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Marburg, Sonntag, 20. August 1876.
XI. Jahrgang.
jmeinen nimmt entgegen: dit«jvedttton b. Blattei, uBie die Annonttn-Bureaür nm Th. Dietrich & Co. in Mel enb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; haafenftein L Vogler in »rankfurt a. M, Berlin, Leip- ,jg, LSln k ; Rudolf Moste « Berlin, Frankfurt a. M. rc.
WrrhcMc Mutig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition b. Blattei sowie die Amwncen-Bureaur von ® L. Daube & Co. in
Krankfutt a. M.; JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä. Rete» rneyer in Berlin; Carl Schüß» (et in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „zinftrirteS SountagSblatt" durch die Srpedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen Ah Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Wart 50 Pf«. (exl. Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Vf#, berechnet.
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darbieten. Der König und die Prinzen und Prinzessinnen seines Hausei weilen noch auf ihren Villegiaturen mit Ausnahme bei kronprinzlichen Paarei, welches auf der Rückkehr von Petersburg ei en längeren Aufenthalt in der Lagunenstadt Venedig genommen hat.
Kurz vor der Vertagung der französischen Kammern hat die Neuwahl einri Senators an Stelle Casimir Perier's Statt gefunden. Wie zu erwarten stand, wurde Dufaure gewählt. Sein Gegenkandidat, der ultraklerikale CheSnelong. «hielt nur 1U9 Stimmen, da das rechte Ccntrmn für
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Politische Woche» - Uedersicht.
Unser Kaiser ist am Dienstag im besten Wohlsein aus Hastein in Berlin eingetroffen, nachdem er in Baireuth der Aufführung der beiden ersten Stücke der Wagner'jchen Ni helungen beigewohnt hatte, von welchen besonders das zweite, hie Walküre, einen mächtigen Eindruck nicht verfehlt hat. Dem General Feldmarschall Wrangel, der am 15. d. M. sein 80jährigeS Dienstjubiläum feierte, verlieh an diesem Tage der Kaiser einen Ehrendegen mit Brillanten — Der König von Bayern hat seinen sämmtlichen Ministern nach beendigter LandtagSsefston für ihre feste Vertretung des Reglcrungi > Standpunktes und für ihre nicht ermüdende, hingebende AuSsaucr womit sie ihres Amtes gewaltet, eine lebhafte Snnerkennung ausgesprochen. Am Schluß des Handschreibens versichert er die Minister wiederholt seines vollsten königlichen Vertrauens.
In Bezug auf den gesammten Stand der serbisch- türkischen Frage äußert die den österreichischen Re- gieiungSanstchten offene MontagS»Revue: „wenn die Auf saffungen der britischen Regierung sich jenen der Continen talmächte annäherten, so könne die in Aussicht genommene Verständigung Europas nur erleichtert weiden; die Aktenstücke des Blaubuchs beweisen, daß Graf Andraffy zuerst darauf hinwteS, wie sehr sich die Lage vereinfachen würde, wenn England und Rußland zu einer gemeinsamen Aus- saffung des Problems der orientalischen Frage zu gelangen vermöchten." Die innere Politik Oesterreichs macht nach erfolgtem „Ausgleich" in der Bankfrage Sommerserien. Der Kaiser hat sich soeben von Laxenburg in daS Uebungs- lager von Bruck a. d. L. begeben.
Die schweizerische Experten > Commission hat dir Ersparnißvorschläge deS im Auftrage dei BundeSrathS durch den technifchen Inspektor deS schweizerischen Eisen«
Ohne Geleit.
(Sine Erzählung von W. 6.
(Fortsetzung.)
34,80» 7,20 b 1,20 b. bO.OO» 32,60 8 3,10 t. 2,70t.
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——- Die italienischen Minister bereisen ihre Wahlbezirke,
ipischs bo bit unvermeidlichen Bankette eine paffende Gelegenheit ju eingehenden AuSeinanveisetzungen über die innere Politik
Ev schnell er aber auch lief, kommt er doch zu mir den Stall und reicht mit die Hand hin und lächelt glückielig übet'S ganze Gesicht und spricht:
»Lieber HauSke, sie haben mein Stück angenommen im <heater, diesen Winter soll'S noch gegeben werden, und da wuffen Sie auch mit dabei fein."
