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JUarÖurg, Dienstag, 5. September 1876.
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an die Gnade des Kaisers zu rekurrirm, da ihm die Bedingungen zu hart erschienen.
Ueber die Veränderungen in der Organisation des Reichs kanzleramtS sind neuerdings Mittheilungen verbreitet worden, welche, obwohl sie sich sämmtlich auf „beste Quellen" be rufen, doch vielfach mit einander im Widerspruch stehen. So z. B. wird die Errichtung eines „Reichs Finanzamts" als eine „beschlosiene Sache" dargestellt, mit der Versicherung, daß diese neue Institution schon mit dem 1. Januar k. I. ins Leben treten werde. Von anderer Seite wird mit Recht diese Nachricht als ungenau bezeichnet, wohl aber sei es zutreffend, daß eine besondere Abtheilung des ReichskanzleramtS für die Bearbeitung der Finanzsachen gebildet werden soll. Was das Reichsjustizamt betrifft, so steht die Errichtung desselben in naher Aussicht und der Reichsetat für das erste Quartal 1877 wird bereits die nöthige Dotirung in Ansatz bringen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Mcheditto» d. Blatte« sowie bie Amwncen-Bureaux von <5 L- Daube & Eo. in
vorzuarbeiten und der Türkei einstweilen einige Provinzen abzunehmen.
Die Wiener „Polit. Corresp." schreibt: „Die hie und da auftauchende Behauptung, daß Ristitsch mit seinem Mediationsansuchen nur ein Manöver bezwecke, verdient nicht, daß man sich ernstlich mit ihr beschäftige. Ristitsch ist mehr als Jemand hier von der gebieterischen Nothwendigkeit Überzeugt, dem Kriege eia Ende zu machen. Die fremden diplomatischen Agenten haben erst gestern wieder vom Minister deS Acußern präcise Erklärungen in dieser Richtung erhalten." Da wir in einer unserer letzten Nummern einer ähnlichen Behauptung Raum gegeben haben, so können wir nicht umhin, von obiger Aeußerung Notiz zu nehmen. Wir müssen jedoch hinzufügen, daß eS naiv wäre, von Herrn Ristitsch einen Aufschluß darüber zu erwarten, ob sein „Mediation« Ansuchen" ernst gemeint ist, oder nur ein Manöver bezweckt.
Lage-bericht.
Da» bereits telegraphisch gemeldete Antwortschreiben deS Präsidenten Grant auf den Glückwunsch Er. Majestät des Kaisers gelegentlich deS hundertjährigen Bestehens der Vereinigten Staaten, welches Allerhöchstderselbe aus den Händen des in Privataudienz empfangenen amerikanischen Geschäftsträgers Herrn Fish am 1. September in Empfang zu nehmen geruhte, lautet vollständig:
Ulysses S. Grant,
Präsident der Bereinigten Staaten von Amerika an Wilhelm I., Kaiser von Deutschland, König von Preußen rc. rc.
Mklliingtu
September werden von allen Postanstalten, sowie in Marburg von der Expedition angegommen.
liueigen nimmt entgegen: He Expedition » Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. Berlin, Leipzig, Cölu rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» ▲ meyer in Berlin; Carl Schütz. ” ler in Hannover; E. Schlotte .-- ---------------- in Bremen.
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Nicht aber durch Worte, sagte er, wolle er diese Ver
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sawmlung vor dem Kruge und gab damit l„, volle Entrüstung über die Trinkfreundschaft zu erkennen, welche sie so schnell mit dem Gerichtsdiener zu schließen Miene machte. Mehrere nahmen sich sein Beispiel zu Herzen und folgten ihm bald indessen der Fremdling behauptete, daß er schon noch dem stolzen Schulzen zeigen wolle, was ein Gerichtsdiener, der Mann mit dem Blechschilde vor der Brust zu bedeuten habe.
Indem ich Ihnen Gesundheit und Glück für eine lange *2130 ßkgierung wünsche, bitte ich Gott, daß Er Eure Majestät 1 N seinen sicheren und heiligen Schutz nehme.
| Washington, 10. Juli 1876.
Wnlrt und laßt sie weiter gehen I" Dieser aber trank M, sondern reichte die Versöhnungsspende schnell dem Wlzen, denn als Respektsperson sollte derselbe nicht bis * die Neige warten.
'!»Mit solchem Gerichtsdiener trinke ich nicht aus einer Hchr", sprach der ehrenfeste Mann darauf, stieß die an«
Ihr guter Freund (gez.) U. S. Grant, (ggz) Hamilton Fish, Staatssekretär.
