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Mardurg, Mittwoch, 6. September 1876.

XL Jadrgaig.

DerheWe Jritung

„Wir berichteten vor Kardinalkollegium die statthaft fänden, daß einige Förmlichkeiten

Der Ausschuß der Patentirung von Arkana und Schön­heitsmitteln wurde einstimmig abgelehnt. Für den Aus­schluß der Patentirung der Nahrungsmittel erhob sich keine Stimme. Der Ausschluß von Giften und Explosivstoffen wurde einstimmig, der Ausschluß der Arzeneien mit allen Stimmen gegen eine abgelehnt. Daß keine Patente zu ertheilen sind in solchen Fällen, in denen der Eintritt der beabsichtigten Erfolge durch die Naturgesetze unmöglich gemacht ist, wurde allseitig anerkannt. Auch darüber herrschte sachlich Uebereinstimmung, daß bloße Formveränderungea nicht zu patcntiren seien. Der Inhaber des Patents soll nach einstimmiger Ansicht das ausschließliche Recht der Herstellung und des Handels mit den patenlirten Gegen­ständen haben. Er soll ferner nach fast einstimmiger An­sicht daS ausschließliche Recht der Benutzung der patenlirten Gegenstände zu andern a!S gewerblichen Zwecken nach der Ansicht der Mehrheit Jedermann sretstehen. In der Sitzung vom 30. v. M. wurde die Nothwendigkeit von Schutzmaßregeln gegen eine gemeinschaftliche Wirkung des Patentrechts mit 16 gegen 6 Stimmen anerkannt. Für den nnbedingtcn Licenz-Zwang waren 6 Stimmen für den bedingten oder indirekten Lieenz - Zwang tm Sinne der Wiener Beschlüffe oder des letzten englischen Entwurfs sprachen sich 10 Stimmen aus. Gegen jeden Licenz Zwang entschieden sich 6 Stimmen.

Pose«, 3. Sept. Ueber da» vom Landrath des Stargarder Kreises geschloffene Priesterseminar in Pelplin ist Folgendes zu berichten: Vor ca. sechs Wochen sollte bekanntlich das Priesterseminar durch zwei ad hoc gesandte RegierungScommiffarien revidirt werden. Die Revision mußte jedoch unterbleiben, da sich der Regens des Semi­nars. Herr Sie. Neubauer, auf Anordnung des Bischofs derselben widersetzte. Am 29. v. M. ist nun Herrn Neu­bauer vom Oberprästdenten im Auftrage des Cultusmiai- sterS die Mittheilung zugegangen, daß der Landrath von Döben In Stargard zur Schließung der Anstalt beauftragt fei. Als Grund zu diesem Vorgehen der Regierung ist die Weigerung, das Seminar der angeordneten Revision zu unterwerfen, angeführt. Die Cleriker, welche eben noch zu Hause den Rest der Ferien verbringen, werden nun wohl nicht mehr in die Anstalt zurückkehren. Ter Bischof hat jedoch beschlossen, Denjenigen, welche auf ihren Ent­schluß sich dem gcistllichen Stande zu widmen beharren, die Mittel hierzu zu geben und zwar soll, tm Gegensatz zu dem seiner Z it vom Kardinal Grafen Ledochowskt ge­faßten Beschlüffe, die jungen Leute behuss Vollendung ihrer Studien zu den Jesuiten nach Jnsbruck zu schicken, beschloffen worden fein, die Zöglinge des geistlichen Se­minars auf eine bayerische Universität zu senden. Ja die­sem Augenblicke sind übrigens 72 Geistliche auS der DiL- cese zu Rekolletionen im Pelpliner Seminar versammelt. ES dürfte wohl das letzte Mal sein, daß in diesem Ge­bäude eine solche Versammlung abgehalten wird, denn eS kann kaum angenommen werden, daß der Bischof v. d. Marwitz den einmal eingeschlagenen Weg verlaffen sollte.

