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Marburg, Sonnabend, 5. August 1876.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte« sowie bie Annoncen-Bnreauk von ®. L Daube & To. in Frankfutt a. M.: JSzer'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schliß, (er in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

«rscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JKusttirteS EonntagSdlatt" durch die Expedition (Soch'fche Buchdruckerei) bezogen 3k Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnfettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertfaeilenbe Auskunft unb Annahme von Abreffen werben 35 Pf», berechnet.

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1»t »«zeigen nimmt entgegen:

«PC fe»ebitto« d. Blatte«, nWit die Annoncen-Bureaux

Bgn DH. Dietrich L Co. in laffel und Hannover; DH- gietrich in Frankfurt a. M -; »aasenstein & Bögler in tantfurt a M , Berlin, Leip» Sein rc; Rudolf Moste Berlin, Frankfurt a. M. rc.

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Falsche Ehre.

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iften I‘ Tine Erzählung auS dem Leben von Ernst v. Waldow.

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(Schluß.)

Wir kehren noch einmal nach dem deutschen Vaterlande MüS und werfen einen letzten Blick auf ein liebliche« dtbirgüborf, da« im Schmucke des Frühlings prangt.

Die Sonne ist im Untergehen, vor der Thür des PrckigerhauseS da« klein und einstöckig sein graueS Schin. deldach von ferne gesehen an die Kirche zu lehnen scheint, fty eine alte Frau in einfachem, schwarzen Anzuge. Ein ®b4 auf ihren ftnieen, doch scheint sie nicht zu lesen, denn bas bleiche, gefurchte Antlitz, umrahmt von schneeweißem Hsar, ist erhoben, sie betrachtet flnnend die Wolken, welche «ch purpurn zu färben beginnen, und dann bleibt der Blick aus den schwarzen Kreuzen de« Friedhöfe« ruhen, »eiche über die niedere, steinerne UmsastungSmaucr ragen. . Da nähert sich die hohe Gestalt eines Manne«, der ® der offenen Thür de« kleinen Hause« gestanden, der Nomen Frau. Sie schaut zu ihm auf, die Blicke Beider segnen sich.

„Sie find hübe gestimmt, Eleonore," fragt er in nebevoll forschendem Tone, „war e« die Erinnerung an dttgangenes Leid, da« einen so düftern Schatten aus die Ivunige Landschaft warf?

Sie schüttelte saust da« Haupt. „Nein, nein Freund, da« liegt hinter mir. Ich habe meinen Theil der Schuld Müßt mit dem Schmerze, den dieselbe über mich gebracht und wenn mein Blick über jene Mauer schweifte und N den dunkeln Kreuzen dort ruhen blieb, so hatte ich nur die tröstliche Vorstellung, bald frei zu sein wie Jtne von der Last de« Leben«, von der Sklaverei, welche •“ Beschränktheit und die Vorurtheile der Menschen auf "Naader ausüben."

Lagetberlcht.

Die Enquete de« BundeSrathe« über da« Patentwesen cd noch im Laufe de« Monat« August beginnen.

Der „Correspondence Universelle" wird von Berlin

klegraphirt, daß Fürst Bismarck am 28. d. Varzin ver­laßen und sich nach einem französischen Warmbade begeben ixtbe. Der Gebrauch desselben, welcher dem Fürsten durch die Aerzte verordnet sei, würde den ganze« September dauern.

E« ist bekannt, daß die Pforte, als sie das rumänische Mewoire erhalten hatte, ihre Vertreter bei den Mächten telegraphisch angewiesen hat, den Jnhatt de« Dokumente« den Äabineten mitzutheilen und dieselben von der Absicht der Pforte — die Insinuationen Rumänien« zurückzu- erifen, zu verständigen. E« sind nun über die Aufnahme, welche diese Mittheilung bei den Mächten gefunden hat, sehr verschiedene Angaben in Umlauf. Wir werden nicht fehl gehen, wenn wir sagen, daß diese Angaben zum größe­ren Theil nicht auf Informationen, sondern auf Kombi­nationen beruhen. Nach der „Correspondance orientale" hat bi« jetzt nur das Berliner Cabinet geantwortet, indem es erklärte, daß e« in dieser Frage vollständig uninteres- ’firt sei.

