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Marburg, Mittwoch, 30. August 1876.
XI. Mrgmg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux gon Th. Dietrich & Co. in gafsel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
Wcrhrßlihc Jritung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schirß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS LonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen S; Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pf». <exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gefpaltene Zelle 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
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Srnplhinnm bie yi,UUUligill Reifung für den Monat
Teptember werden von allen Postanstalten, sowie in Marburg von der Expedition angegommen.
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von 5 14 bis hmesier, en Die gen ist reichem Regen» ere im chaften. Termin i Herrn Urghvlj uskunst
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Lagcsbertcht.
Am 29. und 30. (nicht 27. und 28.) September d. I., findet zu Wiesbaden die Generalversammlung und 5. JahteS- Persammlung des Allgemeinen Erzichungsvereins statt, wozu auch alle Freunde des ErziehungSwesenS eingeladen werden. Zn der am Freitag den 29. September stattfindenden elften Hauptversammlung wird u. A. Profefior John KrauS aus Newyork über Verbreitung Fröbei'scher Ideen und Ein- sührung von Kindergärten in Amerika von 1851 bis 1876, sowie über Fröbet'S 1851 projektirte Musterbildungsanstalt und den Musterkindergarten in Philadelphia 1876 sprechen und Frau Profefior Marie Kraus-Bille aus Newyork Er sahrungen aus dem Kindergartengebiet in Amerika, im Vergleich zu denen von Deutschland und England mittheilen.
Die „Corresp. Stefani" schreibt: „Wir erfahren aus bester Quelle, daß die Berichte fremder Zeitungen, die 6 Großmächte hätten der serbischen Regierung Vorschläge zur Wiederherstellung deS Friedens gemacht, voreilig find. Es ist ganz richtig, daß die Diplomatie in diesen Jdeengang eingetreten ist, aber sie hat Serbien noch keine derartigen Mittheilungen gemacht. Wir können des Weiteren berichten: Die italienische Regierung war die erste, welche einer anderen Großmacht vorstellte, daß es jetzt Zeit wäre, dem Blutvergießen ein Ende zu machen. Ihre Vorstellungen sanden auch günstige Aufnahme, haben aber bisher noch zu keinem definitiven Resultat geführt. Sollte dieser Fall aber, wie zu erwarten steht, eintreten, so kann Italien mit Stolz sagen, daß eö für die Interessen der Ctvilisation eingetreten ist und Gehör gefunden hat. Frankreich hegt dieselben Ideen wie Italien. Die Nachricht, daß Serbien Frieden zu schließen verlangt habe, ist eben so wenig zutreffend, wie die andere, daß die bosnischen Insurgenten die stalienische Regierung ersucht haben, den Anschluß Bosniens an Serbien zu befürworten. Nur die zwei Geistlichen haben der italienischen Regierung einen Bries zukommen lasse--, worin diese Vereinigung verlangt wird/
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Ein günstiger Erfolg, der von den Mächten eingeleiteten Friedensvermittlung ist durchaus nicht Über alle Zweifel erhaben. AuS Belgrad wird unterm 26. d. M. telegra- phirt, daß seit dem neuesten Siege der Serben von Wasfin-
Dir indische Sammlung des Prinzen d«n Wales.
Der erste Gedanke des Prinzen von Wales, als alle ihm von den eingebornen Prinzen und Häuptlingen während feiner Reife in Indien gemachten Geschenke endlich an Bord des „Serapis" untergebracht worden, war, Anordnungen für deren Ausstellung im Indischen Museum in London zu treffen. Der Werth der d m Prinzen überreichten Geschenke ist zumeist unberechenbar; viele derselben sind Familien- oder National Erbstücke, wie z. B. das Schwert von Sivajee, das seit 200 Jahren von dem jüngeren Zweig bet Bonslas in Kolapoor als Heiligthum gehütet wird. Jndefien tritt bereits jetzt klar zu Tage, daß die indische Regierung, geleitet von der löblichen Absicht, die Munifizenz bet eingebornen Fürsten einigermaßen einzudämmen, damit einen Jrrihum beging, indem sie denselben empfahl, daß bie Gefchenke hauptsächlich au» Gegenständen lokaler Ma- vnfaktur bestehen sollten. Das Resultat hiervon ist, daß bie Sammlung mit Dingen überladen ist, welche wohl sehr intereffant für ein Museum sein wögen, für die Schatzkammer dnes Prinzen aber mindestens buntscheckig genannt werden »üfin.