Die „Corresp. Stefani" schreibt: einiger Zeit, daß der Papst dem

erfreut sich des besonderen Vertrauens deS neuen Sultans Abdul Hamid, und er wird auf den Gang der ottoma- nischen Politik einen weit größeren Einfluß auSüben, als seither.

mußte, hat mich zu dem Ausdruck verleitet, der mir so Aerger macht. Dafür sollen aber auch alle Hunde in ganz Schleußenburg büßen und ihre Herren dabei dennoch zu der Einsicht kommen, daß ich Macht habe, ihnen eine Daumenschraube anzusetzen.

Mit diesem Gedanken verließ der GerichtSdieuer die alten Weiber, ging zu den einzelnen Wirthm ins Haus und gebot ihnen, den Hunden Knüppel an den Hal« zu legen, wie es ein alteS, in Vergessenheit gerathenes Poli- zeigesetz verlangte. Wer sich der Anordnung wiedersetzte, besten Namen schrieb er auf, um ihn in der Stadt bet dem Polizeiamte anzuzeigen. Die Strenge, mit welcher er dabet verfuhr, wirkte rasch.

Schon am Abend destelben TageS sah man daS ganze Hunderegiment in Schleußenburg auf die possirlichste Weise bewaffnet. — Der Schulz errieth augenblicklich den Grund dieses wunderlichen EreigniffeS und ging stehenden FußeS nach dem Kruge, wo er dm Gerichtsdiener zu finden hoffte und ihn euch dort wirklich unter mehreren Bauern traf, welche den Gereizten baten, sie nicht wegen der Verletzung des HundegesetzeS anzuzeigen, aber von diesem nun mit großsprecherischem und trotzigem Ton? abgewiesen wurden.

„Was?" rief der Schulze bei dieser Erscheinung seinen Leuten zu, „Ihr laßt Euch hier in eine Unterhandlung mit dem ungehobenen und unwissenden Gesellen von GerichtS- diener ein? Schämt Euch I — Wie hat dieser Mensch ein Recht, sich als Gesetzgeber und Richter unter uns auszu­werfen! Nach dem zu sehen, was in diesem Dorfe die polizeiliche Ordnung anbelangt, das ist meine und nicht deS Gerichtsdieners Pflicht und Gott sei Dank, bis jetzt ist

Die diplomatische Aktion der Großmächte ist bis zu dieser Stunde über den Vorschlag, die Feindseligkeiten ein­zustellen, nicht hinausgegangen. Ehe ein weiterer Schritt erfolgen kann, ist es nothwcndig, daß der mne Sultan Abdul Hamid sich mit den Mächten in Beziehung setzt und dieselben mit seinen Absichten bekannt macht. Ein gemein schaftliches Friedensprogramm der Mächte ist nicht in Aus­sicht genommen. Es liegt vielmehr in Natur der Sache begründet, daß jede Macht auf Grund eines besonderen Programms sich bei den diplpmatischen Verhandlungen zu Gunsten des Friedens betheiligt. Hieraus ergiebt sich vor­läufig mit Sicherheit blos dies, daß man von der diplo­matischen Aktion keinen sofort in die Augen springenden Erfolg erwarten darf.

Vom Kriegsschauplatz meldet der Telegraph:

Belgrad, 3. Sept. Die Türken, auf das linke Mo- rawa-Ufer zurückgeschlagen, griffen am Freitag Morgen den rechten serbischen Flügel mit ihrer gesammten Macht im offenen Felde an. Die Schlacht dauerte bis 9 Uhr Abends. Die Serben behaupteten während der Schlacht ihre Stellungen. Da aber die Türken eine dreifache Ue- bermacht hatten, so zogen sich die Serben in die befestig­ten Stellungen von Alexinatz und Deligrad zurück. Die Nachricht von der Einnahme von Alexinatz durch die Tür­ken ist falsch, da sich die Türken nirgends auf dem rechten Morawa Ufer befinden. Sie verweilen systematisch und verbrennen alle Ortschaften auf dem linken Fluß-Ufer.

Wien, 4. Sept. Hier eingegangene authentische Pri­vat Depeschen geben von bedeutenden Erfolgen der Türken vor Alexinatz Kunde; letzteres scheint unhaltbar zu »erben.

