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Marburg, Sonnabend, 12. August 1876.
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Die weitere parlamentarische Geschichte im Norddeutschen
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Die MilitLrfrage hat
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düngen I Kann sich denn wirklich ein vernünftiger Mensch einen Schmerz, einen Druck, eine Spannung, das Gefühl der Ermattung, der Schwäche oder der Erregung und Reizung blos einbilden, sich bloS vorstellen, als sei das eine oder andere dieser Gefühle im Körper vorhanden?
Man kann sich wohl eine falsche Vorstellung von dem Grunde der Gefühle und wa8 sie zu bedeuten haben, machen und sich einer Einbildung hingeben in Bezug auf die Natur oder den Verlauf eines Leidens oder auch nur eines SywptomS; es ist ferner wahr, daß mancher Kranke die Dreistigkeit hat, dem Arzte geradezu eine Lüge anfzubinden und ihn aus irgend welcher Absicht täuschen zu wollen, aber darum darf man doch als Arzt nicht Alles, was uns uneiklärlich erscheint, als.Wirkung der Einbildung abweisen.
Für daS täglich wechselnde, häufig wunderliche Spiel hochgespannter oder erschlaffter Nerven in den vielen, schon im Uranfang ihres Leben» reizbar angelangten Personen finden wir keine andere vollkommen befriedigende Eiklärung als die: durch den Einfluß der täglich wechselnden Lust vcrhältniffe, weil diese die Lebenöthätigkeit des ganzen Organismus in beständiger Bewegung und Anregung erhalten. Darin besteht die Kränklichkeit der Personen, die wir als Nervenleidende bezeichnen, daß sie Alles allzusehr empfinden und immer nur daS Eine beachten, was und wie sie empfinden.
Wenn die Menschen lernen könnten und wollten, sich selbst täglich und in Beziehung aus die Witterungs, die atmosphärische Konstitution zu beobachten, so würden sie nach einem gewiffen längeren Zeitraum der Selbstbeobachtung wahrnehmen, daß eS für jeden Stnzelmenschen eine bestimmt« WttterungSbeschaffenheit, einen bestimmten Thermo-
Händen des Kaisers und seines Kanzlers gehütet find als bei den Staatsweisen der Foitschrittspartei.
Die Erfahrung hat daS Volk in dankbarem Hetzen bewahrt und lautes Zeugniß davon gegeben, als es im Frühjahr 1874 galt, die glorreich bewährten Grundlagen der Wehrverfaffung dauernd und unwiderruflich sestzu« teilen.
wie Barometerstand, eine besondere Windrichtung, HimmelS- anstcht und Stellung der Sonne zur Erde (richtiger der Erde zur Sonne) oder Tageszeit giebt, welche in ihm das höchste Behagen oder Wohlempfinden erzeugt und erhält. In dieser Beziehung gilt auch und sehr der Satz: Eines schickt sich nicht für Alle, wenn der Eine sagt: so muß die Witterung, die Luft, die Wärme u. s. w. beschaffen sein, um mich in behagliche Stimmung zu versetzen, so werden andere ein anderes Wetter, wenigstens nicht in allen Punkten dasselbe für sich wünschen.
Sehr einflußreich finden wir die verschiedenen TageS» zelten auf das Befinden und Verhalten leidender Personen, wie auf den Verlauf der Krankheiten. Auch Sie werden sicher oft schon die Bemerkung aus dem Munde der Leidenden gehört haben, daß sie sich besonders in den Morgenstunden nach dem Erwachen sehr unwohl fühlen während in den Abendstunden ein Nachlaß in den unleidlichen Empfindungen und relatives Wohlbefinden eintretr. Die meisten Nervenkranken — wir brauchen diesen Ausdruck im bekannten populären Sinne — klagen in solcher Weise. Manche versichern, eS sei daS Helle Tageslicht, der Sonnenschein, der sie den Tag über in Aufregung erhalte, sie lieben den Himmel bedeckt, dir Atmosphäre trübe, feucht. Im Migräne-Anfall wird das dunkelste Zimmer zum Linve- rungSmiitel. Mit dem Eintritt und während der Dauer stürmischer Winde werden manche Kranke in die äußerste Unruhe versitzt; ein herannahendes Gewitter im Sommer ruft in vielen Personen verschiedene merkwürdige Zufälle hervor: heftige Zunahme der Schmerzen, Zittern, Krampf, Ohnmacht, Schwäche.
