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Marburg, Donnerstag, 7. September 1876.

xi. Zahrgavg.

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gnictgen nimmt entgegen: Ht Expedition d. Blatte-, [g»te die Annoncen-Bureaur gon Th. Dietrich & Co. in Jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. 5Dt.; haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leip, lig, Cöln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. 9)i. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte» sowie bic Annoncen-Bureaur von ® L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A- Mete« meyer in Berlin; Carl Schüß« ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint t«glich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirteS SonntagStlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2; Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnfettionSgebühr für die gespaltene geile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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Der sächsische Provlnzialaußschuß hat s. Z. in wahr- !,st exemplarischer Weise die Gründung einer historischen ommission der Provinz Sachsen behufs Förderung der schichtlichea Bestrebungen innerhalb der Provinz beschlvsien ib dieser Kommission einen namhaften Theil der für das ihr 1876 durch den Landtag für wissenschaftliche Zwecke »Sgcsetztcn Mitteln überwiesen. Die historische Kommis- >n, zu welcher außer dem Kommissar des Provinzialaus »fies je ein Vertreter der fünf Geschichtsvereine der rovinz und drei namhafte Geschichtsforscher der Provinz hören, hat sich konstituirt und einen Arbeitsplan aufge- jtellt. Die Kommission wird zunächst ihre Aufmerksamkeit m Ausgrabungen, der Pflege von Ausgaben historischer ärkunden und der Errichtung eines Provinzialmuseums zu pwenben haben Zum Druck vorbereitet werden zunächst äs Urkundenbuch der Stadt Halberstadt und das des lostcrs Berge. Daran wird sich wohl als dritte Publi- ition die des Chronicon archiepiscoporum Magdebur- ensium schließen.

0.

Von dem deutschen Reiche, Oesterreich Ungarn, Belgien, ter argentinischen Konföderation, Dänemark, Spanien, Frank« «ich, Italien, Peru, Portugal, Rußland, Schweden Nor- ttgen, der Schweiz und der Türkei sind die Ratificationen er am 20. Mai 1875 zu Pari» abgeschlossenen Inter­nationalen Meterkonvention ausgewechselt worden. Bekannt- ih sind in derselben die vertragschließenden Theile über- in gekommen, unter dem Namen:Internationales Maß- mb GewichtSbüreau" ein wissenschaftliches permanentes

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nftitut, m t bem Sitze in Paris, auf gemeinschaftliche vsten zu gründen und zu unterhalten. Das internationale füreau wird unter der ausschließlichen Leitung und Aus-

9 zu cht eine» internationalen RomiteS für Maß und Gewicht ehen, welches seinerseits unter die Autorität einer aus )eligirten aller vertragschließenden Regierungen zusammen- DM tsetzten Generalkommission für Maß und Gewicht gestellt b tQr I. Der Vorsitz in der Generalkonferenz für Maß und esucht Gewicht wird dem jeweiligen Präsidenten der Pariser Aka- , dss' wie der Wissenschaften'übertragen.

2123

uhr- n von kosen - 2118

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70.

Wie uns aus Madrid telegraphisch gemeldet wird, soll vrtselbst am 1. November eine Ausstellung von Weinen »ffnet werden. Die Jury wird aus Spaniern und einigen Ausländern zusammengesetzt sein.

Seit gestern hat sich die militärische und politische Lage ter orientalischen Angelegenheiten beträchtlich geklärt. Die mben sind nunmehr entschieden im Nachtheil und Alexinatz um als verloren angesehen werden, seitdem die Serben

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Der Diener der Gerechtigkeit.

Criminal - Novelle von A. L. Lua.

(Fottsetzung).

Bei dieser Aeußerung verlor der Gerichtsdiener fast tae Besinnung.Wache oder träume ich?" dachte er. »8uf meinen vorigen Posten wurde ich bet jeder Anzeige Ht offenen Armen empfangen, und hier bekomme ich fast Men Verweis darüber I Hier muß ich meinen inneren Menschen umkehren; das Gefühl der erlittenen Kränkung, k Rache, wird aber nicht verschüttet I"

3.

