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Marburg, Mittwoch. 16. August 1876.
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Lozelgm nimmt entgegen: He Expedition d. Blatte», Istpie die Annoncen-Bnreoux ,cn Th. Dietrich L Co. in ■ Mel und Hannover; Th.
Dietrich in Frankfurt a. M.; naafenftein & Vogler in > irantfurt a. M , Berlin, Leip- ,jg Cöln k ; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Mik Bezug auf unsere früheren Nachrichten betr. die Bildung von Landeskultur Rentenbanken zur Förderung der Entwässerung durch Drainage wird unS besläligt, daß daS limdwirlhschaftliche Ministerium den bezüglichen Petitionen der landwirthschafllichen Vereine allerdings lebhafte Beach- tnog zu Theil werden läßt, daß eS sich aber für jetzt nur um die erforderlichen Erhebungen handelt, welche den Umfang des BedürsnisieS feststellen, und zwar unter Berück- flchtigung der Ansichten und Wünsche, welche in der Agrar- Aommission deS Abgeordnetenhauses ausgesprochen wutden.
Die übrigens der B stätigunz noch sehr bedürfende Nachricht, daß Fürst Bismarck die oifizielle Anzeige, von der zu Paris im Jahre 1878 stattfindenven Weltausstellung überaus kühl ausgenommen habe, hat In Paris sehr frap-
ßehi: 1. Den Erfolg der Serben; 2. den Sieg der Tür- !en; 3. den Zusammentritt eine« europäischen Kongresses, wlcher Europa eben jo gut zum Frieden, wie zu einem allgemeinen Kriege führen tarnt* — Dagegen sind wir in brr Lage, positiv versichern zu können, daß ein solcher Ber- ttag absolut nicht existirt, und daß der angebliche Allianz- Bertrag weder zu EmS noch irgendwo anders, weder am 11. Juni, noch zu irgend einer anderen Zeit abgeschlosien «erden ist. Das Band, welches zwischen den beiden Kaisern besteht, ist kein größeres und kein geringeres als das Band bei Familie.
pirt. Man spricht bereits von einer „Kampagne*, welche Fürst Bismarck gegen die Weltausstellung organisire, und zählt die großen Körperschaften auf, welche „zum großen ! Bedauern deS Herrn von Bismarck" ihre Betheiligung zu [ gesagt hätten. Wir glauben, daß Fürst Bismarck, wenn
er kein Freund der Weltausstellung ist — was allerdings f al« sicher angenommen werden kann — nicht erst durch bk allerletzt-n Erfahrungen, hiezu gelangt ist. Ferner , glauben wir behaupten zu dürfen, daß die deutsche Reichs- : Regierung sich in demselben Ma e für die Pariser Ausstellung interesiiren dürfte, wie dies hinsichtlich der Aus-
. stellung in Philadelphia der Fall war.
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Wern zu können: 1. daß ein geheimer Vertrag zwischen 0» dem Kaiser von Deutschland und Rußland «x flirt; 2. daß im Laufe deS Monats Juni eine Zusatzkonvention dem [schon bestandenen Vertrage beigesügt worden; 3. daß die lkonvention deS Monats Juni folgende Eventualitäten vor-
Vor einigen Tagen brachten die „Tablettes d'un spec- taitur* folgende Nachricht: „Wir sind im Stande, ver-
DaS „Memorial diplomatiquc* hat aus den verschiedenen europäischen Hauptstädte Auskünfte erhalten, welche das Blatt in die Lage setzen zu erklären, daß in diesem Augenblicke weder von einer Mediation noch von einem Kongreß die Rede sei. Die Cabinete sind entschlossen, den militärischen Operationen ihren Lauf zu lassen und zur Vermittelung zwischen den kriegführenden Theilen nicht eher zu schreiten, bis dies von den letzteren selbst gewünscht wird.
