Einzelbild herunterladen
 

Hr. 185

IN's

tha

ui

ank en

Inietgen nimmt entgegen: He Srpedttton d. Blattet, sowie die Annoncen-Bureaux Bon Th. Dietrich & Co. in Äaffel und Hannover; Th.

1 Dietrich in Frankfurt a- M.; üaasenstein & Vogler in fcantfurt a- M-, Berlin, Leip» lig, (Köln re; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Marburg, Donnerstag, 10. August 1878.

XL Mrgaig.

ObrrhcMr Jrilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die «Edition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von L- Daube & Co. in Frankfutt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A- Rtte» meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJKuftrirteS LonntagSdlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). JnfettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.

W

cker-

ww

ioNz

Banjo führenden Püffe zurückziehen."

Die Kümpfe um Knjazewatz, welche am 30. Juli mit Borlheil für die Serben begonnen, wurden am 2., 3. und 4. August fortgesetzt. Die Hauptmacht der Türken stand bereits am 30. Juli in Ragoste und dürfte nach dem ersten verunglückten Umgehungsversuch in den letzttägigen Kämpfen wieder avancirt sein. Brigadier Horvatovic ist ein auS gezeichneter Führer, aber eS läßt sich nicht verschweigen, daß nicht allein die Wallachen, sondern zum Theil auch die Enden nicht recht Stand halten, so daß thatsächlich in den meisten Kümpfen hauptsächlich die Freiwilligen das Renomüc aufrecht erhalten. Allerdings trägt der Mangel an tauglichen Offizieren viel zu den Niederlagen bei. Am besten halten sich die Belgrader Brigaden. Die Artillerie ist mustergültig. Während nun türkischerseits bei Knjaze- voc der Versuch gemacht wird, in zwei Kolonnen aus i Banjo und im Timoklhol in Serbien vorzudringen, be-

mir, W

Tagesbericht

Die Kampfe auf dem serbisch türkischen Kriegsschauplatz am Timok haben, trotz der bis aus's Aeußerste gespannten Kraftanstrengungen der Serben, die sich übereinstimmenden Berichten zufolge mit großem Heldenmuthe geschlagen haben, und trotz des Erfolges für die serbischen Waffen, vom 3. Huguft, der sie sogar in die Lage setzte, Risch zu bedrohen, dennoch zunächst mit einer Niederlage der letzteren geendet. DaS offizielle serbische Kommunique über die Einnahme

von Knjazevac lautet wörtlich:Von der Timokarmee, 6. August. Unsere Truppen unter Horvatovic haben durch fünf Tage ihre Positionen auf den Höhen von Trestbaba gegen einen überlegenen Feind vertheidigt. Erschöpft durch den kolofialen Angriff mußten selbe schließlich ihre Positionen vor Knjozevac aufgeben und sich in die von Knjazevac nach

4 ginnt auch die Widdiner Armee ihre Offensiv Operationen

______kund es ist mehr als fraglich, ob Leschjanin erfolgreichen widerstand leisten kann. Ein anderes türkisches Armeen IIUv koips unter Ali Said Pascha forcirte die Ueberschreitung me «ibn Grenze von Kurschumlje aus durch die Jankova KUfiura j und bei Dobravoda. General Alimpitsch muß sich an der m müj Drina ebenfalls auf die Defensive beschränken. Dabei fehl! ; (W an Geld, und das Bild der Gesammllage Serbiens stellt r Leh« fich äußerst ungültig dar. Wenn nicht fremde Hülse oder ern o rine gewonnene Hauptschlacht eine Aenderung herbeiführt, wiese« kann Niemand die Türken im weiteren Vordringen hin- leilii dern.

Zrtmt i). D [186

en

Bittet Rt.M

870.

itt.l3*4 lb73,,

av iatff* islößl« hrrisktz iss,! iftM-j och i itog 4 daß * i lang*

ji«

As ette, ch-

Eine amerikünischr Vkrftcheruugsgrschichte.

(Schluß.)

