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Marburg, Sonntag, 27. August 1876.

xi. Jahrgang

gmergen nimmt entgegen: hie Expedition tz Blatte», sowie die Ännoncen-Bureaux um Th. Dietrich & So- in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; baasenstein & Bögler in iroitffurt a. M, Berlin, Leip­zig, Köln re; Rudolf Mofse jg Berlin, Frankfurt tu M. re.

MmhcWr Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Gqreditton d. Blatte» sowie bte Amwneen-Bureaux von 0. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schütz» (et in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Otfdjeint t Sgl t ch außer den Werktagen nach Sonn» und Ferertagen. PrerS für da» Quartal mit der wöchentlichen BeilagezLustrirteS Eonutaaüdlatt" durch die Srpedition (Koch'fche Buchdruckerer) bezogen 2^ Mark, durch bte Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr) JnfertionSgebühr^für bie gehaltene Seile 10 Pfg. Fürmber Sxpebition zu ertheilenbe Auskunft unb Annahme von Abreffen werben 35 Pfg. berechnet.

Mkllllllgkll Zeitung für den Monat September werden von allen Postanstalten, so­wie in Marlmrg von der Expedition angegommen.

P.Mfche Wochen - Ueterstcht.

Unser Kaiser hat mit dem Kronprinzen am 18. und 19. d. M. die Cavallerie Manöver bei Züllichau besichtigt, ist von den Ständen und Behörden der Provinz Posen in vowst glänzend empfangen worden und hat damit die dies­jährigen kaiserlichen Truppenbestchtigungen eröffnet. Der Kaiser gedenkt diesmal, gegen Ende September, den Herbst- 11 Übungen in Württemberg und im Elsaß persönlich anzu wohnen, und in Stuttgart werden bereit« am königlichen Schlosse, am Königsbau rc. Reparaturen vorgenommen, um für die festlichen Tage Alles in den schönsten Stand zu sehen. Fürst Bismarck empfängt unterdessen in seinem Barzin nach einander Besuche der deutschen Botschafter zu London, Rom und Petersburg. In Baiern finden die Mitglieder der ultramontanen Mehrheit der Abgeordneten­kammer gegenüber dem Anerkennung« Schreiben des Königs an die Minister ihre Lage einiger Maßen unbehaglich, und bie Heißsporne der Partei sinnen schon, ob sich nicht durch Nichterscheinen in der nächsten Session ein Wandel der Dinge möchte erzwingen lassen; der Gedanke aber ist «gesehen von der vorwaltenven ruhigeren Stimmung ihrer Warteigenoflen schon allein wegen des geringen Zahlen- »ergewichtS der ganzen Partei unausführbar. Im Fürsten um Lippe werden die Wahlen zu dem neuen Landtage Mrbereitet, dem die Regelung der Verfassung« Streitfragen Imd der Abschluß de« DersöhnungSwerke« obliegen wird. | Um über die Ausführung de» im Princ p schon fest »stellten Ausgleichs in der Handels- und Bankirage zwischen Desterrrich und Ungarn einig zu werden, hat vor acht tagen in Pesth eine Sitzung des Ministerralhs (tätige funben, zu welcher der Ministerpräsident Tisza und der Finanzminister Szell herbeigeeilt waren. Genaues über die Ergebnisse verlautet noch nicht, doch bestätigt die Wiener Zeitung, daß ein Entlassungsgesuch des ungarischen Han dtlSministerS Baron Simonyi angenommen, letzterer aber zur einstweiligen Fortführung der Geschäfte aufgefordert sei.

Die italienische Regierung hat den größten Theil ihrer Flotte aus den östlichen Gewäfiern des MittelmeerS jurückberusen und nur einige Stationsschiffe zmückgelafien. Böses Blut hat auf btt apenninischen Halbinsel die Be- gnadigung eine» berüchtigten camorristischen Mörders ge­mocht, der wegen Er t ordung eine» Polizei Inspektors im Jahre 1860 zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt worden war. Man hält solche übel angebrachte Milte nicht fit das geeignete Mittel, das zumal in Calabrien und Sidlien noch immer blühende Räuberwesen auszutreten.

