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JTIarfiurg, Mittwoch, 9. August 1876.

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Anzeigen nimmt entgegen: lit Expedition d. Blattei, (gieit die Annoncen-Bureaux gen Th. Dietrich L Co. in Jtaffd, und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a. M.; naafenftein & Vogler in Eantfurt a. M, Berlin, Leip- ,jg, Köln ic; Rudolf Moffe st, Berlin, Frankfurt a. M. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattei sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JSger'sch« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendauk, A Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,J«ustriktes LouutagSdlatt" durch die Expedition (Soch'sche Buchdruckereis bezogen 2^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für di- gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu «rtheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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Die eouservative Parthei in Deulschlaud.

Stil dem Aufrufe der deutschen Conservativen sind wenige Wochen verstrichen und eS Hal sich eine solche Slurnfluth «n Zeitungsartikeln für und wider erhoben, daß wir da- touf verzichten mußten, unseren Lesern auch nur eine Auf zjhlung derselben zu geben, denn die Artikel selbst wurden Folio- dinde süllen. Jetzt, nachdem sich die eiste Bewegung gelegt, werden unsere Leser einer Betrachtung ihre volle «usmcrksamkeit schenken, welche unS von hochachtbarer Seile zugeht und welche durch die ruhige und treffende Beurtheilung der Sachlage geeignet ist, die Bedeutung und die Ziele der Kundgebung genau zu erkennen. Der unS mitgetheille Aufsatz sagt:

Nachdem die Entstehung deS Aufrufes der deutschen konservativen Parthei allgemeiner bekannl geworden, ist die Bedeutung der Thatsache klar hereingetreten, daß es sich nicht um die Bildung einer neuen Abzweigung innerhalb der Conservativen, sondern um das Zusammen­treten der seither mehrfach auseinander gehenden Rich­tungen handelt. DaS ausgegebene Programm ist demnach als der Mittelpunkt anzusehen, um welchen sich eine große, einige konservative Partei schaart, die sich über ganz Deutschland erstreckt. Diese Bedeutung ist von der Presse, wenn auch Anfang« durch manche falsche Vorstellung ge- hübt, instinktiv anerkannt worden.

Jeder Einsichtige, welcher daS politische Leben der Völker mit ruhigem Blicke verfolgt, muß eS als erste Bedingung der gedeihlichen Entwickelung jeder Nation betrauten, daß die konservativen Elemente, welche weitaus die überwie­gende Mehrzahl des Volkes umfassen, in ihrer vollen vedeuluuz zur polilischen Geltung kommen. Dies Le- dürfniß ist in Deutschland nie lebendiger empfunden als heute, wo die Ueberstürzung in liberalen Theorien verhäng- mßvolle Früchte bereits in reichem Maße getragen hat. Bitte große konservative Parthei, nicht eine Anzahl poli­tischer Cotterieen, ist allein im Stande, die Aufgabe zu lösen, tchne reaktionäre Tendenzen, die lebendigen Jn> tmsscn deS konservativen Volkes klar und fest zur Geltung zu bringen. Richt seindselig tritt daher die Parthei den «deren politischen Richtungen entgegen, sondern mit der einfachen aber gemesienen Forderung, daß man der Mehr­zahl deS deutschen Volke» in seinen berechtigten Wünschen gerecht werde. Die Conservativen nehmen für sich nicht die Alleinherrschaft in Anspruch, sie bedürfen, als ihres natürlichen Gegengewichts der Liberalen, ebenso wie diese der Conservativen durch den wechselseitigen Kampf zwischen Leiden wird in einem großen SlaatSleben der Zustand ge­schaffen, weicher allen Bürgern eine zufriedene Existenz sichert und daS SlaatSleben vor Stagnation bewahrt. Dies richtige Berhältniß war seither durch den Druck gestört, den die liberalen Elemente auf die Gesetzgebung und Ver- Waltung deS Reiches und die Einzelstaaten ausübten, und darum ist das vereinigte Eintreten der Conservativen in die

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Eine amerikanische VerstcherangSgeschichte.

