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|. Mt. 183.

Marburg, Dienstag, 8. August 1876.

XI. IghiMg.

Blickes nach dem Hauschore. Sofort schritt der Gendarm aus sie zu:Wer sind Sie und was wollen Sie hier?" »Ich bin die ***in aus Brückenau und will den Bis marck sehen."Das kann nicht sein, gehen Sie wieder in Gottes Namen; hier dürfen Sie nicht bleiben."Na versteht sich, jetzt fahr' ich vier Stund' von Brückenau herüber damit ich den Bismarck seh' und werd' mich von Ihnen wieder z'HauS schicken laff n; ne, lieber Mann, das gibl's nicht."Meinethalben gehen Sie nach Hause oder wohin Sie wollen, hier dürfen sie nitt bleiben; das ist strengstens verboten."Und wenn i doch bleib? was geschieht nachher?"Dann müßte ich Sie einsühren." Führen'S mich, wohin'S wollen; thun können'« mir voch nichts, denn ich hab' Ihnen auch nichts than; Sie müssen mich doch glei' wieder auslassen, aber daS sag' i Jhna, mein erster Weg ist glei' wieder daher, jetzt bin i einmal da und jetzt muß i'n sehn." Der Gendarm war in größter Verlegenheit; er mußte stch im Stillen gestehen, vaß die Frau eigentlich nicht so Unrecht habe, aber seine Ordre lautete sehr bestimmt. Ein glücklicher Zufall befreite ihn auS der Klemme; der Wagen dcS Fürsten fuhr eben vor, das Thor öffnete stch, der Fürst trat heraus und be­stieg den Wagen, um ins Bad zu fahren. Die muthige Brückenauerin reckte den Kops vor, so weit sie konnte, glotzte den Kanzler an und alS der Wagen fort war, drehte ste sich zum Gendarm und sagte schnippisch:So, jetzt behüt' Ihnen Gott, jetzt hab' i'n halt doch g'iehal" Heuer ge­brauchte der Fürst die Kissinger Cur speciell gegen eine Fußrder Anschwellung; sollte nur SoolbLser nehmen, da. gegen auf das Trinken verzichten, das ihm eher schaden als nützen könne. So lautete der Ausspruch des Berliner Arztes, und so nahm denn Herr v. Bismarck etwa 14 Tage lang ruhig seine Bäder. Eines Tages überraschte nun ter Fürst seinen hiesigen Arzt mit der Mittheilung, er Bismarck werde von morgen ab Rakoczy trinken in der bisherigen Weise sei ihm die Car zu langweilig, das könne er nicht aushalt-n. Allgemeines Entsetzen, großer Familienrat-, e- wird an dm Berliner Arzt trlegraphirt;

dieser sendet ein entschiedenes Beto und verspricht, umge­hend selber zu kommen. Vergebens! Der Fürst bleibt dabei, er werde am nächsten Morgen Rakoczy trinken. Die Fürstin, die ihren Gemahl kennr, steht ein, daß nichts Anderes übrig bleibe, als ihm seinen Willen zu thun; der Arzt verspricht, nächsten Morgen eine Flasche Rakoczy hi. nauszuschicken. Bismarck sieht ihn mißtrauisch an. ^Mein, nein", sagte er,ich werde mir das Wasser schon Holm lassen, lungern ja genug Leute da im Hause herum, soll Einer hineingehen und da« Wasser hinauStragen," Und so geschah's. Nach zwei Tagen trifft der Berliner Arzt ein und ist ganz entsetzt, als er hört, daß sein Patient be­reits tüchtig dem Rakoczy zuspreche; er machte alle mög­lichen Bedenken geltend.Ach, geben Sie stch keine Mühe, liebster Dokior," sagte der Fürst lachend,jetzt habe ich einmal angefangen und jetzt bleibe ich dabei; ich versichere Ihnen, daß ich erst jetzt fühle, wie gut mir Kistigen an­schlägt." Und so trank er denn seinen Rakoczy fort und er soll ihm wirklich nicht geschadet haben.

KrirgShilder Hin der Dons».

