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Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition 6. Blatte«,

Md, und Hannover; Th. Dietrich in Franifutt a- M-; BJetn & Vogler in rt a- M, Berlin, Leip» In rc; Rudolf Moffe ai'Berlin, Franifutt a. Rt. rc.

sowie die Annoncen-Bureaux AON Th. Diettich & Co. in

Marburg, Dienstag, 29. August 1876.

ObcrhMchk Jrilung.

XI. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte« sowie die Amwncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Franifutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Retr- meyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen BeilagezinftrtrtkS SonntaaSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (e$I. Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für tn der Expedition zu ettheilende AuSlunst und Annahme von Adreffeu werden 85 Pfg. berechnet.

AtstklluM Mg WS

September werden von allen Postanstalten, so­wie in Marburg^von der Expedition angegommen.

rage«deriq>t.

Das kaijerliche Generalpostamt giedt bekannt: Nach einer Mtttheilung der königlich italienischen Postverwaltung linnen die zur Besörverung über Italien bestimmten Korrespondenzen nach den im indischen^Archipel belegenen niederländischen Besitzungen (Sunvainjeln und Moiucken) von jetzt ab über Brindisi,mit britischen Schiffen, über Neapel mit französischen Schiffen oder jüber Neapel mit niederländischen Schlffengweitergesendet werden. Das Porto beträgt ohne Rücksicht daraus, ob die Besöroerung mit britischen, französischen oder niederländischen Dampfschiffen erfolgt, für fraukirte Briefe 70 Psennlge für unfrankirte 100 Pfennige für je 15 Gramm, sür Drucksachen und Waarenprvben 15 Pfennige für je 50 Gramm. Die Ein- jchreibungSgebühr ist aus 20 Pfennige festgesetzt^

Ganz neuerlich hat die rumänische Regierung eine selbst die Ausländer treffende Perjonensteuer festgesetzt. Die Regierungen von England, jFrankreich und Italien, sowie der meisten anderen Staaten haben jedoch sofort gegen eine derartige, die Znteresien ihrer Staatsangehörigen schädigende Maßregel Protest erhoben. Das Emverftändniß der Mächte hatte die Wirkung, daß die rumänische Regierung sofort den Reklamationen Gehör gab und sich verbindlich gemacht hat, die Rechte der Ausländer nicht verletzen zu wollen.

Seit einiger Zeit waren zwischen den Kabineten von Versailles und St. James über den Austausch der eng- lischen Kolonie ^von Gambia gegen mehrere französische Niederlassungen an der Westküste von Afrika Verhandlungen im Gange. Wie wir vernehmen, sind dieselben nunmehr definitiv abgebrochen. Die öffentliche Meinung England'» »ar dem Austausche durchaus entgegen.

Der Pariser Korrespondent der,jDaily News* tele- graphirt:Ich habe Ursache zu^wiffen, daß kurz vor der Prorogation ein ernster Vorschlag für eine russische Allianz mit der Lochpeise einer voraussichtlichen Wiedererlangung ton Elsaß und Lothringen durch Die entschlossene Haltung der eepubtikanischen Führer in der Kammer vollständig ver­eitelt wurde.*

tzDieCorrrespondance Universelle" schreibt:Wir er- fahren, daß ein Artikel deSRuski Mir", welcher ein frauzöstfch-russisches Bündniß aus Anlaß der orientalischen F>age 'janpceist, in den offiziellen Kceijen zu Wien und London eine sehr lebhafte und sehr tiefe Sensation erzeugt Hai. Aber aus zuverlässiger Quelle glauben wir zu der Erklärung autoristrt zu fein, daß fragliche fAuslafsung lediglich auf persönlichen Elukubrationm deS Direktors des Ruski Mir" beruht, und daß alle Hypothesen über dieses Projekt weiter nichts sind, als fromme Wünsche."

