■Wkr. 208
Marburg, Donnerstag, 31. August 1876.
XL Jahrgang
<Ä
8
4)
ft
Die am 28. troffen.
Die
«r co cd
vollsten Verroths an der Civilisation und der Freiheit, eS belastet sich mit dem Unrecht einer verrätherischen Politik vor ganz Europa, und tritt dem Rechtlichkeitsgefühl der eigenen Nation gegenüber Der Engländer muß einsehen, vaß Untreue ihre eigrnen Herren schlägt, daß England'« Machtstellung viel besser gewahrt worden wäre, wenn Eng- land statt völkermörderische Sondeipolitik zu treiben, sich den Bestrebungen der übrigen Mächte angeschloffen. Dann wären Vasallenstaaten unter türkischer Oberhoheit, mit Selbst Verwaltung an der Donau geschaffen worden. Das eng lische Ministerium hat also nicht allein eine Schlechtigkeit, sondern auch, was noch viel Schlimmer ist, eine koloffale Dummheit begangen. Die Erbitterung hierüber hat nun, wie der Telegroph meldet, im englischen Parlament ihren vollen AuSoruck gefunden. Die Minister standen vor der eigenen Volksvertretung wie Schuljungen."
— sonderbar genug — davurch erklärt, der Reichskanzler wolle Europa zeigen, daß Deutschland nicht geneigt sei, die Rolle zu spielen, welche Frankreich bis 1870 gespielt hat. Deutschland habe nicht die Absicht, in alle europäischen Hänoel im Tone eines »höchsten Richters" darein zu reden. — Uns dünkt jedoch, Deutschland habe im Verlaufe von sünf Jahren hinreichend Proben seiner Gesinnung abgelegt unv es könnte der Reichskanzler unbeschadet seines Grundsatzes des »Lebens unv Leben Lassens" nach dem Maßftabe des Ansehens und der Macht des deutschen Reiches in der Orientfrage auch eine thäligere Rolle spielen — wenn nicht andere Umständen entgegen wären. Die Gründe >et Zurückhaltung dcS Fürsten Bismarck sind unseres Erachtens ganz auf der Hand liegend. Der Reichskanzler will offenbar in Vieser delikaten Angelegenheit das deutsche Reich mit keiner Verantwortlichkeit belasten, die unter Umständen von den schwersten Konsequenzen begleitet sein könnte. Deutschland ist in der glücklichen Lage — wie man ost gesagt hat — nicht direkt intercssirt zu sein; eS liegt doch in der That kein Grund vor, diesen Vortheil durch ein HinauS- gehen über die Zirkel deS deutschen JutereffeS aufzugeben. Wenn selbst von diesem Gesichtspunkte auS noch etwas gegen die Zurückhaltung des Reichskanzlers gesagt werden wollte, so würden wir hinzufügen, daß die orientalischen Angelegenheiten in ihrem ganzen bisherigen Verlaufe nicht geeignet waren, einen Staatsmann wie d n Fürsten Bismarck zum Eingreifen anzuregen.
Tierische Schule» art vidliatheke».
(Aus den Reise-Erinnerungen eines Russen.)
In dem Augustheste des Wjestnick-Jewiopy schildert Herr Smirnow, der im Sommer 1875 nach Konstantinopel geieist war, um sich dort in der türkischen Umgangssprache zu vervollkommnen, die türkischen Bidliolhtk.n und Schulen. Der Umstand, daß Herr Smirnow schon bei seiner Ankunft das Türkische offenbar geläufig sprach, giebt ihm vor der Mehrzahl der europäischen Reisenden einen so großen Vorzug, daß wir auS dem gedachten Aufsätze einige der interessantesten Stellen auszugsweise mitlheilen:
Gegenüber von der Moschee Aja Sofia (Heilige Sophie) befindet sich ein großes massives Gebäude, m welchem verschiedene Behörden, darunter auch das Ministerium der BolkSaufklärung, untergebracht sind. An der breiten hölzernen Treppe, welche zu der oberen Etage führt, in der sich das Ministerium befindet, überließ ich meine Füße einem Diemr, um die Schuhe abzustäuben und gab meinen
Die indische Sammlung des Priuzcu den Wales.