General de Cifiey, welcher seit dem Jahre 1871 fast ununterbrochen das französische Kriegsministerium ge­leitet hat, ist gleich nach dem Schlüße der Kammersitzungen auf sein Ansuchen entlasten und durch den General Ber thaut, der für einen sehr fähigen Offizier gilt, ersetzt worden Ueber bte politische Meinung beS neuen Ministers weiß man bis jetzt nichts Bestimmtes, ba er Weber ber Depn- tirtenkammer, noch dem Senat angehört hat. In sehr ent­schiedener Weise haben inbeß bie betben Minister bes Innern und der öffentlichen Arbeiten, Marköre und Christophle, die streng republikanische Gesinnung der jetzigen Regierung auf einem landwirthschaftlichen Banket in Domfront aus» gesprochen. Am 20 August haben die Sitzungen der Ge- neralrälhe begonnen. Die Wahlen der Präsidenten der­selben sind meistens zu Gunsten der Republikaner ausge­fallen.

Eine echt spanische Hitze hält die Leiter deS Staates von Madrid fern; die Oede des politischen Lebens ist nur durch die Nachricht unterbrochen worden, daß Marfori wegen Veröffentlichung eine» das Ministerium beleidigenden Schriftstückes vor Gericht gestellt werden wird.

Nach dem Schluffe der Parlament-sesston ist in Eng­land die politische Stille noch stiller geworden. Vom Ministerium ist nur ber Bautenminister in Sonbon, ber sein Amt neu angetreten hat unb sich darum wohl baldigst zu orientiten wünscht; das diplomatische Corps ist aus Besuch bei befreundeten Gutsbesitzern oder aus Urlaubs reifen; die Königin hat sich von Edinburg, wo ste der Enthüllung einer Bildfäule des Prinzen Albert beigewohnt, in ihre GebirgSeinsamkeit zu Balmoral zurückgezogen.

Die Haupistadi Dänemarks hatte das Vergnügen, den Kaiser von Brasilien einige Tage hindurch bei sich zu Gaste zu haben. Obschon derselbe als Graf d'Slcantara reist und alle Aufme-kfamkeiten, bie man ihm erweisen möchte, geflissentlich bermetbet, konnte Bevölkerung und Prcffe doch nicht umhin, von seinem Besuche lebhafte Notiz zu nehmen. Im Tivoli wurde ihm zu Ehren bie brasi lianische Nationalhymne aufgespielt, bie er mit entblößtem Haupt anhötte; an ber Börse bringte man sich um ihn unb liefe, so lange er ba war, alle Geschäfte ruhen.

Der Kaiser von Rußlanv hat am 18. b. M den Geburtstag beS Kaisers von Oesterreich nicht nur durch Glückwunschdepeschen, sondern auch durch eine Festtafel be­gangen, bei welcher er vor der gejammten österreichischen Botschaft einen Toast auf das Wohl seines lieben Freundes unb Verbündeten ausbrachte. Die russische Preffe schwimmt dagegen in einem Fahrwasser, dessen Strömung tnS off.ne Meer de« Krieges führt. Golos prahlt mit der russischen Armee, die zur Zeit gegen eine Million tdegefertiger Truppen mit 2670 Geschützen zähle und, ohne die VolkS- wehr, bis auf 21/» Millionen gebracht werden könne.

Die türkische Armee unter Abdul Kerim Pascha hat sich nach 14iägiger Waffenruhe in Morawathal vorgeschoben

