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Marburg, Dienstag, 1. August 1876.

Xi. Jahrgang.

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Und welch ein entsetzlicher Tod I die Leute nennen ihn l befreien, sie halten ihn fest umschlungen. ES gibt für Ibn o?b' !!, x bt6 Erhängens, aber würden siel keine Umkehr nach den Ehrbegriffen Jener, welche noch die

{einigen sind also nur ein Untcrgehen.

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machen müssen. Nach einander vier Mal durch einen schiedsrichterlichen Spruch vor ganz Europa und durch ganz Europa Unruhe bekommen, kann schon die Lust zu ähnlichen Erfahrungen verleiden. In der Zwistigkeit mit Brasilien wegen ungehörigen Benehmens einiger betrunkener eng­lischer Marineoffizieren bei Rio, von dem König der Bel­gier, Leopold I , verurtheilt, in der Alabama- und dann in der San Juanfcage ebenfalls von ganz Europas im Un recht erklärt, das mag in Rowning Street wohl zur Vor­sicht mahnen, und bei Gelegenheit des Berliner Memoran­dums bot sich ja auch einmal die Gelegenheit, sich kritisch und abwägend gegen dasjenige zu verhalten, was von den drei größten Staatsmännern des Kontinents für zweckmäßig gehalten worden war. Ueber das angenehme Bewußtsein überhaupt eine solche Kritik üben zu können, wird England schwerlich hinauSgchen, oder glaubt irgend Jemand, daß

Die französische Preffe hat sich bekanntlich in den letzten Tagen mit einer angeblichen Annäherung zwischen Deutschland, Oesterreich und England lebhaft beschäftigt und eS als ausgemacht bezeichnet, daß diese Annäherung zum Zwecke der Friedensstiftung faetifch stattgefunden hat. Heute bringt nun dieCorrespondanee Universelle" die Nachricht, daß Fürst Bismarck, von den genannten Mächten hierzu auSersehen, im Begriffe stehe, bei Rußland und der Pforte für die Genehmigung der Friedensgrundlagen zu wirken, welche durch den neuen Kaiserbund aufgestellt worden seien. Diese Grundlagen bestehen nach dem genannten Organe in der Erhebung der drei BilahetS von Bosnien, Herzegowina und Bulgarien zu autonomen und unabhängigen Fürstenthümern, die jedoch Vasallen-

England in einem Kriege gegen die Macht der drei Kaiser­reiche eintreten würde, wenn diese nun dem englischen Wunsche genügen und das Jnselreich auch weiter bei Seite stehen lasten? Das glaubt man in England selbst nicht und eben deswegen ist der Inhalt jenes BlaubucheS nur um so lehrreicher für den europäischen Kontinent.

Ächt zuzezogen worden ist. In der Depesche des Earl of Derby an Lord Rustel vom 19. Mai heißt es z. B.: ^keiner der Vorschläge ist vorher mit Ihrer Majestät Re- gierung berathen worden, ebensowenig so weit ich un- «reichtet bin mit den übrigen Mächten, welche den Pariser trottet unterzeichnet haben. ES wiederholt sich als» derselbe Fall, wie mit der ersten Note des Grafen Audrasty, in welcher eine Reihe von Vorschlägen enthalten waren, die Großbritannien annehmen sollte, ohne vorher ügend eine Gelegenheit gehabt zu haben, dieselben in ihren Details prüfen zu können, oder den etwa von der britischen Regierung geäußerten Bedenken Zeil zu lasten, von den

Wie aber, wenn die Richter ein milderes Urtheil sprächen ihn nicht zu jener fürchterlichen Strafe verdammten, deren bloßer Name das Blut stocken macht. Er hatte gestern an den Mienen der Männer gesehen, daß sein Schicksal ihnen Mitleid eingeflößt sie konnten eS er­leichtern, wenn sie wollten, und gewiß, sie würden wollen.

Der Morgenwind spielt mit Hildegards Blumen, die er an seiner Brust geborgen hat, er betrachtet sie trübe und schmerzlich; sie, die Geliebte ist ihm verloren, daS fühlt er tief, die Reine kann er nicht in den dunklen Kreis eines schuldbeflcckten D-seinS ziehen. Aber ihm bleibt die Reue und durch sie die Hoffnung, diese Schuld zu sühnen wenn die Strafe, welche die weltliche Gerechtigkeit über den Uebertreter der Ges.tze verhängt hat, abgebüßt ist: zu fühnen durch ein völlig neues Leben redlicher Arbeit, treuer Pflichterfüllung, das nichts mit dem vergangenen gemein hat, nicht geleitet und bewegt wird durch jenen falschen Ehrbegriff, der Grund und Ursache seines Unglücks, seines Vergehens gewesen.

