Ar. 19$
JRarßurg, Dienstag, 22. August 1876
XI. ZlhkMg
MerhcUihe Jritimg
>jt J faafenftein L Vogler m runfi M-ntturt a. M^, Berlin, Leip- [2012 £, Söln 1t; Rudolf Moffe tu Berlin, Frankfurt a. M. ic.
es), _
s)
Ide,
Anzeigen nimmt entgegen: die «ichebitio« d. Blattes sowie die Annoncen-Burrailk von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sch« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, 11. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen:
Expedition b Blattes, s^oie di« Annoncen-Bureaux pOn Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.;
7 Ak sch«> »ufe,
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „IluftrirteS EonntaaSblatt" durch die Expedition (Roch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pf«. <exl. Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Vf,. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.
r— bekanntlich die mächtigsten Schiffe der deutschen Flotte — » i,.u!i«d auS bett türkischen Gewässern zurückbeordert. Die
■e
L T®
hi
iverl
dahi« Hnn [20(6
nische lg in Wart;
X (teilt t bei i, h . «. 1801
Panzerfregatte „Kronprinz" und „Friedrich Carl" nebst dem Aviso „Pommerania" verbleiben bis auf Weiteres
aber ändern ließ stch'S nicht, und ich gehe zu meinen Pferden und mache mir im Stalle zu schaffen, 'S mochte aber noch keine zehn Minuten sein, kommt mein Hagen wie ein Verrückter über den Hof gelaufen, und fleht mich bloS an wie irre, da ich ihn gerufen, und stürzt auch bei der Geroldten vorbei und rein in feine Stube und riegelt sich ein.
Mir schlug da» Herz wie ein Schmiedehammer. Ich mache den Stall zu und gehe raus, denn es litt mich nicht mehr unten, und wir reden mitsammen, ich und die Geroldten, und ob sie nicht anklopfeu möchte und bem atmen Menschen gut zureden, wie'S doch Christenpflicht ist, und sie [meint auch, daß rnan'S thuu soll, und geht nach der Thür.
Indern aber geht die von selber auf, und der Hagen kommt heraus, und wie er uns sieht, gibt er sich ordentlich einen Ruck und spricht ganz ruhig, aber nicht mit seinem gewöhnlichen Tone: „Beste Frau Geroldt, ich muß verreisen, das ist sehr schnell gekommen, hier bitte, besorgen Sie den Bries, er ist an einen Freund, der wird meine Sachen holen kommen und Ihnen auch die zwei Thaler für die lausende Miethe bezahlen. Und sollten Sie indeffen die Stube vermiethen können, bann thuu Sie es nur und warten Sie nicht auf mich, denn es kann lange bauern, bis ich wieberkomme," unb dabei schlug et bie Augen auf die Erbe, als wie wenn er da was suchte.
Das ging nu bet Geroldten nah, unb sie trocknet sich die Augen und spricht: „Ach Herr Hagen, wer wird denn gleich die Flinte ins Korn werfen und das Kind mit dem Bade ausschütten! Streit unter Liebesleuten ist wie Mor genregen unb alter Weibertanz und dauert nicht lange, und was würde denn die gnädige Frau dazu sagen?"
Da hebt der Hagen den Kopf in die Höhe und schlägt eine Lache auf, daß mir’8 falt übet den Rücken lauft unb da tritt er ganz nah' an uns heran und da konnten wir sehen, daß seine Augen nut so (Untaten und ganz einen
1.15'*
>38.1
ich f° vor mich hin und dabei bergeff’ ich, Eh« hatte sagen wollen, et möchte nicht heraufgeh'n. er Km/ i 8 einMf wat et schon dtinne im Entrse, denn " *Jte «inen Drücket.
"2«« ich ullch freilich über meine Dummheit,
rxi#
i«N eini# $4
0|*e Geleit.
Eine Erzählung von W. E.
(Fortsetzung.)
