Marburg, Donnerstag, 24. August 1876
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Bestem Bernehmen nach bereiten sich io den Beziehungen zwischen China und auswärtigen Mächten wichtige Lenderungen vor. Die Cabinete von Deutschland, England und Frankreich haben stch dahin verständigt, die Umarbeitung der bestehenden Verträge, insbesondere aber feste Garantien für die Sicherheit der in China lebenden Frem den zu verlangen. Die Verhandlungen über diesen Gegen-
Bekanntlich besteht in Frankreich eine sogenannte „of- ficitzjr Taxe", welche di« Preise der Hauptlebensmittel als Srod und Fleisch kontrolirt, im Gegensätze zu der srüher üblichen „osficiellen Taxe", welche den Bäckern und Metzgern bi« Preise vorschreibt. Die officiöse Taxe besteht eigentlich «r in einer Angabe dar Preise, welche durch die Preise der Rohprodukte, drS Viehs gerechtfertigt ist. Dies hat stch jedoch als unzureichend erwiesen und hat stch deshalb ter Maire von Montpellier entschlossen, eine — wie wir glauben, sehr populäre Reaktion — herbeizuführen. Durch Entschließung vom 2. d. hat derselbe die vsficielle Brod- taxe wieder eingefüht, weil die osficiöse Taxe niLt die Resultate ergeben hat, welche man erhofft hatte und weil
Kerim Pascha erneuerten gestern den Angriff auf die bet Teschitza concentrirten Serben. Wiederholte Angriffe der Türken wurden abgeschlagen, ein Flügel der serbischen Truppen hatte sogar einen partiellen Erfolg und ging zur Offensive über. Das Gefecht dauerte bis 6 Uhr Nachmittags an. Heute früh fand ein neuer Kampf gegen die Hauptstellung Tfchernajeff'ö bei Alexinatz statt. Eine größere Schlacht wird erwartet. Auch an der Drina und am Jbar ergriffen die Türken die Offensive, aber bisher erfolglos.
Belgrad, 22. August. (Amtliche Meldung.) Die serbische Armee unter dem Kommando von Horvatovic'S, hat gestern Knjasewatz wieder eingenommen und Tresstbaba besetzt.
Wien, 22. August. AuS bester Quelle verlautet, daß die Großmächte in keinem Falle türkisches Besatzungsrecht in den serbischen Festungen zulassen werden. Nach dem „Pestet Lloyd" sind die FriedenSauSflchten wesentlich gesteigert.
Belgrad, 21. August. Wegen Krankheit der Fürstin unterbleibt bei dem morgigen Geburtsfest der Fürstin jede Feierlichkeit. — Die FriedenSthäligkcit der Cosuln wird erfolgreich werden, sobald die übertriebenen Forderungen der Pforte durch die Großmächte beschränkt sind. — Vom KriegSlheater wird die Fortdauer des Kampfes bei Supovac gemeldet. Gerüchtweise verlautet, daß der gestrige Tag den Türken günstig war. — Das Moratorium ist um 3 Monate verlängert. Viele zahlen freiwillig, um ihren Credit unverletzt zu erhalten. — „Jstok" verzeichnet das unglaubliche Gerücht, daß 700 Waggons russische Soldaten für Serbien unterwegs seien.
Ohne Geleit.
Eine Erzählung von W. E.
(Fortsetzung.)
Aber da« war Alles ganz egal; sie hat stch in die haare geriffen und auf die Diele geworfen und geschrieen, daß eö gar nicht ist zum Anhören gewesen und Alle erbarmt hat. Wie mtr'S aber die Susanne erzählte, da hab' ich gesagt: Siehst du, daS hat sie um den Hagen verdient, und jetzt weiß ich auch, was der gemurmelt hat dazumal, wie er die Hand hat aufgehoben; er hat ihr was ange wünscht und jetzo tst'S wahr geworden, und sie wird nun wiffen, wie'S thut, wenn Jemand Einem das Herz heraus nimmt und vor die Füße wirft.
Und wie ich sie hernach hab' so blaß am Fenster stehen sch'n und ganz mager im Gesichte, mit den großen Augen Mb verwirrten Haaren, wär' mir'S doch bald wieder leid am sie gewesen. Aber ich hab' an den Hagen gedacht und «ich vertröstet damit, daß tfl doch noch rechtschaffen in der Veit hergeht, da sie jetzt ihre Auözahle gekriegt hat für ihn, wie ich aber in den Stall komme und sehe meine Pferde und denke, daß eS die letzte Nacht ist, daß wir beisammen sind, setze ich mich halt auf den Futterkasten und fange an zu flennen, daß mich der Bock stößt, denn ws« konnten die unschuldigen Thiere dafür, wenn sie auch die Schuld hatte."
. »Und habt Ihr nichts «etter von dem Hagen gehört?" fragte die Alte.