(Schluß.)
Di« Sammlung von Photographien und In Oel geulten PortraitS der eingeborenen Fürsten füllt die beiden Heu Kästen deS SaaleS, an dessen Wänden, wie bereits wähnt, die Skizzen von Sydney Hall anfgehängt sind, ^selben, meist Aquarelle, geben eine weit beffere Idee von » orientalischen Pomp der großen Zeremonien während Ü Aufenthaltes des Prinzen in Indien, als die bisher Iben illnstrirten Zeitschriften Englands erschienenen Ab- Aungen. Die glänzende Prachtemsaltung, wie sie bei e Verleihung deS SternS von Indien seitens deS Prinzen ^verschiedene hohe indische Persönlichkeiten am 1. Jan.
stattfand, dann bei der ähntrchen Feierlichkeit im Maste deS Khedive, an deffen Sohn der gleiche Orden Nieten wurde, kann nicht ohne die reichsten Farbeneffekle <t Palette dargestellt werden, und die getreue Wiedergabe ©eenen ist Mr. Hall vollständig gelungen. Obgleich M>, geben diese Skizzen dennoch ein richtiges Bild von Eindrücke dieses Glanzes, der durch die Zusammen- Wfang der vielfarbigen Seidendraperien, der vergoldeten Nbel und der glänzenden Mormorfliejen hervorgebracht Mde. Weniger wichtig als historisches Faktum, doch sehr Nteflant ist di« Skizze von dem zeremoniellen Besuche der *|Bm von Bhopal; der Prinz ist in voller Uniform auf *nn kanariengelben Kanapee sitzend dargestellt, die Begum * tiesverschleiert und mit langen engen braunen Bein *bttn bekleidet neben dem Prinzen, während der Gemahl 869t * Begum, welcher bloS ein „Prince Sonsort" ist, auj Nh anderen kleinen Sopha am entgegengesetzten Ende " ** EaaleS seinen Platz eingeooma eu hat. Auf ähnlichen
~ auf die vb-rh-sfisch-
für den Monat
KePtember werden von allen Postanstalten, so- oie in Marburg von der Expedition angegommen.
Lagesbertcht
Panzerschiffe „Kaiser" und „Deutschland" sind August in den Gewässern von Malta einge-
Die französische Regierung fleht bekanntlich im Begriffe, die Handelsverträge mit Belgien, England, Italien, den Niederlanden, Oesterreich und der Schweiz zu erneuern und eS werden hierzu in allen betheiligten Ländern umfaffende Vorbereitungen getrcffen. Einige Blätter haben nun das Gerücht verbreitet, daß zur Förderung der bezüglichen Arbeiten ein Kongreß der interesstrten Mächte in Aussicht genommen sei. Wie wir jedoch aus bester Quelle erfahren, ist diese Mittheilung als verfrüht anzusehen.
Die Generaldirektion der italienischen Posten hat den Werth der deutschen Reichsmark von 1 L. 25 Cent, auf 1 L. 23 Cent, herabgesetzt. Es soll nämlich vom 1. Sept, ab in dem PvstanweisungSveikrhr mit Deutschland dieser Reduktionssatz angewendet werden. Da die deutsche Postverwaltung den Verkehr Italiens mit Luxemburg, Dänemark, Schweden, Norwegen und Konstantinopel vermittelt und diese Länder jämmtlich einen verschiedenen Münzfuß Haden, mußten die bezüglichen Tarife neu bearbeitet werden.