Die Nachrichten, welche seit Monatsfrist übet den Ge sundheitszustand des Sultans Murad verbreitet worden sind, führt der Peraet Korrespondent bet „Allg. Zig." bekanntlich auf eine Jntrigue zurück — auf die Jntrigne einiget „ehrgeiziger Bankiers mit ihrem diplomatischen Anhänge." ES werden uns nun heute über das Gutachten des Wiener Irrenarztes Dr. LeideSdorf Angaben gemacht, die mit bem offiziösen Telegramm in dem schärfsten Widerspruche stehen. Nach diesen Angaben, die möglicherweise auf dieselbe Quelle ihren Ursprung zurückführen, wie die früheren über die Thronbesteigung Abdul Hamid's — hätte Dt. LeideSdorf sowohl bei Murad, wie bei dem Prinzen Hamid und Sela din hochgradigen AtiviSmuS unb progressive Gehirnatrophie tonftotirt. Jussuf Jzzedbin leibe an Tuberkulose. Prof. Leibesdorf soll erklärt haben, baß in wenig r als einem Jahrzehnt von der herrschenden Familie Osman Niemand mehr vorhanden sein werde.
Telegraphisch wird gemeldet:
Ragusa, 18. Aug. Die Nachrichten über einen An marsch türkischer Verstärkungen für Mukhtar Pascha erweisen sich als von den Türken anSgesprengte Manöver. Die montenegrinische Südarme« hat wieder die Offensive ergriffen.
Belgrad, 18. Ang. Trotz Ablehnung der englischen Vermittlungsanerbietungen entfalten die Vertreter der europäischen Mächte eine rührige Thätigkeit, um der friedlichen Stimmung zum Durchbruch zu verhelfen. Die Serben antworten: die Positionen im Felde seien vorzüglich, die Soldaten rnuthig, Geld sei auch vorhanden. ES sei nur ein ehrenvoller Friede denkbar, während die Türkei Unterwerfung fordere. — Gerüchtweise verlautet, Tschernajeff sei erkrankt, der Kriegsminister werde das Kommando übernehmen. Bestätigung fehlt. — Die Skuptfchina soll zum 28. August einberufen werden. Wie verlautet, ist ein große« Anlehen mit Rußland negociitt, das in 33 Jahren rückzahlbar fein soll.
Belgrad, 19. August, 8 Uhr Morg. So eben läuft hier die Nachricht ein, daß es gestern bei Topla zu einem heftigen Gefecht gekommen ist. Ejub Pascha griff bie Verschanzungen der Serben an. Ein dreimaliger wiederholter Angriff wurde zurückgewiesen, unb enbett schließlich mit bem Rückzug Ejub Pascha'« auf eine Hinterstellung. Die Verluste der Türken waren viel bebeutenber als die ber
Tagesbericht
Die Frage betreffs theilweiser Auflösung ber deutschen Flotte in den türkischen Gewässern ist nunmehr entschieden. Die beiden Pauzerfregatten „Kaiser" und „Deutschland"
Nach, en it »ischw »erkach [2011
-Best Der kaiserlich ruffische StaatSrath Heesen befindet sich
Die Susanne greift nu schnell mit zu und dabei er- Wt sie, daß die Frau am Schlafstubenfenster gestanden WUe, wie fie durch die Stube gckornmen wär', und ba hat sich kurz umgedreht und ärgerlich gesagt: „Was fällt den« Deiner Mutter ein, bie Lumpen in ben Hof zu hän- 9™» ha8 erlaube ich einmal für allemal nicht."
Die Susanne aber hat der verächtliche Ton gewurmt ["hat spitz geantwortet: „E8 ist dem Herrn Hagen ftme Wäsche."
aflU . . ®6ct hat fie gereut, wie's ’rauS war, denn die Frau « Km “ m*1 einem Blick angejeh'n daß sie ordentlich gefroren i »nf ttnb 0ani ^aß ist sie gewesen, und den Mund hat sie H 7°'Semacht, als wenn sie reden wollte, bann aber hat sie f n m>en rusammengebiffen und ist raus gegangen unb hat J a, . Sesagt.