»Ja einmal, 'S konnten so en sieben Jahr und d'rüber Ws, daß er ist damals fortgelausen, und die Gnädige war tobt und begraben (denn sie hat'S nicht lange gemacht her- Uach und verfiel zusehends), gehe ich mit der Susanne vor «t Stadt, denn eö «ar Sonntag, und ste «ar damals W« miserabel und bet Doktor hatte gemeint, ste möchte
ragesbericht
Nach einem in Berlin unterm 22. d. M. eingelaufenen Telegramm aus Salonicht vom 22. August hat daselbst TagS vorher die Degradation der wegen ihres Verhaltens bei dem Morde der Consuln verurtheilten türkischen Offiziere stattgefunden, auch sind die verabredeten osficiellen Begrüßungen auSgetauscht worden. Contre-Admiral Bätsch beab- fittigt morgen mit den Panzer-Schiffen „Kaiser" und „Deutschland" die Rückfahrt nach Deutschland anzutreten.
In berliner amtlichen Kreisen ist bis jetzt keine Meldung eingelangt, daß englische Offiziere den deutschen Herbstmanövern beiwohnen werden. Es ist demnach auch uvch abzuwarten, ob die Nachricht, daß Lord Napier os Magdala den Manöver« beiwohnen werde, stch bestätigt.
Wie wir auS Rom ersahren, werden Oberst Corsi und Hauptmann Riva Palazzi den großen Kavalleriemanövern beiwohnen, welche diesen Herbst in Gegenwart des Kaisers Wilhelm In Deutschland stattfinden werden.
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Anzeigen nimmt entgegen : die Spedition d. Blatte» sowie du Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt <u M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendonk, A. Rete- meper in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
gen nimmt entgegen: pedition b. Blatte», fasit die Annoncen-Bureaux Th. Dietrich & Co. in ffiflel und Hannover; Th. strich in Frankfurt a. M ; naafenftein & Vogler in fcaitffurt a. M^Berlm, Leip- 27 Cöln k ; Rudolf Moste j, Berlin, Frankfurt a. M. re.
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Deutsches Reich.
— Berlin, 22. Aug. Auf Grund einer zuverlässigen Kundgebung können wir Folgendes bettchten: Die Arbeiten zur Herstellung des deutschen CivilgesetzbucheS nehmen einen schnelleren Fortgang als man bei Beginn derselben vorauü- setzen zu dürfen glaubte, waö namentlich dem zur Anwendung gelangten Systeme der ArbeitSvertheilung zuzuschreiben ist. Da jedoch bei der vorliegenden Arbeit, die Wirkung der neuen Justizgesetze jedenfalls zu berücksichtigen ist, so muß trotz der hervorgehobenen Thatsachen konstalirt werden, daß die Einführung des CivilgesetzbucheS schon sür 1881 oder 1882 in Aussicht genommen werden kann. — Nach einer officiösen Kundgebung sind die Bedenken, welche stch dem Plane einer Umwandlung der Spiritussteuer in eine Fabriksteuer entgegen stellen, um so schwerer zu beseitigen, als der fragliche Schritt — falls er nicht von den beabo stchtigten Erfolgen begleitet wäre — stch nur schwer repa» riren ließe. Vorläufig ist einem cvmpetmten Fachgelehrten von dem Reichskanzleramte der Auftrag ertheilt worden, Dem hat er Recht gehabt: daß der Halm stch von selber nicht mehr aufricht, der einmal zertreten ist — und zertreten war was in ihm.
Er hat Stunden gegeben für ein paar Groschen, und armer Leute Kinder sür ein Gotteslohn; dann hat er auch zum Abschreiben gekriegt, und davon hat er gelebt.
Viel gebraucht hat er nie, und auf Kleidung hielt er hernach auch nichts mehr, denn er ist nur Abends auSge- gangen, und darum haben ihn die Leute den verrückten Schreiber geheißen, denn er hatte so was Scheues und schlug die Augen immer zur Erde, wenn ihn Jemand d'rauf ansah.
Ich glaub'S nun nicht, daß er verrückt geworden ist, denn ganz richtig war'S eigentlich nie mit ihm, und einen Sparren hat er immer zu viel oder zu wenig gehabt.
Die letzten Jahre hat er bei einem armen Schufler gewohnt, in den Hinterhäusern vor der Gartenstraße, in einem gar finstern Winkel — von daher haben wir ihn abgeholt.
Und er soll sehr menschenfeindlich geworden sein, sagte die Frau, und manchmal sonderbare Reden geführt haben, aber trotzdem haben ihn die Leute gerne gemocht, denn gegen die Armen ist er gut gewesen und hat den letzten Biffen getheilt, ob er auch selbst, und wie ost, nur trocken Brot gehabt hat. Denn wie'S so hat angefangen mit seiner Lunge, hat er die Stunden auch nicht mehr halten können, denn der Husten hat ihm zugesetzt. Da ist eben bloS noch mit dem bischen Abschreiben was eingekommen, und da« hat oft nicht gelangt auf trock'ne Kartoffeln, und hätte doch eine and're Kost nöthig gehabt, der arme Mensch l
Der Dvctor hal'S auch gemeint, daß er noch bitt’ zehn Jahre leben können bei ordentlicher Pflege und gutem Effen — na, was hält' er auch groß gehabt, da war'S wohl bester so.
fiechtu ,Die Pariser „Patrie" schreibt: „Die Stadt Berlin ist autorisirt worden, ein Anlehen von 30 Millonm Mark ^zu kontrahirrn. Wir sind ungeduldig, die Ziffern zu erfahren, welche diese Anleihe abwersm wird nm dieselben mit den Ziffern der letzten pariser Stadtanleihe zu ver- :$6un gleichen.