Ra, ob! sprech' ich, und schlage nur so in die Hände und lache dazu, denn ich war schon oft oben auf der Galerie ßkwesm und Einer, der neben mir saß, hatte mich klug SMacht, wozu da» Klatschen gut.
i’goM Da lacht er auch und geht in'S HauS, und ich höre, 32,75>f wie er immer zwei Stufen auf einmal nimmt und springt ),$*l e,t kin Htuschreck, was sonst gar nicht seine Art war, denn '/E n 9,1,8 i'hr gesetzt.
_-fr| ® , arme Ättl, daS war wohl das erste und letzte ?50G.! in seinem Leben, daß er so recht auS dem Grunde 3;ü H ■ war."
k ,^et arme Kutscher machte eine Pause und klopfte nach L Elch seine Pfeife aus.
H (f Mutter Walther fuhr auf, sie war etwas erfchro- wiüglich, daß sie ein kleine» „Nickerchen" gemacht hatte, 3,-4 ihr bei der langen Erzählung des Gevatters eigentlich "-jJ J’* ju verdenken war, besonders da bi» jetzt so recht ' Gruselige»" noch nicht vorgekommen, was sie Im
w60if doch zu hören gehofft hatte, und was ihr eine . 2- ^"sthaut erregt haben würde, die ihr sicher den Schlaf ;'50 S-Halten hätte.
®ot k» fast ganz dunkel geworden in dem kleinen denn HauSke hatte nicht zugeben »ollen, daß feine
feinen Gegner eintrat. Das Gemeindegesetz ist in der von der Deputirtenkammer angenommenen Form vom Senate nicht gebilligt. Die Regierung nahm die Abänderung deS § 3 an und die Deputirtenkammer gab dann auch ihre Zustimmung. Am 13. August sind dann die beiden Kam mern durch ein Dekret des Marschalls vertagt worden. Gleich nach Schluß der Kammern fand ein Wechsel in der Person deS Kriegsminister- statt.
Obwohl die Mittheilung einiger französischer Blätter, daß daS spanische inlsterium fein Entlaffungsgesuch eingereicht habe, aus der Luft gegriffen zu fein scheint, so gährt eS doch allenthalben in den leitenden Kreisen und eine weitere Verschiebung deS politischen Schwerpunktes nach Rechts, scheint nicht außerhalb der Wahrscheinlichkeit zu liegen.
Weniger durch seine eigene Bedeutung al» durch eine ihm kurz vorhergegangene Ueberraschung wird sich der Schluß der diesjährigen Parlamentssesston in England dem Gedächtnisse tiefer einprägen, als dies unter gewöhnlichen Umständen der Fall ist. Das unerwartete Ereigniß war die Erhebung deS Premier - Ministers DiSraeli ins Oberhaus unter dem Titel eines Earl of Beaconsfield. Denselben Namen als Vlscountess of Beaconsfield hatte DiSraellS Gemahlin in den letzten Jahren ihres Lebens geführt; et selbst war damals noch nicht gewillt, seinen unmittelbaren Einfluß durch den Austritt au» der Volkskammer in die hohe Versammlung der LordS zu mindern. Neben der Premier schäft Hal der neue Earl nun auch daS Amt des GeheimstegelbewahrerS auS der Hand deS wegen Kränklichkeit zurückgetretenen Lord Malmesbury übernommen. Wie nothwendig der Schluß der Session war, zeigte sich an dem dünnen Besuche der letzten Sitzungen, und die Hitze der jüngsten Tage würde es selbst der Re- gierung mit allen ihren parlamentarischen Mitteln unrnög lrch gemacht haben, aus eine längere Reihe von Stunden ein beschlußfähiges Haus zusammen zu halten.