Wie unS aus Agram mitgetheilt wird, hat der BanuS auf die im kroatischen Landtage eingebrachte Interpellation in Betreff der Verhaftungen in Pakraz folgende Antwort ertheilen lasten: „Der Banns habe auS privater, aber sehr verläßlicher Quelle die Anzeige erhalten, daß es in Pakraz Leute giebt, welche die Anmaßung besitzen, unferm staatsrechtlichen Verhältnisse den Krieg zu erklären, die sich erlauben, durch öffentliche Kundgebungen und Steuerungen, die Redner nicht wieder geben will, die griechisch-orthodoxen Einwohner der dortigen Gegenden gegen die Katholiken auf zuhetzen. Die Regierung konnte, als loyale und patriotische Behörde, dazu nicht schweigen und hat solche Maßregeln ergriffen, wie es der Ernst der Lage erforderte. Dabei blieb sie vollkommen auf dem Standpunkte der Gesetzlichkeit. Der Pakrazer Vicegespan mußte auS VerwandtschaftSrück sichten abberufen werden. Der Oberstaatsanwalt nahm die Sache in die Hand und belegirte zu diesem Zwecke den Est'ker Staatsanwalt. Die Anwendung der bewaffneten Militärmacht fand zur Beruhigung und zum Schutze der dortigen Bewohner statt, weil dieselben unter den sich in Pakraz und besten Umgebung aufhaltenden mehrere Taufende zählenden bosnischen Flüchtlingen eine außerordentliche Bewegung, hervorgerufen durch die aufrührerischen Aenßerungen der Unruhestifter, beobachteten. Die vorgenommenen Untersuchungen erwiesen die Besürchtungen der Regierung als begründet. Das Weitere sei jetzt Sache der Gerichte.*
Wie uns auS Rom geschrieben wird, ist der Fürst Karam vom Libanon mit Aufträgen der hohen Pforte an den heiligen Stuhl nach Rom gekommen. Ec habe dem Papste die Absichten des Groß-Sultans eröffnet und warte auf die Antwort des heiligen Vaters. Die Wahl des Fürsten Karam wird als ein Beweis angesehen, daß es der türkischen Regierung dieses Mal Ernst ist, mit dem heiligen Stuhle gute Beziehungen anzuknüpfen. Der Papst hat in Folge der Unterredung mit dem Fürsten den ftar eitial Franchi zu sich rufen lasten, der gegenwärtig in Vertretung deS kranken Kardinals Antonelli dem auswärtigen Amte vorsteht.
I Das „Msmorial diplomatique* schreibt: „Man meldet uns von London, daß daS englische Cabinet — im Gegensätze zu den Versicherungen einiger Blätter — die Reise deS König» der Helenen nach St. Petersburg ohne Unruhe in'S Auge faßt. Die geographische Lage Griechenlands betrachtet man in London als eine hinreichende Verbürgung des politischen Einflusses Englands in diesem Königreiche, welches Kleinasien und Egypten gegenüber liegt."
Die Vorstellungen, welche aus diplomatischen Kreisen Kreisen der Pforte gemacht worden sind, scheinen wenigstens den Erfolg gehabt zu haben, daß die Pforte davon zurückgekommen ist, beim einstigen Friedensschluste mit Serbien die Tynastiefrage zu stellen. Dagegen ist man in Konstantinopel entschlvsteu, von Seiten des Fürsten Milan keine Mittheilung anzunehmen, so lange er nicht dem Kabinet Ristitsch, dem Werkzeuge der Omladina, die Entlassung gegeben hat. Die Pforte verlangt vor Allem für Serbien ein Ministerium, besten Programm den Frieden verbürgt.