Einen Augenblick empfindet Elmar mit voller Geistes klarheit, daß er am Scheidewege steht. Im Morgensch m- mer einer neuen Sonne, unter freiem Himmel, auf glück­licher Erde, liegt ein Pfad vor ihm, der aus dem Wirrsal der Vergangenheit führt und hinter sich läßt das Licht der strahlenden LüstreS, den Glanz der Brillanten und Or- denSsterne, mit einem Worte den oft künstlich erborgten Schimmer, der für ihn zum Irrlicht, geworden ist.

Und gibt es nicht eineEhre" von anderem Gehalt, als diejenige, welche in den Köpfen jener exclusiven Mi' norilät der großen Menschheit exfftnt?

Elmar sinnt und sinnt um sich doch endlich köpf- schüttelnd, mit tiefem Seufzer zu sagen, daß er zu schwach ift, sich aufzuschwingen zu jener Höhe, auf der allein das Berdammunzsurtheil seiner früheien Genossen keine Macht über ihn hat.

Rein, et vermag eS nicht, sich aus jenen Bande« zu

entehrend, den Tod des Erhängens, sein Leben nicht auch ein entehrendes nennen?!

*tge. iradi. aus», gner. auss. nüetti.

Da- englische Blaubuch.

Das jetzt veröffentlichte Blaubuch über das Verhältniß Großbritannien'» zu den Vorgängen in der Türkei und zu den Maßnahmen, welche von Seiten der drei nor­dischen Kaiserreiche verabredet worden, läßt et kennen, daß sowohl die verzögerte Zustimmung zu dem ersten Memoran­dum deS Grafen Andraffy, als die Ablehnung der zweiten von der englischen PresseBerliner Memorandum" genannten Vereinbarung eines bei der Pforte zu thuenden EchrÜteS aus der Empfindlichkeit der englischen Minister eutsprungeu, daß ihr während dieser Vereinbarung in Beilin anwesender Botschafter, Lord Odo Ruffel, bei der öerathung und Formulirung des letzteren Memorandums

Tagesbericht.

Das Gesetzblatt für Elsaß - Lothringen bringt eine kaiserliche Verordnung betr. die Einberufung der Bezirks­tage und Kreistage. Die Bezirkstage werden am 21. August dieses Jahres eröffnet und spätestens am 2. Sep­tember dieses Jahres geschlossen. Die erste Sitzungsperiode der Kreistage beginnt am 7. August, die zweite am 14. September dieses Jahres. Die Dauer einer jeden dieser Sitzungsperioden ist auf höchstens fünf Tage festgesetzt.

Nach Eröffnung des Verkehrs auf der neu erbauten Eisenbahn von Straßburg über Lauterburg nach Germer»- heim ist diese Eisenbahn zur UebergangSstraße für Wein (Traubenwein und Obstwein), Bier und Branntwein zwischen Elsaß-Lothrigen und Bayern (Pfalz) erklärt und der elsaß- lothringischen UebergangSsteuerstelle zu LauterbUrg im Hauptsteueramtsbezirk Hagenau die unbeschränkte Befugniß zur Erhebung von UebergangSabgaben und zur Ausferti­gung und Erledigung von UebergangSfcheinen, sowie die Befugniß zur Ertheilung der Ausgangsbescheinigung in Beziehung auf den auf der Eisenbahn, mit dem Anspruch auf Steuervergütung über Lauterburg ausgehenden Brannt­wein beigelegt worden.

größw r. dort

1188.

Sslschr Ehre.

®w Erzählung aus dem Leben von Ernst v. Waldow.

