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XI. «Jahrgang.

Marburg, Sonntag, 13. August 1876

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wahrscheinlich ihren Vormarsch gegen das Morawathal, die natürlichste Straße nach Belgrad, richten, und vielleicht haben wir dort demnächst eine Entscheidungsschlacht zu er­warten. In Bosnien und der Herzegowina steht seit MukhtarS Niederlage bei Wutschidol noch Alles beim älten.

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Ohne Geleit.

Eine Erzählung von W. E.

Lagesbericht.

Wie wir aus Rom erfahren, ist im Zustande deS Kar­dinals Antonelli eine merkwürdige Veränderung eingetreten. Er kann nicht mehr erwärmt werden, obgleich man ihn mit wollenen Decken zudeckt. Die Transpiration hat ganz aufgehört. Die Aerzte fürchten sein baldiges Verscheiden.

Die mehrfach verbreitete Nachricht, daß Fürst Carl von Rumänien abdiciren wolle, hat mehr Aussehen erregt, als sie es hinsichtlich ihres inneren Gehaltes verdiente. Wir können constatiren, daß man in unterrichteten Kreisen der Ansicht ist, Fürst Carl werde am allerwenigsten in solchen kritischen Zeiten, wie sie jetzt bestehen, sein Geschick von dem des FürstenthumS Rumänien zu trennen geneigt sein.

Obwohl von offiziell türkischer Seite beharrlich in Ab­rede gestellt wird, daß die Pforte daran denke, in irgend eine Gebietsveränderung zu Ungunsten der Türkei einzu- willigen, so ist es doch feststehend, daß Montenegro dennoch alle Aussicht hat, einen Gebietszuwachs zu erhalten. DaS kleine Fürstenthum erfreut sich einer hohen Protektion, die um so werthvoller ist, als der Protektor thatsächlich ein Freund zwar nicht der türkischen Wirthschaft, aber doch des türkischen Staatswesens ist. Es ist ganz unläugbar, daß die österreichische Diplomatie zur Beurtheilung der slavischen Erhebung sür Serbien und Montenegro einen ganz verschiedenen Maßstab anlegte. Thalsache ist, daß vor Eröffnung der Feindseligkeiten namentlich Oesterreich die Pforte in der Ansicht bestärkte, daß Montenegro neu­tral bleiben werde. Thatsache ist ferner, daß Oesterreich mit der Schließung deS Hafens von Kiek die Montenegriner begünstigen wollte. Thatsache ist drittens, daß Oesterreich eine Gebietserweiterung für Montenegro eifrig unterstützt.

Nach einer nicht sehr wahrscheinlich klingenden Nach­richt derCorrespondance Universelle," die jedoch aus bester Quelle stammen soll, hätten die Vertreter der Mächte in Constantinopel dem Großvezier gemeinschastlich den Vor­schlag gemacht, einen Waffenstillstand aus 40 Tage abzu- schließen. Wir zweifeln, daß die Mächte gesonnen find, her Pforte derartige unannehmbare Vorschläge zu machen. Wenn wir nicht falsch berichtet sind, werden die Mächte erst dann einen Waffenstillstand in Vorschlag bringen, wenn

Gesichtern, gingen rechts und links von dem Gesährt Niemand folgte.

Das machte einen tiefen Eindruck auf die Großmutter. Nirgends als im Bauernstände wird soviel auf Familie und großeFreundschaft" gehalten und der Mangel einer solchen nicht selten als ein Makel, im besten Falle aber als ein großes Unglück betrachtet.

Der arme Mensch ist wie aus dem Steine gesprungen" oderbie gehört Niemanden an", solche Ausrufe hört man häufig und der Ton, mit welchem dieselben gesprochen werden, schwankt zwischen Mitleid und Geringschätzung.