Wie dieCorrespondanee orientale* meldet, hat der Wiener Profeffor Dr. Leidesdorff erklärt, daß die.Wieder- herstellung jder Gesundheit des Sultans Murad .verlange eine Behandlung von drei Monaten. Dr. Leidesdorff hat sich verbindlich gemacht, ein zufriedenstellendes Resultat zu erzielen, wenn sich der hohe Kranke während der genannten Zen seinen Vorschriften unterwerfe. Man hat dem gelehrten Arzte hinlänglich gute Avantagen gemacht. Dr. Leidesdorff erhält alS Reisekosten 50,000 Franken, ferner 2500 Franken für jeden Tag während seines Verweilens in Konstantinopel, schließlich freie Wohnung im Palast Dolma Bagdsche.

Die Frage über die Einsetzung einer Regentschaft even­tuell der Entsetzung deS Sultans, ist von dem Ministerrathe in Konstantinopel verschoben worden. Man hat sich ent» schlossen, jede Diskussion über diesen Gegenstand bis nach Beendigung des Krieges zu vertagen.

Daß man sich in Konstantinopel jäbet die Dauer des Krieges keinen Illusionen hingiebt, beweist der Umstand, oaß das SeraSkerat (Kriegsministerium) gegenwärtig Bor» bereitungen trifft, um für die im Felde stehende Armee 200,000 Winteranzüge zu beschaffen.

Telegraphisch wird gemeldet:

Paris, 26. Aug. DerAgeuce HavaS* jwird aus Wien gemeldet: Dem Vernehmen nach würden nach den vorauSgegangenen Besprechungen zwischen den Pariser Vertrags-Mächten sämmtliche Mächte, mit Einschluß von Rußland, als Friedens Grundlage nachfolgende Punkte Vorschlägen: Erhaltung des Fürsten Milan auf dem Throne, Zahlung einer Kriegs-Entschädigung von Seiten Serbiens, Einräumung des Rechtes an die Türkei, eine an der türki­schen Grenze belegene Festung Serbiens mit einer Garnison zu besetzen.

Wien, 26. Äug. Zufolge deö EntschluffeS Serbiens, Dem Wunsche der Großmächte nach Abschluß des Friedens nachzukommen, wird ein identischer Schritt in Konstantinopel

I erfolgen. Zuerst dürste Waffenruhe eintreten, (bann erst werden die eigentlichen Friedensverhandlungen beginnen. Von Seiten der Pforte wird eine Weigerung nicht erwartet, weil ihre Situation nach allen Richtungen eine ungünstige ist. Die hiesige politische Welt, erachtet Den bevorstehenden Frieden als ein Provisorium; die Orientsrage gilt nur sür vertagt.

Belgrad, 25. Aug. Gestern fand eine gemeinsame Berathung des Skuptschina-Ausschuffes uns des Minister, raths unter dem Vorsitz des Fürsten statt. Gegenstand derselben war die Kriegsfrage. Fünf Minister und elf Skuptschinamitglieder verlangten jFortsetzung Des Krieges; ihre Gründe wurden von Allen zugegeben der Fürst erklärte indeß, die europäische Constellation mache eine Fortsetzung des Krieges szu einem sündhaften und nutzlosen Blutver­gießen. Die Großmächte perhorresciren die Vergrößerung Serbiens und wollen das Schicksal der türkischen Rajahö selbst .bestimmen. RistikS jmachte jweiiere Eröffnungen in dieser Beziehung; Serbien muffe die günstige Situation auf dem Kriegstheater benutzen und dem wohlmeinenden Rathe der Großmächte nachkommen. Die FriedenSbedin- gungen würden jerträgliche sein. Hierauf gab die KriegS- partei nach, die Versammlung billigte schließlich die Fassung der Note an die Großmächte um Vermittelung und RistikS übernahm rS, die entsprechenden Schritte zu thun. Während der Waffenruhe wird die große Skupfchtma einberufen werden. Tschernajeff meldet einen großen Sieg und beglückwünscht den Fürsten. Hortavic ist den Türken in den Rücken gefallen; das glückliche Zusammengreisen brachte den serbischen Waffen glänzenden Erfolg. Achmed Ejub Pascha ist bis Äatun aus türkisches Gebiet ver­folgt. Die türkischen Verluste sind ungeheuer, sie belaufen sich auf mindestens 10,000 Mann, die j ganze Armee ist total zersprengt.

