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Marburg, Sonnabend, 2. September 1876.

Xi Jahrgang.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS eonntagSdlatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 24 Mark, durch die Postämter deS Deutschen RercheS 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gefpaUene geile 10 Pfa. Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

[ovie die Annoncen-Bureaux ton Th. Dietrich & So. in gaffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a- M.; Hänfenstem & Bögler in Frankfurt a. M, Berlin, Sei»» ,ig, Köln it; Rudolf Moste tn Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die E^iedtttou d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von G 8- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß» let in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

KtstMügt» Zeitung für den Monat September werden von allen Postanstalten, so­wie in Marburg von der Expedition angegommen.

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Der „Corrrsp. Stesani" wird veistchert: Der Kardinal Hohenlohe hat sich in einem Bries an den Papst erboten, die Vermittelung zwischen den deutschen Bischöfen und dec preußischen Regierung zu übernehmen. Der Papst hat das Anerbieten angenommen und den Kardinal eingeladen von Tivoli nach Rom zu kommen und die Sache mit ihm zu besprechen. Die HofprLlaten im Vatikan sind ganz ver­blüfft und wiffen nicht, was sie dazu sagen sollen.

Der „Secolo di Milano" bringt die Nachricht, daß nunmehr auch Frau Antonia Luizzi, Witiwe des Unglück lichen „Prinzen Leo von Lustgnan, ehemaligen Königs von Armenien" tn Mailand verstorben sei. Die Prinzejstn habe sechs junge Kinder als Waisen ohne jedes Existenz­mittel zurückgelaffen. Drei Kinder sind in Wohlthätigkcits- anstalten untergebracht, die übrigen hat ein ehrenwerther Arbeiter in Pflege genommen. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir daraus Hinweisen, daß der verstorbene Leo Lu fignan wohl kaum berechtigt sein konnte, den Prinzentitcl zu führen. DaS alte berühmte Haus Lusignan war Milte deS 14. Jahrhunderts in allen Zweigen vollständig erloschen. Als 1267 Hugo II. von Lusignan, König von Cypern, kinderlos starb, nahm seine Vatersschwester Isabella den Prinzen Heinrich von Antiochien zum Gemahl Deren einzlger Sohn Hugo wurde 1287 König von Cypern und 1296 von Jerusalem. Von diesem Hugo stammen alle folgenden Könige von Cypern und Titularprinzcn von Galiläa ab, welche den Namen Lusignan annahmen. Auch dieses neue Haus ist vollständig auSgestorben. In Frank reich sind verschiedene Häuser, die von dem Hauptstamme -der Lustgnan abstammen wollen und zum Theil im Laufe fder Zeil auch den Namen Lustgnan angenommen haben (j. B. Lezay, St. GelaiS, Conhs). Sollte der verstorbene »Leo Lusignan" günstigsten Falles aus einem dieser Häuser «Wammen, so würde mindestens der Prinzentitel usurpirt sein.

Zu einer Zeit, wo der Streit um Alexinatz noch nichk entschieden und der Ausgang deffelben noch unsicher war, hat bekanntlich Fürst Milan dem Belgrader Konsularkorps «in offizielles Mediationsgesuch überreicht. Dieses Vorgehen Hellt sich mehr und mehr als eine Jntrique deö KabinetS Mstitsch heraus. Daffelbe erreichte dadurch dreierlei. Zu-

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| *) Berlin, Verlag von W. Hertz.

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3 Eine Schrift über „daS deutsche Theater und seine ottfanft**) hat vor einiger Zeit auf Grund amtlicher Erfahrungen und die dabei in Betracht kommenden Thal- 1.84,«V a$fn und Gesichtspunkte der öffentlichen Erwägung zu verbreiten versucht.