>' (Fortsetzung.)

esucht, il6 selbst zur & ten seh [1768

Anzeigen nimmt entgegen: Mt Srpedition d. Blattei, fogrie die Annoncen-Bureaux gen Th. Dietrich i Co. in

Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlicken Beilao- , .. 777

Buchdrucker-.) bezogen Sh Mark, durch die Postämter d-S Deutschen Reiche- S Wart 50 Pf,? (tf.»efl®Ä). -g-spattem Ä l0°«f?° in der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Abreisen werden 45 Kfe fimitn,« * ®***

Anzeigen nimmt entgegen: die Echeditton d. Stattei sowie die Annoncen-Bureaux von ® L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl bchüß»

ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Da hält er einen kleinen Gegenstand in seiner Hand ei ist rin Bonbon in eleganter Umhüllung er reißt *fe ab und führt es gierig zum Munde er fühlt, *8 « Hunger hat Hunger in diesem Augenblickei

Au bittens Lächeln verzieht seine bleichen Lippen bem Momente, wo er im Begriff ist, den thierischen Organismus, die Obj-ktivirung des gewaltigen Lebensdranges

CI * Jahren, macht dieser seine Rechte geltend.

Ein Geräusch weckte ihn auS seiner Träumerei empor ; 2? a blickt auf, sein Auge bleibt an den Eisenstäben des Joli- BJWS hasten. Vor einem Vierteljahre hat sich ein armer , ob« Leiber, auf dem der Verdacht eines Diebstahls ruhte, tr 315 > ?*n man deshalb gefänglich eingezogen hatte, mit seinem an) i6; St an dem Gitter des Zellenfensters erhenkt das ' (Dir-W im ein. Er sucht wieder in seiner Tasche und zieht on ^««ißeS Tuch hervor. In der einen Ecke desselben l.MkMt die Freiherrnkroue, darunter die velfchlungenen fcfelfc- ^saug-buchstaben seine« Namens, zierlich gestickt von der G.M - 3iu*tr Hand.

ibet W tüdt den Tisch ans Fenster, stellt den einzigen Stuhl,

SRatfr in dem öseu Gemache befindet, darauf und klettert [18^ mit zitternden Gliedern hinauf.

y'l I. staffel und Hannover; Th. ; Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Sooler in . ! Frauffurt a. Berlin, Leip-

rimentt ng, Cöln u; Rudolf Moste ja Berlin, Frankfurt a. M. re.

Aber die Mutter fein Herz schlägt höher, ein Lä­cheln erhellt seine bleichen Züge. Er weiß, daß sie allein ihn nicht verstoßen, daß st- Vergebung und Siebe auch für den Gefallenen, Schuldbeladenen haben würde.

(Fortsetzung folgt.)

DaS MsktzenlLndische Weib.

Di.jenigen, welche nicht genug von der Sklaverei zu erzählen wiffen, in der das Weib im europäischen Abend­lande schmachte, find durch einen Hinweis auf die that- sächlich niedrige Stellung , die das Weib im Oriente, und Zwar schon in der europäischen Türkei einnimmt, am besten und bündigsten zu widerlegen.

Zwar, daß auch der Morgenländer nicht ohne Be­wußtsein von der poetischen Weihe lebt, welche über da» Weib auSgegossen liegt, ist unleugbar. Die Literatur der Völker dcS Morgenlandes, und speciell der muhamedani- schen, ist voll von den zartesten Blüthen jener Empfind- düng, welche im Weibe keine Dienerin, sondern ein hoch- begehrenswertheS, edleS Gut, das zweite Ich steht. Die Liebeslieder, und Liebesgeschichten der Perser, Araber und Türken erfüllt vielfach eine Frauenverehrung, deren Carrelat im praktischen Leben die Monogamie fein müßte; denn lyrische Ergüffe voll Zartheit, Innigkeit und Glut widmet man nicht der Favorttjklavin und der Buhle, sondern der Einziggeliebten, und nur für deren Besitz setzt man sich solchen Gefahren und Abenteuern au», von denen uns die Geschichten und Märchen des Oriente» zu erzählen wiff« Auch wird kaum zu bestreiten fein, daß der Morgenländer Sinn für häusliche» Glück und eheliches Leben besitze. Schon der tuf eingewurzelte Gebrauch, die Frauen- und Kindergemächer in die abgeschlossenen Wohntheile de» HaufeS zu verbergen und das HauS selbst nicht an die Straße zu bauen, foncern eS von derselben durch hohe Schutzmauern zu trennen, spricht dafür. Endlich ist die muhamedanische Ehe thatsächltch in vielen Fällen eine einweibige, «eil 6er

Ermattet, als hälft er eine schwere Arbeit verrichtet, ff n inne und klammert sich an den Wirbel des Fenstei», öffnet er eS langsam.