Belgrad, 25. August. Ein Telegramm Tschernajeffs gratulirt dem Fürsten zu dem vollständigen Siege über die Türken. Die Armee Achmed Ejub Paschas ist völlig zersprengt worden und hat enorme Verluste erlitten. Hor- oakovic entschied die Schlacht durch Umgehung des linken Flügels der Türken, welche sich in wilder Flucht zurückzogen. 31 russische Offiziere sind gefallen.

De»tjchcA fiel*.

Berlin, 26. Aug. Der Kaiser wird am 1. September auf dem Infanterie» Exercirplatz östlich der Tempelhofer Chaussee die große Herdstparave über das Gardecorps ab­nehmen. Der Parade folgt Nachmittags 4 Uhr das Gala- Diner rm Weißen Saale des königlichen Schlosses. Wie

DeiüschkävrtSttim«.

Das bereits in unserem Blatte erwähnte Werk deö Herrn Professor Dr. Arn ojl d dahier überAnsiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme" (Verlag der E.wert- schen Verlagsbuchhandlung dahier) hat unter vielen an­deren auch eine sehr günstige und ausführliche Beur» cheilang in dem SoanlagSblatt jderNewyorker Staats- Zeitung* vom 18. Mai d. I. erfahren, der wir Folgendes kutnehmen:

»Das jüngst erschienene WerkAnsiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme* von Wilhelm Arnold bringt unter Anderem intereffante Ausschlüsse über Ent stehnng der Ortsnamen in Altdeutschland. DaS geogra­phische Gebiet, von welchem der Verfasser bei diesem Theile feiner Forschungen auSgeht, ist die Gegend Demschlands, 8,0 fett Ariovistus Zetten der Germane nnvermijcht sich "halten hat, wo Die laudbewachsenen Berge zum Rhein uud zur Weser, zur FulDa und zur Lahn ihre Gewässer ? fruchtbare Gelände hinabjeaden: daS Bergland von Heffen. Und das Ziel, daS diese Untersuchungen erstreben, wird bezeichnet als die Erforschung der ursprünglichen «atwicklungsstufe des deutschen Volkes, der ersten Anfänge ®cr Landesherrschaft und deS modernen Staates. Es soll üS Werk die Brücke werben zwischen den Schilderungen

TacttuS und den Porträten von ZustuS Möser.

»Der Einfluß des RomaniSmus im Einzelnen, der Hergang vom Nomadenleben zum Ackerbau, die Ausbret-

der Allemannen zum Mitkelrhein, der Gegendruck und t sieg der Franken, die Fortschritte der Colonisation und qT Urbarmachung in der Zeit der Karolinger, die großen vdungea unter dem Einfluffe der Klöster und Dynasten b. $um dreizehnten Jahrhundert, die Contraktion der Be- l ^ninz in sden Städten, die Abgabenlast und der Ao- ^uch der nationalen ArbeitStheilung in Stadt und Land *""* stad die gewichtigen Fragen, welche die Schrift

durch das Zusammenwirken von mikroskopisch feinen Unter- suchungeu zu beantworten sucht. Urkunden und Karten sind dafür die Fundstellen, deren Gebiet sich von der Weser bis zur Mosel, von der Sieg bis zur Jll erstreckt.