Die Sammlung ist gegenwärtig in der oberen Galerie be» Jndia-MlfieumS in zwei Sälen ausgestellt. In dem ktsten dieser Säle stehen die Glasbehälter in drei langen Reihen zu beiden Seiten und in der Mitte jene an den Seiten enthalten Gegenstände aus Gold, Silber und »«deren Metallen, Juwelen, Email, während jene in bet Mitte Brokate, Seidenstoffe, Moufielin und an- *Xte textile Fabrikate bergen. Diese etwas eintönige Anordnung wird im Zentrum des Saales von einem acht tfigen Schaukasten unterbrochen welcher Waffen enthält. Die Wände sind mit indischen Teppichen behangen. In bfln etwas kleineren Nebensaal sind die gemischten Geschenke »«fgehäuft und an den Wänden hängen Mr. Sydney Hall's Geisterhafte Skizzen, die derselbe während der Reife beS
stillstand und Friedensverhandlungen für's Erste nicht die Rede fein könne. Jedenfalls wird Serbien jetzt nicht geneigt fein, die von der türkischen Regierung gestellten demü thigenden Vorbedingungen zu erfüllen. Die Zurückhaltung der deutschen Politik ist in diesem Augenblicke sicherlich von der Voraussicht geleitet, daß alle Bestrebungen der Mächte fruchtlos fein werden. Wir zweifeln, daß die Geschichte des serbisch-türkischen Krieges in der Schlacht bei Alexinatz die so lange vorauSgesagte Entscheidungsschlacht verzeichnen wird.
DaS „Momorial diplomatique" erhält aus Konstantinopel einige Mittheilungen über die Absichten der Pforte, hinsichtlich des Friedensschlusses mit Serbien. Danach lehnt die Pforte unbedingt ab, die Serben als eine kriegführende Partei zu betrachten; in ihren Augen sind die Serben Rebellen. Die Pforte ist entschlossen, in keine Friedensverhandlung einzutreten, so lange nicht die serbische Regierung einen solchen Wunsch direkt ausgedrückt und die Waffen niedergelegt hat. Die türkische Regierung wird keine Amnestie gewähren, bevor nicht die Friedenspräliminarien genehmigt sind. Nach Regelung dieser Punkte wird die künftige Stellung Serbien'S festzusetzen fein. Die Pforte geht von der Thatsache aus, daß die serbische Regierung, indem sie den Krieg erklärte, sich vorgenommen halte, die Bulgaren, Bosniaken, Griechen und Montenegriner auszuwiegeln und im Verein mit diesen Provinzen die Türkei zu vertheilen und auszulösen. Ohnehin schon durch den Aufstand in der Herzegowina und den Regierungswechsel großen Schwie rigteiten ausgesetzt, hat die Pforte die Gefahren durch den serbischen Krieg vermehrt gesehen. Die türkische Regierung hat den Serben zu diesem Kriege nicht den mindesten Vor wand gegeben, sie hat die Rechte und Immunitäten der Serben in der skrupulösesten Weise refpettirt. Lediglich der Ehrgeiz und die Sucht sich zu vergrößern von Seilen Serbien'S hat den Krieg veranlaßt. In den Augen der Pforte handelt es sich darum, die Urheber dieses Angriff s zu züchiigen und einer Erneuerung solcher Unternehmungen zuvorzukommen. Durch diese Erwägung ist die Pforte zu rem Entfchluß gekommen, Serbien rnrlitärisch unschädlich zu machen (neutrolrfen) und iür längere Zeit der Macht zu berauben, den Frieden deS ottomanüdjen Reiches und Eu ivpaS zu beunruhigen. Zu diesem Zweck hat die Pforte sich vorgenv > men, gegen bie auswärtigen Beförderer diefeS Krieges mittelbar einen Streich zu führen und Serbien als eines der hauptfächlichsten Werkzeuge der p nflavistifchen Propaganda zu annuUiren."