Auch der alten Frau erschien die Vorstellung von dem einsamen Leben und Streben deS Menschen, den sie dort zur letzten Ruhestätte geleiteten, und die Folge desselben: das einsame Begräbniß, unendlich bemitleidenswerth. DaS Letztere vielleicht noch mehr als das Erste, denn erleichtert doch oft der Gedanke an ein großes und recht feierliches Begräbniß den letzten Kampf der Scheidenden, wie ja auch die bewundernde Versicherung der Theilnehmer deS Trauer- geleitestDaS war eine schöne Leichel" den Schmerz der Hinterbliebenen dämpft.

Aber daß Jemand in der Welt, ja vielleicht in ihrer Nähe gelebt hatte, den Niemand von den Taufenden, welche die große Stadt bevölkerten, dieletzte Ehre" erwies, das war ein zur Schau getragener Jammer, welcher der Alten an'S Herz griff.

Ohne Geleit!" murmelte ste kopfschüttelnd und trat näher an den Fahrdamm.

Der mürrische Kutscher hieb auf die Pferde.'

Schönen guten Abend!"

Guten Abend auch, Mutter Walthern, ist daS aber ein verflucht holpriges Pflaster in Eurem Neudorf I Seit der Magistrat die Kirchhöfe drei viertel Meile vor die Stadt gelegt hat, da ist cs wirklich gar kein vernünftiges Be­

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graben mehr, 's find die reinen Spazierfahrten, die wir machen müffen."

Ja, ja," entgegnete die Großmutter mit zustimmendem Kopfnicken.Wer ist denn die Leiche, Vater Beier?" Der Manu verzog verächtlich die Lippen:Ein verrückter Schreiber!"

Der Andere zeigte mit dem Peitschenstiel auf den Sarg, indem er, die Rede seines Gefährten ergänzend, fortfuhr:

Der'S in feinem Leben lange nicht mehr so gut ge­habt hat, spazieren gefahren zu werden, seit er auf die Visite zu meiner gewesenen Gnädigen kam. Na,'s ist GraS über die alten Geschichten gewachsen, und über dem wird's auch wachsen, wenn das Frühjahr in'S Land kommt."

Die alte Frau hielt, an der Seite schneller hergehend, Schritt mit den Männern.

Verrückt war er, und zu Eurer Gnädigen kam er auf Visite nu, wer wird denn das gewesen sein? Erzählt doch, Gevatter Hauske!"

Neugieriges altes Weib!" brummte der Andere, der mürrische Vater Beier, vor sich hin und fügte dann in gedämpftem Tone, zu seinem Gefährten gewendet hinzu: Binde doch der Alten waS auf, HauSke!"

Ach wo!" erwiderte dieser eben so leise,die würde mich! Ich habe schon drei Jahre eine Stube in ihre« Hause und meine Frau war auS ihrer Freundschaft," und zu der Alten tretend, sprach er freundlich:Morgen ist Sonntag, Mutter Walthern, da komme ich zu Euch zum Lichten, und da erzähl' ich Euch von Dem da, was ich weiß. Aber jetzt müffen wir vorwärts machen, daß wir ihn zu Nest kriegen, sonst kömmt uns das Wetter über'« Hals. Seht nur, wie's wieder dort raufzieht."

Das fehlte noch auf die Letzte, 'S ift ohnedem Hund«.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Qtyebttion d. Blatte» sowie bte Amwncen-Bureaur von ®. L. Daube & Co. in ' Frankfurt a. M : JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schuß­

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Wege der Beruhigung.

PiuS IX. beabsichtigt, an sSmmtliche Bischöfe eine

hfolger erhalten.