Schon vor einiger Zeit hatte die Denkschrift der deut­schen Shakespeare - Gesellschaft wegen Errichtung einer dramatischen Hochschule zur Erörterung der Frage über die Wellung deS Staates zum Bühnenwesen Anregung gegeben. Äle damals verlautete, war innerhalb der Regierung die aiothwendigkeit anerkannt worden, jene Frage einer ein» Henden Erwägung im Zusammenhänge mit den gesammten Arater - Verhältniffen und der neueren Entwickelung deS 102t Zutschen Bühnenwesens zu unterziehen.

Inzwischen haben die neuesten demüthigenden Erschei- ®u°8en auf dem Gebiete deS Theaterwesens in der Haupt» fabt sowohl, wie in mehreren großen Provinzialstädten ^.en erneuten dringenden Anlaß zur Betrachtung der Eühnenverhältniffe vom Standpunkt der allgemeinen öffent «chrn Jntereffen gegeben, und die kommunalen, wie die "ugrweinen staatlichen Behörden werden sich kaum länger 7* Nolhwendigkeit entziehen können, die Schaubühne in “2 Kreis ihrer Erwägungen und ihrer Fürsorge zu

Da» deutsche Schauspieiwese«.

Durch die neuesten Vorgänge aus dem Gebiete deS Wüschen SchauspielwescnS ist die Aufmerksamkeit der float lichen Kreise entschiedener als bisher den öffentlichen Auf Oben in Bezug auf die Pflege einer edlen, den Jntereffen w Volksbildung und VolkSsttte dienenden Bühne zuge- Dondt worden.

nächst befreite sich Herr Ristitfch für einige Zeit von seinen lästigen Rathgebern und Mahnern, indem er ihnen eine sehr schwierige diplomatische Aufgabe stellte. Sodann wurde für den Fall eines unglücklichen Ausganges der Kämpfe um Alexinatz — und in diesem Falle wäre die Entschei­dungsschlacht allerdings gegeben gewesen — dem Fürsten und der Regierung der Rücken gesichert. Drittens ist das Mediationsgesuch ohne jedes Präjudiz, da Montenegro sich nicht offiziell an dem Gesuch betheiligt hat, was nach den Verträgen hätte der Fall sein muffen. Mit Bezugnahme auf diese Verträge ist also Serbien in der Lage, das Me- biatlonSgesuch jederzeit zurückzuziehcn oder doch jede ernst hafte Frtedenövermittlung zu vereiteln.

In der Capstadt werden, wie dem Reuter'schen Büreau in London unterm 4. d. berichtet wird, großartige Vor­kehrungen für die daselbst im Februar zu eröffnende intet» nationale Ausstellung getroffen. Dieser Ausstellung wird in offiziellen und kommerziellen Kreisen mit vielem Jnlereffe entgegengesehen. Da Südafrika keine eigenen Fabriken be­sitzt, ist eS gänzlich von Europa und Amerika für Zufuhren abhängig und man erwartet, die Ausstellung werde durch den Import einer Menge bisher hier unbekannter Fabrikate eine neue Aera eröffnen. Der Generaldirektor der AuS stellurig, Signor A. Cagli, hat sich in Angelegenheiten der» selben nach Europa begeben.

Telegraphisch sind folgende Orient-Nachrichten ringe- gangen:

Paris, 31. Aug. Die „Agence Havas" meldet auSKon­stantinopel vom 31. August: In einem Ministerrathe, an welchem die ersten Würdenträger des Reiches theilnahmen, ist Abdul Hamid an Stelle Murad'S V. zum Sultan auS- gerufen worden.

Ragusa, 30. Aug. Die Türken haben Truppen in Stärke von 56 Tabors mit 54 Kanonen bei Podgoritza zusammengezogen. Der Fürst von Montenegro steht bei Grahrwo.