Zur orientalischen Frage und ditto Krieg wird tele’ graphisch gemeldet:
Wien, 28. Aug. Gestern conferirttn die Botschafter Deutschlands, Rußlands und Englands mit Baron Hofmann, der Andrafiy zeitweilig vertritt. Gegenstand der Konferenz war die Verständigung über die Form eines Collektivfchrittes bei der Pforte.
Paris, 28. Aug. Die Meldung der „Agence HavaS", wonach die Signatar-Mächte übereingekommen wären, als Friedensbedingungen vorzufchlagen: Erhaltung des Fürsten Milan, Zahlung einer Kriegsentschädigung durch Serbien, Besatzungsrecht der serbischen Grenzfestungen durch die Türken — wird in hiesigen diplomatischen Kreisen als unbegründet bezeichnet. Es sind bisher überhaupt noch keine Basen für die Verhandlungen aufgestellt. Von türkischer Seite wird zur Wahrung der Suzeränetäisrechte na» wie vor als nothwendig erachtet, daß Fürst Milan den Friedensantrag direkt nach Konstantinopel richte.
Belgrad, 27. August. Vom Kriegsschauplatz liegt heute keine neue Nachricht vor. Komaroff ist wegen seiner Tapferkeit zum General befördert. Die Profefioren Bill- roth und Thomas werden behufs Jnsp-zirung der Spitäler hier erwartet. DaS Befielen bet Fürstin hat eine ungünstige Wendung genommen. Heute wurde die Trans- portirung der Belgrader FestungSartillerie nach Alexin-tz angeordnet.
Konstantinopel, 27. August. Seit zwei Tagen erkennt der Sultan feine Umgebung nicht mehr. Jever Verkehr mit ihm ist unmöglich geworden. Der Thronwechsel ist nothwendig und auch nahe bevorstehend.
Petersburg, 27. August. Ter serbische Sieg erregt in Petersburg große Befriedigung „Golos" vervollständigt seinen Artikel über Rußlands militäeijche Kräfte, indem er nachweist daß die finanzielle Lage keiuenfallS schlecht sei; eine große Nation von 90 Millionen ermangele nie 6(8 Geldes zu einem populatren Kriege, aber Rußland könne darum doch den Frieden wollen, weil eS jeden Augenblick den Krieg zu einem nationalen machen kann. Wir knüpfen caran die Aussicht, daß die demnächst beginnenden Verhandlungen wohl gut lhun werden, die Empfindungen von 90 Millionen in Betracht zu ziehen.
Petersburg, 27. August. Die russische Regierung erklärt sich, den andern Mächten zur Herbeiführung eines Waffenstillstandes und der Mediation anfchließen zu wollen wenn von Serbien ein derartiger Wunsch ausgesprochen wird.
Petersburg, 26. August. Die, auf die Initiative veS englischen Agenten hin, feit mehreren Tagen verhandelten Grunvzüge einer Mediation stnd vom Fürsten Milan
Prinzen entworfen. Die ersten Kästen an beiden Seiten rechts und links vom Eingänge des ersten Saales sind mit Gold- und Silbergeschirren angesüllt, worunter ein Thee- ferüice, daö nichts alS eine Kopie der schlechtesten Birminghamer Muster ist, und ein Paar gefaßte Büffelhörner, ein schauderhafter Versuch, indischen und europäischen Geschmack zu vereinigen. Andere Kästen enthalten meist Silberschmied- Arbeiten.
