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Marburg, Freitag, 25. August 1876.

XI. Jahrgang

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trägt, in Preußen allein 1,200,000 neue Arbeitskräfte, die

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Aar Kennzeichnung de- Aktien - Gründ»,rg- wefe«-.

Die Bayreuther Bühnenspiele.

Siegfried.

(Fortsetzung).

Ein wolkenloser Himmel und eine wagenleerr Stadt I DaS tst'S, worüber > ir täglich zu klagen haben. So groß hatte man sich den Andrang des Publikums doch nicht vor- gestellt, und nun die Taufende von Menschen hier vereinigt sind, kann man — so viel auch zu ihrer Bequemlichkeit geschehen ist — doch nicht alle ihre Wünsche erfüllen. Und das beeinträchtigt den Genuß am Feste ein wenig. Wer

Na gute Nacht, Mutter, und seid bedankt für den schönen Kaffee."

„Und Ihr für die Geschichte."

„Nicht llrsach."

Sie leuchtete ihm, gebeugt über da» Treppengeländer, die gebrechliche Stiege hinab. Draußen heulte der Nacht, wind und verlöschte bas Licht, da Fritz, der Enkelsohn, eben die HauSthür öffnete.

Die Alte schaut schauerte und schlüpfte, so schnell ste konnte, in die warme Stube zurück, um die Kerze auf'S Neue zu entzünden.

Der Wind, der sich plötzlich erhoben hatte, brauste um das einsam gelegene Gehöft — es war derselbe Sturm­hauch, der die Epheuranken bewegte auf dem mit marmor­nem Denkmal geschmückten Grabe Selma'S von FriedrichS- felden, deffen goldene Inschrift ihr Andenken der Nachwelt wenigstens eine Spanne Zeit erhält — und dahinstrich über dem kahlen Hügel, unter dem die sterbliche Hülle Johannes Hageu's zu Staub zerfiel — bedeckt vom Staube der Vergeffenheit.

Dachte die alte Frau daran — wer weiß es? ste fetzte sich still in den Lehnstuhl, faltete die welken Hände und betete leise ein Vaterunser für „die xitmen Seelen."

ragesdertchr.

Der Kaiser empfing in Berlin den von Petersburg eingetroffenen deutschen Botschafter General v. Schweinitz. — Der Botschafter am britischen Hofe ist Abends von Larzin zurückgekehrt. — Der Botschafter in Rom Hr. v. Keudell, ist in Berlin eingetroffen und geht demnächst nach Barzin. — Der „Prov.-Corresp." zufolge beginnt die En­quete über das Patent-Wesen am 29. August.

Die Berichte über die Barbareien der Türken in Bul­garien mehren sich; einer übertrifft den anderen in der Schilderung der grauenhaften Art, wie die türkischen SLaaren die unglückliche Provinz heimgesucht haben. So veröffentlicht „Daily News" einen Bries von ihrem Special- Correspondenten in Bulgarien, welcher die Schauplätze der türkischen Greuelthaten besuchte. Der Brief ist auS PhilippopoiiS, 28. Juli, datirt. Es heißt darin u. A.: „Herr Baring wird, wie ich unterrichtet werde, berichten, daß in den Distrikten von Philippopolis und Tatar Ba- zardjil herum allein ungefähr 50 Häuser niedergebrannt wurden, ohne diejenigen zu zählen, die nur geplündert worden sind, und daß nahezu 15,000 Menschen hinge­schlachtet wurden. Dies ist die niedrigste Schätzung und sie umfaßt nicht die Distrikte um Sofia herum, sowie die nördlich vom Balkan gelegenen. Der französische und der russische Konsul, sowie die Eisenbahnbeamlen geben viel höhere Ziffer an und veranschlagen die Zahl der nieder- gebrannten Dörfer auf über 100 und die Zahl der Ge- tödteten auf über 25,000 bis 40,000. Es giebt Leute, welche die Zahl der Getöbteten auf 100,000 angeben. Der griechische Konsul der den Bulgaren nicht hold ist, erzählt mir von 120,000 unglücklichen Frauen und Kin­dern, die nach Tatar Bazardzik getrieben wurden und von denen fast alle die ruchloseste Behandlung zu erleiden hatte. Er erzählt mir von bulgarischen Vätern, die ihre