Die Nachricht, welche un« vor einiger Zeit au« Kon-

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4 l ft, "Hub sollten wir die« nicht schon hinieden vermögen, Eleonore?" erwiderte Berget ernst.

—* ft* n ®em «»bet«, al« an un« selbst, liegt denn die wenn wir lächerliche Vorurtheile und von Zahr-

B Die „Correspondence orientale" ist in der Lage über I da« türkische VersaffungSprojekt folgende Mittheilungcn zu «machen. Das ursptüngliche Projekt enthielt 140 Artikel, |! von denen eine große Zahl In Wiederholungen bestand. D Midhat Pascha hat alle Umschreibungen und unnützen |i Artikel gestrichen unb in solcher Art da« Projekt aus 70 ?! Artikel rebujirt. Die Verfasiung ihcilt sich in sieben I Titel, von denen jeder auS 10 Artikeln besteht. Die I Hauptbestimmungen find folgende: A. Eine von dem Son- I »erin unterzeichnete Urkunde wird kundgeben, daß daS V System der Gewalt aufgehört unb einem auf neuen Grund- | lagen ruhenden Regierungssystem Platz gemacht hat. B. » Da« Gesetz de« CH« iat soll ferner in bürgerlichen Materien

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Der n der abzm 1893 r j vor

fianilnopel zugegangen ist, baß Marschall Bazaine dort angelangt sei und sich bet Pforte zur Verfügung gestellt habe, dürste wohl auf einer Verwechselung von Personen i bemhen. Der Marschall befindet sich schon seit längerer Zeit in Spanien unb hat dieses Land nicht verlaflen.

keine Wirksamkeit haben. DaS Zeugniß von Christen soll künftig mit derselben Beweiskraft zugelaßen werden, wie das der Muselmänner. Abschaffung bet Bestimmung nach welcher ber Eid der Muselmänner die Beweisführung auf­heben kann. C. Zulassung aller „sujets ottomaneS" zu allen bürgerlichen und militärischen Stellen. Unabsetzbar­keit der Beamten. D. Schöpfung einer Teputirtenkammer, welche das Budget regeln, die Auflagen repartiren, die Staatsausgaben beaufsichtigen wird. Umwandlung des StaatSratheS in einen Senat wie in Frankreich, oder in eine Kammer der LordS wie in England. E. Verantwort lichkeit der Minister vor der Kammer der Deputirten. Decentralifatiott aller Provinzen. Aufhebung ber Frohn dienste im ganzen Kaiserreiche. F. Die Besttzverhältniste werden geregelt nach den verschiedenen europäischen Systemen. Aufhebung der „VakufS" ober des EigenthumS der Mo scheen. G. Redaktion unb Promulgation eines Gesetzbuches auf der Grundlage des Code Napoleon. Errichtung von Schulen der Rechtskunbe in den Hauptstädten deS Reiches, ebenso wie von Lycs.« mixtes. Diese Konstitution ist be­reits unterzeichnet. In einigen Wochen wirb sie in Krast treten. Zu bemerken ist noch, baß die Verfasiung nicht von Muselmännern unb Christen, sondern nur von „sujets Ottomane" spricht, die konfessionellen Unterscheidungen also nirgends hervvrtreten läßt.

.Die türkische Regierung hat die Ausgabe von Papier­geld, für welche die ersten Maßregeln bereits getroffen waren vertagt,' weil sich ihr noch in der zwölften Stunde Die MöglichkA zeigte, mit Bankhäusern von Galata ein Änlehen von 8)0,000 Pid. zukontrahiren. Die bezüglichen Verhandlungen dürften bereits zum Abschluß gelangt fein.

Telegraphisch wird gemeldet:

Wien, 2. Aug. Gegenüber anderweitigen Meldungen wird der „Politischen Korrespondenz" auS Pera gemeldet, daß der GesundheitS-Zustand dcS Sultans Murad fort­dauernd zu den größten Besorgnisten Anlaß flieht und von einer Besserung desselben durchaus nichts verlautet. — Derselben Korrespondenz geht au« Raguja vom heutigen Tage die Nachricht zu, daß der Versuch Moukhtar Paschas, den von den Montenegrinern bedrohten Positionen bei Bilek von Trebinje au« zu Hilfe zu kommen, gescheitert ist da 8000 bei Ljubomir stehende Montenegriner Trebinje be­drohten und die Verbindung zwischen Mostar unb Bilek bereits abgeschnitten ist.

