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Marburg, Dienstag, 15. August 1876.

XI. Z-hWlg.

«nietaen nimmt entgegen: ut Gxpedttto» b Blatte», (-»te die Annoncen-Bureaux oan Th. Dietrich & Co. in g-ffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S- lein & Bögler in rta- M, Berlin, Leip- In »; Rudolf Moste ^Berlin, Frankfurt a. M. ic.

ObcrhkUihc Znlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jüger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Stete« meyer in Berlin; Carl Echüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach vonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,3Iuftrtrte6 SonntagSblatt" durch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pfg. text. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zerre 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Tagesbericht

Die vor einiger Zeit von Paris aus in Umlauf gefetzte Nachricht, daß Fürst Bismarck während deS Monats Sep- tember ein französisches Warmbad besuchen werde, ist selbst v.-rständlich ganz unrichtig. Der Reichskanzler wird voraus« fichllich bis zum Beginn der ReichstagSsesston in Varzin verweilen. Dort wird demnächst der Besuch deS deutschen Botschafters in London, Grafen Münster, sowie des Bot" schafterS in Rom Herrn v. Keudell erwartet.

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Die schönen Tage von Aranguez sind vorüber, wenig- stmS für die Königin Isabella. Die hohe Dame soll den Herrn CanovaS del Castello der der Exkönigin so be- hanlich Opposition macht, ganz unerträglich finden, und sogar schon entschlosien sein, freiwillig in dieVerbannung" noch Paris zurückzukehren.

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Wir haben Grund zu glauben, daß die Mächte in die Absetzung des Fürsten Milan keineswegs einzuwilligen ge­neigt sind. Niemand in Serbien ist schuldloser an dem Kriege, als der arme Milan. Wir möchten vielmehr wün scheu, daß die Pforte eine recht tüchtige Strafe dafür be­käme, daß sie sogar nichts für die Unterdrückung des Auf staudeS in der Herzegowina gelhan hat und dadurch die Aufregung immer größere Dimensionen annchmen ließ. Die Türkei hat ja bewiesen, daß sie den Insurgenten voll­ständig gewachsen ist. Warum hat sie ihre Streitkräfte nicht vor einem Jahre entfaltet? DaS traurige und nutz­lose Blutvergießen, die Verwüstung ganzer Landcstheile wirt vermieden worden. Die Türkei geht aus dem jetzigen

Kampfe als Siegerin hervor, aber damit beweist sie nicht _ nur, daß sie nicht gänzlich entkräftet ist, sondern auch daß BerllU. RegjxrungSsystem ein schändliches und schmähliches ist.

Der Sieg der Türkei ist eine Schmach für die Regierung. Möchten die Mächte der Türkei diese Thatsache in Anrech­nung bringen, möchten sie nicht gestatten, daß man diesen Krieg an einem ganz Unschuldigen rächt I Hätte die Pforte den Widerstand des Fürsten Milan gegen die serbische KriegSpartei durch die Entfaltung einiger Energie gegen die Insurgenten in der Herzegowina unterstützt, so wäre diese» Blutvergießen vermieden worden.

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Midhat Pascha, der einzige türkische Minister, der eS mit den Resormen ehrlich meinte, hat in dem türkisch,n BlattePtakdal" einen Artikel erscheinen losten, in dem er seine Pläne vcrtheidigt. DaS Khalisat sei mit seinem

teilt ss«.

Ohne Geleit.

Eine Erzählung von W. E. . j . / (Fortsetzung.)

Die Frau erschien, die Suppe wurde gegessen. Keins kam mehr aus das eben gesührte Gespräch zurück

Die Mutter war beruhigt durch des Sohnes Versiche­rung, und dieser wußte, daß er sie beruhigt hatte wozu

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g-flj, . Grad' ein halb Jahr wie ich ausgezogen bin, stirbt Herr in dem fremden Bade ich hab' btn Namen ttAlV thut nichts zur Sache. Ich war damals ein blutjunger Kerl und wie die Post kam vom Tode f r unserm gnädigen Herrn, fing ich auch an zu flennen ^** 2* 8U Eurer Muhme, der Gervlbten, und hatte gar erbärmlich, drnu'S war wir nicht allein um den

noch da lang«Rederei" machen.