Die Stimmung in Belgrad ist — wie nachfolgendes Privat-Telegramm vom 12. d. zeigt — durchaus keine hoffnungslose. Es verlautet in Belgrad, daß Tfchernajeff eine große Aktion vor bereite: er habe dem Fürsten direkt gesagt, die bisherige Art der Kriegführung fei Schuld an dem Mißerfolg, die Kräfte wüsten concentdrt, gegen einen bestimmten Punkt gerichtet werden. Ein Grenzkrieg, wie er bisher geführt worden, fei nicht länger durchführbar, lieber den Rückzug der Timokarmee wird versichert, daß derselbe in vollster Ordnung vollzogen sei und daß die Armee nunmehr die neu zugewi.senen Positionen elnnehme. Ebenso sei bet Rückzug des Obersten HorvatovitS in voller Ordnung, ohne Verlust von Kanonen, Train ober Munition erfolgt; HorvatovitS habe btei Stunden vor dem Rückzug angezeigt, daß er sich zutückziehen müsse und habe dies auch mit Zustimmung deS Obercommando's durchgeführt. Et würde für seine Bravour und geschickte Operation belohnt. Gestern sind aus Rumänien 30,000 ChastepotS eingetroffen; man hofft auf Rumäniens Mitwirkung.
Utber die in Aussicht stehenden FriedenSnachrichten zwischen Serbien und der Türkei verweisen wir auf daS unten unter Wien von der „Polst. Corresp.* und von der „Preste* Mitgetheilte.
Deutsch« Reich.
Berlin, 11. Aug. Aus Grund eines Beschlusses deS Bundesraths vom 7. Dezember 1871 hat das Kaiser-
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wr schlecht bezahlt und die paar Kreuzer, die er ja buchte er aus Licht und Papier, und im Ucbrigen
Ohne Geleit. Eine Erzählung von W. E. (Fortsetzung.)
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Da hebt der Mensch drüben den Kopf und sieht zu ilS DW; mit 'rüber, und Alles waS da wahr ist, n enn er Einen
Hauske trank seinen Kaffee auS, dann fuhr er fort: ' »dazumal sagte der Candidat so recht freundlich: „Geniren fc‘6 !>ch nicht etwa meinetwegen. Ich wollte so wie so lui ""n Zimmer gehen, denn ich habe noch zu schreiben, Ptt Nacht 1"
L Und damit stand er auf, zündete sein Licht an und ging Da« freute mich für die Susanne; nu ging ich auch, ma$te m*r "»st) auf dem Hofe zu thun und schäkerte l den Mädels, die Wasser holten an unfetm Brunnen ' ** “MPff vor innerer Bosheit ganz fidel vor mich hin.
ging nun wieder eine Weile. Ich bildete mir P’W steif und fest ein, daß die Susanne ein Lüstel auf ____ hatte, wie ich ihn nannte, und war ihm ), l gram, obgleich er mir nichts in den Weg legte, tiott. ^Gezentheil, armer Leute Kind war wie ich und sich im) *8 "ühselig genug durchschlagen mußte.
18 u»k “8 sich oft nur halb satt gegessen haben, der atme -n- A» k - denn die Stunden, die er in der Stadt gab, wurden
d anblickte, da sah er sich ordentlich schmuck an, denn er -• taste fo waS Gutherziges in den Augen und sehr schöne
lange blonde Haare. DaS Gesicht freilich war hager und [1942 batte auch keine Farbe, und schmalfchulterig war er auch, «der. wie gesagt, wenn er mit Einem sprach, konnte man «i$t böse sein, eS war auch ein Kind von einem Menschen e** er hat mich hernach gedauert genug — dazumal freilich 1870- nicht."
Die alte Frau blickte gespannt auf: „War das der, Ihr gestern 'rauSgefahren habt?"
»Ja, das war der.*
ordentlich hergehen wollt er doch auch, denn er hielt waS auf sich.
Ja, was wollt ich denn nu sagen?"
„Daß Ihr die Susanne im Verdacht gehabt habt mit dem Menschen."
„Richtig; das war aber ein dummer Verdacht. Freilich machte sie sich viel mit ihm zu schaffen und „lieber Herr Candidat" hier und „bester Herr Hagen" dort ging'S in Einem zu. Aber der Wind blit« von einer andern Seite her, das würd' ich denn auch gewahr.