Die Gestchtcr der Tscherkesten sind bedeutend länger geworden, seit man auf den Befehl Hafiz Bry'S des FcstungSgouverneurS von Widdin ein Dutzend Tfche, kessen inS bessere Jenseits vermittelst Erschießens befördert hat. Vier­stündlich durchziehen starke Infanterie- mitunter auch Ka- vallcricpikets die Straßen von Widdin und arretiren ohne U nschlveifr all« bewaffneten, die Straßen durchschweisentrn Tscherkesten und Baschi - Bozuks, die nach Verabreichung einer genügenden Dosis Stcckftreiche in ihr am Westendr ter Festung geleg.neS, von Regulären umzwingelteS Lager entlasten werden. Ueberhaupt handhaben die seit Kurzem hier eingetroffenen anatolischen und egyptischen Truppen di« Ordnung besser, alS die seit gestern inS Lager von Jzwor abzegangenen Arnauten, welche, wenn eS ihnen nur irgend­wie möglich war, gemeinsam« Sache mit dem Raubgesindel machen.

nimmt entgegen: Stoebtttex d. Blattti, bit Annoncen-Bureaux Tit Dietrich & 6o. in

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WerhcDihk Jritung.

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[1906

I<loy<täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. I jii L**a**w *Ät_ X«t«>Ä kia 01 nftl m i aw Ka

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Tagesbericht

DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht die StrandungS-

Gntem Vernehmen nach ist die preußische StaatSregicrung

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Der Kardinal Antonelli ist wie uns aus Rom be-

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iuäwati- r Frage wegen Bildung von Landeskultur-Rentenbanken l-133 v Förderung der Entwässerung mittelst Drainage oder ____LTfetoen näher getreten. Die zu einer diesbezüglichen Ge- üeSvorlage nöthigen Vorarbeiten sind dem Abschlüsse nahe, ckanntlich ist von dem «bgeordnetenhause auS Anlaß von ist be- letitionen landwirthschaftlicher Vereine ein Antrag auf i geben. Errichtung solcher Banken mehrmals gestellt worden. Um r Tn le Bedeutung der in Rede stehenden Vorlage zu würdigen, steigunz ikftt der Hinweis genügen, daß in der Agcarkommission

-- vbnung, welche die chinesische Regierung zur Verhütung Dampf. w Strandraub, wie solcher zum Nachtheil des deutschen kunftAnna" vorgekommen, erlassen.

itzp!°-a «bgeordnetenhause« s. Z. von sachverständiger Seite [1901 Amtet worden ist: Rothstände wie 1847 in Ober» Meßen und 1867 bi« 1868 in Ostpreußen wären nicht tigllch gewesen, wenn nur die Hälfte des dort drainirungS- «dürftigen Bodens bereit« damals drainirt gewesen wäre.

eibungei

-inen auf zgie uns auS Rom gemeldet wird, ist dortselbst daS ß längerer Zeit- ausgestellte Projekt einer allgemeinen wS öeltausstellung seiner endlichen Ausführung nahe gerückt. ~ französische Sozietät hat sich gebildet zu dem Zwecke, Rom eine große internationale Ausstellung vorzubereiten, ch jener, welche zur Zeit in Philadelphia staltfindet, jener, welche in Part« im Jahre 1878 eröffnet werden en Die Ausstellung in Rom ist für das Jahr 1880 i. Aussicht genommen. Die Gefellfchajt wird die nöthigen F Bauwerke auf den Prati di Castello aufführen laffen und d-^^efeiben mit einem der Bedeutung des Unternehmens an-

fschisieHwüssenen Glanze «Sstatten. Die Regierung und die vt7mb«Munizlpalität von Rvm sind dem Unternehmen äußerst - günstig. Man hofft, daß dir projektirte Ausstellung ein Richtiges Mittel fein werde, Rom au« seinem gewerblichen 300, krsalle herauSzureißen und die ewige Stadt auf da« iiveau der Hauptstädte bet großen Staaten stellen werde.

Jtatcuiui auivmui w.v«

h Si» ichtrt wird fortdauernd sehr leidend. Er soll dem esten mck iapst den Kardinal Franchi al« seinen Nachfolger em- inen bet ^[en haben und e« wird allgemein als höchst wahr- ' ^cheilich betrachtet, daß Kardinal Franchi auf den Posten tenb ro bttonelli's gesetzt werden wird.