Die von MrS. Goß angestrengte Klage gegen die vier Gesellschasten veranlaßte diese, die Ueberreste jenes angeblich Berbrannten noch einmal ärztlich prüfen zu lassen, doch konnte bei der Entstellung der Leiche keine Rede mehr von «ner Jdentificirung derselben fein. Nur daS Gebiß war uvch erhalten, es war indeß schlecht und lückenhaft und stimmte durchaus nicht mit den prächtigen Zähnen überein, ^lchr Jeder, der den Sonderling Goß einst gekonnt, an birsem zu bewundern Gelegenheit gehabt hatte. Hierauf stützte sich hauptsächlich die Bertheidigung der vier beklagten «efellschasten, ohne jedoch der MrS. Goß die Absicht eines Betruges zur Last zu legen, und um so weniger, als diese ihrem Schmerz beim Tode deS Gatten in einer Weise Aus- «uck gegeben hatte, die unmöglich Verstellung sein konnte.

Frage war freilich nicht aufzukliren, wie Mr. Goß u°d feine Mitschuldigen einen Vortheil auS der Sache iikha, wollten, wenn MrS. Goß nicht in das Komplott mit ^Skweiht war. Nichtsdestoweniger erwirkte die Klägerin

Uithril zu ihren Gunsten. Dafielbe wurde sofort von 01 vier Gesellschaften angefochten und ein neuer Prozeß ""gestrengt.

So weit war diese Angelegenheit gediehen und dieselbe Publikum bereits so gut wie vergefien, als plötzlich ^ch besagten Mord die allgemeine Aufmerksamkeit aus's Akk' ouf dieselbe zurückgelenkt wurde. Die Verhaftung *üvnzovks und dir damit zufammrnhängrndm Umstände

In Belgrad herrscht, Privatdepeschen zufolge, Schrecken. Biele verlafien die Stadt. DaS serbische Hauptquartier ist nach Ezuprija zurückverlegt. Zaicsar ist von den Türken genommen. Die Regierung tagt in Permanenz. Angeblich ist eine Mediation der Großmächte angesucht worden, die Pforte soll jedoch fremde Vermittlung ablehnen. Sie beab- stchtigt den Fürsten Milan abzusetzen, die Minister als biebellen anzuklagen, die Sknpschttna einzuberufen, die Wahl eines neuen Fürsten anzuordnm und mit diesem den Frieden zu vereinbaren. Montenegro hingegen will die

Pforte ein Zugeständniß an Gebiet machen. Ferner wird telegraphisch gemeldet:

Belgrad, 7. August. Zwischen dem Fürsten Milan und General Tschernajeff hat eine heftige Scene stattge­sunden; Letzterer hat den Mißerfolg der Uneinigkeit der Führer zugeschoben und entweder seine Ernennung zum Generalissimus oder sofortige Demission verlangt. Der Fürst hat nachgegeben und ist die Ernennung Tschernajeff's zum Oberbefehlshaber bereits erfolgt. Semendria und Kragujevatz werden verschanzt, aus England sind Geschütze eingetroffen. Kruschevatz soll in Flammen stehen. Das Hauptquartier ist angeblich nach Ezuprija (nordwestlich von Alexinaz) verlegt worden. Es verlautet, daß die Regierung die Mediation der Großmächte nachgesucht habe; anderer­seits ist die Stimmung eine sehr kriegerische. Leschjanin soll SaitsLar seit Mittag aufgegeben haben, in der Haupt­stadt ist deßhalb Bestürzung; dieselbe ist mit Verwundeten überfüllt.

Konstantinopel, 8. August Ueber die jüngsten Kämpfe mit den Serben liegen folgende offizielle Nachrichten vor: Knjazewatz ist noch dreitägigen Kümpfen in die Hände unserer Truppen gefallen. Die Niederlage der Serben ist eine vollständige und um so größer, als der Feind um diesen Ort beträchtliche Streitkräfte concentrirt und Ver­schanzungen errichtet hatte, welche jedoch den Angriffen un­serer Truppen nicht widerstehen konnten. In Folge deS Bombardements ist Knjazewatz niedergebrannt. In dem bei Senidje stattgehabten Kampfe haben unsere Truppen den Feind von den Höhen, welche er besetzt hatte, vertrieben und sich der dort errichteten Verschanzungen bemächtigt. Der Feind wurde von unseren Truppen bis über die Grenze hinaus versolgt und wurden von unseren Truppen zahl­reiche Gefangene gemacht und viele Waffen und Kriegs­material erbeutet. Hassan Pascha hat von Tsoka aus die Offensive ergriffen und hat den Feind bei Gralako am Timok, eine halbe Stunde von Saitchar und in der Nähe eines anderen ebendaselbst gelegenen Ortes angetroffen. Die Serben konnten dem Angriffe unserer Truppen nicht wider» stehen und ergriffen die Flucht. Unsere Truppen über­schritten bei der Verfolgung den Timok und bemächtigten sich daselbst zweier Dörfer, welche nachher durch unsere Artillerie in Brand geschofien wurden. Bei Soboukdja wurde der Kampf fortgesetzt. Die Serben griffen unsere Truppen an, welche sich diesseits der Morawa befanden. Nach einem siebenstündigen Kampfe wurden die Serben zurückgefchlagen. Wir haben viele Waffen erbeutet. Die Dörfer Jraikotcha Bilek und Dorsi Petza sind während des KavpseS in Flammen aufgegangtn. Als die Serben unfe-e Verschanzungen bei Pedia Zwornik angriffen, wur­den sie ebenfalls zurückgefchlagen.