Auf dem Kriegsschauplatz scheinen die Serben jetzt die Herren deS rechten Morawa-UferS zu fein, der gemeldete Sieg soll — nach serbischen Quellen — mit dem Zurückdrängen der Türken bis nach Mramor bei Nisch geendigt haben. Tscholak Anticz soll den Türken über Jastrebaz in den Rücken gefallen sein und so den Sieg herbeigeführt haben. Gleichwohl meldet man auS Konstantinopel, daß die Türken jetzt Alexinatz angreifen würden, was sie freilich schon lange haben thun wollen; in den Jubel, der dem neuen Herrscher entgegcntönt, läßt sich auch kaum da« Ein- geständniß einer Niederlage hineinfügen. Bei Saitschar ist wieder gekämpft worden, doch anscheinend ohne Erfolg; LesLjanin wurde dabei leicht verwundet, der Presse zufolge soll er einen Selbstmord versucht haben. — Die russischen Zuzüge nach Serbien werden der „A. A. Z." zufolge nach den Zwischenfällen in Pest nicht mehr per Eisenbahn, son- dern donauaukwärt» mittelst russischer Schiffe erfolgen. Der Belgrader Jstok meldet: Ein Aufstand ist bei Prevcsa und Janina ausgebrochen. Man erwartet «tue allgemeine Erhebung in Thessalien und Epiru«.
Ueber den neuen Sultan verlautet nicht» sonderlich Gutes; er ist zwar mit allem Prunk und Glanz eingesetzt und in Konstantinopel herrscht darüber ebensolche Freude, wie bei der Thronbesteigung Murad's, aber wag schon rüher über Abdul Hamid's Persönlichkeit bekannt wurde, ist im Grunde nicht sehr Vertrauen erweckend. Nach einem Telegramm der „Nat.-Ztg." au« Paris wird der neueste Thronwechsel zu Konstantinopel in den Pariser Diplomatenkreisen mit Kopfschütteln ausgenommen, da der neue Sultan Abdul Hamid als ein ganz besonders ignoranter Fanatiker und als jähzorniger Trunkenbold bekannt ist, so daß er auf die StaatSgeschäslc nur einen schlimmen Einfluß ausüben kann. Prof. LeiderSdorf hat ihm ein ziemlich schlechtes Zeugniß ausgestellt, indem er In einem Briefe sich
„Und mein völliger Ernst ist es ebenfalls, Ihnen, mein stolzer Herr Schulze, den Dank für diesen Empfang nicht schuldig zu bleiben l" entgegnete der übelbewillkommnete Gast, warf den abzugebenden Brief auf den Tisch und verließ drohenden Blicks das Zimmer, die Thür wild hinter sich zuschlagend.
„Was hast Du gemacht? redete nach diesem Auftritte die Frau mit geängstigtem Tone ihren Mann an. „So ein Mensch sucht sich noch nach Jahren zu rächen, und an Gelegenheit sein Müthchen zu kühlen, wird eS ihm nicht fehlen."
„Thue Recht und scheue Niemand!" entgegnete der in sich ganz ruhige Mann der bangen Frau.
„Ist eS aber auch Recht," bemerkte die Geängstigte, „einen Menschen so zu behandeln, wie e« eben von Dir geschthn? — Der GerichtSdiener ist doch auch ein Mensch und vor Gott sind wir Menschen alle gleich."
„Daß dieser Patron," sprach batour der Schulze, »davon überzeugt werbe und nicht länger glaube, das Blechschild, welche» er vor der Brust trägt, und seine Grobheit und Dummheit gäben ihm einen Vorzug in der menschlichen Gesellschaft; darum eben habe ich durch mein Benehmen diese Lehre in seinem wüsten Kopf etwas auf- frischen wollen."
Die Frau vernahm auS dem festen und bestimmten Ton, mit welchem ihr Mann sprach, de» tiessten Ernst und wußte, daß sie in diesem Falle keinen Einfluß auf feine
In den leitenden Kreisen Italiens scheint da» Projekt, in Marokko eine italienische Colonie zu gründen, wieder ausgenommen zu werden. Zu den Zeilen deS Ministeriums Menabrea war diese Idee von einem Genuesen angeregt worden; derselbe erhielt auch ein Kriegsschiff zu seiner Verfügung, um einen südlich von Marokko gelegenen Küsten strich am atlantischen Meere in Besitz zu nehme». Französische Eistrsucht verdarb jedoch den Plan. Der „Pungolo" von Neapel meldet nun, daß neuerdings in dieser Sache amtliche Schritte gethan worden sind.
Wie uns auS Paris geschrieben wird, soll Herr Thierö in der Affatrc Arnim nicht von einer gerichtlichen Commission vernommen werden. Es scheint jedoch im Prinzip beschlossen zu sei», daß der Berliner Gerichtshof durch die Vermittelung der deutschen Botschaft an Herrn Thier« gewisse durch die Pertheidigung gestellte Fragen richten wird. — Die Ernennung deS bisherigen französischen Botschafters in Madrid Herrn von Chaudordy zum Botschafter in Konstantinopel ist nunmehr gesichert.