Am Abend deS andern TageS aber faß Frau Walter « Sonntagsstaat: der blauen, tuchenen Jacke, dem schwarzen Äetinorocke und der großen, ebenfalls schwarzen Camelot- schürze, in ihrer Giebelstube und schenkte dem Gevatter HnrSke, der seinem Versprechen gemäß gekommen war, und, in bet warmen Oscnecke sitzend, dichte Rauchavlken aus kft kurzen Pfeife blies, die vor ihm stehende, blau geblümte, Mk voll Kaffe aus dem alten Bunzlauer Kruge, dem i®»t die Schnauze fehlte, der sonst aber noch recht statt iich aussah mit seinem dicken Bauche.

Und als sie auch die eigene Taste gefüllt und einen ^tigen Zug daraus gethan hatte, lehnte sic sich in dem äl«, mit schwarzem Roßhaarzeuge überzogenen Sorgenstuhl iaiüd, faltete die runzlichen braunen Hände im Schorße Ußb blickte den Mann ihr gegenüber erwartungsvoll an.

«Ja seht Ihr, ich war auch 'mal jung und ein schmucker i begann dieser,Ihr werdct'S kaum glauben."

Die alte nickte stumm das konnte als eine Bejahung iäarf Verneinung gelten; er fuhr fort:

gemtfllt können jetzt wohl so an die sünsundzwanzig Jahr ff' Hn nein, 'S werden wohl über dreißig sein, ? lchadet nichts, da war ich Kutscher beim Baron Friedrichs-

Projekte sehr gut vereinbar. Die ersten Khalifen hätten sich mit einem großen Rathe umgeben; die Könige sind Menschen und ten Leidenschaften unterworfen, deßhalb ge­biete der Koran, den Tivan um Rath zu fragen. So er dieS läugne handle er auS Selbstsucht. Der große Rath solle nur bürgerliche und politische Dinge, nicht religiöse behan­deln. DaS muffe aber bald geschehen, sonst verderbe das Reich.

Telegraphisch wird gemeldet:

Wien, 11. Aug. Wie das Tageblatt authentisch er­fährt, werden die Großmächte weder einen zwangsweisen Thronwechsel in Serbien, noch eine Schmälerung der Rechte Serbiens zulasten. Die Nachricht vom Rückzüge Alim- picS wird demenlirt.

Wien, 12. Aug. Nach guten Privatinsormationen besteht zwischen Wien und St. Petersburg seit zwei Tagen ein reger telegraphischer Verkehr zu dem Zweck eines ge­meinsamen Schutzes Serbiens gegen die Türken, falls der­selbe nothwendig werden sollte. Man erwartet baldigst eine Vereinbarung.

Ragusa, 12. Aug Der russische GeneraleonsulIo­nin ist mit neuen Instruktionen nach Cettinje gereist. An- geblich sind Separatverhandlungen zwischen Monter egro und der Pforte bevorstehend.

Semliu, 11. Aug. Fürst Milan wird morgen in Semendria erwartet, übermorgen in Belgrad. Der Fürst ist dem Frieden geneigt, die Ministerkrisis dürfte nach seiner Rückkehr nach Belgrad auSbrechen.

Orsova, 11. Aug. Ein Augenzeuge berichtet über die Einnahme von Saitschar. Dieselbe erfolgte durch tür­kische Reiterabtheilungen, welche die Stadt verlosten fanden. Tscherkesten und Baschibozuks hatten bereits sechs Häuser geplündert und verbrannt und elf zurückgebliebene Serben ermordet. Die nachrückenden Rizams und Irregulären ließen nichts unversehrt. Der Schaden ist ungeheuer. Sämmtliche Ortschaften längs der Timok sind niederge­brannt, die Serben flüchten theils nach Rumänien, theils nach Oesterreich. LeschjaninS CorpS kämpft gegen die Vorhut Suleiman'S.

