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Ir. 207.

JRatßurg, Sonntag, 3. September 1876.

XI. Mrgmg.

ObcchtMt Icilung

die

i,| Einefurchtbare Schlacht" soll acht Tage lang im r Thale der Morawa und auf den Waldbergen um Alcxinatz

Politische Woche» - Ueterficht.

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Hei! wie sich da der Rothbart von seinem Throne hebt; Er ruft mit mächt'ger Stimme, das Auge neu belebt: Jst's wahr? so wär' des Harrens gramvolle Zeit vorbei? S« Rabenbrut zu Schanden? Mein Deutschland einig, frei?"

Die Consecration d«S Bischofs Herzog für die Sch w eiz fittb, nachdem zu derselben die St. Ursuskirche zu Solo­thurn, in welcher dieselbe vor sich gehen sollte verweigert und des Friedens halber von Herzog selber abgelehnt wurde, .cken Aufschub erfahren.____________

Der italienische Minister deS Innern, Nicotera, hat in einer zu Caserta gehaltenen Rede Aufschlüsse über

zwischen Serben und Türken hin und hergewogt und, nachdem einen Tag hindurch kein Kanonendonner vernehm­bar gewesen, am 28. v. Mts. aufs Neue begonnen haben. Die Serben wollen mehrere Male siegreich vorgedrungen, die Türken nirgcngS gewichen sein. Von einer Feldschlacht, die etaaS hätte entscheiden mögen, kann überhaupt auf jenem Schauplatze gar keine Rede sein. Es handelt sich um den Gewinn oder die Behauptung des stark verschanzten Platzes Alixinatz. Die Türken gehen in drei Colonnen langsam, vorsichtig, allem Anscheine nach aber auch sicher vor. Am 24. v. Mts. hat Fürst Milan die Vertreter der Großmächte zu sich geladen, und um derengute Dienste zur Herbeiführung der Einstellung der Feindseligkeiten" nicht allein für Serbien, sondern auch für Montenegro gebeten. Die Mähte haben jetzt die Sache in die Hand genommen und werden die Pforte wohl zu bestimmen wisien, daß sie sich, ohne zuvor dem Vasallen ein reumüthigeS Sünden- Bekenntniß abzufordern, aus die Präliminarien einläßt, welche den Frieden anbahnen können. In Konstantinopel hat, der längst erwartete Thronwechsel sich vollzogen.

die Politik gegeben, welche die Regierung, der er angehört, zu befolgen gedenkt. Das Ministerium, sagte er, werde die Reformen, wozu es sich verpflichtet hat, auSsühren, mit Hülfe aller derjenigen, welche ihr Vaterland lieben und über den Parteivorurtheilen stehen. Er glaube, das Land bedürfe finanzieller und administrativer Reformen eher, als politischer. Er beabsichtige der Kammer Vorschläge zur Veränderung einiger Steuern zu machen. DaS Wahlgesetz bedürfe ebenfalls einer kleinen Abänderung in Bezug aus den Wahlcensus; allgemeines Stimmrecht würde nach seiner Meinung die Freiheit gefährden.

Die Session der f r a n z ö s i s ch e n Generalräthe, welche am 20. August begonnen, ist bereit« in mehreren Depar­tements wieder geschloffen. Ernstere, auf die Politik be­zügliche Debatten sind nicht vorgekommen. Die republi­kanische Partei gewinnt mit jedem Tage mehr Anhänger, da man erkennt, daß die R'publik im Stande ist, die Ordnung aufrecht zu erhalten und sich trotz der Jntriguen der reaktionären Partei ruhig weiter zu entwickeln.

Kaum weilt die Königin Isabella wieder auf spani­schem Boven, so erhebt auch die Reaktion ihr Haupt immer kühner, ja, man darf sagen, unverschämter, denn sie wagt es schon, der Verfaffung in höhnischer Weise Fuß­tritte zu versetzen. Der Premier-Minister CanovaS duldet es, daß ein Unter Gouverneur auf Menorca den Zeitungen verbietet, Anzeigen aufzunehmen, welche sich auf di« Er­öffnung einer protestantischen Schule beziehen. So wird jetzt schon Artikel J.1 der Verfaffung mißbraucht.