Noch desselben TageS mußte der Gerichtsdiener wieder he Wanderung mit Briefen auf das Land beginnen und ua am nächsten Sonntag in das Nachbardorf von Schien toburg, Namens Wiesenwitz. Dort waren ebenfalls die Sätet des Dorfes vor dem Kruge in größter Gemüthlich- ti versammelt, um bei heiterem Gespräch und einem Glase Bier unter dem freien Himmel ihre Pfeifchen Tabak zu buchen. Ruhig und gelöffelt, die Miene des AufpasierS drleugnend, ging et auf die Versammlung in der Absicht sie nicht zu stören, sondern in ihrer Mitte friedlich zu Mveilen. Die Raucher jedoch zogen schnell, als sie ihn werkten, die Rauchschläuche auS dem Munde und suchten t zu verbergen, indessen der Friedenssucher sprach:Lieben tute, laßt Euch durch mich in Eurer Gemächlichkeit nicht Men, raucht ruhig »eiter und chut, als ob ich nicht *t seil"

Diese Anrede setzte die lieben Leute so in Erstaun n, *6 ihnen plötzlich der Mund wie zugefroren war; denn nie hatten sie von einem Gerichtsdiener eine ähnliche ^nommen. Alle suchten in den Tiefen ihrer Gedanken Länglich vergebens nach bem Grunde derselben.

Der Gerichtsdiener, durch das Staunen und Starten

unter Zurücklassung von 10 Bataillonen den Rückzug auf Deligrad angetreten haben wie wenigstens Pester Tele­gramme melden. Dies ändert auch die Chancen der Frie­densaktion. Der schwierigste Punkt in dieser Hinsicht ist nunmehr Konstantinopel. Wenn nun aber auch die Türkei auf dem Kriegsschauplätze die siegreiche Macht ist, so be- fi bet sie sich doch in einer desto schwierigeren politischen Lage und der neue Thronwechsel hat dieselbe nichts weniger als vetbcsieti. Dieser letztere Umstand bildet für die Frie- dcnsaktion einen Vorthcil, beffen Benutzung sich die Mächte wohl kaum entgehen lassen werden.

Auch dieCorrespondance orientale" bestätigt, daß eine Annäherung zwischen dem Prinzen, j.tzt Sultan Abdul Hamid und Midhat Pascha stattgesunden habe. Der Sou­verän soll demberühmten Reformator" erklärt haben, daß sein Verfassungeprojekt eine ernste Erwägung verdiene, und daß es derselben auch theilhaftig werden solle.

Der offiziöseRomanuel" bringt folgende Auslassung über die rumänische Politik:Wenn sich rings um Ser­bien herum Brüder desselben Stammes, derselben Sprache befinden, die unter dem harten Zöche der Türken bitter leiben, wenn diese Leiden das nationale Gefühl des ser­bischen Volkes mit vollem Rechte zu reizen, dasselbe zur Verzweiflung zu bringen vermochte, so müssen wir offen gestehen, daß bei uns und an unseren türkischen Grenzen dieses Faktum nicht besteht. Serbien kann, wenn es sieg­reich aus dem Kampfe hervorgeht, seine benachbarten Brüder auS dem Zoche der Sklaverei befreien; eS kann sein Gebiet vergrößern, seine Bevölkerung vermehren. WaS aber könnte Rumänien von den Türken gewinnen? Könnte es auch nut die Opfer an Geld und Menschen sich bezahlt machen, die auch selbst ein siegreicher Kamps fordern würde?Die Ansprüche, die wir der Pforte gegenüber noch zu erheben haben, sind solcher Natur, daß wir dieselben durchaus nicht bem Schicksale bet Waffen auszusetzen brauchen, nachbem beten günstige Entscheibung durch andere Mittel hetbeige- sührt werden kann, die bei Weitem sicheret und unzweifel­hafter sind. Diese Entscheidung, die eben so unleugbar als legitim ist, wird von sich selbst kommen durch die Macht der Logik der politischen Strömung, die heute im ganzen Orient herrscht. Um unsere Wünsche sobald als möglich zu befriedigen, brauchen wir durchaus nicht das Geweht in die Hand zu nehmen, das wäre, wir erklären eS offen, eine Gefahr für uns. Unsere Konsolidirung im Innern, die sozialen Fortschritte deS rumänischen Staates, sind die bestbegründeten Garantien dafür, daß dieser Staat der Türkei, dem Orient, ja ganz Europa gegenüber das werden wird, was er will und was er zu sein das Recht hat. Ein unglücklicher Krieg der Rumänen gegen die Türkei

