisen, welcher Verwickelungen die politischen Verhältnisse der Türkei noch fähig sind, führen wir an, daß nach dem muhamedanischen Gesetze Abdul Hamid, eigentlich nur Interims - Sultan ist, so lange sein Bruder Murad sich deS Lebens erfreut. Sobald der Letztere zum Vollbesitze seiner geistigen Kräfte zurückgekehrt ist, hat er das gesetzliche Recht, seine Rrpoffedirung zu verlangen und Abdul Hamid wüßte zurücktreten.
AuS dem Orient meldet der Telegraph:
Belgrad, 5. Sept. Die Niederlage bei Alexinatz, welche jetzt auch offiziell zugegeben wird, hat die Neigung, den Krieg fortzuführen, bedeutend herabgemindert. Fürst Milan ist zu weiteren Concesfionen bereit und wird die Zahlung einer Kriegsentschädigung nicht mehr ablehnen, dagegen wird die Besatzung der Festungen nicht zugestanden.
Wien, 6. Sept. Der Pester Lloyd meldet: Serbien biete jetzt ein Bild wie Frankreich nach der Schlacht bei Sedan; nur Intervention könnte eine innere Krisis verhindern. Die Mähte entfalten die äußerste Anstrengung, das Blutvergießen zu beendigen. Seitens der Pforte fei kein erheblicher Widerstand zu erwarten. Der Lloyd warnt die Pforte, die Erfolge zu mißbrauchen. Die Türkei muffe sich sorgfältigst hüten, den öffentlichen Geist in Rußland noch mehr herauszufordern. Keinesfalls würde die Pforte selbst von weiteren und entscheidenden Siegen Bortheile zu erwarten haben. Die Greß nächte werden ihrem Jntereffe gemäß das letzte Wort sprechen.
Dieners der Gerechtigkeit. — Wer im Dorfe bei einem Trinkgelage sich sonst hatte hervorthuen wollen, dem war schon ein Gläschen dieser Flüssigkeit ein kühnes Wagstück gewesen, — und j tzt trank sogar jeder dieselbe aus der Quartflasche, wie gemeinen Kartoffelbranntwein.
„Der GerichtSdiener ist ein reicher Mann!" — ver» lauteten bald alle Stimmen.
„DaS bin ich auch!" — sprach augenblicklich der eitle Kauz, welch« diese Worte mit gespitzten Ohren wohlge fällig hörte. „Jbr sollt noch ganz andere Dinge von mir erfahren, und die Schleußenburger sollen auch noch Wunder und Streiche von mir erleben — die stolzen Schleusenburger sammt ihrem Schulzen, der sich vor Hochmuth kaum selber kennt."
„Der Schulze von Schleußenburg ist aber so reich, daß, daß « seine ganze Stube mit harten Thalern könnte pflastern loffen," bemerkte hierauf der alte Rude. „Mein Sohn, der als Großknecht bei ihm dient, kann nicht genug von seinem Reichthum erzählen.
„Und wenn dieser reiche Schulze sein HauS könnte mit Silber decken taffen, fo wollte ich ihm doch noch ein Räthsel aufgeben," entgegnete der Gerichtsdiener.
Auf diese Aeußerung bekundeten all« Anwesenden ihren vollen Respekt vor dem Manne den sie nun fast für einen KrösuS hielten und über die Maßen bewunderten.
„Was für eine Macht," dachte hierauf der Bewunderte „ist doch der Reichthum! — Schon fein Schein, mit dem man sich zu umgeben sucht, verschafft Respekt."
Von einem Plane, den « bei diesem Gedanken faßte, lebhaft bewegt, nahm er schnell Abschied von den Wiesen« witzern und eilte nach d« Stabt zurück.
D« Weg vom Wiesenwitz nach der Stadt hatte Mr einen Fußgänger, namentlich in der Nacht, große Schwie-
Konstantinopel, 5. Sept. Es verlautet mit Bestimmtheit, die Pforte fei bereit, die Waffenruhe üb«all herzustellen, doch nicht ohne Bürgschaft dafür, daß die Waffenruhe zum Frieden führen wird. Nachrichten aus Rußland erzeugen Beunruhigung. Man fürchtet trotz des Entgegenkommen« der Pforte einen äußersten Konflikt mit Rußland wegen der Gräuelthaten in Bulgarien. Englands kühle Haltung gegen die Türkei vergrößert noch die Beunruhigung. Aus Dobrutfcha wird die Erhebung der dortigen Russen (der Staroverzen) gemeldet.