In England muß in Ermangelung einheimischen Stoffes die orientalische Frage die Kosten der publicistischen Unterhaltung tragen. Der Wunsch, daß das Friedenswerk bald gelingen werde, gibt sich in der ganzen Prcffe kund und wird wenig beeinträchtigt durch den in einzelnen Ent­rüstungsversammlungen erhobenen Ruf, daß die Verüber der bulgarischen Grausamkeiten kurzer Hand über den Bos­porus nach Asien hinüber geworfen werden müßten.

Der Kaiser von Rußland hat sich auf acht Tage nach Warschau zu den Manövern der dortigen Truppen begeben und wird dann der Kaiserin, nach der Krim folgen. Ihn begleiten dorthin der Reichskanzler Fürst Gortschakow, Baron Jomini, Staatssekretär Hamburger, der Kriegsmtnister Miljutin und der Generaladjutant Gras Musstn-Puschkin. Am Schluffe der Gardemanöver hat der Kaiser den Truppen gesagt, wenn augenblicklich auch keine besondere Veranlassung vorliege, die Ergebenheit der Armee zu prüfen, so wisse er doch, daß er jederzeit auf sie zählen könne. Diese Ansprache ist mit endlosem Hurrah erwidert worden.

nimmt entgegen: litten d. Blattei

Tagesbericht

Der von derTimes" vor einiger Zeit publicirte Ar­tikel in Betreff der kommerziellen und finanziellen Lage Preußens enthält auch einen Paffus, welcher darauf hin­weist, daß in Preußen gar nichts geschehe, um die anderen Nationen zu veranlaffen, «in Interesse an seinen Schulden zu nehmen und seine Anleihen auf fremden Märkten unter­zubringen. Diese Anschauung wird von Finanzkopazitäten des Inlandes für durchaus begründet erklärt Vor vielen Jahren ist der Finanzminister v. d. Heydt darauf hinge- wiefen worden, daß Preußen in kaum begreiflicher W ife unterlaffe, für seine Staatsanleihen das Kapital des Aus­landes heranzuziehen und dadurch das inländische Kapital der Arbeit und Produktionskraft deS Lande« frei zu halten. Lei den allgemein bekannten musterhaft geordneten Ver- hältniffen der preußischen StaatSfinanzcn wäre e« ein Leichtes gewesen, jenes Ziel zu erreichen, wenn die Staatsanleihen in Paris, Amsterdam und London eingesührt und Zahlungs­stellen sür die Coupons an jenen Plätzen eingerichtet wären. Diese Vorstellungen fanden aber kein Gehör; man behauptete, daß Preußen Geld genug habe, und indem man bis heute alle geeigneten Mittel versäumte, das fremde Kapital her- anzuziehen, errichtete man gegen daffelbe gleichsam eine chinesische Mauer und schöpsle unvrrdroffen au« den hei­mischen Quellen, ohne zu beachten, daß dieselben in anderen

«hffhauser-Scmt.

(Zur 6. Wiederkehr des SchlachttageS von Sedan.)

Nicht dm Respekt vergeffenl" entgegnete der Fremde mit gebieterischem Tone, wobei er mit der linken Hand auf das vor seiner Brust blitzende Schild wies und mit der Rechten seinen Knotenflock schwangHier sehen Sie, wer

sowie die Aimoncen-Bureaux von ®. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jägerffch« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Sete- meper in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

ÜfoftpHlittAMi ouf bic Vkerhesfische sqiniuliycu für den Monat -eptemher werden von allen Postanstalten, so- pie in Marburg von der Expedition angegommen.

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frfAeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirteS SonutagSblatt" durch die Srvedition (Ko ch'fche Buchdruckerei» bezogen Äh Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Wert 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespattene Zette 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

tnietgen nimmt entgegen:

Stpebittox » Blatte», je die Annoncen-Bureaux w8 xh. Dietrich & Co. in taflet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Lasenstein & Boaler in Lntfuri a. M,Berlm, Leip- L Köln k; Rudolf Moffe ,>etlin, Frankfurt a. M. tc.