No. 7. sch

ral-Be> 8m 27 Juli hat Fürst Bismarck Kissingen verlaflen, kigmtlich Dors Hausen, eine Stunde von Kissingen. Bi« JÜRG, «arck wohnte da in einem ärarischrn Gebäude, das ehedem öle königlichen Salinen - Beamten bewohnten. Man ließ extwr diesem Gebäude mitten durch die Wiese einen Weg «legen, schlug eine kleine Brücke über die Saale, so daß -sWch Bismarck in wenigen Minuten den Wald erreichen krwtte, den er für seine Promenaden benützle. Allein «4 diese unternahm er stet« nur um die Mittagsstunde, die Curgäste durch die zweiselhasten Genüsse der vcr- tedenen tables dhöte an Kissingen gefesselt wurden, en kann man dem Fürsten drese Menschenscheu nicht hmen. Al« er vor zwei Jahren zum erstenmale hier

at, wollte er anfänglich ganz nach Art der anderen Cur und mit diesen leben. Kaum erschien er jedoch im garten, als stch um ihn eia dichter Knäuel von etlichen Menschen bildete, dir ihn fast nicht von der Stelle fdwmra ließen. Der Fürst ertrag da« einig« Tage lang, ® der Meinung, die Neugierde werde stch bald legen und neu Kurzem werte man sich au ihm denn doch saii haben. Die Sache wurde jedoch immer ärger und sich wurde ste ihm zu arg. Seit dem Tage des Attentats war Fürst Bismarck für daS Publikum unsichtbar. N ein nettes Gefchichtchen aus jener Zeit möge hier M finden. Fürst Bismarck, welcher damals jenseits Saale bei Dr. Dirnff wohnte, hatte den Auftrag -bgebeu, es solle stch Niemand von der Familie am Fenster

1 wgen, um die Gaffer nicht anzulocken; nach dem Attentate Ebtt hatte die Polizei sörmlich verboten, daß irgend Jemand *1 jenem Hause stehen bleibe und behufs Handhabung dieses Verbotes schritt Tag und Nacht ein Gendarm vor t 15«,.^ Haust auf und ab. Einmal hört die Fürstin auf der Straß, einen lanttn Wortwechsel, ste nähert sich be» ytfam dem Fensterladen und beobachtet durch eine Spalte Wende Scene: Dem Fenster gegenüber hatte stch eine ' ^rschrötige Baierin ausgepfla- zt und starrte unverwandten

Gleichzeitig wird- durch die Ausstellung der alte Streit wegen Verbindung der beiden Wasserläufe des Tiber defini­tiv entschieden. Die Gesellschaft wird nämlich im Interesse der Ausstellung zwei Brücken errichten.

Einige Blätter haben gemeldet, daß die Kötiigin Isa­bella vor ihrer Abreise von Paris den Papst um seinen Segen gebeten habe. Das Wahre an der Sache ist Fol­gendes: Die Königin Isabella übergab vor mehreren Wochen dem Nuntius Meglia ein Schreiben an den Papst des Inhalts, der heilige Vater möge durch seinen Nuntius in Madrid dahin wirken lassen, daß König AlfonS seiner Mutter die Rückkehr nach Madrid gestattet, da demselben ihr Rath unumgänglich nothwendig sei. Der heilige Vater, von dem Inhalte dieses Schreibens in Kenntniß gesetzt, hat eS nicht allein abgelehnt, zu interveniren, sondern auch der Königin den Rath gegeben, zum Mindesten in diesem Augenblicke nicht nach Spanien zurückzukchren.

Die kaiserlich ottomanische Botschaft in London ist von ihrer Regierung beauftragt worden, 30 Aerzte für die Dauer deS gegenwärtigen Krieges zu engagiren. Dieselben erhalten monatlich 500 Frcs, ferner vier MannSportionen und eine Pferderation. Die Reise nach Konstantinopel geschieht auf Kosten der Regierung.