der Leute ebenso überrascht, wie vor acht Tagen durch die männliche und schnell abfertigende Antwort des Schleußen- burgcr Schulzen, suchte durch die verschiedensten Fragen und durch das freundschaftlichste Benehmen ihr tiefes Schwei­gen zur brechen, doch vergebens. Verdrießlich darüber ging er endlich in die Krugstube und dachte:Wie soll man eS doch den Menschen recht machen?"

Habt Ihr verstanden?" redete der alte Jude seine Umgebung an, als der Gerichtsdlener einige Minuten fort war.Der Kerl wollte, daß wir vor feinen Augen tauchen sollten, um uns alle mit einem Male anzeigen zu können. Der Pfiffikus will auf leichte Weise sein (Selb betblenen. Für jeben Tabaksraucher, den er anzeigt, bekommt er vier gute Groschen. Wir find hier vierundzwanzig Mann. Da hätte er auf der Stelle vier Thaler verdient, wenn wir uns hätten verlocken lassen. So dumm aber sind wir nicht."

Der Kerl ist seht dumm, daß er uns solche Dumm­heit gutraut," sprach darauf bet Bäcker Mehl.

Nicht bum», sondern frech!" entgegnete bet Schlächter Hiebet.Solche Frechheit darf nicht ungestraft bleiben Ich werde dem Halunken zeigen, was cs heißt, Männer, die sich in der Welt umgesehen haben, so niederträchtig zu behandeln; ich gebe bem Kerl ein Paar Maulschellen, baß ihm Hören und Sehen vergehen soll."

In bemselben Augenblicke trat bet Getich Sdienet »le­bet vor bie Thür. Die gewitterschwüle Stimmung bet Sonntagsleute lag ihm schwer auf bem Hetzen.Ich will doch noch einen Versuch zur freundschaftlichen Ver­ständigung machen," dachte et und sprach:Raucht doch, Leute, raucht I"

So etwas," fiel ihm bet Schlächter Hiebet in's Wort,kann nur ein Halunke sagen, wir wtfiett, was bas Gesetz besagt."

würbe heute bie ottomanische Herrschaft in Europa nur verstärken unb würden wir durch die Waffen besiegt, so könnten nur jene Rechte gefährdet werden, die die rumä­nische Nation nach und nach wieder zurückgenommen hat. Aber auch angenommen, daß wir aus bem Kampfe sieg­reich hervorgehen, was könnte bkfer Sieg uns wohl geben ? Nicht einmal das wird er uns geben, was der Krieg uns gekostet hat. Halten wir also Frieden, konsoli- bhen wir unsere sozialen Institutionen, schreiten wir vor­wärts auf der Bahn der sittlichen Veredelung, deö mate­riellen Gedeihens. DaS ist die einzige vernünftige Politik, die Rumänien heute befolgen, und durch welche cB hoffen kann, schneller und sicheret dorthin zu gelangen, wohin eS gelangen will und gelangen muß."

Deutsches «eich.