Zara, 30. Aug. Derwisch Pascha ist mit 4 Tabors Mohren, 3 TaborS Aegyptern, 4000 Baschi Bozuks und 3000 Zeybeks in Bodgoritza angekommen, so daß gegen­wärtig 56 Tabors mit 54 Kanonen in und um Podgoritza vereinigt sind. Von den Kanonen wurden mehrere auf die KuliS zwischen Podgoritza und Spuz vertheilt. — Eine Abtheilung Montenegriner drang am 28. August bis in die Nähe von Podgoritza vor und verbrannte 80 Häuser. — Am Donnerstag zersprang in Podgoritza eine Kanone, wodurch eine Quantität Munition in die Luft flog und 20 Türken getödtet und 40 verwundet wurden. Hierbei irritirt, maffacrirten die Türken vor Podgoritza einen Geist lichen und einen Bürger

Der Staat hat seither die positive Pflege der drama­tischen Kunst fast ausschließlich den Hofbühnen überlasten. Mit der völligen Freigebung des ThcatergewerbeS sind je­doch Entwickelungen eingetreten, unter welchen die Hofbühnen für sich allein im Stande sind, die höheren Interesse» der dramatischen Kunst gegen das Ueberwuchern deö bloS ge­werblichen Treibens zu wahren. Die Elemente und Faktoren des VolkSgeisteS, auf deren selbständige Kraft zu Gunsten einer Erfrischung und Verjüngung der deutschen Bühne gerechnet war, haben sich zu schwach erwiesen, um eS irgendwo zu einer hoffnungsvollen Grundlegung neuen dramatischen Lebens zu bringen; die ersten guten Anfänge und Keime werden überall ziemlich rasch durch die gebieterischen Be- dingungen der gewerblichen Konkurrenz erstickt. Auch in den größten Städten kann sich ein wahrhaftes „deutsches Volkstheater" aus eigener Kraft in dem Kampfe mit der gewerblichen Spekulation nicht erheben oder behaupten; nur eine lebendige Mitwirkung und Hülfe Seitens der großen Kommunen selber wird die Gründung und Auf­rechterhaltung nationaler Volksbühnen, die dieses Namens werth sind, sichern können. Der Staat selbst aber muß anregend, ermunternd, und in der ersten UebergangSzeit mithelfend zur Seite stehen und zugleich gewiste allgemeinere Aufgaben für die Pflege der dramatischen Kunst an seinem Theil erfüllen.

„Die Theaterfreiheit (sagt die erwähnte Schrift) wie sie durch die Gewerbeordnung in weitester Ausdehnung be­gründet tootben ist, hat im Zeittaum von wenig Jahren eine tiefgreifende Umwälzung im Schauspielwesen herbeige­führt, nicht bloS eine plötzliche Vermehrung der Bühnen jeder Art, sondern gleichzeitig eine Aenderung in dem Cha» rakter und Wesen der Privattheater, welchen völlige Freiheit der Bewegung auf dem Gebiete der dramatischen Kunst und deS dramatischen Gewerbes gewährt ist. Diese veränderte

Belgrad, 30. Ang. O fiziell wird gemeldet: Die Türken wurden auf allen Punkten deS rechten MorawauferS, den Höhen von Prugoratfch, Stanzi, St Stephan, Aezero geschlagen und, der Gefahr anögesetzt, daß ihr rechter Flügel umgangen werde, befinden fie sich in voller Flucht, nachdem sie den letzten Angriffen unserer Truppen nicht hatten Stand halten können. Die von ihnen über Morawa geschlagenen Brücken sind soeben zerstört worden. Die serbischen Truppen verfolgen den .Feind und haben bereits die Höhen und Verschanzungen der Türken am rechten Ufer, von denen letztere vollständig vertrieben sind, besetzt.

Belgrad, 30. August. Die Consuln haben bei dem Fürsten Nicolaus Vollmacht gehabt, auch für Montenegro die Mediation anzuregen; Fürst Milan antwortete mit Nein, er habe nur den Wunsch geäußert, die Einstellung der Feindseligkeiten auch auf Montenegro auSzudehnen. — Der Engländer SaliSburg ist auS der Haft entlaffen worden. — Auf dem Knegsthcater war gestern Pause. Die Türken scheinen wieder auf dem linken Morawa Ufer einen Angriff.vorzubereiten. Bei Dobrujewatz (südöstlich von Alexinac) hat sich ein größere« türkisches Detachement nochmals vorgewagt und wurde umzingelt; man erwartet stündlich seine Capitulation.