»83t kühle Morgenwind sährt durch seine Lecken M schüttelt ihn, er blickt hinaus. Lichte Wölkchen zie-

ff ff Himmel, es wird einen schönen Tag geben D, schönen Tagl" der gehört ihm nicht mehr, er tiofr I "vch vor dem Heraufdämmerden untergehen.

t* *in Tag gilt im gewöhnlichen Leben nicht viel, schnell !s seine flüchtigen Stunden vorüber, man beachtet eS m-klss^ Elmar dünkt jener kurze Zeitraum jetzt eine Ewig ^Dvrt ein erwachendes Leben für ihre Mahnung ' Tode.

drohende Stellung durch Absendung einer so demonstrativ starken Flotte nach Besikabai einzunehmen, ist in der That nach aufmeiksamer Prüfung jenes BlaubucheS nicht erfind­lich und man muß es den drei nordischen Kaisermächten al» einen Akt besonderer Deferenz für Großbritannien zu rechnen, daß sie nicht auf die Ablehnung England» sofort selbstständig vorgegangen sind. Hätten sie die Beseitigung de» Sultans Abdul Äziz die Unfähigkeit seines Nach­folgers und die Pläne der juirgtüikifchen Partei ahnen können, so würde eS wahrscheinlich geschehen sein und wie man jetzt den Inhalt jenes sogenanntenBerliner Memo­randum»" kennt, wäre da» seitdem eingetretene schauerliche Blutvergießen vermindert worden. Die britische Abstinenz ist um so unerklärlicher oder wenn durch jene Empfind­lichkeit erklärt um so unbegreiflicher, al» die Annahme jener Vorschläge der britischen Regierung auch die Gelegen­heit gegeben haben würde, bei Ausführung der beschloffenen Maßregel hindernd oder sördernd je nach ihrem offenen oder geheimen Jntereffe, mitzuwirken. Man kann mit der Oppo sttion innerhalb eines berufenen Kreises jedenfalls mehr wirken und erreichen, als wenn man außerhalb deffelben steht und sich auf die bloße Kritik beschränkt. Man sollte denken, daß ein so bewährter diplomatischer, ja allgemein sozialer Grundsatz, gerade von englischen Ministern gekannt und angewendet worden wäre. In wiefern noch andere

.......... y 8** «-II-«, wii veu Dinge dabei mitgewirkt haben, wird ja auch mit der Zeit Regierungen erwogen zu werden. Ihrer bekannt werden; wir fürchten nicht zum Vortheil der von

«Regiening legt zwar wenig Gewicht auf die Form England bei dieser Gelegenheit angenommenen Haltung w solchen Dingen und würde die Vorschläge angenommen Allerdings hat England Ursache, sehr vorsichtig zu sein, haben, wenn sie ihr ausführbar erschienen wären; aber sie denn in den letzten zwanzig Jahren hat eS böse Erfahrunaen kann keinen Plan annehmen, bei dessen Entwurf sie nicht----- - - 0

an Rath befragt worden ist, (not been consulted) selbst

5 _i sicht, um wenigsten» den äußeren Anschein einer Uebcrein- 2 Hstimmung sämmtlicher Mächte zu haben." Wenn auch in 2 IHSflichkeft eingewickelt, läßt stch der Kern dieser MeinungS- 3" J ö»ßerung leicht erkennen. Der britischen Regierung ist eben 2 Form nicht gleichgültig gewesen. Gewiß haben die 2 AMuster der drei Kaiser ihre vollwichtigen Gründe gehabt, 2 Jbie Abmachungen nicht sofort auf die sämmtlichen Mächte 3 M Stt-zudehnen, welche den Pariser Traktat unterschrieben und g" 50 «öenso gewiß mag die englische Regierung gewünscht haben, tief eie. eet^t gehört zu werden, ober bei Formulirung der an und -^ffc stch ja unzweifelhaft zw.ckmäßigen Vorschläge Mitwirken p» können. Daß sie aber die Empfindlichkeit so weit au»- lerialic» dehnt, schmollend bei Seite zu stehen, gleichzeitig aber auch schäft« man weiß nicht recht, nach welcher Seite hin?