Petersburg, 4 Sept. Der Internationalen Tele- graphen-Agentur- wird auö Belgrad von gestern Abend gemeldet: Es heißt, der Seraskier habe mit 60,000 Mann Alexinatz in der Richturg von Knjasewatz umgangen. Die Serben sollen nach heftigem Kampfe zurückweichen. General Tschernajeff hat 10,000 Mann abgesendet, um das weitere Vordringen der Türken aufzuhalten.

Der Diener der Gerechtigkeit.

Criminal» Novelle von A- L- Lua.

(Fortsetzung).

Jndeffen erfuhr der Gerichtsdiener noch deflelben Tages von mehreren Leuten in Schleußenburg eine Behandlung »It im Schulzenhause; denn das hier gegebene Beispiel wurde schnell bekannt und wirkte über Erwarten. Die drohende Miene, welche er gegen diese Behandlung annahm, half ihm nichts; auch die stolze und herrische Haltung, die rr sich den Leuten gegenüber zu geben suchte, war fruchtlos. Da nahm er zuletzt zu Worten der Nachgiebigkeit und Versöhnung seine Zuflucht; aber die angesehenen Leute im Dorfe schenkten ihm kein Gehör und legten dadurch ihre dolle Verachtung gegen ihn an den Tag. Nur zwei alte Weiber die schwarze Susanne und die Kräuter - Grethe, luchten mit ihm Gemeinschaft zu machen. Sie waren selber >w Dorfe sehr verachtet und nun froh, einen LeidenSge- sihrten zu finden, indem sie mit Aufmerksamkeit und Theil. wchme dessen eben erlebtes Schicksal von ihm erzählen Wrten.

„Ja, ja, so sind die Schleußenburger!" sagte die schwarze Dvsanne, als der Erzähler zu Ende war. „Wer in ihren tagen einen Fehler begangen hat, der muß es bei ihnen •Itter büßen. Ihre eigenen Fehler aber sehen ste nicht, «eine Schwester die Kräuter-Grethe und ich, wir wissen ^von zu erzählen. Wir wohnen nun schon so manches «frtyr in diesem Dorfe aber die Leute hier halten uns noch tauet für Fremdlinge, weil wir ans einer Gegend kommen, talche ste nicht kennen. Ach, es ist traurig Viele Leute

gesichert würde. Wir können heute hinzusetzen, daß sich das Kardinalskollegium einstimmig dafür ausgesprochen hat, und daß die Abänderungen nur im Uebergchen einiger Förm­lichkeiten bestehen, welche nicht allein zeitraubend, sondern auch zu Jntrignen und Beeinflussungen der im Konklave versammelten Kardinäle Gelegenheit geben.

Wie da« „Memorial diplomatique" auf Grund beson­derer Informationen versichern kann, bereiten sich im hohen Politischen Personal zu Konstantinopel wichtige Aenderungcn vor. Der Präsident des StaatSratheS, Midhat Pascha,

Frage vorznlegen gedachte, ob sie es gelegentlich der nächsten Papstwahl abgeändert würden, wodurch das Geschäft beschleunigt und

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JIuftrtrteS LonntaaSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdrucker«,) bezogen 2b Mark, durch bie Postämter des Deutschen Reiches 2 Watt 50 Pf,, iexl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespattene Zeile 10 Pf,. Für rn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Dentsche, »ei«.

Berlin, 4. Sept. Die Sachverständigen - Enquete über die gesetzliche Regelung des Patentwesens hat zu folgenden G:gebnissen geführt: In der Sitzung vom 20. v. M. wurde die Frage: Empfiehlt sich ein gesetzlicher Schutz für Erfindungen? von allen gegen eine Stimme bejaht. Eine nähere Spezialisirung dessen, was Gegenstand eines Patentes sein kann, wurde abgelehnt und eine generelle Fassung, etwa im Sinne deS belgischen Gesetzes, empfohlen. Ausgeschlossen soll die Patentirung solcher Erfindungen werden, die den Gesetzen oder guten Sitten zuwider sind.