Auch heute müssen wir erklären, daß man das Friedenswerk der Mächte sür aussichtslos hält. Zunächst sind die Mächte nicht darüber einig, für welche Forderungen auf beiden Seiten sie eintreten wollen. In der'Türkei würde ein ungünstiger Friedensschluß — und der sogenannte „status quo" würde schon als solcher gelten — den Fana» "Smus der Muselmänner in gefährlicher Weise inflammiren. In Belgrad dagegen acceutuirt sich schon jetzt mehr und mehr die Frage: „Krieg oder Revolution", der Einfluß der panslavistischen ComilvS hat sich durch die letzten Ereignisse nur gesteigert. Kurz — der Friede in diesem Augenblicke geschlossen, wäre eine unzeilige Frucht, deren Genuß keinem Theile frommen dürfte, man müßte sich denn entschließen, der künftigen Lösung der orientalischen Frage
stnung länger bekräftigen, sondern durch die That. Daraus -1 er dem vor der Thür stehenden Krüger zu: „Herr rrb zufftch, ein ganze» Quart Kümmel und Kirsch!" ab ge-^ Nicht lange währte e», so hatte der flinke Wirth da» [2l34Aangte Getränk besorgt. Der Genchlsdiencr setzte die sausen.«» Flasche mit einer prahlerischen Bewegung an den trank auf Versöhnung und Freundschaft und gab ' die angetrunkene seinem Nebenmann mit dm Worten:
„Was soll das sein?" fuhr der Hausherr den Singetre- tenen an. „Der Gerichtsdiener bleibt mtweder auf dem Flur oder an der Thür stehen, wenn er einen Brief abzugeben oder sonst eine Bestellung zu verrichten hat."
Frau und Sinder sahen bei diesm Worten einander verwundert an und wußten nicht, was sie zu der harten Rede deS Mannes denken sollten, der sonst gegen jeden Fremden die Gastfreundschaft selber war. Die ganz unverhoffte Scene verursachte in dem kleinen Familienkreise eine peinliche Stille, welche nach einigen Minuten die Frau mit den Worten unterbrach: „Treten Sie nur näher, lieber Gerichtsdiener, und trinken Sie mit uns eine Tasse
I Einem Gerüchte zufolge hätte sich der Kaiser auf den dmsch de- Kronprinzen bereit gezeigt, dm Grafen Harry mim zu begnadigen, unter der Bedingung, daß Letzterer ine Fehler anerkennen und an den Fürsten Bismarck > Em- *ne Entschuldigungen richte. Graf Arnim jedo b, welcher
N als einen ungerecht Verfolgten betrachtet, lehnte es ab,
1986
-stall
De, Diener »er Gerechtigkeit.
Criminal - Novelle von A. L. Lua.
(Fortsetzung).
„Was?" fuhr bei diesm Worten der Schulze den Ge- htSdiener stürmisch an. „Er nennt seinen Mitmenschen, otteS Ebenbild, einen Hund? — Wenn ich nicht mehr »ächte, gäbe ich ihm einen Katzenkopf, daß auch nicht ein tziger seiner HundeSgedanken in seinem Hirnkasten bleiben
Der Gerichtsdiener, von Natur feig und durch das pmliche Auftreten seines Gegners in nicht geringe Furcht Mt, that schnell und schm einige Schritte rückwärts und Me, um seine Verlegenheit zu verbergen, mit einigen stSrren Leuten eine Unterredung anzuknüpfen, indem er I
geboten« Spende von sich, verließ augenblicklich die Ver I Kaffee. Mein Mann hat nur mit Ihnen einen kleinen iammluna vor b,m u derselben seine j Spaß vor."
„ -Nein!" rief der der Schulze, „es ist mein völliger
Ernst, was ich gesagt."
Am andern Morgen erschien der Gerichtsdiener im Schulzenhause, um dort einen Brief abzugeben. Der Schulze saß eben mit seiner Frau und seinen beiden Kin- .. . dern Wilhelm und Louise beim Frühstück, als derselbe die Versicherung gab, daß er ein guter Gerichtsdienerlohne anzuklopsen, ins Zimmer trat, schnell Stock und Brief- OM.. -U- an--«- » -- —- vi-t.orv. Ijatf auf dm polirtm Tisch warf und dann mit der Mütze
auf dem Kopse die Absicht verrieth, neben dem Schulzen auf dem Scpha Platz zu nehmen.
Großer und guter Freund!
Ihr Brief vom 9. Juni, in welchem Sie freundlichst Are herzlichen Glückwünsche bei Gelegmheit des hundertsten Jahrestages, den wir kürzlich gefeiert haben, darbrachten, mrrd mir am 4. Juli überreicht, und wurde von dem Inhalt mit ungeheuchelter Genugthuung Kenntniß genommen.
Die in jener Mittheilung enthaltenen Ausdrücke der Sympathie mit dem bisherigen Fortschreiten dieses Landes imd die guten Wünsche für seine zukünftige Wohlfahrt find bi so erfreulicher, da sie von dem Oberhaupte eines großen Octbr. Reiches kommen, mit welchem diese Republik während deö pnzen Jahrhunderts ihres Bestehens friedliche und freund »08, maftliche Beziehungen gehabt hat, die sich in guten und schachten Zeiten bewährt und mit zunehmendem Fortschreiten HiN-Ed Wohlstände beider Länder fortdauernd befestigt haben, b ist mein aufrichtiger Wunsch, daß dieselbe gegenseitige Herzlichkeit und derselbe Wohlstand, deren beide Länder »ährend de» ersten Jahrhundert» unfeit« Bestehen« sich «freut haben, auch während des kommenden Jahrhunderts untr. ihnen beschieden fein mögen.