Petersburg, 6. Sepibr., Morgens. (Ag. Rufle.) Die „Petersburger Zeitung" bringt in den ihr, von dem suSpendirten „Rußki Mir" überwiesenen Depeschen vom Sonntag und Montag die Nachricht, daß der Sonnabend für die Serben ein ernster Tag war. Der linke Flügel und das Centrum hielten ihre Positionen, ab« der von dreifach überlegener Anzahl angegriffene rechte Flügel mußte weichen und das Dorf Adrovatz den Türken überlasten, welche es in der Nacht bis auf den Grund niederbrannten.
Petersburg, 6. Scptbr., Morgens. (Ag. Rüste.) Das Bombardement von Alexinatz steht bevor. Officiell wird von Belgrad die Nachricht der „Times" von vollkommener Niederlage der Serben dementirt; Alexinatz wird noch gehalten und Tschernajeff concentrirt fein Truppen bei Deligrad.
Belgrad, 6. Sept. (Amtliche Meldung.) Anden drei letzten Tagen und in der verflostenen Nacht haben bei Javor hartnäckige Kämpfe stattgefunden. Der Feind, welcher die serbischen Linien angriff, wurde überall zurückgeworfen; als hierauf gegen Mittag die Serben zum Angriffe über« gegangen waren, wurden die Türken aus drei Verschanzungen und zwei Batterien delogirt, geschlagen und in die Flucht gejagt. Die Serben bemächtigten sich feindlicher Fahnen, machten Gefangene und erbeuteten Munition und G-wchre. Am 5. September ward ein neuerlicher Angriff der Türken auf Klein«Zwornik zurückgewicsen. Bei Ka- pronik auf türkischem ©ebiete wurde d« Feind angegriffen und trotz dreifacher Ueberlegenheit geschlagen.
Zara, 5. Sept. Der heute srüh Seitens d« Türken unternommene Angriff «folgte gleichzeitig von Bjeloparlje und vorn Bezirke Kucci hier gegen Mcdun; dabei wurde Alles in Brand gesteckt, lieber das Ergebniß der Schlacht, welche größeren Umfang angenommen hat, ist noch nichts bekannt. Mukhtar Pascha rückt langsam, ober stetig gegen Grahowo vor.
L«qche» »eich.
Berlin, 6. Sept. Die neueste „Prov.-Corr" schreibt: Vor Kurzem ist das Gesetz veröffentlicht worden, nach welchem den hülssbedürftigen ehemaligen Kriegern au« den ligteiten. Der Gerichtsdiener achtete sie aber gering gegen den Plan, welchen er gefaßt. Noch ehe die Sonne deS nächsten Tage« aufging, war er schon in der Stadt, ruhte einige Stunden und erhob sich dann mit einer seiner Frau ganz unerklärlichen Unruhe aus dem Bette, um ungesäumt an die Ausführung feine« Planes zu gehen.
„Frau," sprach der Unruhige, als « sich kaum ange« kleidet hatte, „die achtzig Thaler heraus, die im Schranke liegen!"
»Was willst Du mit dem (Selbe ?" fragte ihn bii Frau bebend.
»Da» wirst Du bald sehen!« war die kurze Antwort.
Seufzend holte die Arme das Geld und legte es auf den Tisch, indem sie den Mann weinend und klagend bat, den sauer ersparten Nothgroschen doch zu keinem unnützen Zwecke verwenden zu wollen. Dieser aber'schien gar nicht zu hören, sondern nahm, ohne eine Wort zu sagen, die Baarschaft ging mit derselben nach dem Pferdemarkt und kaufte einen schwarzen Hengst mit Zaum und Sattel für siebenzig Thal«. Die übrigen zehn Thaler steckte er in die Tasche, um als stolzer Reiter auch etwas zum Draufgehen zu haben.
Mit Entsetzen vnnahrn die arme Frau die Anwendung des sauer ersparten Gelbe« „Was werben", sprach ste zu dem hochfahrenden Manne, „die Astestoren und der Ge« richtSvirektor, Deine Vorgesetzten, die sich bei ihrem großen Gehalte kein Reitpferd haltm über Dein Beginnen sagen wenn ste Dich fo vornehm reiten sehen l"
„Das ist meine Sache I" entgegnete der Mann.
„Aber noher Futter?" fuhr die Bekümmerte fort.
„Weib! — DaS geht Dich ebenfalls nichts an; halt' Deinen Mund!" — donnerte ste der Trotzige an, ging zur Thür hinaus, wandelte seinen Trotz in eine sehr klig«