hier meinen sogar, was über ihre Feldmark hinauSgeht, gehöre nicht mehr zur Herrschaft des lieben Gottes, und deshalb könnten wir zwei Schwestern wohl aus dem Reiche des Teufels uns in diese Gegend verirrt haben — und am Ende gar — weil wir uns auf eine andere Welse nähren, als bie gewöhnlichen Dorfiente . ... na, ich will nur schweigen; aber glauben Sie, Herr GerichtS- biener, unser Geschäft ist ein ganz ehrliches. Meine Schwester sammelt Kräuter unb verkauft sie an bie Apo­theker, unb ich helle ben Leuten daS kranke Vieh, wobei sie mir zuweilen hilft, und beSwegen — bet Himmel be­wahre mich! — nun, 'raus muß eS einmal, — beSwegen halten uns bie Leute für Hexen. Was sagen Sie bazu? — Der Schulze hat es so übel genommen, daß Sie Herr Gerichtsdiener, die Leute in jener Gegend, aus welcher Sie eben zu uns gekommen sind, Hunde genannt haben, wes­wegen er auch die Bauern gegen Sie aufgehetzt hat; baß bie Doifleute mich unb meine Schwestern aber öffentlich Hexen nennen, bas kümmert ihn Nicht im Geringsten. — Gewiß haben Sie eS bei dem schlimmen Ausdruck gar nicht so böse gemeint. Der Mund spricht ja oft etwas, wovon daS Herz nichts weiß. Vielleicht haben Sie nur das Wort Hund gebraucht, well Ihnen eben in der Hitze des Gesprächs ein Hund unter bie Augen gelaufen kam, unb sie hätten ebensogut „Elephant" sagen können, wenn Ihnen in bemselben Augenblick ein Elephant entgegenge­kommen wäre."

„Die Alte hat Recht," bachte bet Gerichtsdiener. „Der fatale Hunb, welcher sich so faul sonnte unb nach bet Fliege schnappte, als ich mich in der Hitze verthetdigen

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition v. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von LH. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Bögler in »rankfurt a. M, Berlin, Leip, jig, Löln ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Lagesbericht

Der „ReichS-Anz." publicirt die Ernennung des Prä- stdenten des Reichsbank Direktoriums v. Dechend unb des General - Postmeisters Stephan zu wirklichen Geheimen Käthen mit dem Prädikate „Excellenz."

Der „Phare d'Alexandrie" schreibt: Der preußische Major von Plo-tz, welcher in Begleitung des Prinzen Hassan nach Aegypten gekommen ist, wurde am 23. August von Sr. Hoheit dem Khedive in Privataudienz empfangen. Der Major von Ploetz, einer der distinguirtesteu Offiziere btt deutschen Armee, ist von Sr. Hoheit zum Direktor der Militärschule von Abassieh ernannt worden."

ES scheint fast, als hätte man in gewissen Kreisen Lust, ben Dreikaiserbund die Kosten deö serbisch-türkischen Krieges bezahlen zu lassen. So bemerkt das „Memorial diplowa tique", daß der Krieg einen wichtigen Gewinn für den allgemeinen Frieden gebracht habe, indem er zu einer Wieder- Annäherung zu Oesterreich Ungarn und dem deutschen Reiche beitragen werde. Die Ursache ihrer Verbindung sei der PanslaviSmuS, der gemeinschaftliche Feind der beiden Reiche. Diese Meinungsänderung werde der nordischen Trippel- Allianz den Todesstreich verseetzn. So sehr auch sonst das „Memorial diplomatique" über publizistischen Klatsch er­haben sein mag, — in diesem Punkte ist es Partei. Der PanslaviSmuS ist dem deutschen Reiche kiin so gefährlicher Gegner, um bei der Wahl der Bundesgenossen im ReichS- intereffe irgendwie berücksichtigt werden zu müssen und wir glauben versichern zu können, daß bie beutsche Politik in ben orientalischen Angelegenheiten lediglich die Interessen deS allgemeinen Friedens in Rücksicht nimmt. Nationale Sympathien oder Antipathien können daS deutsche Friedens- Programm nicht beeinflussen; im Gegentheile werden ge­wisse Antipathien die deutsche Politik nicht hindern, für eine durchgreifende Verbesserung der Lage der Slaven in der Türkei zu wirken.

Anzeigen nimmt entgegen: die erbitten d. Blatte« sowie bie Aimoneen-Bureanx von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, it. Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.