Wien, 3. August. In Bosnien tircullrt eine Petition

für den Anschluß de« Landes an Oesterreich; dieselbe trägt bereits mehrere tausend Unterschriften. AIS erster Name befindet sich unter den Unterzeichnern der griechische Metro­polit in Sarajewo.

Wien, 3. Aug. DaS „Tageblatt" meldet: Der ru­mänische Agent in Konstantinopel verweigert die Annahme der von türkischen Behörden ausgehenden Schriftstücke mit dem alten Titel und fordert als Adresie: ä la chancellerie roumaine. — Dem „Fremdenblatt" zufolge haben die Frei­willigen in Smyrna Exceste verübt, wobei viele Christen schwer, mehrere lebensgefährlich verwundet wurden. Da« Consularcorps ist sofort eingeschritten.

London, 3. Aug. „Reuters Bureau" meldet au« Belgrad vom 2. Äug.: Die Türken haben stch bei Belicki Jzwor verschanzt. Oberst Tscholak Antitsch hat Pjelo- polje eingenommen und bedroht Sienitza. Die beiden bei Belgrad ftationirten österreichischen Monitor« sind zurück­gezogen worden.

Deutsche, «eich.

Berit«, 3. Aug Heute sind 10 Jahre verflossen, seit Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit ber Kronprinz durch Ausruf d d. Brünn, den 3. August 1866, die „Victoria - National Invaliden - Stiftung" in« Leben rief. Der Ablauf des ersten Dezenniums der Wirksamkeit hat dem geschäftsführenden Ausschusie Veranlassung gegeben, in dem zum Jahrestage der Stiftung veröffentlichten dies­jährigen Rechenschaftsbericht zugleich die bi« jetzt erzielten Gesammt Resultate zusammen zu f aff en. Darnach ist e« vermittelst der reichen Gaben, welche der Stiftung bei ihrer Entstehung von allen Seiten zugeflosien, möglich ge­worden, einer sehr großen Anzahl von Invaliden und Hinterbliebenen von Gefallenen theilS durch laufende, theil« durch einmalige Bewilligungen hülsreich beizustehen. Von der Centralverwaltung der Stiftung find während de« zehn­jährigen Bestehens im Ganzen an Unterstützungen für Offiziere und obere Militärbeamte 291,269 Mk., für Mann­schaften vom Feldwebel abwärts 459,162 Mk., für Hinter­bliebene von Offizieren und oberen Militärbeamten 203,208 Mk., für Hinterbliebene von Mannschaften vom Feldwebel abwärt« 662,091 Mk., zusammen 1,615,730 Mk.; ferner an Subventionen für Zweigveuine 234,330 Mk., über­haupt 1,850,060 Mk. gewährt worden. Seitens der Zweig­vereine der Stiftung find für Invaliden 551,521 Mk., für Hinterbliebene 581,858 Mk., zusammen 1,133,379 Mk. in Ausgabe gekommen. Die GesammlauSgabe der Central

hundert zu Jahrhundert fortgeerbte, längst von Vernünftigen antiqulrte Ehrbegriffe zu der Axe, dem Leitstern und der Richtschnur unseres Thun und Handelns machen?

Die Ehre — was die Welt so nennt — ist ja zumeist der Jrrlichtschein, welcher alle Jene blendet und verlockt, die eitel nach Anerkennung nach äußerem Glanze streben, oder, ihre Schwäche fühlend, einer Stütze bedürfen unb des Beifalls der öffentlichen Meinung, um dann erst in ihrer eigenen etwas zu gelten.