Berlin, 6. Sept. Behufs einheitlicher Regelung der Grundsätze, nach welchen bisher die Zulässigkeit der ver­schiedenen Kategorien zinstragender Papiere bei bet Kau­tionsbestellung der LieserungS- rc. Unternehmer beurteilt worden ist, unb zur Herbeiführung einer zugleich den witthschaftlichen Interessen förderlichen Geschäftserleichterung hat dct KriegSminister bestimmt, daß zur Bestellung von Unternehmerkautionen für Lieferungen und Leistungen im Bereich der Militärverwaltung künftig als geeignet auzu sehen sind: 1) die Schuldverschreibungen, welche vom Deutschen Reiche oder einem deutschen Bundesstaate mit gesetzlicher Ermächtigung ausgestellt sind; 2) die Schuld­verschreibungen, bereit Verzinsung vom Deutschen Reiche ober einem deutschen Bundesstaate gesetzlich garanlirt ist; 3) sbte Rentenbriefe der zur Vermittelung der Auflösung bet Renten in Preußen bestehenden Rentenbanken; 4) bie Schuldverschreibungen, welche von Deutschen kommunalen Korporationen (Provinzen, Kreisen, Gemeinden rc.) oder von deren Kreditanstalten ausgestellt und entweder Seitens der Inhaber kündbar sind oder einer regelmäßigen Amor­tisation unterliegen; 5) die Sparkassenbücher von öffent­lichen, obrigkeitlich bestätigten Sparkassen und 6) sichere Hypotheken und Pfandbriefe. (Eine Hypothek oder Grund­schuld ist für sicher zu erachten, wenn sie bei ländlichen Grundstücken innerhalb der ersten zwei Drittheile des durch ritterschastliche, landschaftliche, gerichtliche oder Steuer­taxe, bei städtischen innerhalb der ersten Hälfte des durch Taxe einer öffemlichm Feuerverstcherungsgesellschaft ober burch gerichtliche Taxe zu ermittelnden WcrlheS, ober wenn sie innerhalb des fünfzehnfachen Betrages des Grundsteuer- Reinertrages der Liegenschaft zu stehen kommt. Sicheren Hypotheken stehen im Sinne dieser Vorschriften die mit staatlicher Genehmigung ausgegebenen Pfandbriefe und gleichartigen Schuldverschreibungen solcher Kredittnstitute =..... 1 -

DaS weiß ich ja auch," entgegnete der Gerichesdlener und ich als Königlicher Beamter werbe boch wahrhaftig keinen Menschen zur Gesetzverletzung verleiten. In ge­wisser Entfernung von dm Gebäuden ist das Rauchen erlaubt.

Wenn das wahr ist, so rauche der Herr Gerichts- diener hier vor unfern Augen eine Pfeife Tabak, um uns den tatsächlichen Beweis der Wahrheit seiner Rede zu geben," sprach der Bäckermeister.

Das würde ich unbedingt thun," entgegnete der Ge­richtsdiener,wenn ich zum Rauchen aufgelegt wäre."

Mehr brauchen wir gar nicht zu wissen! Der Kerl verdient seine Tracht Prügel reichlich!" rief der Schlächter und {prang wüthend auf den Gerichtsdiener zu, um ihm eine Ohrfeige zu geben. Als er aber zu diesem Zwecke nut seinem Arme weit ansholte, hielt ihm ein starker Lau- ernbyrsche denselben fest. Indessen enteilte der Gerichts­diener unb suchte im Keller des Kruges ein Versteck. Bald saß er in demselben in Sicherheit und hatte nun Zeit, über sein trauriges Schicksal nachzudenken; doch je mehr er dasselbe betrachtete, desto größer wurde seine Verwirrung. WaS vor acht Tagen ihn vor einem traurigen Austritte bewahrt hätte, das war jetzt sein Verderben.Wir armen Beamten!" seufzte er unb schlief ein. Während deS Schlafs träumte er von der Macht der Geister, die um ihn in den vollen Fässern schlummerten.

In dieser Zeit hatten nun bie vor bem Kruge ver­sammelten Wiefenwitzer ihren großen Jubel über den ent­flohenen GerfchtSblener, wobei sie jedoch zuletzt auf ben Gebanken tarnen, baß eS boch wohl nicht gut fei, Ja viel­mehr üble Folgen haben möchte, einen Beamten in ber Weise zu behandeln, wie sie es eben gethan. Sie beschlossen daher, denselben aufzusuchen und ihm mit einem Verföh- nungSmittel entgegen zu kommen.