Dir Budgetberathungender fianzösichen Deputirten dmer und besonders die am 27. Juli begonnenen Ver> blutigen über das ÄtiegSbubget halten das Land sort- frend in Äthern. Das System, das der Budgetausschuß er Gambetta'S Vorsitz durchzuführen sucht, ist aller ien werih: eS streicht UeberflüssigeS und sucht die et« ten Ersparnisse dem Volksunterricht und der besten , jnlung und Mannszucht der aktiven Armee und der nzeL ksnve zuzuwenden. Der am 1. August bewilligte Zusatz- 77 Kredit von 32 Millionen begreift eine Summe von nahezu

Die Verwicklung, welche Deutschland und Frankreich tit der Türkei hatten, ist jetzt gelöst, indem die Pforte so« yhl in Bezug auf die Bestrafung der Mörder in Salo- M sowie auf Zahlung der Entschädigungsgelder an die wstebei binterbliebencn der ermordeten Consuln die Forderungen billiget M beiden Regie,ungen erfüllt hat. Von Angelegenheiten hr inner« Politik stehen die Wahlvorbereitungen an ober« jtr Stelle der Tagesordnung, am 17. Oktober sollen die znvahlen zum preußischen Landtage, jedoch erst am 5. fenuar die Wahlen zum neuen Reichstage erfolgen. Ein »ütereS Ereigniß der Woche bildet die Eröffnung der

- ulstkalischen Festspielbühne in Baireuth. Der König von iendfciern hat schon d r Generalprobe bkigewohnt; zu der Ausführung am 12. d. M. werden zwei Kaiser eintreffen, ßem Pedro von Brasilien und unser Kaiser Wilhelm, «icher nach glücklich beendigter Kur Gastein verlassen hat.

Die Banksrage, welche tenAusgleich" zwischen beiden Men der habsburgischen Monarchie so sehr er« stzmtte, ist jetzt in Folge der Berathungen des österrei- Hschen und ungarischen Finanzministers glücklich und gänz­lich zur Zufriedenheit beider Regierungen gelöst worden. Die Kiek Frage ist nun auch auf dem Felde der Thatsachen «bgewickelt, nachdem die türkischen Truppen am 4. d. M. die Baracken von Kiek und das Fort Utovo eingeSschert »d sich auf die Fregatte Enthis zurückgezogen haben. In ie a« hakraez und Belovar wurden mehrere neue Verhaftungen ton Omlabiniften, denen StaatSverrath vorgeworfen wird, «fügt; im Uebdgen sind die ungarischen Serben auf dem

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tn mit bcyklica zu richten, welche der Ketzerei steuern soll. Der defenen chemalige Staatssekretär Antonelli, welcher abermals heftig -rlin, «krankt ist, wird wahrscheilich den Cardinal Franchi znm

ametgen nimmt entgegen:

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suchen sich dem Heere durch Spiegelfechtereien der erbärm lichsten Art angenehm zu machen, ja, Dreolle hat durch seine Theorie, das Heer stehe über der Verfassung, geradezu am 3. August Skandal erregt, aber Gambetta Gelegenheit gegeben, diese bonapartistischen Manöver gebührend zu brandmarken.

Die Uebereinkunft Über die Umwandlung der schweben­den Schuld Spaniens in Pfandbriefe ist endlich unter­zeichnet worden. Im Uebrigen ist an bemerkenSwerthen Dingen nut noch eine abermalige Niederlage der kubanischen Aufständischen zu verzeichnen.

Die wichtige Vorlage, welche daS englische Parla­ment in der dem Ende zuneigenden Session noch zu erle­digen hat, ist nach bestandenen Stürmen im Unterhause nunmehr in das ruhigere Fahrwaffer des Oberhauses ein gelaufen und kann schon als im sichern Hafen geborgen g-lten. Ehe ste das Unterhaus verließ, gab die Opposition ihr noch einen Protest gegen einige engherzige Bestimmungen mit auf den Weg. Von sonstigen politischen Angelegenheiten waren eS wieder türkische und ägyptische Erörterungen, welche daS Parlament hauptsächlich beschäftigten.