Die Beziehungen zwischen England und China sind bekanntlich äußerst gespannt. Nach einer Privatdepesche hat Sir Thomas Wade, der bevollmächtigte Minister zu Pecking, diese Stadt verlassen und sich mit dem Archive der englischen Gesandtschaft nach Shanghai begeben, von wo er der chinesischen Regierung ein Ultimathim übersandte. Deutschland und Frankreich, welche ihrerseits Anlaß genug haben, gegen die chinesische Regierung die schwersten Beschwerden zu führen, sind entschlosien, die Vorstellungen des englischen Vertreters zu unterstützen. Rach den neuesten Nachrichten haben nun der Generaldirektor der Zölle, Hart, und der Direktor des Arsenals in Fon Tcheon, Schiffs» lieutenant Giquel, von dem Tfungli-Aamea (Verwaltung der auswärtigen Angelegenheitrn), deffen Vorsitzender Prinz Kung ist, Instruktionen erhalten. Auf Grund derselben sollen die genannten Beamten den Versuch machen, die Verbindung mit dem englischen Geschäftsträger wieder anzu- knüpfen.
Sepha'S fitzen noch Sir Bärtle Frere und der Herzog von Sutherland. An der Wand des EmpfangSsaaleS hängt ein Portrait des Herzogs von Wellington. Die Potttait- ähnlichkeit auf dieser wie auf den meisten anderen Skizzen ist sehr geschickt getroffen. Mehrere PortraitS von Sikh- offizieren und von drei Veteranen von Lucknow, die dem Prinzen vorgestellt wurden, machen, besonders letztere mit ihren buntscheckigen Uniformen, einen charakteristischen Eindruck. In auffallendem Gegensätze mit ben PortraitS dieser Krieger steht das des Maharadjah Scinvia, eines ManneS von stattlichem Aussehen, mit rundem dickem Gesichte, das durch einen schwarzen Backenbart und dunkle Augen noch gehoben wird. Die Elephanten- und Tigerjagden gaben Mr. Hall reichen Stoff für feinen Pinsel. Eines der Bilder stellt die Zurückkunft von einer Jagd vor; die Ele- phanten, von ihren Führern angel lieben, sind fast alle mit tobten Tigern, Bären rc. beleben und trogen außerdem noch auf ihren Rücken kleine Zelte, in welchen die Jäger, das Gewehr in der Hand, stehen. Ein anderes Bild zeigt den Prinzen, nachdem er eben einen Stephanien erlegt hat, auf demselben stehend, während Doktor Fayrer die Wunde deS ThtereS untersucht und sie für tödtlich erklärt. „Die gejagten Jäger" stellt eine Scene vor, wie die ganze Jagdgesellschalt vor einem riesigen Elephanten flieht, welcher zuerst verfolgt wurde und plötzlich Sehrt maa,le und auf die Reiter einstürmte. Elephanlengefecht in bet Arena, dann daS Bewältigen eines wilden Elephanten durch zwei zahme bilden den Gegenstand anderer Skizzen Auch mehrere komische Vorfälle sind recht gelungen wieder gegeben, wie z. B. eine Stroßenszene in Kairo, als der Prinz hinter einer MusUbande einher fuhr, welche zufällig auf der Straße marjchirte. Wie die Musiker dm Prinzen
Der Pariser „Figaro" schreibt: „Je mehr sich die Allianz zwischen Oesterreich und Deutschland mit England accentuirt (?), desto mehr zeigt sich Rußland daS heißt der Czar einer diplomatischen Intervention zu Gunsten des Friedens in der Türkei geneigt. Die moskovitische Partei dagegen ist mehr wie je auf den Krieg bi« auf'S Aeußerste versessen." Den Wechsel des Tons, welchen di« russischen Journale gegen Deutschland anschlagen, findet der „Figaro" bemerkenSwerth, da in Rußland die Presse nichts sagen dürfe, waS die Regierung nicht sagen laffen wolle.