Die militärische Lage des Orients hat sich In der letzten Woche kaum verändert. Einige Scharmützel bei Belina, Javo und im Süden Montenegros bei Cucct trugen ganz toterer den Charakter jener Erstlingsgefechte in diesem Kriege, welche bei verhältnißmäßig großen Der lüsten nach keiner Sette hin eine Entscheidung erzielten. DaS Vethältniß der beiden Parteien neigt trotzdem noch immer mehr zum Vorthell der Türken, deren in der Linie Saitschar-Knjajewatz Risch stehende Havptarmee, stet« neue Zuzüge erhält, während Serbien» kriegführende Bevöikernng nahezu erschöpft ist. Auch die türkische Reservearmee von Sofia hat schon einen Bestand erreicht, der dem der Hauptarmee nahezu gleichkommt, und der noch Immer in Trebinje eingeschloffene Mukthar Pascha hat durch die Ofenstv-De- wegungen Hamid Pascha'« von Podgoritza her eine große Wirthin da» dünne Taglicht anstecke, indem et bemerkte: »Zu unsrer Arbeit sehen wir", welche» bet Frau auch einleuchtend war.
DaS blaffe Licht deS Neumonde» schimmerte aber nut mott durch die verschlungenen Zweige de« großen Myr thenstvckeS am Fenster, und veihinderte nur gerade zur Roth, daß e» „zu finsterlich" war, wie die Alte meinte.
»N-, und wie würd' es noch?" fragte dieselbe sitzt wieder, um hinter der gespannten Frage geschickt die Heine Unammeiksamkeit zu verbergen.
»Za, Ostern rückte 'ran und von dem Hagen seinem Stücke war nichts zu hören und zu sehen, so oft ich ihn auch srug danach.
Er wurde auch wieder ganz melancholisch, hing den Kopf und die Farbe war wie abgewischt von seinem Gestckt.
Zeder konnt'S ihm ansehen, daß ihn wa» drückte und die Susanne war ordentlich weichmüthig drüber geworden und da» Waffer stand ihr in den Augen, wie sie mir den Ostertag so ein Stücket drei zuckrige Ostereier bringen kommt und nur flink erzählt, daß große Kaffeevisite oben sei und sie nicht lange bleiben könnte. ,
Da sprach ich: ach darum fitzt auch der Hagen so miesepriesterlg oben!
Schütt lt sie mit dem Kopfe und, wie gesagt, da» Helle Waffer stand ihr in den Augen und sagt sie: „Da» macht'» nicht allein, aber 'S ist. schon eine Welle da oben nicht mehr so, wie'S gewesen ist. Die Gnädige ist zu launig, und er zieht sich'S zu seht zu Gemülhe. Mal küßt sie ihn ab, daß er ersticken möchte, und mal behandelt sie ihn schlechter wie einen Hund. Dabei muß Eins zu Grunde gehen; und er wird zu Grunde gehen, denn es gibt kein größer Unglück, als wenn ein Arme» so eine vornehme Amourschast hat. Art läßt nicht von Art, und
Erleichterung erhalten. Lebendiger indeffen als auf dem Kriegsschauplätze ging eS in den letzten Tagen in den Kreisen bet Diplomatie her. Noch stnb die Nachrichten nichts weniger al» klar und übereinstimmend, und welche Depeschen in den letzten Tagen zwischen Belgrad und anderen Höfen gespielt haben, bleibt für« Erste noch ein Räthsel.
Iagrtbet«|)t
Der Reichskanzler hat dem BundeSrath unteim 7. d. Mts. den Bericht, weichen die in Folae des Beschlüsse» de» BundeSrathS vom 25. November 1875 berufene Kommission zur Ausstellung der Grundsätze für die statistische Ausnahme der Dampfkessel und Dampfmaschinen über da« Ergebniß ihrer Berathungen unterm 29. Juni cr. erstattet Hal, zur Beschlußnahme vorgelegt.