ffft 3m, nn,e °">hl nu nach Zwölfen fein, hör' ich die Jv1 Zuschlägen im Vorderhaus, und denke: das sind ge- ° Wieder die verdammten Bengels aus dem dritten Stock, > 8$’ in den Flur, seh' aber noch auf dem ersten
UT ÄV* de» Hagen steh'n, unb der dreht sich um, P ft»«*? lennt Str nicht mehr, käseweiß sah er aus im
' I ^*5"' und bie Haare hatte er sich abschneiben laffen. b W’’ n schon neulich gewollt, denn die Jungens
s20'-' Enrf« & *n Emmer an auf der Straße, aber die langen
^^*tOnben ihm doch gut, und so sah er sich ordentlich fll. «...
monatr — wie die „Jtalie" meldet — seit einigen Tagen in Rom. i# pn bekanntlich ist derselbe von seiner Regierung beauftragt, die ckist^ Einrichtung des mittleren und höheren Unterrichts in ben . de«i verschiedenen Staaten zu funbiren unb hat et zu biefem [2833 Zwecke bereits Deutschland, England, Frankreich unb Bel- ----- glen bereist. Rach einer minutiösen Prüfung des höheren lluterrichtSwesenS hat StaatSrath Heesen sich mit größtem ..jg [Lobe über bie in Italien eingeführte Art ber Instruktion geäußert und derselben sogar ben Vorzug vor dem in
' f Deutschland adoptirten Systeme gegeben.
burch die Verschanzungen gedeckten Serben, deren sehr wohl dirigitteS Feuer die Türken reihenweise nieberwatf.
Auch vom Timok kommt bie Nachricht, baß Osman I Pascha fein Vormarsch nicht gelungen, ba ihm die Schanzen fzu überwältigen nicht möglich gewesen.
unter dem Befehl deS Kapitän zur See Przewisinsky im ägäischen Meere, die Kanonenboote „Komet" und „Meteor" In Konstantinopel stationirt.
Dem nächsten preußischm Landtage wird ein Gesetz- Entwurf betr. die Aufnahme einet Anleihe zum Ausbau he- Kanalnetzes vorgelegt werben.
Die Nachricht von dem Siege ber Montenegriner bei Pobgoritza hat in Belgrad eine Schwenkung herbeigeführt. DaS Äablnct Ristitfch ist gestärkt und bie KabinetSkristS vorläufig beendigt. Damit ist auch b.e Friedensverhandlung tmb FriedenSvermittelung bis auf Weiteres vertagt. Vielleicht wirb die Entscheidungsschlacht im Morawathale das vmlabinische Ministerium zur Abdankung zwingen.
Die „Korrespondantt Universelle" schreibt: ES wird gemdbtt, daß der Kronprinz deS deutschen Reiches ben Wunsch ausgesprochen habe, mit Herrn ThierS in ber Schweiz jufammenjutreffen.
Die „Korresponbence Universelle" ist in ber Lage, Fol- gendes mitzutheilen: Nach den Versicherungen einer politischen Persönlichkeit Frankreichs, welche eine hohe Stellung «nff tliwimmt, sind die Eindrücke, welche Vicomte de Gontaut- |U,r 8iton in Berlin empfangen und über welche er in Ver berichtet hat, außerordentlich besriedigend.
Die „Agence HavaS" meldet aus Ragusa vom 19. d. MtS.: „Tsmolak Antitsch schlug 5000 Türken bei Jan- kova. Die türkischen Streitkräfte in Albanien werben auf 40,000 Mann geschätzt.
Wien, 19. Aug. Die „Politische Korrespondenz" meldet au» Belgrad vom heutigen Tage: In den Kreisen deS Ministeriums hat die scharfe Gegnerfchaft gegen die nachhaltig sich tunbgebenben friedlichen Absichten deö Fürsten Milan bedeutend nachgelaffen. Die Anbahnung einer Vermittlung der Großmächte scheine Ristik nicht mehr zu per- horresciren; auch dürfte et sich schwerlich mehr sträuben, eventuell die FriedenSaktion selbst einzuleiten und zu führen. Die Einberufung der Skupschtina ist bevorstehend. — Die „Politische Korrespondenz" signalisirt eine neuerliche große Gährung auf Caridia.