Nach der Rückkehr von dem Cavallerie-Manöver bei Michau verweilte unser Kaiser die letzten acht Tage zu »higem Naturgenuß zugleich mit der Kaiserin auf Babels stra Am 1. September fand die große Parade deS Garde- tzorpS auf dem Timpelhofer Felde Statt, welcher dann im fiteren Verlause de« Septembers die Besuche der Manöver i, Sachsen und Süddeutschland folgen werden. Feldmar chall Graf Moltke, der bei Leitung der UebungSreise des großen Generalstabs in mehreren sächsischen Siädten von «r Bevölkerung festlich begrüßt und gefeiert wurde, wurde lOtt einer heftigen Erkältung besallen, so daß derselbe in Greiz einige Tage das Bett hüten mußte, befindet sich aber In entschiedener Besserung. Der neuesten Prov. - Corresp.

kaffel zufolge sind die Behörden angewiesen, die Aufstellung und 1870 Auslegung der Listen zu den Landtagswahlen so zeitig zu Lt vollenden, daß die Urwahlen leicht nach Mitt- October W ' Statt finden können. Am Dienstag haben die Sachver- ----ständigen Conferenzen zur Untersuchung einer Reform der Patentgesetzgebung unter Vorsitz deS Geheimen Raths Ja­cobi in Berlin begonnen.

Die Veränderungen in den Mimsterien Oesterreichs, .. He Ernennung des Freiherrn von Hofmann zum Reichs Ananzministcr und der Rücktritt deS ungarischen HandelS- RintsterS Baron Simonyi, sind seit acht Tagen in der iffentlichea Besprechung sehr in den Hintergrund getreten gegenüber dem serbischen Friedensvermittlungsgesuche Die ' - lebten Tage noch sind wiederholt größere Trupps russischer [ 1021 Offiziere und Freiwilligen aus der Durchreise nach Serbien \ SR jy Pest angehalten worden, wodurch Erörterungen über A t>ie Zulassung der Weiterreise zwischen den Behörden und . dm russischen Konsul veranlaßt worden. Es ist jedoch 1 595 den Betreffenden die Weiterreise nach Belgrad gestattet ' - worben Hoffentlich finden dieselben bei ihrer Ankunft in Serbien den Waffenstillstand als Vorstadium des Friedens «weder bereits «ingetreteu ober doch unmittelbar bcvor-

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Tief unten im Kyffhäufer, in ernster Felsen Nacht, hält Kaiser Barbaroffa gar sorgenschwere Wacht , Sein Adlerang nmdnftert der Schwermuth banger Flor, Ans bartumwalltem Mnnd dumpstrauernd tönts hervor.

.Run hab' ich hier geharret an siebenhundert Jahr, Befreiung stets erhoffend, betrogen immerdar! »och liegt mein Reich in Banden von fremd- und eigner Hand, flattern noch die Raben, kommt keiner der sie bannt <!

' Blieb denn dem Herrmannsenkel auch nicht ein Funken Kraft hie Fesseln abznstreisen? - ist jede Faust erschlafft?

6o hab ich beim vergebens an beff'ren Tag geglaubt!" llnd seufzend neigt der Alte das kummerschwere Haupt-

Doch als von seinen Lippen die Klage kaum entfloh'n, Siehts plötzlich durch die Hallen gleich starkem Donnerten; Äh spaltet sich der Fellen und Morgensonnenschein Dringt durch des Thores Weite in goldner Fluch herein.

Sieh' in dem Strahlenreigen, auf goldnem Schwingenpaar flanscht zu dem Kaiser nieder ein stolzer Komgsaar: Sin Schwert in mächt'gen Fängen der Flügelbote trägt, St läßt'» zu Boden fallen, daß hell es Funken schlägt.

. »Heil, Friedrich Barbaroffa! Sieh freudig nun empor!" So rührt die seltu'e Kunde des greifen Helden Ohr: .Dein Volk, nach schwerem Ringen hat große That vollbracht, Äit Muth und lSottvertranen vom Druck sich losgemacht!"

t .Noch dampft der blutge Boden von Cedan's Schlachtenfeld, Dort hat sich fränk'schem Prahlen die deutsche Kraft gestellt; Dez Feindes Reihen brachen es sank ihr stolzer Ruhm, itt sank und brach mit ihnen auch Frankreichs .Kaiserthum."