In den akuten Krankheiten, Entzündungen, fallen die Verschlimmerungen, die unruhigsten Stunden M Kranken
Unser« guten und Höfe« Stunde«, Tage und Tageszeiten. (Schluß.)
!ints^ s% ob.*:
rlaM, Berlin, Leip- In k ; Rudolf Moffe Berlin, Frankfurt a. M. re.
Der Patriotismus der Fortschrittspartei.
II.
Mehrheit aufweisen, wenn die Nationalliberalen und Konservativen mit vollkommenster Hingebung zusammenhalten. Die allermeisten Mitglieder der Fortschrittspartei find ohne Zweifel in der festen Erwartung gewählt worden, daß sie nicht mit den Ultramontanen, sondern daß ste mit der Reichsregierung gehen würden. Wenn nun nichtsdestoweniger die Mehrzahl der Partei in den Dienst der N» säffer und damit in den Dienst der Ultramontanen und aller Reichsfeinde eingetreten ist, wie meint ste das vor ihren Wählern verantworten zu können? Nicht das geringste vermag die Fortschrittspartei zur Entschuldigung ihres Anschlusses an die Elsässer vorzubringen.--
Die große Mehrheit der Deutschen begehrt ganz ohne Zweifel und sehr lebhaft eine Verständigung zwischen Reichsregierung und Reichstag in der HerreSfrage. Die Fortschrittspartei würde der Freiheit und dem Vaterlande schlechte Dienste leisten, wenn ste jetzt dem Reichs-Militärgesetze einen blinden Widerstand entgegensetzen wollte."
Als in den lang hingezogcnen Vorverhandlungen die Aussicht auf Verständigung sich zu verdunkeln schien, da trat mit ungeahnter Krast jene erhebend patriotische Bewegung
Anzeigen nimmt entgegen: die Eichedition d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ♦ meyer in Berlin; CarlSchüß» ler in Hannover; S. «Schlotte in Bremen.
rauf ankommt, einfach konsequent zu sein. Wir sind der Meinung: eS kommt vor Allem darauf an, patriotisch zu sein."
Im folgenden Jahre (1869) überraschte der Abgeordnete Virchow daS Preußische Abgeordnetenhaus mit einem Anträge auf sogenannte „Abrüstung": die Regierung solle dahin wirken, daß die Ausgaben der Militärverwaltung im Norddeutschen Bunde beschränkt würden. Der gelehrte Fortschrittsmann meinte, wenn man die damalige Lage unbefangen prüfe, müsse man anerkennen, „daß selten eine Zeit gewesen, wo so wenig Grund vorhanden war, daß die einzelnen Staaten in voller Kriegsrüstung einander gegenüberstehcn." — „Es gab eine Zeit, wo es glaubhaft erschien, daß einzelne Regierungen, um eine Ableitung für die innere Arbeit deS Volkes nach Freiheit herbeizuführen, äußere Kriege anfangen möchten. In dieser Beziehung )aben sich die Dinge wesentlich geändert; die Versuche, welche wiederholt in Frankreich gemacht worden sind, durch die Preffe das Volk aufzuregen, eS mit neuem Haß gegen ein Nachbarvolk zu durchdringen und der Regierung den Vorwand zu bieten, einen Krieg anzufangen, diese Versuche sind schmählich gescheitert. Ich bestreite auf das Entschiedenste, daß im französischen Volke gegenwärtig die Möglichkeit existirt, daffelbe durch bloße Hinweise auf irgend welche äußere Verhältnisse von der inneren Arbeit abwendig zu machen — sie sind weit davon entfernt, in äußeren Großlhaten irgend einen wesentlichen Bestandtheil deS Volkslebens zu sehen." — Er fügte hinzu, es sei auch nicht daran zu denken, daß die weitere Entwickelung Deutschlands wieder mit Blut und Eisen vollzogen werde, sondern nur durch die innere Arbeit der Ration.