und bedrängt nun das serbische Heer mit voller Kraft. Seit dem 19. d. wird Tag für Tag um Alexinatz gekämpft. Die Divisionen Achmed Ejub'S und Ali Saib'S stehen auf beiden Seiten der Morawa in den von ihnen erstürmten Befestigungen vor der Stadt. Eine dritte Division hat einen kühnm Flankenmarfch übers Gebirge von Knjasche- watz her gemacht und sich zwischen Banja und Alexinatz hineingekeilt. Die Serben wehren sich verzweifelt unb haben bis jetzt tapfer Staub gehalten. Wenigstens heben bie Be­richte aus Konstantinopel und aus Belgrad sich gegenseitig auf. Die Türken wollen vorgedrungen fein, die Serben behaupten, den Angriff zurückgefchlagen zu haben. Ein entscheidender Schlag ist noch nicht erfolgt. In Belgrad schwankt die Stimmung täglich hin und her. Fürst Milan wäre schon geneigt, den Krieg abzuschliefeen, wenn nur die Bedingungen, unter denen bie Pforte barauf eingehen würbe, annehmbar wären. Die Vertreter ber Großmächte reben ihm unb RisticS gut zu, aber Beiben bäucht ber Apfel, in ben sie beißen sollen, noch gar zu sauer. Tschernojeff be­steht auf Fortsetzung bes Kampfes unb bie omladinischen Minister, namentlich @tuc, desgleichen. Russische Ein­flüße scheinen diesem Starrsinn nicht fremd zu fein. Mehr und mehr haben russische Offiziere sich in die serbische Armee eingebrfingt unb die Führung übernommen. Rußlands mächtiger Arm, hofft man, wird die tapfere Nation im Falle einer Niederlage nicht nur vor dem Untergange, son­dern auch vor der Demüthigung schützen, welche sie jetzt bei voreiligem Friedensangebot unter den Augen ber dienst­willigen, ober schließlich doch nur bedauernd zusehenden Großmächte zu erdulden haben würde. Serbien will auf den Stand, wie er vor dem Kriege war, zurückkehren, al« wenn in ben letzten Monaten durchaus nicht« vorgekommen wäre. Die Pfort« bagegen will ben Aufruhr nicht unge­straft {offen unb von bet Fortdauer des früheren Verhält- niffe« nicht« mehr wißen.

Lagebericht.

Wie man un» au« Pari« meldet, wird Fürst Hohenlohe der erst vor einigen Tagen dort angelangt ist neuer« ding« vom 10. September bi« 10. Oktober Urlaub nehmen. In ganz verkehrter Weise wird die neuerliche Abreise de» Botschafter« mit politischen Komplikationen in Verbindung gebracht.

E« verlautet in sonst gutunterrichteten Kreisen, daß die deutsche ReichSregieru.-g sich für die Betheiligung der Pariser Weltausstellung von 1878 definitiv entschieden hat. Die Prästdentschaft der deutschen Sektion soll nach derselben Quelle Prinz Friedrich Carl übernehmen.

Kürzlich zirkulirte in deutschen und französischen LlLttern die Nachricht, der Kronprinz und die Kronprinzesstu de«

aus die Leiche zu. Wie Ktndergeweine nach der Mutter

Sie nur kann ihn recht beklagen, sie ist fein ManneSgemahl, ber er ewige Eibe schwur. Lange blickt ste auf beS Tobten Angesicht, dann läßt ste ihm einen Scheiterhaufen am Rhein

schichte seiner Jugenb, unb nachdem Hagen ihm ein Kraut in ben Trank gemischt, auch, wie er Biünnhilce gewann, ba fliegen zwei Raben auf. Siegfried, dem die Vergan­genheit wieder hell wurde, blickt ihnen nach und Hagen stößt ihm den Speer in den Rücken. Mit einem Liebes- unb Schmerzensrufe an Brünnhilde verschei­det er. Im MondeSglanze tragen bie Mannen ben Leichnam feierlich über die Felsenhöhe davon. Gut­

rune steht ben Zug kommen unb geht ihrem Gatten: entgegen, dessen Horn sie zu hören meint. Hagen sagt ihr! .Der bleiche Held, nicht bläst er'S mehr; nicht stürmt er

Die Bayreuther Dühuenfpiele

Götterdämmerung.

(Schluß.»

errichten und Grane, bas Roß, herführen unb beginnt bie Klage.Rechter als er schwur keiner Eide; treuer als er liebte kein Andrer. Und doch alle Eide, alle Verträge, die treueste Liebe trotz keiner nie er. Wißt Ihr, wie das ward? O ihr, der Eide heilige Hüter, lenkt euren Blick auf mein blühendes Leid, erschaut eure ewige Schuld . . Mein Erbe nun nehm' ich zu eigen. (Den Ring Siegfrieds an ihren Finger steckend ) Ve>fluchter Reif I Dein Gold lafe* ich und geb' es nun fortl Das Feuer das mich ver­brennt , reinge den Ring vom Fluch l . . . Der Götter Ende dämmert nun auf. So wen' ich d»n Brand in Walhalls prangende Burg . . . Grane, mein Roß, fei mir gegrüßt! Weißt Du, Freund, wohin ich Dich führe? Jrn Feuer leuchtend liegt dort Dein Heer, Siegfried, mein seliger Held . . . Heia ho, Grane! Grüße den Freund! Siegfried, Siegfried, felig gilt Dir mein ©rufe!" Sie springt in den Scheiterhaufen. Der Rhein tritt auS den Ufern und die Rheintöchter schwimmen heibei. Hagen stürzt stch ihnen mit dem Rufe entgegen:Zurück vom Ringel' Floßhitde aber hält diesen jubelnd in die Höhe, indcfe ihre Schwestern Hagen in die Tiefe ziehen. In gluthrothem Scheine dämmert am Himmel von fern her da- Ende der alten Gitterwelt h«r.