Den neuesten Orientnachrichten hat der erwartete Zu­sammenstoß der serbischen und türkischen Truppen bei Knjazewac am 3. stattgesunden, und zwar nach einem Belgrader Telegramm mit einem günstigen Ausgange für die ersteren, während demJournal deS Debats" auS Belgrad das umgekehrte Refultat gemeldet wird. Die Wahrheit ist also für« erste nicht zu ermitteln, doch dürfte die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sein, daß In der Thal die serbischen Waffen diesmal siegreich grw scn sind, min­destens steht es.außer Zweifel, daß der Brigadier Horva tovicS mit glücklichem Erfolge gegen die Tücken operirt habe. Ueber die vorbereitenden Ereignisse, die der a» 3. August gelieferten Schlacht vorherhergegangen sind, schreibt dasN. W. T." unter dem genannten Datum wie folgt: Bet Snajazewac trennt jetzt, wie im Norden bei Zajcar, nur noch der Timok die Türken und Serben. Privat- depejchen auS Knjazewac zufolge hätte dort bereits gestern Morgen die Schlacht mit einem heftigen Kampfe zwischen der Schmnadyer Division und der türkischen, auS combi- nirtcn Abtheilungen bestehenden Vorhut begonnen. Uebri- genS wird unsere Vermuthung, daß General Tschernajeff

nicht selbst bei der Armee in Kjnazevac sich befinde, auS Belgrad bestätigt. Dort heißt eS, daß außer ihm auch Generalstabschef Becker bei Zajcar stehe. Tschernajeff dürfte mit dem GroS seines Heeres die festen Stellungen bei Bratarnica einnehmen, von wo au« eS ihm möglich ist, gleichzeitig Leschjanin bei Zajcar zu stützen und nach Süden den Truppen bei Knjazewac einen Halt zu geben. Die nachträglichen Meldungen über da« Vorrücken der Türken gegen Knjazevac lassen erkennen, daß dasselbe unter fortwährenden Kämpfen erfolgte, die zum Theil sehr blutig gewesen sein müssen. Selbst von türkischer Seite werden große Verluste zugegeben.

Ueber die erwähnte Siegesthrt des Oberst Horvaiovic« liegen von serbischer Seite verschieden« übereinstimmend« Berichte vor, deren übersichtlichster in einem au« Belgrad datirten Telegramm vom 3. August wie folgt lautet:Heute langte die Nachricht von einer bedeutenden Niederlage der Türken bei Gramada ein. Der serbische Oberst Horvaiovic« theilte sein CorpS am 31. Juli in drei Abtheilungm, den rechten und linken Flügel ließ er vorerst eine Strecke vor­rücken und dann eine gedeckte Stellung einnehmen, ohne sich in irgend einen Kampf einzulassen. Das Centrum avanciri« und provocirte die Türken zum Angriff. Diese gingen in die Falle. HorvatovicS zog sein Centrum lang­sam zurück. Die Türken folgten, bis sie von dem ver­borgenen Flügel deS HorvatcvicS in der Flanke angegriffen und in größe Verwirrung gebracht wurden. 100 Tsa,er- kessen wurden gefangen, eine Batterie erobert. Wie stark die türkischen Truppen und wie groß ihre Verluste waren, wurde bisher noch nicht bekannt gemacht."

Den Ort dieses Gefechtes haben wir wohl zwischen Gramada und Dervent zu suchen. Denn eS wird speciell von türkischer Seite berichtet, daß daS über Gramada ein­gedrungene Armeeko.ps Achmed Ejub'S größere Verluste erlitten habe, al« die Division Suleiman Pascha«, welche von Pandirolo aus eindrang.

Sollte sich die Nachricht von dem Siege der Serben bei Knjazevac bestätigen, so würde dies der gedrückten Stimmung in Belgrad, die wohl außer Zweifel steht, sehr zu statten kommen. Wenn auch vielfache Uebertreibungen mitunteilaufen mögen, so läßt sich doch au« den Berichten aus Serbien entnehmen, daß mau bis in hi« hften Kreise hinauf von ernsten Besorgnissen ersüllt ist.

Telegraphisch sind folgende Nachrichten ein gegangen:

Wien, 5. August Die auswärtigen Missionen sind neuerdings angeroiefen, gelegentlich zu äußern, Oesterreich