Hierauf erwiderte der Abg. Lasker, welcher NamenS der national-liberalen Parteiden Antrag entschieden bekämpfte: die erste Frage, waS Preußen in Deutschland zu thun gesonnen sei, würde der Beginn einer kriegerischen Verwickelung fein, wenn Preußen nicht ans seinen Beruf in Deutschland verzichten wolle. Preußen dürfe weder direkt noch indirekt irgend etwas thun, wodurch die Meinung hervorgerufen werde, daß eS auf seinen Berus in Deutschland verzichten wolle.
Die Regierung hielt eS ihrerseits nicht für nöthig, dem thörichten Anträge und der noch thörichteren Begründung auch nur ein Wort entgegen zu stellen. Die weltgeschicht lichen Thatsachen haben dem Abg. Virchow unerwartel schnell die durchschlagendste Antwort gegeben; denn kaum ein halbes Jahr nach seinen feierlichen Versicherungen über Frankreichs Friedensliebe erscholl in Paris und in ganz Frankreich der Ruf: „nach Berlin I" Mit dem Prophezeien hat der Abg. Virchow nun einmal kein Glück: richtige Voraussicht, bekanntlich eine der besten Gaben für einen praktischen Politiker, scheint Fürst Bismarck doch in höherem Maße zu besitzen — und das deutsche Volk hat im Jahre 1870 von Neuem erfahren, wie viel sicherer seine Geschicke, sowie die Interessen der deutschen Einheit in den
Als damals die Fortschrittspartei versuchte, die HeereS- rage wieder zu einem Gegenstände alljährlich sich erneuernden Konflikts zu machen, wurde ihr von nationalliberaler Seite alsbald entgegengehalten: ...... ' _
währeng der letzten Wahlkämpfe überall eine sehr wichtige Rolle gespielt und das Volk im Ganzen und Großen bei dieser Gelegenheit feinen Willen in der Richtung kundge- than, daß diese Frage nicht zur Konfliktsfrage gemacht werden dürfe; wir wissen, daß selbst fortschrittliche Kandidaten in dieser Hinsicht den Wählern beruhigende Versicherungen haben geben müssen. Wir meinen, die ganze Situation ist denn doch von bet Art, daß wir nicht die geringste Veranlassung haben können, unS nach irgend welchen ernstlichen Streitigkeiten mit der Regierung, deren Politik ganz und gar die unsrige ist, zu sehnen."
Die „National-Zeitung" schrieb mit Bezug auf daß gesammte damalige Verhalten der Fortschrittspartei in der HeereSfrage sowohl, wie in den kurz vorher verhandelten elsaß-lothringischen Fragen: „Die Fortschrittspartei oder der größere Theil von ihr hat für« Erste eine Haltung beobachtet, welche nicht fortgesetzt werden könnte, ohne für den Reichstag und daS Reich sehr unerfreuliche Aussichten zu eröffnen. Wenn es drei Iahte lang so weilergeht, so wird die deutsche Volksvertretung in diesem ganzen Zeit- raume nur etwa dann noch eine zuverlässig reichstreue
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•«tuai nimmt entgegen: j, gjpebition d. Blattes, Igie die Annoncen-Bureaux «n Th. Dietrich L So. in i.fid und Hannover; Th. Rettich in Frankfurt a. M ;
Fortschrittspartei. „Wir beide wollen die konstitutionelle 0L Entwickelung nach Kräften fördern, die freiheitlichen Seiten Uf betonen. Aber wir gehen davon aus, daß die Roth des • " ! Vaterlandes kein Mittel ist, um die Rechte deS Volkes zu etrme&ren, daß im Augenblicke , wo der äußere Feind an die Thüre klopft, die Parteien irn Innern den Kampf tammili j$|len unb geschlossen gegen das Ausland kehren nd hin B^en.--Wir sind nicht der Ansicht, — und auch
darin scheinen wir unS von den Herten der Fortschritts- tch KaS J(J unterscheiden —, daß es in bet Politik nur da-
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.« w An biefe letzteren, deren Zahl nicht gering ist, denken ° [16 ®ir vorzüglich; diese sind es, deren EmpfindungSweise, ___L-i deren körperliches Wohl- oder Uebelbeftnben bei völliger
Gleichmäßigkeit unb Ruhe bet täglichen Lebensweise, bei Hdwffenheit aller äußeren ober inneren Reizmittel auf Körper unb Seele, mit ben täglichen Veränderungen in den Verhältnissen bet Atmosphäre steigt unb fällt, jeden falls durch biefe in verschiedener Weise unb Richtung mehr aber weniger verändert wird.