o englischen Parlament stattgefunden, die da zeigt, daß «ch in England die Bäume nicht i den Himmel wachsen Md daß auch dort eine ruchlose Politik ihre gerechte Kritik findet. Unter dem heuchlerischen Vorwand, man müsse die M tirkische Integrität aufrecht halten, hatte daS Ministerium *' seit Monaten die Pforte in ihren Barbareien unterstützt, durch die sie die Donaufürstenthümer niederzutreten und
„bisherige auffallende Zurückhaltung" deS Fürsten BiSmark in der Orientfrage wird von einigen Blättern
deren Rechte zu vernichten beabsichtigte. Englische KriegS- ttiffe, englische Transportschiffe, englische Waffen und Sdbliefcrungen standen den Türken zu Gebote, eS war sckisch eine Intervention, so schamlos, wie sie di« perfide nzlische Politik nur je zu Tage gefördert. In einem «chren Wahnsinn suchte daS Ministerium alle Bemühungen W nordischen Mächte zu vereiteln, ben FrÜden auf der MS zu begründen, auf der er allein begründet werden sum, der Basis geordneter Rechtszustände. England hatte Hf Jahren dasselbe Spiel gespielt und trägt allein die Schuld der furchtbaren Zustände, wie sie in den Donau- Provinzen bestehen. Diesmal aber gelang das alte Spiel licht, die Schuld des jüngsten furchtbaren Blutbades. Mit ßH seinem Treiben erreichte England nur das Gegentheil Ebern, was es anstrebte, und schuf aus dem Aufstand
t einzigen Provinz einen allgemeinen Aufstand, der die len auS Europa hinauSzuwerfen droht. Hätte Eng- tab sich ehrlich ben Bestrebungen der anderen Mächte an- fchhloffen, so würde der Ausstand in Herstellung garander RechtSzustände, in einer unter dem Schutz der euro Aschen Mächte stehenden Reform geendet haben. Statt Hm verlangte eS, die Mächte sollten sich mit den hohlen «sormversprechungen begnügen, wie sie die Pforte schon % oft gebrochen, mit anderen Worten, eS suchte die Pro- iajtn wieder wehrlos der türkischen Siavenpeitsche zu ticrlkfern. Dadurch verliert England nun nicht allein £ Macht und seinen Einfluß im Orient, sondern eS
dmarkt sich auch selbst mit dem Brandmal deS schwach
ein amerikanisches Urlheil über die englische Orientpolitik.
Die „California-StaatSzeitung" enthält folgenden Ar- M der von großem Jntereffe ist, weil er zeigt, wie man i Amerika die Politik deS Drei-Kaiser-BundeS und das ig. „Berliner Memorandum" beurtheilt. Der Artikel ist LerdingS zum Theil in Ausdrücken verfaßt, die im poli ischen Leben der alten Welt als parlamentarisch nicht verkannt werden. Wir hielten UNS jedoch nicht für be- echtigt, in der Fassung irgend etwas zu ändern. Die laSlaffung lautet wie folgt: „Eine Debatte hat soeben
Anzeiaen nimmt entgegen: die Spedition b. Blatte» sowie bte Amwncen-Bureank von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete« ▲ meyer in Berlin; Earl Schüß- i” ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
«rscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,3Iufhrtrte» eonntogrtltrtt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckere,) bezogen 2i Mark, durch bte Postämter deS Deutschen RetcheS 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Heile 10 Bf«.
________________________________________Für in der Expedition zu ettheUende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.
In Konstantinopel scheint eine Personalverändernng im Schoße deS Ministeriums bevorznstehen, und zwar soll der
gewahr wurden, machten sie Halt und begannen zu seinen - Ehren ein fürchterliches Konzert mit haarsträubendem Spektakel , das sie durch alle möglichen Gliederverrenkungen noch eindrucksvoller zu gestalten suchten.
Schließlich giebt die „Times", bet wir diesen Bericht entnehmen, ben Besuchern der Sammlung zu bedenken, daß ein Monat kaum genügt hat, um die Ausstellung dieser reichhaltigen Kollektion zu bewerkstelligen, und daß noch niemals auf einer internationalen Ausstellung eine so manntg« - faltige, vollständige kostbare Vereinigung von Sehenswürdigkeiten aus den Zweigen der Kunst und Manufaktur Indiens zur Anschauung gebracht werden konnte.
Mietgen nimmt entgegen: __
Zeitung
^Berlin, Frankfutt a. M. rc. / | [ / /