Petersburg, 30. August, Abends. (Ag. Ruff.) Wenn wir die für uns durchaus unwahischcinliche Mög­lichkeit in Eiörterung ziehen, daß dos Prinzip des Status quo ante festgehalten würde, so fragen wir: In welche Situation würde damit unser Kaiser der Nation gegenüber gebracht werden? ES ist fraglich, ob dann nicht eine Jso- lirung den Jntereffen Rußlands mehr entsprechen würde, als die Solidarität ohne Gegenseitigkeit, welche nur Ruß­land binden würde.

Deutsches «eich.

Berlin, 3t. August. Wie den preußischen Handels» kammern von Seiten des dieffeitigen Handelsministers, so ist auch den Handelskammern der übrigen deutschen Staaten auf Veranlaffung des Reichskanzleramtes durch die Mi­nisterien der bezüglichen Einzelstaaten die Aufforderung zugegangen, über den neuen HandelSvertr g mit Oester­reich Gutachten mit thunlichster Beschleunigung einzusenden. Dies eingehende Material wird zunächst im Reichskanzler­amt bearbeitet und für eine Vorlage verwertet werden, mit welcher sich der BundeSrath beschäftigen wird. — Fol­gende Tabelle ergiebt die Verzinsung deS in den preußischen Staatsbahnen angelegten Kapitals, wobei mir bemerken, daß die in Klammern gefitzten Summen das Anlagekapital für die dem Etat pro 1876 zu Grunde gelegten Betriebs­strecken, repräsentirt, während die dahinter stehende Zahl den im Etat pro 1876 vorgesehenen Ueberschuß angiebt: äußerliche Stellung der Schaubühne ist aber zugleich von der größten Bedeutung für die Beziehungen derselben zum Volksleben geworden: mehr als je ist die deutsche Bühne in den Mittelpunkt des öffentlichen Jntereffes gerückt. Auch in Kreisen, welche früher der Bühnen »Unterhaltung fern standen, hat sich in Folge der so ungemein vervielfältigten Ausübung de« dramatischen Gewerbes, zumal durch die häufige Verbindung des SchanspicibetriebeS mit dem Wirths« Hausleben, eine größere Theilnahme und Gewöhnung in Bezug auf da« Theater entwickelt.

Der Einfluß der Bühne auf Geist und Sitte des Volkes aber steige« sich nicht blo» extenfiv, sondern auch intensiv mit der Ausdehnung in die weiteren Kreise; je einfacher die Hörer, desto unmittelbarer und nachhaltiger die Wirkung. Die Macht eines guten oder schlechten Stückes in sittlicher Beziehung auf ein Publikum, wie e« sonst in den stehenden Theatern meist zu finden war, ist nicht entfernt zu ver­gleichen mit der lebendigen Wirkung aus die Zuschauer in den jetzigen Volkslheatern. Wer Gelegenheit gehabt hat, öfter den Aufführungen klasstscher Stücke oder volksthüm- licher Dramen einerseits, und frivoler Stücke andererseits in den von Handwerker- und Arbeiterfamilien erfüllten Räumen populärer Theater beizuwohnen, der wird von der lebhaften Empfänglichkeit eines solchen Publikums und von der sichtlich tiefen Wirkung der Aufführungen einen blei­benden Eindruck erhalten und die Ueberzcugung gewonnen haben, daß es sich hier nicht blo« um augenblickliche Unter­haltung und leichten Zeitvertreib für das Volk, sondern um eine Stätte tiefgehender Einwirkung, um eine Stätte wirklicher Volksbildung oder Volksverführung handelt.

Die Wirkung zum Guten oder zum Bösen ist von gleicher Stärke und Macht. Es ist daher für Alle, die aus Beruf oder aus freier Wahl Jntereffe oder Verant­wortung für die sittliche Volksbildung haben, dringender