Am 11. Juli 1873 wurden in einem kleinen einsamen 8thölz zwischen Cochranviüe und Penninglonville in Penn- sylvanien die furchtbar verstümmelten Uebertefie eines Sonnt» auf merkwürdige Weise gesunden. Ein am Morgen de» Wege« fahrender Farmer halte über jenem Gehölz eine große Menge von Bussarden und Aasgeiern fchweben sehen, die auch, al» er am Nachmittag jene Stelle wieder passtrte, ihren Standort noch nicht verlassen hatten. Diese Wahr- uehmung veranlaßte den Mann sein Fuhrwerk zu verlaffen und das Gehölz zu betreten, in welchem er nach längerem Euchen die bis zur Unkenntlichkeit entstellten Ueberrefte tmes ermordeten Menschen vorfand. Der Mörder mußte namentlich ein besondere» Jntereffe daran gehabt haben, da», wie e» schien, tadellos gewesene Gebiß seines Opfers möglichst zu zerstören; mehrere Zähne waren au» den Liefern gebrochen und zwar augenscheinlich erst nach dem folgten Tode de» Gemordeten.

Die sofort angestellten Recherchen ergaben, daß am 30. Juni ein gewisser William E. lldderzovk auS Balti­more in Begleitung eine» unbekannten Mannes, der angeb- iich ein Agent aus Tenesste oder Kentucky sein sollte, im Hotel zu J^nerville in Pennsylvanien übernachtet hatte. Da« Paar war insofern den dortigen Gästen von Jntereffe ßrwefen, als da» Benehmen de» angeblichen Agenten den Fremden sowohl, wie feinem Begleiter gegenüber einen eigen ihümlichen Eindruck hervvrgebracht hüte; namentlich schien fr den letzteren stet« mit einem Geistisch von Furcht und Mißtrauen zu betrachten.

Udderzovk Hatto am Morgen Kn 1. Juli Jenner-

Aktion eine einfache politische Roth Wendigkeit. Voraus­sichtlich wird die Entwicklung der politischen Verhältnisse die sein, daß die Partheien in nicht so ferner Zukunft in zwei große Gruppen Conserrative und Liberale zerfallen und daS damit herbeigeführte Verschwinden deS CotteriewesenS wird hoffentlich die kleinlichen, lokalen und persönlichen Eifersüchteleien für immer begraben, welche seither die politischen Aktionen vielfach gehemmt haben. Das würde der größte Gewinn fein und muß von den Einsichtigen jeder politischen Richtung erstrebt werden. Daß bei der schließlichen Entscheidung, ob rechts ober links viele patriotische Männer von ihrem innersten Gefühle in die konservativen Reihen getrieben werden, erscheint uns fast unzweifelhaft.

Es ist hier nicht Absicht auf eine Kritik der einzelnen Grundsätze, welche das konservative Programm enthält im Nähern einzugehen, man muß der Offenheit und Klarheit, dem Geiste der Vaterlandsliebe volle Gerechtigkeit wider­fahren taffen, welcher sich in jeder Position auSspricht. Der Werth, welcher aus die Pflege deS religiösen, des Familien­lebens gelegt, die Schärfe mit welcher die Grenze zwischen Staat und Kirche gezogen und dem Frieden zwischen beiden das Wort geredet, die Klarheit, mit welcher die Schäden einer verkehrten Wirtschaftspolitik biosgelegt und die Mittel zur Abhülfe gezeigt, Alles das muß wvhlthuend Jeden berühren, dem es ein Ernst um das Wohlergehen unseres Volkes ist, auch die Organe anderer politischer Richtung haben daS anerkannt.

Und wie steht denn die konservative Partei mit der Regierung und die Regierung mit ihr? so wird von vie­len Seilen gefragt. Nach den vorhandenen Kundgebungen erfcheint das nicht schwer zu beantworten.