Die Letzte befinden sich oft ihren Patienten oder richtet den oft absonderlichen Erscheinungen in dem Bet» halten deS Patienten gegenüber in der Lage, sich bitfe, die Gründe, nicht «Hären zu können, sie halten die Klagen b«s Kranken für übertrieben, für unwahr. „Sie müssen stch das nicht einbilben, Sie müssen sich etwa» mehr mo- ^lsch zusammennehmen, sich beherrsche«, biefe Gefühle be- «dnpfen I" so lautet der Rath be« Arztes, ben bie sogenannten Nervenschwachen, bie Hypochonbristen unter ben Männern, bie Hysterischen unter ben kranken Frauen, stets ®h Unwillen hören. Wir theilen, ehrlich gestanden, ben '""Villen, denn wenn wir auch den Wunsch deS Arztes Erstehen, daß der Patient feine Klagen, die Worte, bie nussührliche Beschreibung bet Empfindungen unterdrücken Mächte, so verstehen wir aber nicht, wie man etwas nicht ^Pfinben soll, waS man eben und höchst unangenehm em tftobet, wie man den thatsächlichen Vorgang, die Empfin düng, b. h. bie Beränbetung im Körper, welche bie Em- hfwbung hervortust, unterdrücken solle oder könne? Unb
6« bie Voraussetzung einer Einbildung von Empfin
zart.
feunbe unb im Deutschen Reiche hat säst in jeder Session niietix wn Neuern ben tiefen Gegensatz hervortreten lassen, welcher wischen ben Auffassungen unb Zielpunkten bet FortschrittS- artei und den im praktisch patriotischen Geiste wirkenden •olai. etionalen Parteien besteht.
laner. Zunächst gab die Marine-Anleihe schon im Jahre iumanjl868 Anlaß zu ben schärfsten Erörterungen: bie Ausnahme kn unentbehrlichen Mittel für bie Fortbildung der Nord «tischen Marine drohete daran zu scheitern, daß das Ge ch über das Bundesschuldenwesen nicht zu Stande ge- dmmen wat. Die Regierung bot die Hand zur Verstän- ,_Wni taung, indem sie vorschlug, daß die Bundesanleihe für * lit Marine einstweilen von der preußischen Staatsschulden- «nvaltung unter der Oberaufsicht des Bundeskanzlers ynwaltet werden sollte. Die Mehrheit des Reichstages «hm diesen VermittelungSvorschlag günstig auf. Auch
'amiliflfaa liberaler Seite wurde erklärt, daß unter dem Streite >n in dinier die Verwaltung der Bundesschulden die Flotte nicht icke, leiden dürfe. Das Volk selbst habe im Jahre 1866 be- ------stundet, daß eS nicht an der Zeit sei, um Verfaffungsrechte »u kämpfen, wenn eS sich um das Heil deS Vaterlandes handele. Seit dem Jahre 1866 bestehe noch weit mehr l. Mjals früher eine der bedeutendsten Aufgaben, welche Preußen zugefallen sind, in bet Entwickelung bet Flotte unb in 42 dem Schutze sowohl bet Küsten wie auch bes Vaterlandes 1 m Meere.
Rur die Fortschrittspartei wieS den Vorschlag der Re- k. 2. - gitrung zurück und warf den National-Liberalen unzeitige 1. - Nachgiebigkeit gegen bie Regierung vor.
— 6 Der national-liberale Abgeordnete Miquel ergriff bte Gelegenheit, um „bie große Verschiedenheit in ben An- schanungen zwischen seiner Partei unb bet Fortschrittspartei grabe an bem charakteristischen Punkte klar zu machen." 2j Von Seiten bet Fortschrittspartei sei bet Satz ausge- worben, selbst in Zeiten bet Gefahr beö Vater- lindes, wo es sich um die Existenz ober Nichtexistenz ——^handele, bfirfe bet Kampf um bie konstitutionellen Rechte ^"Enicht aufgegeben, nicht vertagt werbe. Darin aber liege immtiranerbing8 bet Gegensatz zwischen bet Nationalen unb bet Fortschrittspartei. „Wir beide wollen die konstitutionelle