Dnttschk» «eich.

Berlin, 8.Aug. Der ,,ReichS..Anz." berichtet: Die Verhandlungen, welche bisher wegen der Ermordung der Konsuln von Deutschland und Frankreich in Salonichi

versetzten die Gesellschaften und ihre Vertreter in nicht ge­ringe Aufregung und stellten an dieselben die schwere Auf­gabe, die Spuren des MrS. Goß aufzufinden. Es gelang ihnen endlich durch Zeugen zu erhärten, daß Udderzook sich im Januar 1872 in einem New Aorker Spital einen Leich, nam zu verschaffen gewußt hatte, welcher in einer Kiste verpackt nach Baltimore und von da nach dem Laboratorium an der Aork-Road gelangt war, woselbst er unter den Brandtrümmern gesunden wurde, während Goß selbst noch in jener Nacht per Eisenbahn von Baltimore nach Wil­mington in Delaware gefahren sei. Hier habe er den Namen A. K. Wilson angenommen und unter diesem seine Irrfahrten fortgesetzt. Diese erstreckten fich über Saratoga im Staate New-Aork nach Kanada, von da über Michigan nach Memphis tn Tennessee, von wo et fich über Baltimore nach KooperStown in Pennsylvanien wandte.

Die Mittel zu seinen Reisen mußten ihm Udderzook und sein Bruder Alexander Eampbell Goß schaffen, mit welchen er in beständiger Verbindung blieb und denen er wiederholt mit Verrath des Komplottes drohte, wenn jene Mittel nicht reichlich genug stoffen.

In KooperStown hielt Goß sich mehrere Monate im Verborgenen auf, begab sich im October 1872 nach Newark in New-Jersey, lebte dort bis zum Juni 1873 und ging endlich um diese Zeit nach Jennerville, wo er von den Händen UvderzookS seinen Tod sand.

Am 28. Oktober 1873 trat zu Westchester die Jury zusammen, um über den deS Mordes angeklagten William E. Udderzook Recht zu sprechen. Zn den Verhandlungen