Wien, 19. Aug. Die Meldung deS „Tageblattes" von ber Abberufung des österreichischen Botschafters Grasen Zicdy in Konstantinopel ist unbegründet.
Belgrad, 19. Aug. Der Regierung wird aus Cettinje gemeldet, daß der Fürst von Montenegro auf seinem Marsche nach der Grenze von Albanien von dem neuen Siege ber montenegrinischen Armeeabtheilung bei Pobgoritza benachrichtigt worden, daraufhin seinen Marsch fortgesetzt und sich mit Petrovich bereinigt habe. Der Fürst beabsichtige in Albanien einjutfiden, wo ihm Seitens der katholilchen Einwohner Hülfe zugesagt sei. General Alirnpitsch kehrt heute zur Drina - Armee zurück. Ein Oberst von ber Armee Tschernaj.ff'S ist mit Berichten an den Fürsten Milan hier- seldst eingetroffen. Der General erklärt darin, daß die Armee vollkommen reoiganifirt unb im Stande sei, die Offensive wieder aufzunehrnen.
London, 19. Aug. „Reuter'S Bureau" meldet aus Belgrad, daß bie Fortsetzung beS Krieges bis zum Aeußersten im Ministerrathe unter bem Voitze des Fürsten beschlossen worben ist. — „Reuters Bureau" zufolge entbehrt die Nachricht, daß in Belgrad bie Cholera auSgebrochen sei, der Begründung; der GejundheitS - Zustand daselbst sei durchaus gut.
Drntschk, Reich.
Berlin, 19. Aug. Wie bereits mitgetheilt hat der Kaiser dem General-Feldmarschall Grasen Wrangel zu beffen 80j51)tigern Jubiläum einen schön gearbeiteten Kü- rassier-Degen mit Brillantgriff, zu übersenden geruht. Diese Ehrengabe war, nach der R P. Z. von der nach, stehenden Allerhöchsten Ordre begleitet:
„Mein lieber General-Feldmarschall l
Die Erinnerungsfeiern Ihres thatenreichen Leben» kenn- . ■■ ,U ■........
irren Ausdruck hatten, und bann sagte er leise, ganz (eife, aber wir verstanden doch jedes Wort: „Die Frau da drüben hat kein Herz im Leibe, sondern ein,n Stein, und ber erbarmt sich nicht; und mein eigenes Herz hat sie mir auS der Brust gerissen unb Ihresgleichen vorgeworfen. ES ist Alles auS und wir sind fertig mit einander, aber" — unb ba hob er die Hand in bie Höhe und ballte bie Faust unb murmelte was vor sich hin, — wir konnten'» aber nicht verstehen. Unb eh' wir noch wa» zum Guten reden konnten, ist er schon bie Treppe runter unb fort
War ba» ein entsetzlicher Tag!
Nachmittag» bringt mir bie Köchin bie Post, baß ich soll ben Reisewagen in Stanb setzen, und um sechs Uhr parat halten zum Abfahren.
Wie ich eben anspanne, kommt die Susanne gesprungen, um Adjeu von mir zu nehmen, denn die Frau ging aus btei Tage zu ihres ManneS Bruder aufs Gut, und bie Susanne sollte indessen bie Koffer packen und mit dem jungen Herrn Nachkommen, bet bei seinem Onkel bleiben sollte. Und die Susanne unb die Frau wollten nach Italien inö Bad unb was weiß ich, wohin gehen, was auch Alles nachmals geschah.
Das sagte sie mir Alles schnell und daß sie mit ange< hört habe, wie's mit bem Hagen gekommen ist — unb b’rauf gibt sie mir dies einen Kuß unb geht wieder nach oben."
(Fottsetzung folgt)
Die Bayreuther Bühneusptele.
Die Walküre.
(Fottsetzung).
Da in bem musikalischen Drama die Musik nur als Mittel des Ausdrucks zu dienen hat, so wirb sie für ben Uneingeweihten ober Unvorbereiteten um so mehr eine sekundäre Rolle spielen, al» ihm ber Heerb derselben, da» Orchester, verborgen bleibt. Wie er sie nicht auSführen