Kann sein, daß sie Anfangs was in ihn scharmirt war, das WeibSzeug ist nu mal so und manch gerader deutscher Kerl ist schon hintenangesetzt und über die Achsel angesehen worden wegen Einem von zweierlei Tuch oder einem Verse- macher — und Alles, was ba wahr ist: Verse konnte er machen, baß nur Alles so klippte und klappte.
Die Geroldten hob sich die Zettel, die Herumlagen,! beim AnSkehreu immer auf und legte sie in'S Gesangbuch, Abends las sie uns denn manchmal waS davon ab, aber daS war schon später.
Nun müßt Ihr wiffen, eS war so im Herbst, aber ein schönes, warmes Wetter (dazumal verdacht ich die Susanne noch mit ihm), al« ich mein blaues Wunder sehe,, wie der Candidat, der jetzt Immer schon Mittags zu Hause kam, den Nachmittag mit einem Hist Papier in der Hand, auS der Thüre kommt, und geradewegs in den Garten geht, in den Niemand sonst, selbst die Miether im Vorderhause, nicht ’rein dursten. Der kranke Herr mochte nämlich bei Lebzeiten kein fremdes Gesicht in seiner Nähe leiden und die Baronin mußte hernach schon wegen der Trauer allein bleiben, so langweilig ihr daS auch gewesen sein mag, denn traurig war sie eigentlich gar nicht über Herrn Tob, bas sagte auch bie Susanne. Wie sollte sie auch, wegen Gelbe hatte sie ihn bloS genommen, daS wußte alle Welt, und die elf Jahre sie bei ihm auch nicht auf Rosen getanzt, ob sie gleich niemals was schwer genommen hat.
Ja, also ich sehe den jungen Menschen in dem Garten 'rum geh’n und ärgere mich nu' wieder ganz schrecklich, denn das konnte ihm doch kein Anderer als die Susanne verschafft haben, und nie et nachher kommt und mich zu« erst grüßt, dank ich ihm kaum, und gehe zu meinen Pser- den und setze mich auf den Futterkasten und simulire so vor mich h n. Und ba kommt auch schon baS falsche Frauenzimmer, wie ich sie in meinem Herzen genannte, unb da sprech' ich: „Sie hätten früher kommen sollen, ba hätten Sie mit Ihrem Schockscharmanten im Garten spazieren können."
„DaS hat er recht gemacht, daß er gegangen ist," spricht sie. Und da fange ich an zu lachen und spreche: „Na das ist auch gewiß in Ordnung, daß der vornehmste Miether im Hause die Gartenpromenade zum Vorzug hat." | „Pfui, schämen Sie sich HauSke, dem armen kränklichen Menschen das bischen frische Luft zu mißgönnen, das hätte ich wirklich nicht von Ihnen gedacht!"
So spricht sie, und hin geht sie — und ich setze mich wieder auf meinen Futterkasten und war Euch so miserabel, daß ich beinahe g>flennt hätte. Aber ich that's gerade nicht und zuletzt dachte ich: morgen schaffst du dir bie Christiane von Geheimraths an (die wohnten Parterre im Vorderhause), die leckte sich alle zehn Finger nach dir, und im fiebrigen mag’« kommen wic's will. Und die Susanne kann mit ihrem hungrigen Candwaten trocken Brov und Pellkartoffeln effen, dir soll'S recht sein.
Aber eS kam ganz anders. Der nächste Tag war ein Sonntag, ich stehe so Nachmittags wieder in meiner Stall- thür unb pfeife mir Eins aus lieber langer Weile, und denke mir au«, wie ich'« anstellen werde heut Abend mit der Christiane, und daß doch die Susanne im kleinen Finger g scheidter ist, wie die im ganzen Kopse, und hübscher erst recht, kommt da mein Candidat wieder angewackelt und geht in den Garten rein, bei den beiden steinet neu