> b- ,Ex seihst, der Frankenherrscher, der frech sich unter» mb

d- »lt Deutschen Krieg zu machen, er ist in deutscher Hand!

T mußte sich ergeben an Preußens König werth,

^5 b._ Der schickt zum Siegeszeichen Dir deS Gesangnen Schwert!"

Du sagst es, edler ©taufe! Aus langer Felsennacht Steig nun empor zum Lichte in voller Herrscherpracht. Aus Deutschlands Kaiserthrone gebiete Du fortan, Wie Du in alten Zeiten mit Rhumesglanz gethan!"

Der Alte steht in Sinnen- Dann, von dem langen Haar Nimmt er die goldne Krone, reicht sie dem Adler dar: Flieg' hin, du schneller Bote! bring' einem Andern Du Der Herrscherwürde Zeichen, mir laß' erwünschte Ruh'!"

Es leuchte diese Krone in neuem Glanz fortan

Auf König Wilhelm's Haupte, der Deutschland frei gewann! Ich wachte lang in Sorgen nun hab' ich gute Nacht: Wohl mag der Rothbart schlummern, wenn,Kaiser Weißbart wacht!"

So rief die greife Recke. Mit wonnsel'gem Blick Sank er zu langer Ruhe in feinen Sitz zurück .... Aus stieg der mächt'ge Adler aus giauser Schlucht hervor Und schwang sich mit der Krone zur Sonne hoch empor.

Der Diener der Gerechtigkeit.

Criminal - Novelle von A. L. Lna.

1.

Vor dem großen Kruge in Schleußenburg fa en an einem schönen Sonntage im Lenzmonat die Väter deS Dorfes in Ruhe und Zufriedenheit und freuten sich deS Lebens, welches ihnen im heiteren Gespräch bei einer Pfeife Tabak und einem Glase Bier unter dem freien Himmel doppelt schön blühte, alS plötzlich in ihrer Mitte ein langer trockner Mann in einem mit blanken Knöpfen besetzten Rock er­schien und mit barschem Tone ries;Die Pfeife aus dem Maule!"

Wer ist der Grobian?" fragte der Schulz des Dor­fe«, der bi« jetzt in seiner Behaglichkeit schweigend und ohne zu rauchen unter dm Freunden geseffen hatte.

ich bin!"

Vor solch einem Spitz Respekt?" brummten mehrere Stimmen durcheinander, während die Raucher schnell ihre Pfeifen au« dem Munde nahmen, dieselben zu verbergen suchten und dem nun erkannten Gerichtsdiener den Rücken zuwandten.

Bei dieser Wendung ging der GerichtSdiener mit einem herrischen Blick auf den Schulzen lo«, um demselben einen Rüffel sür die unvermuthete Frage zu geben. Dieser aber trat ihm kühn entgegen und sprach:Ich verbitte mir hier jede Unziemlichleit im AusdruckI Diese Männer haben nickt wie Ochsen oder Esel ein Maul, sondern einen Mund. Lerne Er erst den Menschen vom Vieh unterscheiden! und bann erkundige Er sich nach den Gesetzen, welche keinem Menfchen in der gehörigen Entfernung von den Gebäuden das Rauchen verbieten!"

Wer erdreistet sich folcher Reden gegen mich?" schrie hierauf der ungebeten« Gast wie ein Rasender.

Ich, der Schulze diese« DorfiSl" war bi« kurze Antwort.

Der GerichtSdiener, welcher wohl sah, daß er seinen Mann gefunden halte, erschrack bei diesen Worten nicht wenig, erholte sich jedoch bald wieder von seinem Schreck und sprach zum Schulzen:Entschuldigen Sie, Herr Kollege, daß . . ."

Was? Kollege?" unterbrach ihn der erzürnte Mann in sehr aufgeregtem Tone.

Nun ja l" versetzte der GerichtSdiener;sind wir nicht beide Diener der Gerechtigkeit?"

Der Justtzminister", entgegnete der Schulze,dient ebenfalls der Gerechtigkeit; ist nun derselbe etwa auch ein Kollege de« MamieS mit dem Blechschilde vor der Brust?"