Cettinje, 11. Aug. Fürst Nikita hat den schon angetretenen Marsch nach Sieneia wieder aufgegeben und ist vor Trebinje zurückgekehrt.

Petersburg, 11. Aug. Unfern Nachrichten zu Folge hat Serbien den Vertretern der fremden Mächte eine Note überreicht, in welcher dieselben von den in Serbien

Herrn, der haft schon lange gekrankt an der Lungenschwind­sucht und wohl niemals viel auf der Mühle gehabt; aber ich dachte, nun kommst du um den guten Dienst, und die Susanne, Euer Schwester-ManneS Bruderkind, die Jungfer bei der Baronin war, lag mit dort schon im Kopfe. Die blieb gewiß, denn sie hatte große Gunst bei der Gnädigen aber ich! und wenn ich fortkom, dann schaffte sie sich gewiß bald einen andern an, und der Kammerdiener, den wir immerHerr" nennen mußten, streckte alle zehn Finger nach ihr auS, ob er auch ein alter häßlicher Kerl war.

Aber die Sache kam anders, denn als die Gnädige mit dem jungen Herrn nach vierzehn Tagen ankam, kriegte der schnüffelnasige Mosjö seinen Abschied und ich blieb bei meinen Pferden und der Susanne.

Ihre Mutter, die Geroldten hatte eine schöne Woh nung im Hose, grab' über meinem Stalle, und wenn ich Abends dir Pserde versorgt hatte, steckte ich mir die Pfeife an und ging zu der Alten auf Besuch.

Es dauerte dann auch gar nicht lange, kam die Su sänne aus eine Minute wie sie sagte, nach der Mutter sehen, und zumeist, besonders wenn Besuch bei der Frau war, blieb sic länger und erzählte viel närrisches Zeug, wie's eben so zugeht bei den Vornehmen. Dabei lobte sie aber die Frau zu allen Pforten heraus, na, sie hatte es ja auch gut genug bei ihr, und ging so statiös her wie selber eine Gräfin. ,

AuS mir schien sie sich gerade nicht viel zu machen; nu, ich verdent'S ihr nicht. Ich war noch ein Grünschnabel und sehr seine Manieren hall' ich damals auch noch nicht, so was lernt sich nicht im Handumdrehen, und sie war fein, das mußte ihr der Reid lasten.

Ja, das ging sone Weile fort und ich machte mir weiter keinen Kummer, daß die Susanne nicht freundlicher war, denn ich dachte: die wird später schon ein Eins.hen kriegen, daß du eS gut mir ihr meinst, und im U beigen kannt' ich sie ja auch noch nicht gar lange und kein Baum fällt auf den ersten Streich. Da passtrte waS, das machte mich fuchtSteufeiswiid.

verübten Graufamkeiten der Türken in Krnntniß gesetzt werden. (Ag. R.)

Petersburg, 12. Aug. AuS Bukarest wird hierher gemeldet, daß in Rustschuk zahlreiche Hinrichtungen an Bulgaren vollstreckt werden. Die Bevölkerung der Bul« garet und Serbiens flüchtet in Folge deS grausamen Auf­tretens der Türken von allen Seiten auf rumänisches Gebiet.

Ragusa, 12. Bug. AuS Cettinje wird gemeldet, daß auf die Nachricht, Djeladdin Pascha fei zur Verstärkung Mukhtar Pafcha'S im Anrücken, Fürst Nikita mit einem Theile der Armee Djeladdin Pascha entgegenziehe, um besten Bereinigung mit Mukhtar Pascha zu verhindern.

Belgrad, 12. Aug (Amtliche Meldung.) Die Zeitungs-Nachricht, daß sich Czolae Anties nach schweren Verlusten über die Grenze zurückgezogen habe, beruht auf einer Erfindung; derselbe hehauptet vielmehr feine Posi­tionen. Santo Alimpics war in den letzten Tagen in keinerlei Gefecht verwickelt.

Deutsche- Teich.