theiligt. In beiden Fällen mußte er das ihm gewordene Kapital nutzbar zu machen suchen, was zuletzt nur durch neue produktive Arbeit geschehen konnte. Kein Wunder also, daß eine riesige Nachfrage nach Arbeitskräften, eine nie dagewesene Lohnstelgerung entstand. Hätte man für die höheren Löhne beffere, mehr schaffende Kräfte als die bisherigen erlangt, so wären die Arbeitsleistungen allerdings nicht so gesunken, wie eS jetzt beklagt wird; allein eine Neutralität wäre trotzdem kaum erzielt worden; die dann eingetretene Ueberproduktion der GebrauchSwerthe hätte ste nothwendig vernichtet." (Pr.-Corresp.)

Ohne Seiest.

Eine Erzählung von W. S.

(Schluß).

Und den Tag eh' er gestorben ist, hat er sich noch einmal aufgerappelt und ist an den Ofen gekrochen, und hat von den ganzen Schreibereien ein Feuer angemacht, und wie die Frau kommt und sieht das, und denkt: er ist etwa schon wirr im Kopfe, wie'S oft kommt direkt vorm Ende, — da sagt er: Ich hab' der Welt kein Licht auf stecken können, und bin mein Lebtag unterm Scheffel ge­blieben, jetzt leuchtet mein Geist für mich als Flamme aus. Ach könnt' ich mich mit ihm ausschwingen und auf- Ibsen in die Unendlichkeit!

Und da hat er die Arme zum Himmel gehoben und stckl hoch aufgerichtet, aber er ist schon zu schwach Skwesen, und ist getaumelt, und ste haben ihn auf sein Bett belegt und da ist er still geworden und hat bloS immer "ach dem Ofen hingesehcn, und wie die Funken sind erloschen — da hat er die Augen zugemacht. —

Und sie geht in ihre Stube denn eS war schon spät, and weil sie müde ist, legt ste sich auch hin denn er schläft <a, denkt ste, und Waffer hat er dastehen und wenn er ®88 braucht, wird er schon rusen.

Aber denkt Euch, Mutter Walthern, das waren seine «tzten Worte gewesen, sie hat ste sich nachgehens aufnotirt, brvn wie ste aufwacht in der Nacht und spricht: du wirst v°l nach ihm seh'n und geht in die Kammer, — da liegt ""och so da wie vorher — aber ist tobt und schon "l«alt. Wer weiß, wenn er gestorben ist, kann sein v<iib."

Dir Alte trocknete sich die Augen. „Aber eins ver- «undrrt mich doch," Hub sie darauf an, als der Gevatter Ichwwg, „daß nicht mal die Schusterfrau, die'S doch noch M zu ihm gemeint hat, mit zu Grabe gegangen ist, so

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Zeitung für den Monat September werden von allen Postanstalten, so­wie in Marburg von der Expedition angegommen.

Gesetzes vom 11. Juni 1870 sich wesentlich von denjenigen nach dieser Zeit darin unterscheiden, daß bei jenen das produktive Unternehmen, bei diesen aber lediglich die Grün­dung oder Finanzirung, wie man die Akticnkapital-Auf- und Unterbringung nannte, Zweck war. Mit diesem Unter­schiede ist gleichzeitig angedeutet, daß und warum vor dem 11. Juni 1870 Umwandlungen bestehender Privatunter­nehmungon physischer Peisonen in Aktienunternehmungen höchst selten statlfanden, während nach dem 11. Juni 1870 solche Unwandlungen die Regel wurden. DaS Gründen war viel leichter, ging schneller und lohnte wenigstens an­fangs auch bester. Kein Tag verstrich in den Jahren 1871 und 1872, an welchem nicht fast fämwtliche Tagesblätter mit auffallend gedruckten und glänzende Schilderungen ent haltenen Prospekten beschwert waren. Ja, die Gründer bestürmten nicht allein die Inhaber industri ller Etabliste- menls mit Anträgen aus Verkauf und Umandlung derselben in Aktiengesellschaften, sondern ste machten sich bet hierzu vorzugsweise geeigneten Unternehmungen auch ziemlich scharfe Konkurrenz, so daß die Preise solcher Gründungsobjekte rasch ansehnlich in die Höhe gingen."