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von einer großen Anzahl von Bäckern das Brod zu einem Preise verkauft wird, welcher mit den Getreidepreisen in keinem Verhältniß steht.
Am 5. September wird in St. Petersburg der dritte internationale Kongreß der Orientalisten stattfinden.
Mit dem Datum vom 20. August ging folgendes Telegramm durch die Blätter: Das „Journal de St. PeterS- bourg" erfährt auS authentischer Quelle: Rumänien habe der Schweiz mitgetheilt, daß die Pforte der Absendung der SanitätSambulanz aus Rumänien auf den Kriegsschauplatz entgegentrete. Rumänien könne daher keine Garantie für die Sicherheit der Ambulanz üben ehmen, da die Türkei ihre Truppen nie über die Verpflichtungen betreffs deö rothen Kreuzes instrnirt habe." W r wollen darauf Hinweisen, daß wir bereits am 9. August in der Lage waren über den fraglichen Vorfall genaue Angaben zu machen und gleichzeitig zu berichten, daß die rumänische Regierung von demselben die Signatarmächte der Genfer Konvention verständigt hat.
Telegraphisch sind folgende Nachrichten au» dem Orient eingegangen:
Ni sch, 20. Aug. (Amtliche Meldung.) Die Türken haben den im Gebirge bei Alexinatz concentrirten serbischen Truppen eine gänzliche Niederlage beigebracht und die Stellungen und Befestigungen derselben genommen; die Verluste der Serben find beträchtlich.
Cettinje, 21. Aug., Abends. Vorgestern haben die Montenegriner unter Marco Miljanoff die Türken in Selistic angegriffen, dieses Dorf erobert und 45 Albanesen zu Gefangenen gemacht.
Belgrad, 21. Aug., Nachts. Officiell wird berichtet: Die Konstantinopeler osficiellen Telegramme vom 20. Ang. sind unrichtig. Der Uebergang über die Morawa fand in Marmor, aber aus türkischem Gebiete statt. Die türkische Armee, die am ersten Tage vollständig zurückgeschlagen worden, rückte am zweiten Tage bis nahe au die serbische Grenze vor, wurde jedoch heute Morgen von den Serben angegriffen und neuerdings zurückgeworfen. Nachmittags ergriffen die Türken abermals die Offensive, jedoch wieder ohne Erfolg. Ungeachtet dreitägiger Kämpfe und obwohl der Feind 40,000 Mann stark war, konnte ihm nicht einmal die Annäherung an die Befestigungswerke von Alexinatz gelingen, und erreichte er kein anderes Resultat, als daß er die christlichen Dörfer auf türkischem und serbischem Gebiete in Brand steckte, was eine von der Operation nicht gebotene vollständig unnütze Barbarei ist. Die türkische Nachricht über einen Kampf bei Negotin ist erfunden.
Semlin, 21. August 40,000 Türken unter Abdul viel laufen und in's Freie raus. Nu wollte sie Euch nirgends anders hin, wie auf den Kirchhof, das war schon so eine Ahnung, daß sie'S nicht lange machen würde. Denn Alle, die's so nach dem Gras zieht, was dort wächst, die liegen bald b’runter.
Und da hatten wir der Baronin ihr Grab besucht und das war nun schön, mit großem Marmorkreuz und gußeisernem Staket ring« herum und Epheu über und über, und eS war schon spät geworden, wie wir in die große Allee einbiegen. Da spür' ich einen Ruck am Arme und die Susanne spricht ganz hitzig: Da kommt der Hagen I
AL, was wird er, Du hast Einfälle wie ein alt Hans, sag' ich ärgerlich. Aber, wie eS näher kommt, seh' ich'S selber und richtig, 'S ist der Hagen — schlecht genug sah er freilich aus.
Nu werden wir doch an ihn ’rangehen, und wollen da anfangen von alten Geschichten, aber er winkt bloS mit der Hand und sagt: Das ist aus und tobt unb ist GraS brüber gewachsen, so laßt beim auch ruhen. WaS gestorben ist, wirb nicht »lebet lebendig, nnd der Halm, der zertreten Ist, richtet sich nicht wieder auf. — Wie aber ergeht's Euch?
Und da wir sahen, daß et nicht d'rüber gered't haben wollte, fingen wir auch nicht mehr an, und sprachen noch ein paar Wörter; dann gab er uns die Hand und jeder ging seine Wege.
Der macht'« nimmer lange I sagte die Susanne und schauert stch.
Na, er hat'« lange genug gemacht. Wo'« schlecht und elend zugeht, und bei Solchen, die Niemand angehören, da rennt der Tod ordentlich vorbei, da« ist eine alle Geschichte, daß der nie kommt, wenn man ihn ruft.
Also hat stch der Hagen auch noch lange genug schleppen müssen, bi« ihn bet Herrgott auSgespannt hat; und in