Eine politische Partei, welche sich alS Regierungs­partei schlechten proklamirl die verzichtet damit auf jede selbstständige Aktion, sie verdient überhaupt nicht den Namen einer politischen Partei. Für konservative Männer der vollsten Unabhängigkeit nach Oben und Unten kann eine solche Frage gar nicht gestellt werten und ist nie gestellt worden. Die Regierung ihrerseits, die Rath­geber der Krone gehören alö solche keiner Partei an und die Träger der leitenden Gedanken in jenen Kreisen haben kürzlich daS zuversichtliche Wort gesprochen, daß Sr. Maje­stät Regierung über den Parteien stehe, daß sie in den geschichtlichen Thatsachen ihr Programm suche, und sich nicht den von zufälligen Störungen getragenen parlamen- tariften Majoritäten dienstbar machen wolle. Eine Regie­rung von solcher Selbstständigkeit kann ebenso wenig sich blindlings einer Partei in die Armee werfen und sie wird eS gewiß nicht thun.

Alfo steht die konservative Partei der Regierung und letztere der Partei gegenüber vollkommen selbstständig dah von keiner Seite sind bürdende Verpflich­tungen übernommen. Wenn aber die Zeilläufe so beschaffen sind, daß eine Regierung von vorherrschend een- a---- i~' . . --sag----

Ville verlaffen, war am Nachmittag mit einem in Penninglonville gemieteten Fuhrwerk dahin zurückgekehrt und endlich am Abende biffeiben Tage«, etwa zwischen 6 unb 7 Uhr, in Begleitung beS Agenten abermals davon gefahren. Um Mitternacht war er alSdann allein nach Penninglonville zurückgekihrt unb bet Zustanb, in welchem sich da« Gefährt hierbei befunden, war wohl geeignet, den nun nach Ausfindung jener Leiche sofort gegen ihn rege werdenden Verdacht erheblich zu verstärken; daS Wachstuch des abgelieferten Wagens war zerriffen gewesen, der Sitz Hütte bedeutende Blutflecken gezeigt unb zwei früher im Wagen vorhanden gewesene Deckin schienen bei der an­scheinend stattgehabten wilden Fahrt verloren worden zu fein. Sobald diese Verdachtsmomente ststgestillt wann, wurde zur Verhaftung UdderzockS geschritten. Er wurde in Baltimore festgenommen und nach Wesichester, bim Haupt- orte deS County, in welchem der Mord stattgesunden hatte, in sicheren Gewahrsam gebracht, der aufgefundene Leichnam aber nach langen Recherchen als der eine« Mr. Winfieid Scott Goß auS Baltimore recognoScirt.

Diese Vorgänge gaben einem Prozeß unerwartet eine neue Wendung, welcher bereits bei dem Bundesbezirksgericht in Baltimore längere Zeit schwebte und die Zahlung einer bei vier verschiedenen Gesellschaften aui daS Leben deS pp. Goß versicherten Summe im Gefammtbctrage von 25,000 Dollars betraf. Klägerin war eine MrS. Goß; ihr Gatte, Dir. Winfield Scott Goß sollte am 2 Februar 1872 bei einem Brande um'S Leben gekommen fein. Ein im Rufe eine« Sonderlings stehender Mann, pflegte er, wenngleich im Besitz einer jungen schönen Frau in Baltimore, den größten The« seiner Zeil in einer an der Zotk-Roab (einer

servativer Richtung Seitens der in der Volksvertretung überwiegenden liberalen Elemente in Bahnen gedrängt werden soll, welche den geschichtlichen Thaisachen nicht, sondern theoretischen Phantasien entsprechen, wenn die thatsächliche Entwickelung großer konservativer Ideen damit gehemmt, wenn Coneessionen an falsche WirthschaftSlehren gemacht wurden, wenn die höchsten geistigen und religiösen Interessen den Angriffen der regierenden Elemente bloS- gestillt wurden, wenn bas Gesährliche einer solchen Situation in bin weitesten Kreisen beS heutigen Volkes zum lebhaf­ten Bewußtsein kommt Wen kann es ba Wunber neh­men, wenn die Regierung die Consolidation der eonserva- tiven Partei, als eine feste Stütze begrüßt und die Partei selbst sich der Hoffnung hingiebt, daß ihr Programm von den Leitern diö Staates in Uibereinstimmung mit der Politik der Zukunft befunden werde.