Der Verfaster stellt nun fest, daß in dieser Erscheinung eine doppelte Ueberproduktion zu Tage trat: Erstlich eine Ueberproduktion neuer Unternehmungen und zweitens eine Ueberproduktion neuer beweglicher Werthe oder Werthzeichen, d. h. Aktien. Die Folgen einer solchen Ueberproduktion konnten nicht auSbleiben. Der Verfaster zeigt, daß man diese Folge» nicht an erster Stelle und bei den Gründungen vielfach vorgekommenen Leichtfertigkeiten, Unredlichkeiten und Betrügereien zuzuschreiben hat. Der Hauptgrund der Leiden und wirthschastlichen Uebelstände, welche bald hcrvortreten sollten, lag in der Ueberproduktion selbst. Ja dieser Be­ziehung sagt der Verfaster: „Es war nicht möglich und wird nie möglich sein, in der kurzen Zeit von zwei bis drei Jahren, und noch dazu nachdem nur wenige Monate vorher eine Menge durch den Krieg hingeraffter und er­werbsunfähig gewordener Männer der Produktion entristen worden sind, so viel Hände zu finden, daß sie neu zuge­führte 1480 Millionen Thaler nutzbringend werden lasten könnten. Dazu gehören, wenn man annimmt, daß der von einem normalen Arbeiter in einem Durchschnittsjahre zu schaffende mittlere Produktionswerth etwa 1200 Thlr. be-

daß Ihr ihn habt rauSfahren wüsten, wie einen tobten Hunt», ohne Geleit."

HauSke lachte. „Ja, baS hatte feine zwei Grünbe. Ich kam'S ihr ja ansagen den Tag vorher, wann wir ihn holten. Aber zum ersten hatte sie noch brei Paar Schuhe zum Einfasten, unb die mußte ihr Junge noch ahtragen, sonst hätten ste nichts gehabt zum Sonntag, und die Zinse sollte auch noch bezahlt werden und zum Zweiten hatte sie nicht mal einen ordentlichen Rock anzuziehen, und einen Kranz hätt' sie doch auch noch kaufen müssen!

'S war ihr wohl drum, und sie beging's recht aber der Mann meinte: Dummes Zeug, was nutzt das Alles. Davon hat er nichts mehr. Hast ihm ja angethan, was recht war, weil er noch lebte, das war bester, und dabei blieb'S und recht hatte er eigentlich."

Die Großmutter schüttelte den Kopf. Sie hatte an­dere Ansichten über diesen Punkt, wollte sie aber nicht äußern, denn eS war spät geworden, und sie war müde.

DaS merkte auch der Gevatter und stand auf. „Na, hat man wieder EinS geplaudert, 's ist schon spät und morgen heißt'S zeitig raus, denn 'S ist eine dran, die soll bald nach Sonnenuntergang fort. Sie haben ste vor fünf Tagen aus dem Stadt'Graben gezogen, die kommt in ’ne Ecke"

„Und sie ist reingesprungen in'S Master?"

„Na, reingefallen oder reingesprungen, wer weis eS? bei der kommt'S auf Eins raus."