DaS Substrat bildet die Scheidung der Ortsnamen nach Den drei Perioden der Ortsgrünoung: der Urzeit, der sränkischen und der späteren Zeit bis zu Ende des zwölften Jahrhunderts. Nach den Resten aus keltischer Zeil und oen natürlichen ^Prinzipien Der EinwanDerung und An- siedelung kommt die Reihe der ältesten Ortsnamen, die sich in zwei Klassens: die einfachen und die zusammengesetzten zerlegen, zur Untersuchung. Zu den ersteren gehören Namen, wie Bremen, Calden, Drunge, Engern, Maden, Struth, Treis, Wetter, Wieben, Dissen, Frieda, Hutten, Vach' Wehren, Winne, Wader rc. Die zweiten sind zusammen' gesetzt mit den Silben: affa, aha, lar, loh, mar, tar. Lie Chatten sind die Gründer die,er Orte, deren Romen reichen bis zur insula Batavorum, bis nach Hannover, bis an die Mosel (Metz Made»). Wir begrüßen unter diesen ältesten Käuzen manche alle wohlbekannte Figuren, io Aschoff (Aschaffen bürg), Suhl (Suhl aha), Geismar, Hadamar, Themar, Weimar, Wismar, Hohenloh, Deist» (Oeis'lor), Fritzlar, Wetzlar rc.

Doch es war im dritten Jahrhundert, da einen sich die miltelrheinischen Stämme der Tubanten, Tenkterer und des Donauvolkes der Juthungen zum Bunde der Alemannen und ihre Schaaren erfüllten weit ab zur Rheinenge bet Bingen mit ihren bekannten Ortsnamen auf weilet, holen, ingen, ach, brunn, deuten, statten, wang, die rheinischen Gaue. Die chattischen Stämme hatten sich unterdessen unter dem Colleklivnamen Franken (---- Freie, ähnlich wie Älemannen-BundeSgenoffen; vgl. alamannida ---- Gemein­schaft) konzentrirt. In Bunde mit den falschen Franken drangen diese Oberfranken, wie sie Arnold richtig nennt, bis nach Trier und Metz vor, und nahmen das Moselland dauernd in Besitz. Sie sind die Gründer der zahllosen

rheinischen Dörfer uns Städte ans dach, dorfj feld, heim, hausen, scheid.

Die Burgunden wandern im fünstenzJahrhundert nach Sapaudia ( Savoyen), das Bindeglied zwischen Franken und Alemannen schwindet; es beginnt auf vargundtschem Boden die Concurrenz zwischen^ beiden Stämmen in der Ortsgründung, die schließlich e i Njblutiger Tag zu Gunsten der Kranken entscheidet. Jetzt dringen die fränkischen Namen und mit ihnen fränkisches Wesen vor bis zu Queich und Lauter unv bis zur Nagold und Remö. .Das halbe Decumatenland wird fränkisch. Die Zeit beginnt ' Die Bölkerflathen in feste Dämme einzufasfen die Haldnomaben werben zu Colonen; Die Wohnungen werben stänoig, die Sümpfe werden getrocknet, das Wasser erhält Abfluß. Mit dieser Aenderung.der Physiognomie deS Landes tritt auch eine Aenderung in der Benennung der Ansiedelungen ein. Wo früher mar ( Sumpf) und lar ( Zelt?) herrschte, illil jetzt born und heim aus. Der Name richtet sich nach oem Ort,

Mit dem Ausbau |im Stammland beginnt eine neue dritte Periode jder Ansiedelung. Das fränkische Element ließ den Gemeinfreien, der früher die Ansiedelungen zumeist gegründet zu Gunsten des Adels zurücktreten, und stolz gab der Ebeling dem aus seinem Bilang ( Umfriedigung hagan, hag) angelegten Orte seinen Namen. Die meisten Ortsnamen aus dieser der merowingischen Zeit ver­danken Personen den Stamm ihres Wortes. jZu den Namen dieser Periode gehören zuerst die aus jriasachen Personennamen gebildeten, wie Batten, Ketten, Muthen, Ratten, Schweben, Wahlen rc. An diese schließen sich die patronymischen auf ingen oder rangen: eine Bildung die bekanntlich als Die vornehmste in Bayern und Schwaben austritt. Nur 40 sanven sich davon in Hessen. Au sie reihen sich die Personennamen im Genetiv aus s, bei denen das Grundwort dorf, hausen, heim, rode weggesallen. Der Name der Person präponderirt allein. Dahin ge-