In dem zweiten Saale ist ein Schaukasten mit den dem Prinzen während seiner Reise überreichten Adrefien angefüllt. Die Mehrzahl derselben stnd gräulich in der Zeichnung Andere Kästen enthalten Bücher, Lackwaaren von Scinde, Punjah, Kaschmir, Äirnoul und Burma, bann eingelegte Kästchen aus Bombay, ferner geschnitzte Sandel Holzkästchen aus Surat, Bombay rc. Daneben steht ein Kasten mit allerlei bemaltem Spielzeug, worunter z ei Modelle von Karren, der eine von zwei hellfarbigen Stieren, der andere von eben solchen Pferden gezogen. In diesem Saale befindet fich auch das dem Prinzen von dem Maha- radjah von Kaschmir verehrte Bett mit versilberten Pfosten und einem Himmeldache von einheimischer, aufgelegter Arbeit auf gelbem Grunde. Die Vorhänge find von tiefrother Farbe, und da das Bett auf einem dunkelblauen Seidenteppich steht, macht eS einen sehr gefälligen Eindruck. Diesem Beite gegenüber steht das Elfenbeinbett auS Travancore von i einfier nationaler Zeichnung. Es bietet einen treund- lichen Anblick, nur wird derselbe durch da» niedere recht» winklige Dach aus gewöhnlichem Goldbrokat eiwaS beein# t Sitigt Der dem Prinzen von den Bewohnern von Madura gewidmete Thron ist ebenfalls im reinsten Hindu» style auSgeführt, ober leibet von einem grellen, modernfar- bigen DamaSk - Balbachin überragt. Der Palankin von Vizianagram ist von einiger Entfernung aus burch den Eff kt des Elfenbeins uns beS Ebenholzes, dessen W rkung durch bie reichvergolbeten Stangen noch erhöht wirb, sehr hübsch anzusehen; aber bei näherer Betrachtung findet mau,
daß eS bie gleiche Manier wie bie ber wohlbekannten Vizianagram-Arbeit ist, bie von England aus irnportirt würbe.
Die Sammlung der Juwele ist nicht groß, aber sehr gewählt. Besonders die Diamanten stnd von hohem Jnterefie. Die Hindus schätzen dieselben nicht bloS wegen ihres dekorativen Effekts, sie legen ihnen auch die Kraft eines Talismans bei. Unter all diesen kostbaren Gegenständen, Halsketten von Perlen, Armbändern und Ohrringen, fällt ein Kamm auf, daS fchönste Stück dieser Abthcilung, dessen Rücken mit den feinsten Perlen und kleinen Brillanten in drei Reihen auf elegant gezeichneten Bändern vom prächtigsten Jeypore Email besetzt ist. Eine Halskette vom Maharadjah Sciudia war seit Generationen ein Familienerbstück. Der Kasten, in welchem sich die Jrypore-EmailS befinden, weist die bemerkenSwerthen Stücke der Sammlung auf. Die Emaillirkunst wurde stets hochgeschätzt und viele Völker haben eS in derselben zu hoher Vollendung gebracht, aber die EmailS von Jeypore stehen weitaus über allen anderen. In der Mitte deS Kastens ist eine große Schüssel, vielleicht das größte je in dieser Kunst gefertigte Specimen. Seine Herstellung nahm vier Jahre in Anspruch, eS muß aber auch ein Monument der Emaillirkunst genannt werden. Ein nationales Schreibzeug, in Form einer indischen Gondel, zählt zu den geschmackvollsten und am reichsten verzierten Gegenständen; die Anordnung der Farben der bei demselben verwendeten Juwelen und bet Glanz beß Emails zeugen von voll ndeter Meisterschaft.
Rach ben emaiüiiten Gegeustänben kommen bie damas- zirten. Der schönste unter denselben ist ein Waschbecken jammt dazu gehörigen Krug, nach einem Staffordshiter Muster kopirt. Die anderen Kästen in diesem Saale enthalten die in indischen Sammlungen stets stark vertretenen Sattelzeuge. An den Wänden hängen Elesaurensättel in lebhaften Farben und reich mit Gold gesticki, Brokats von BeuareS und Ahmedabad, schöne Moufieline von Dacca