Berit», 12. Aug. DieNvrdd. Allg. Zig." schreibt in ihrem heutigen Tagesbericht: Die großen Gedenktage deS AugustmonatS, durch die bei Metz gelieferten blutigen und ruhmreichen Schlachten, bezeichnet, welche den unver­gleichlichen Sieg von Sedan und später die Kapitulation deS für unüberwindlich gehaltenen lothringischen Waffen­platzes zur Folge hatten, treten wieder an uns heran mit allen Erinnerungen damaliger Eindrücke und zugleich dem befriebigenben Bewußtsein, daß die Opfer damals nicht vergeblich gebracht worden, sondern in der nationalen Wiederaufrichtung Deutschlands und seiner politischen Wiedergeburt ihren Preis gefunden haben. Selbstverständ- ständlich steigt die Erinnerung an die große Augustwoche des Jahres 1870 in uns nicht auf, ohne uns das Bild unseres Kaisers zu zeigen, welcher nach ächter deutscher Art inmitten seines Heeres, des Volkes in Waffen, Noch und Gefahr mit feinen Kriegern theilte nicht von per­sönlichem Ehrgeiz getrieben, sondern als deutscher Fürst in Gemeinschaft mit dem ganzen deutschen Volke für deS gefammten Vaterlandes Freiheit kämpfend und siegend. Und eine dankbare Freude überkommt uns bei dem Ge­danken , daß eS dem König Wilhelm vergönnt war, und hoffentlich noch lange Zeit vergönnt fein wird, die Früchte feiner damaligen Siege in einem durch dieselben gesicherten Frieden zu genießen und die Konsolidirung des Reichs,

Nämlich, die Geroldten hatte früher mit der Susanne zusammen im Hofe gewohnt, wie die noch das Schneidern lernte. Nanu', wo sie in Conbition war, schlief sie oben im Vorderhaufe bei der Baronin, und ihre Stube war leer.

Die Mutter aber reuete das, und e» könnt'» ihr auch eigentlich Niemand verargen, wenn sie den kleinen Profit mitnahm und das Nest vermiethete. Freilich kriegte sie nur zwei Thaler, aber 'S waren doch immer zwei Thaler monatlich mehr.

Damals war'» mir freilich mehr wie ärgerlich, wie ich Abends mit meiner Pfeife angerückt komme und sitzt da am Tische bei der Geroldten ein wildfremder junger Mensch und lieft in einem Buche und sagtguten Abend" wie ich guten Abend" sage, und fleht blos so über mich weg und steckt, bann die lange Nase wieder in'S Buch.

Die Geroldten mochte wohl merken, daß mir der Spaß nicht gefiel, denn ich war mitten in der Stube stehen ge­blieben und sehe ihn mit aufgetiffenen Augen an, denn sie steht auf und tritt zu mir und spricht leise:HauSke, das ist der Herr Candivat Johannes Hagen, ein sehr ge­lehrter junger Herr, der hat mir die leere Stube von der Susanne adgemiethet."

Na, da iS' schon gut," sag' ich bloS, und will auch gleich zur Thür wieder 'raus. Da kommt aber die Susannerein, und ich denke in meinen Gedanken: i nu gerade nicht! und setze mich In die Ecke und ipreche den ganzen Abend kein Sterbenswort, und blase b'.m windhurrdigen Candidaten den Rauch recht apart herüber, bis er husten muß und die Susanne ganz spitzig sagt:daS ist ja ein Dampf wie in eir.ec Tabagie. Ich we de morgen eine Tafel an die Thür hängen wie in den Eisenbahnwagen, wo brauf fleht:Für Nichtraucher!"

Mutter Walthern Ihr könnt Euch vorstellen, wie mich das wurmte, aber Ich sagte nichts; eigentlich »oDP. ich gehen, Ich wußte bloS nicht, wie Ich mit guter Manier^ herauskommen sollte, und dann wollt' ich auch wieder denen den Gefallen nicht thun und zuerst abziehn' wie ein be- gvstener Pudel. Also nehme ich die Pfeise auS dem Munde