„Ach wohl,, wegen Einem?" —

Der Mann lachte wieder. „Nein, die nicht. 'S ist ein altes liederliches Weibsbild, sie wird wohl in der Be- svffenheit reingefallen fein. Die Wächter haben ihr vor drei Wochen schon mal rauSgcholfen, dasmal kamen sie zu spät, was läuft sie auch an den Graben, wenn ste waS im Kopfe hat, kein Schade ist'S nicht um die.

mutigen nimmt entgegen: He Sxpebitton d. Blatte», loste die Annoncen-Bureaux Nn Th. Dietrich & Co- in goßet und Hannover; Th- pietrich in Frantfurt a. M-; hoafenftein & Vogler in Santfurt a. M, Berlin, Leip- °ii Köln ic; Rudolf Moste Wertin, Frankfurt a. M. ic.

zu überlasten." Weiterhin äußert sich der Verfaster übers Denn entweder zog sich der frühere Besitzer aus dem Ge­ben neuen Charakter der Aktienunternehmungen noch fol sschäft mit dem Kaufpreis zurück oder er blieb dabei be- genbeemaß -n: „Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß .....

die Gründungen von Aktiengesellschaften vor Erlaß deS

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS EonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2fc Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalideudank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Unter dem Titel: „Die erwerbsthätigen juristischen Per- |(onen im preußischen Staate, insbesondere die Akticngesell ' Mafien", findet sich in der Zeitschrift des Königlichen Statistischen Bureaus, Heft IV, Jahrgang 1875, aus der Feder deS Herausgebers Dr. Engel eine Abhandlung, welche einen überaus wichtigen und reichen Stoff in durchdachter unb belehrenber Weife verarbeitet. In dem zweiten Theil ,!de» Aufsatzes behandelt der eiste Unterabschnitt die unter s' bem Namen „Gründungen" bekannt und sür das wirth- "schaftliche Leben so verhängnißvoll gewordenen Unterneh toi mnngen. Der Verfaster weist zunächst auf die Neuheit innb Plötzlichkeit der Erscheinung hin und erläutert die § I Überraschende Ausdehnung der Aklien-Umernehmungen durch o ® sine Reihe von Tabellen, in welchen Zahl und Zweck der d R in Preußen errichteten Aktiengesellschaften vorgesührl werden.

*£>a zeigt sich denn, daß in der Zeit bis zum 30. Juni - 11870 410 Gesellschaften mit 1,026,172,455 Thlr. Aktien § I Kapital inS Leben gerufen wurden, in den 41/2 Jahren *2 8 Mm 1. Juli 1870 bis zum Ende 1874 dagegen 1857 L Gesellschaften mit 1,429,925,925 Thlr. Aktienkapital. Diese A »Ziffer bezeugt hinlänglich die plötzliche Ausdehnung der w \ Aktienunternehmungen. Der Verfaster beleuchtet ferner den

* neuen Charakter der Aktienunternehmungen seit Juli 1870 Ä " tm Verhältniß zu den früheren, der Form nach gleichartigen o-S Unternehmungen. ES ist unmöglich, dabei den zeitlichen s Zusammenhang zu übersehen zwischen dem Gesetz vom 11. c Zuni 1870, welche» das Erforderniß der staatlichen Ge- nehmignng der Aktiengesellschaften im preußischen Staat aushob, und dem veränderten Charakter der seitvem hervor- getretenen Unternehmungen. Diesen neuen Charakter bc- 8 8 zeichnet der Verfaster folgendermaßen: „Bis dahin war JO die Errichtung von Aktiengesellschaften fast ohne Ausnahme . § frmtt Mittel zum Zwecke, und zwar zum Zweck einer pro- > e zj'buktiven gewerblichen ober kommerziellen Unternehmung; I ut »foon ba ab hingegen wird die Errichtung Selbstzweck in- j «Mvfern, als eS sich für die Unternehmer in der großen -^—' Mehrzahl der Fälle, wenn nicht lediglich, jedoch vorwiegend darum handelt, bereits vorhandene Werthobjekte in ideelle

I Amheile, Aktien, zu zerlegen, d. h. zu mobilistren, hierbeij nicht vorhanden warm. Man kann nicht entgegenstellen, lukrative Geschäfte zu machen, im Uebrigen aber, sobald ldaß eS für die in Aktienunternehmungen umgewandelten -da- Geschäft gemacht, die neue Gesellschaft ihrem Schicksal IPrivatunternehmungen keiner neuen Kräfte bedurft hätte.