Hagen sitzt in ber Rächt schlasenb vor ber Halle ber Tibichungen; Alberich hat stch zwischen seine Knie gepreßt >nd blickt zu ihm auf:Schläfst Du Hagen, mein Sohn?'

Ich höre Dich, schlimmer Albe.' Nun reizt er ihn an, ben Reif stch zu erringen, damit er die Welt durch v erbe. Dann verschwindet er. ES ist Tag geworden and Siegfried, der Gunther und Brünnhilde vorangeeilt ist, f tritt aus unb erzählt Gutrune, wie er bem Bruder ba« gewann. Hagen ruft nur. bie GiebichSmannen zu vuf, die zum Streit sich gerufen wähnen, aber in luftige H^fen ausbrechen, ba ste vernehmen, es solle Hochzeit Weiert werben. Gunther kommt an und Brünnhilde folgt !9® traurig; voll Entsetzen erblickt ste Siegfried unb an wner Hand ben Ring. Gunther hatte ihn ihr entrißen, st, wähnte. Nun wirb ihr Alle« klar.Wißet denn ^ue, nicht Gunther, bem Siegfrieb bin ich vermählt!' Er HrT ste ber Lüge, sie fchaört, baß sie fein Weib gewesen . Siegfrieb betheuert, baß er bcS Bruders Ehre nicht j^Etzt unb sein Weib nicht gefreit habe. Brünnhilde wirft

Meineid vor. Er nimmt eS für Weibergikeii, schlingt ®utrune ben Arm unb sortiert bie Mannen auf, ihm ®it ®'°^en Hoheit zu folgen. Da schließt Brünnhilde

Gunther und Hagen einen Rachebund.Dich verriethn>tr uicmjc ^iv, »»» v-, «»w» »rurmt er

» Gunther, und mich verrleihct ihr Alle! Wär ich ge -|jum Jagen, zum Streift nicht mehr, noch wirbt er um alles Blut ber Weit büßte mir nicht eure Schuld wonnige Frauen I Sie bringen wilden Ebers Beute:

wNnen Tob taugt mir für Alle. Siedfried falle, Siegfrieb, Deinen totten Mann!' Trotzig bekennt er sich

gv,®m1' unb euch!' Sv spricht fein rechtes zum Morbe unb fordert ben Reif als heilige« Beuterecht.

Brünnhilde. Mit Gunther ruft sie Wotan al« Als ihn Gunther für sich verlangt, erschlägt ihn jener unb

Eideshort an, indiß Hagen ben Nibelungenherrn anruft, will ben Ring von Siegfried« Finger ziehen. Drohend

Der Hochzcitszug kommt aus der Halle und wendet stch hebt der Tobte die Hanb empor unb Alles schreit laut auf.

ben Weihsteine>r zu, wo bie Opfer gebracht werben unb bie Da schreitet au« dem Hindergrunde feierlich Brünnhilde

Vermählung ftattfindet. auf bie Leiche zu. Wie Ktndergeweine nach ber Mutter

Zm wi den Felfemhale am Rheine hört man bie Klage erscheint ihr bie Klage, nicht beS hehrsten Helden werth. ber Rheintöchter um ihren mrlorenen Schatz. Siegfrieb naht ~ " - - - - - -

sich dem Ufer unb sie bitten ihn um den Ring. Von ihnen erfährt er, baß er zu seinem Wehe ihn wahre.Wie den Wurm Du fälltest, so fällst auch Du u b heute noch, tauschtest ben Ring Du uns nicht, im tiefsten Rhein ihn zu bergen. Rur seine Fluch sühnet ben Fluch." Ich geb ihn euch, gönnt ihr mir Lust. Doch bedroht ihr mir Leben unb Leib, fafete er nicht eines Fingers Werth, den Reff entringt ihr mit nicht." Gunther mit seiner Jagdgesellschaft findet stch herzu, man lagert sich und Ha­gen fordert Siegfried auf, zu singen. Er erzählt die Ge-