Wohl dem, welcher mit klarem Blick durch den blen­denden Schleier, der die Hülle bedeckt, das Wesen der Dinge schaut und die Unzugänglichkeit und Nichtigkeit allen Erden­seins. Er ist der einzige Freie unter den Sklaven des VorurtheilS, denn er wird seine Ehre nicht von dem schwan­kenden und so leicht bcstochenen Unheil von Menschen abhängig machen, deren Schwachen und Mängel er erkannt, sondern er wird, einig mit sich und treu dem idealen Ziele seines Strebens, das Vertrauen der Besten und Edelsten rechtfertigen und verdienen."

Die 8«h»e M Propheten.

(Aus der Wiener „Presse.")

Kürzlich war zu lesen, daß ein Ulema mit der „hei­ligen Fahne" durch die Straßen StambnlS gezogen, um Freiwillige für ben „Djichad", ben heiligen Krieg, gegen die Ungläubigen anzuwerben. Diese Nachricht läßt bie Gelegenheit günstig erscheinen, über das vielfach genannte Paladium der moslemischen Rechtgläubigkeit einige« mitzu- Iheilen, wa« nicht verfehlen dürfte, Aufklärung über diese hochgehaltene Reliquie zu geben. Sein Besucher ber mo­dernen Chalisenstadt wird es außer Acht lasten, die alten nun nahezu gänzlich verlastenen Räumlichkeiten de« Serais an ber Seespitze — Serai Burun — der Türkenstadt Stambul zu besuchen, wo ihm in zahlreichen Objekten und pittoresken Detail« die düstere Geschichte de« OSmanen- thuw« entgegentritt. In ten weitläufigen Waffenmuseen unb Rüstkammern ist gleichsam da« Grab de« einst sieg­reichen Großtürkenthum«. Wer tn dm zweiten Hof be«

Serai« tritt, was noch heute nur auf Grund eine« kaiser­lichen Ferman« erlaubt ist, dem wird ein eigenthümliche« Bild zu Theil. Ring« um ben Hof ziehen ziemlich plumpe Marmorsäulen, von einem schwerfälligen Bleidache über­schattet. Recht« unb link« führen durch niedere Bogen- öffnungen Thüren in weitläufige Stallungen unb ein grö­ßere« Thor in den alten Thronsaal, dessen niedere Decke mit den reichen, tm maurischen Stile gehaltenen Gold» Dekorationen auf den Beschauer eher drückend wie erhebend wirkt. Der ganze Raum bietet im übrigen auch sonst wenig Jnterestante« und in der Regel ist mit ihm die Wanderung de« Fremden durch da« alte Serail abgeschlossen, da man die daranstoßenden Gemächer und Kapellen für zu sublim hält, um sie von dem Fuße eine« Sr. Majestät dem Groß- Sultan Fernestehenden ober gar von einem Andersgläu­bigen betreten zu lasten. Von diesen so sorgsam gehüteten Nebenräumlichkeiten Dürfte inbefj nur eine von besonderem Interesse sein, nämlich die zierliche Kapelle gegenüber dem Eriwan Kiosk, welche bie moslemischen Propheten-Reliquien birgt. Sie führt bekanntlich ben Namen Hirkai - Sherif- Odasst, d. t. die Kammer de« heiligen Mantel«. Unter den fünf hochgehaltenen Erinnerungszeichen an ben geliebten Propheten hat bemnach nicht bie „heilige" Fahne, fonbern Mohamed« Mantel bem Aufbewahrungsorte ben Namen gegeben. Gleichwohl ist es bie Fahne, welche ben J«la- miten al« da« kostbarste Vermächtnis be« Religionsstifters gilt, unb eS bebarf für ben Europäer einer außergewöhn­lichen Bevorzugung, um berfelben, sowie der übrigen Re- L guten ansichtig zu werden. Bedenkt man ferner, daß in der Regel nur dem Pabischah, dem Palast Imam und Ka- pudschi-Baschi (Haupt der Thorwächtei) der Eintritt in die« Gemach gestattet und selbst den angesehensten MoSlem« da« Betreten de« geheiligten Räume« untersagt ist, so hat man gerechten Grund, an der kürzlich gemeldeten Demonstration mit dem geheiligten Palladium zu zweifeln, abgesehen da­von, daß die Entfaltung destelden immer durch den Sultan zu erfolgen hat, da es die Tradition so vorschreibt. Dieser Akt unterliegt einem strengen Ceremoniell. Sobald e« be«