Ohne irgendwie ersichtlichen Anlaß cirkulitt in Pari» daS Gerücht, daß ein Wechsel in der dortigen deutschen Botschaft bevorst-hend sei. Selbstverständlich ist diese» Gerücht gänzlich unbegründet und e» wäre kein Grund denkbar, aus welchem Fürst Hohenlohe versetzt werden oder seine Entlaffung nehmen sollte.
AuS Rom wird uns gemeldet, daß dort in bestunter- richteien Kreisen der Kardinal-Priester Luigi Bilio (geb. 25. März 1826, ernannt 22. Juni 1866) al» Nachsolger de» im Sterben liegenden Kardinals Antonelli genannt wird.
Wie man uns versichert, ist die Pforte nunmehr ent- fchloffen, in der nächsten Zeit ans eigener Initiative mit FriedenSoorschlägen vorzugehen, da allem Anscheine nach weder die Mächte, noch da» unterliegende Serbien die Verantwortlichkeit der Initiative zu übernehmen geneigt sind. Damit würde allerdings die etwas langrotedge MediationS- frage auf die einfachste Weise erledigt werben. Ferner wird U; 8 bestätigt, daß die P'orte nicht mehr daran denkt, den Fürsten Milan abzusetzcn, aber sie wünscht daS omladini- sttsche Kabinet Risticö gründlich zu demüthigrn.
AuS Belgrad wird gemeldet, daß dortselbst neuestens die Stimmung wieder eine friedliche ist. Der Fürst — sagt man — sei von der Hoffnungslosigkeit de« Kriege« Überzeugt und fest entschloffen, denselben zu beenden. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit dem Großvezier sind auch bereit« im Gange. Nachrichten zufolge, die au» Kon«, stantinopel in Belgrad eingetroffen sind, soll man auch dort nicht abgeneigt sein, unter annehmbaren Bedingungen den Frieden abzuschließen und bunte, wenn die isolirte Krieg»« zum Heiraihen ist er ihr zu gering, daran denkt sie auch gar nicht. Für sie ist'S dloS für lange Weile, aber bei ihm ist'S Ernst und da wird'« noch großer Jammer geben, wenn er dahinter kommt.
Und feiner Seelen Seligkeit hat er auch aufgeopfert, daß er hat feinen Glauben aufgegeben ihr zu Siebe."
Na laß gut fein, was gehr'« uns an, sag' ich drauf, denn r» wollt' mir nicht gefallen, daß sie sich gar so hatte um den Menschen und sie macht' e« merken, denn sie war still und sprach auch tagelang kein Wort mehr von ihm, bi« sie mit mal so leichthin sagte: „morgen wird auch dem Hagen sein Stück im Theater verlefen, die Frau hat sich jetzt dahinter pelegt."
„So," sag' ich, und damit war'« gut
Nu konnte e» so vierzehn Tage nach Ostern sein, und war ein schöner, warmer Tag, da kam halt Alles zusammen.
So um Zehne kommt die Susanne und fragt, ob ich den Hagen nicht weggehen gesehen, sie wollt's »hm au» gutem Herzen zu tviffen thun, daß die Frau sehr übel bei Laune sei, und er möchte nicht rauf kommen. Sie hätte einer. Bries gekriegt vom Thater direkt or, der schrieb, eS thäte ihm leib, aber e» hätte sich be-m L.sen gezeigt, daß das Stück vom Hagen nicht zum Aufführen tauge. Ich hatte ihn nun nicht geseh'u, und die ©aolbten, die mit einem Korb Wäsche herunter tarn, meinte, er fei schon (ine halbe Stunde weg, wohin wußt' sie nicht.
Ich plaudere nun noch mit der Geroldten, wie ste die Schnuren zieht und aushängt, über Da» und Jene«, kommt die Susanne wieder und hat ein ganz rothe» Gesicht und ruft die Mutter ärgerlich an, daß sie soll gleich die Wäsche abnchmen, und ob ste nicht weiß, daß da» verboten ist!
Die Alte ist ganz verdutzt, denn e» sollte eigentlich nicht sein; aber fie hatte schon etlichemal herausgehangen,