Der König von Dänemark hat seinen vertrautesten Freund und Ralhgcber durch den Tod verloren: Am 4. d. MtS. starb in Kopenhagen sein Oberhofmarschall General Waldemar von Oxholm, der unter König Friedrich VII. dänischer Gesandter in London und ganz besonders dafür ihätig gewesen war, daß König Christian IX. kraft deS Londoner Vertrages vom 8. Mai 1852 und des dänischen Thronfolgegesetzes vom 31. Juli 1853 im November 1863 den Thron bestieg. Am 8. d. Mts. ist in Kopenhagen das Standbild des Astronomen Tycho Brahe (f 1601) feierlich enthüllt worden.

Mit Midhat'S BerfaffungSentwurf für da» O S m a n e n« reich steht eS moch just wie zuvor, und auch deS Sultans Gesundheitszustand will sich noch nicht recht beffern. Desto rühriger entfaltet sich die Thätigkeit deS aus seinem Schlummer erweckten Halbmondes auf dem Kriegsschau­plätze im Norden. DeS KhediveS (Kontingent von 9000 Mann, meist Neger, ist theilS schon nach dem Norden ab­gegangen, theils erst auf der Fahrt von Alexandria nach Konstantinopel begriffen, und auch die Volksbewaffnung nimmt noch immer größere Ausdehnung an. Die ganze südöstliche Ecke Serbiens mit den Städte Knjaschewatz und Saitschar ist in bie Hände der beiden türkischen Operations- Corps unter Achmed Eyub und OSman gefallen, Knjasche- watz nach mehrtägiger Schlacht, Saitschar dagegen ohne Widerstand. Der am Timok commandirende serbische Feld­herr, Oberst Leschjanin, hat eS vorgezogen, frühzeitig ab­zurücken, um noch ungestört seine Vereinigung mit dem im Morawathal stehenden Hauptcorps unter Tschetnajew zu Stande bringen zu können. Die Türken werden nun auch

f Es hatte den ganzen Tag geregnet. Jetzt durchbrach mS * blafie Strahl der Herbstsonne das abendliche Gewölk; - M lockte die alte Großmutter hinaus, ste trat vor das 1021 l^fthor, ihr Enkelchen auf dem Arme im rothgestreiften ^Mtwen Fries rock, den Kopf vorsorglich mit einem blau * Wtwwollenen Tuche verbunden.

Das Dorf war still und einsam, die Spaziergänger 'M der nahen Residenzstadt, welche es sonst zu beleben Hegten, hatte heute der Regen abgehalten, die Bauern und rAiutet" waren in Hans und Hof beschäftigt und so itemelten sich denn nut bie Kinder auf der schmutzigen kraße, spieltenVerstecken" undFahrweg", zimmerten l «ücken über den ausgetretenen Rinnstein, ließen Eierschalen ^hölzernen Mastbäumen hin und her rudern, und die *iändigsten wateten in den Pfützen umher, nachdem sie H leinenen Hosen über die ftniee heraufgekrämpt halten, * jauchzten um so lauter, je höher ihnen das schmutzige «ffer über den Kopf spritzte.

Die Ahne schaute scharfen Blickes dem Treiben Ader zu, da sie aber ihren Enkel Fritz nicht unter Aaar entdeckte, wandte ste gleichmüthiq den Kopf ab * Eingang deS Dorfes zn, in der Hvff-rung daß ihr Ntt noch irgend eine Unterhaltung kommen werde.

.Und ste sollte sich auch nicht getäuscht haben.

jAen mageren, schwarz behangenen Pferde deS Armen- pkn wagen» bogen um die Ecke. Der abgenützte schwarz Wnchene Wagen raffelte auf dem Pflaster und theilte feine Regung dem ebenfalls schwarzen, mit einem weißen Kreuze Malten Sarge mit, der oben stand.

L Die zwei Führer mit rothen, etwa» aufgedunsenen

13 Millionen für Zufammenberufung von zwei Classen der > iv kservisten. An Zwischenfällen waren die Sitzungen der [1901 Deputirtenkammer reicher als an eingehenden Erörterungen ---- Mb Redekämpfen: der Amendements ist Legion und man W mit der Mehrzahl kurzen Prozeß die Bonapartisten