zwischen den beteiligten Regierungen und der Pforte ge­schwebt haben, find nunmehr zum Abschluß gebracht. Die Pforte hat in allen Punkten die Forderungen von Deutsch­land und Frankreich erfüllt. Bekanntlich war alsbald nach dem traurigen Ereignisse des 6. Mai d. IS. eine außer­ordentliche Kommission von Konstantinopel nach Salonichi abgegangen, bestehend auS Vertretern der Pforte mit be­sonderen Vollmachten und aus den Delegirten der Bot­schaften von Deutschland und Frankreich, um die Unter­suchung über die Vorfälle einzuleiten. Bei der Er­regtheit der Bevölkerung und der Unzulänglichkeit der in Salonichi vorhandenen militärischen Kräfte bedurfte eS einiger Zeit, bis die Kommission ihre Thätigkeit beginnen konnte. Inzwischen waren nun Truppen aus Konstanti­nopel nach Salonichi gesandt und Kriegsschiffe von allen europäischen Großmächten in den Hafen eingelaufen. Die deutsche Kriegsmarine wurde daselbst zunächst durch S. M. S.Medusa" vertreten, welches am 15. Mai in Sa­lonichi erschien, später noch durch S. M. Kanonenboot Komet", und endlich, seit dem 25. Juni, durch das Panzer­geschwader unter Befehl deS Kontrc Admiral Bätsch, daS am 22. Mai von Wilhelmshaven in See gegangen war. Nachdem am 13. Mai die Verhaftungen in Salonichi be­gonnen hatten, wurden schon am 16 sechs Individuen, deren direkte Betheiligung am Morde nachgewiesen war, öffentlich hingerichtet. Dieselben gehörten sämmtlich der niedrigsten Volksklafie an. Die Fortsetzung der Unter­suchung ergab sodann bis zum 5. Juni d. I. folgende weitere Verurtheilungen: 6 Personen (außer den bereits Exekutirten) zum Tode, darunter 1 in contumaciam; 3 zu lebenslänglichem Zuchthaus, 2 zu 10 Jahren, 11 zu 5 Jahren, 1 zu 3 Jahren Zuchthaus, 3 zu 3 Jahren, 1 zu 1 Monat Gesängniß, 1 zu 3 Jahren Verbannung und ein Knabe zu körperlicher Züchtigung. Sämmtliche Jnkulpaten sind Muhamedaner und mehr oder minder bei dem Morde der Konsuln beteiligt gewesen oder der Auf­reizung des Volkes überwiesen. Wenige unter denselben gehören zu den mittleren Klaffen, einer der zum Tode ver- urtheilten ist ein Sofia. Die Vollziehung der Todesstrafe an den später Verurtheilten hat bisher noch nicht stattge­funden. Wenn somit die Untersuchungskommission den einen Theil der Aufgabe, Ausübung der Gerechtigkeit gegen die Vollführer der Mordthaten erledigt hatte, so blieb noch der in den Augen der Regierungen von Deutschland und Frankreich besonders wichtige Punkt übrig, nämlich volle Justiz gegen die höheren türkischen Beamten und Offiziere durch deren verbrecherisches oder pflichtwidriges Verhalten die Katastrophe des 6. Mai herbeigesührt worden war. Die Voruntersuchung hatte in dieser Beziehung ausreichen­des Material geliefert, um einerseits gegen den höchsten Repräsentanten der Kivilmacht des Ortes, den General- Gouverneur Mohamed Rifaat Pascha, andererseits gegen die obersten zur Zeit der Mordthaten in Salonichi anwe­senden Militärs, den Polizeichef sowie den Äommanbanten der Garnison und den Kommandanten der im Hasen statio- nirten Korvette, einzuschreiten. Die Aburtheilung derselben

selber sungirte als Entlastungszeugin für denselben die Gattin des Gemordeten, MrS. Goß; auch wohnten Udder- zooks Mutter, seine Frau und Kinder, sowie seine Schwie­germutter, die zugleich auch die Schwiegermutter seines Opfers war, ebenfalls den Verhandlungen bei. Der Wahr- fpruch der Geschworenen lautete nach dreitägiger Berathung auf:Schuldig des Mordes im' ersten Grade" und der Gerichtshof fällte fein Unheil auf:Tod durch den Strang."

Daß trotz der Macht der gegen Udderzook sprechenden Beweise die Jury einer dreitägigen Berathung bedurfte, um ihren Wahrspruch zu fällen, fand allein seinen Grund in der Bertheidigung deS Angeklagten. Dieselbe legte ihr Haupt­gewicht auf daS höchst ungerechte und tadelnswetthe Ver­fahren der Lebensversicherungs-Gesellschaften, welche nur den Mord zum Vorwande benutzt hätten, fich ihrer Ver­pflichtung, die versicherten Summen auszuzahlen, zu ent­ziehen, dabei aber nicht bedächten, daß durch ein derartiges Verfahren dem Tode ein neuer Schrecken gegeben würde, weil jeder Versicherte die Befürchtung hegen müfie, daß seine Familie nach seinem Tode den größten Enibehrungen ausgesetzt fein werde, wenn es den VerstcherungS Gefellschaflen beliebe, die Zahlung der Versicherungssumme zu verweigern. Aber zum Ruhme jener Geschworenen sei eS gesagt, daß ihr gesunder Rechtsinn fich nicht durch ungerechtsertigte An­schuldigungen dazu verleiten ließe, einen parteiischen Wahr­spruch abzugeben, welcher geeignetjeroefen wäre, die Leben«- Versicherungsgesellschaften jedes Schutzes zu berauben und dem Verbrechen gegen dieselben Thor und Thür zu öffnen.