Das Alles ist fo einfach und natürlich, daß es nur Wunder nehmen kann, wenn man sich solchen untrügbaren Wahrheiten verschließen wollte. Die liberale Partei kann nicht durch Polemik gegen einzelne Personen oder mit ver­brauchten Phrasen gegen die Macht dieser Situation auf­kommen, sondern allein durch eine strenge Äriiit, welche sie gegen ihr eigenes, politisches Verhalten übt und durch die Erlenntniß, daß alle abgethane Theorien aus­ländischen Ursprungs nicht geeignet sind, dem Auf­bau deutscher politischer Größe, al« geeignete Unterlage zu dienen. Ernste politische Arbeit ist es allein, welche unser Volk groß machen kann, wird diese durch die Vereinigung aller Conservativen zu einer großen Partei gefördert, so liegt darin allein schon ein großer Gewinn.

Möge bas Streben der Männer, deren Namen schon für die SauterLit ihrer Absichten eine feste Bürgschaft ge­ben, von durchschlagendem Erfolge fein 1

Lageckdericht

Ui 6er die Rückreise des Kaisers nach Berlin sind nun­mehr solgende definitive Bestimmungen getroffen worden: Freitag, den 11. b. Mt« findet früh 10 Uhr die Abfahrt von Gastein zu Wagen nach Lend statt. Von dort begiebl sich Se. Majestät mit Extrazug über Wörg-l und Kufstein nach Rosenheim, wo das Nachlquartier genommen wird. Am Sonnabend, den 12. d. Mts. srüh 9 Uhr reift Se. Majestät mit der Eisenbahn über Mühldorf nach Regens­burg und von dort nach eingenommenem Dejeuner über Weiden nach Bayreuth. In Bayreuth wird Kaiser Wil­helm auf Einladung deö König« von Bayern im könig­lichen Schlöffe Wohnung nehmen und am 13. und 14. August dem Festspiele im Wagnenheater beiwohnen. Am 14. August wird Se. Majestät die Reise nach Berlin über Hof und Leipzig fortfetzen, am 15. d. Mts. früh gegen 8 Uhr die Anhalter Bahn bei Großbeeren verlaffen und sich zu Wagen nach Babelsberg begeben.

Ivon Baltimore sich abzweigenden Landstraße) gelegenen bau­fälligen Hütte, zuzubringen, um, wie er sagte, in feinem dort befindlichen Laboratorium zu experimenliren. Seine 1 Experimente richteten sich angeblich auf die Herstellung eines Ersatzes für Jndia Rubber, auf den er später ein Patent nehmen wollte. Am Abend des 2. Februar 1872 brannte das Häuschen völlig nicder. Unter den Brandtrümmern hervor wurde ein völlig entstellter Leichnam zu Tage ge­fördert, welchen die bei der Leichenschau fungirente Jury um so weniger für den des bei bim Brande verunglückten Mr. Winfield Scott Goß zu erklären Anstand nahm, als durch zwei Zeugen, einen Deutschen Namens Engel und einen Schwager be« Verunglückten. Mr. William E. Uober* zovk (benselben, der, wie oben erzählt, unter dem Verdachte des Mordes an Mr. Winfield Scott Goß im Gefängnis, von Westchister internet war) erhärtet wurde, daß sie jenen Goß kurz vor dem Brande in dem mehrerwähn en Häus­chen an der Aork-Rvad verlaffen hätten. MrS. Goß prä- fentirte nach Verlauf mehrerer Monate nach dem Tode ihre« Gatten den betreffenden Gesellschaften die LebeuSoer- stcherungS Policen; dieselben verweigerten jedoch einstimmig die Zahlung der versicherten Summe unter dem Einwande, daß der unter den Brandtrümmern des Hause« an der Aork Road aufgefunbene unkenntliche Leichnam ein von Goß m Gemeinscha'l mit seinem Schwager Udderzovk unterge­schobener unb jene« Feuer von beiben genannten Personen angelegt worben sei, fermr, daß Goß selbst durch (einen Bruder Alix-nder Campbell Goß in jener Brandnacht in Sicherheit gebracht worden wäre und sich noch unter den Lebenden befinde.

(Schluß folgt)