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Marburg, Sonntag, 30. Juli 1876.

XI. Za-kMg

OberhejWt Jritung

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uTy*1 befindlichen arbeiten erlangen konnte, mit den gr» bet Strahl berührte ihn elektrisch, er zuckte zusammen, ichte« QuiltungtN und Papieren verglich und eine un Sein ganzes vergangeniS Leben zog an seinem geistigcn

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^Sr. 176.

Elmar hatte nicht gefragt, warum man ihn verhaftet «essen man ihn anklage der Gedanke, sein Vergehen i» leugnen, war ihm gar nicht einmal gekommen.

Die Sache verhielt sich inbefien folgendermaßen: Ein " diesem Fache besonders geschickter Polizeibeamter hatte, einer ausgezeichneten Verkleidung, Ernst v. Severing "kamtt und sosort verhaftet.

Man hatte den Flüchtling 3 Wochen lang in der Ferne ichtcht, ihn steckbrieflich verfolgt und überhaupt die um ^ssendstm Nachforschungen angestellt und Severing ia B. selbst geblieben, und zwar in einem, wie et ganz sicheren Verstecke. Er hatte seine Metarnor phose dadurch bewerkstelligt, daß er sich Haupthaar und 81,1 abgeschnilten, eine blonde struppige Perrücke trug in den Kittel eine- Arbeiter- geschlüpft war. Seve- 8* Plan, auf diese Art die Aufmerksamkeit der Behör« zu täuschen, wäre ihm auch fast gelungen, zudem er *it Allem versehen war, um demnächst eine durch falsche tyüte resp. Pässe wohlvorbereitete Reise nach Hamburg ^jutreten al- ein Zufall e- verhinderte und feine *uideckung herbeiführte. Al- er sich verloren fah, suchte ^dadurch, vaß er Elmar anklagte, die Fälschung faktisch Z^t zu haben, sich selbst weniger strafbar darzustellen. **n erstaunte anfänglich, schüttelte ungläubig den Kops fielt da» Ganze für eine lügenhafte Ausflucht, wie der lachen ja öfter vorzukommen pflegt. Doch als er aus »7 i^stimmteste bei feiner Aussage beharrte und man jetzt mate Handschrift, welche man leicht durch seine, auf dem (T t befindlichen Arbeiten erlangen konnte, mit den ge­

il! ein kleines, dürftig »auSgestattetes Stübchen. Die Blumen der Geliebten hatte man ihm gelaffen.

Zum Tode matt war Elmar in einer Ecke de- Zimmers niedergefmikkn. Einem Anfälle wilder Bezweiflung, in dem er Gott und Menschen g, flucht, war ein Zustand gänzlicher physischer und psy bischer Ermattung gefolgt.

Die Lampe war erloschen, e- war düster um ihn her, er gewahrte eS nicht. Da brach das Licht de- Vollmon­de- durd da- hohe, mit Eisenstäben vergitterte Fenster

lichkeit zufolge zu erwarten fein dürften.

Da der Khedive von Aegypten sich geweigert hat, einem gegen ihn selbst gefällten UrtheilSspruch de- inter­nationalen Gerichtshofes zu Alexandria Folge zu leisten, hat der Präsident des letzteren, Haakman, fein Amt nieder« gelegt.

fopie die Annoncen-Bureaux een Th. Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Tb- Dietrich in Frankfurt a. M ; Haafenstein & Vogler in zransturt a M, Berlin, Leip- jig, Cöln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. 91t. re.

Auge vorüber; hatte da- Schicksal, das et in wilder Ver­zweiflung angeklagt, ihn nicht überreich au-gestattet mit all' den Gaben, nach beren Besitz bie Sterblichen streben, unb waren feine Tage nicht, behütet und beschirmt von sorgender Mutterliebe, heiter unb glücklich dahing. flössen? unb ben höchsten Wunsch seines fehnenben Herzen- den Besitz bet Geliebten, auch ihn hatte ihm da- gü­tige Geschick gewährt. Seine Schuld allein «ar der finstere Abgrund, der ihn auf ewig von der Geliebten trennte und über dem sich keine Rettung-brücke wölbte. verloren für einig 1 Und könnte er allein e- tragen, wa« er verbrochen; doch daß er sie mit Schande bedeckt, für die er freudig sein Herzblut tropfenweise vergossen hätte, daß sie elend waren um seinetwillen der Gedanke brachte ihn dem Wahnsinn nahe. Er krümmte sich, tn wiidem Schmerze zuckend, auf dem harten Boden. £>, kein irdischer Richter hätte ein so harte» Verdammung»- Mittel über ihn sprechen können, al« er selbst es that.

Da fällt sein Blick auf die Blumen Hildegard», auf den Änieen schleppt er sich zu dem Tische, auf dem sie liegen, er nimmt sie in feine zitternden Hände, preßt fie an die glühenden Lippen und übermannt von dem Gedanken an die Geliebte, deren Bild geschmückt mit allen Retzen vor seiner Seele steht, bricht er in ein laute», herzer­schütternde- Schluchzen aus. Stunden vergehen. Der Morgen beginnt zu grauen, tröbi unb langsam. f er Morgen gfebl eS für ihn einenMorgen"? nein in bet Nacht muß er erlöschen mit seiner Schulb mit Nacht bedeckt muß fein Name bet Vergessenheit an­heimfallen.

Auf Fälschung steht da- Zuchthaus I Soll die Mutter die Braut ihn dort aufsuchen unter dem Au-wurse deS Menfchengeschlech,-! Et zuckt zusammm der Ge­danke gttbt ihm Ä ast sich aufzurichten.Ich muß fort

P.lttische Wachen, Ueßerflcht.

Kais.r Wilhelm hat sich nach feinet Zusammenkunft «it dem Kaiser von Oesterreich in Salzburg nach Gastein begeben; das kronprinzliche Paar steht im Begriff, seinen Lade-Aufenthalt in Scheveningen zu bef-Lliefern unb sich über Köln, wo eS am Sonntag unb Montag Aufenthalt nehmen wirb, in die Schweiz zu begeben. Aus England unb Belgien ist der Kaiser von Brasilien nebst Gemahlin auf deutschem Boden eingettoffen und verweilte einige Tage in Bonn. Parlamentarische und oft genug auch un- parlamentarische Parteistürme haben in der baiertschen Abgeordnetenkammer gewüthet. Wahlprüfungen gaben den Anlaß. Lei der Berathuag über da« Militärbudget ging dagegen die See merkwürdig glatt; der ordentliche Etat von 41 Vt Millionen Mark wurde in einer Sitzung geneh migt; bei dem außerordentlichen geschahen einige Abstriche nach den Ausschußanträgen. Die hessische Erste Kammer ist am Dienstag zusammengetreten, um die Lerathung des von der Zweiten Kammer erledigten Budgets für 187678 zu beginnen. Dem Reichslande unb bet Pfalz, zugleich aber dem ganzen durchgehenden linksrheinischen Verkehr ist eine Wohlthat zu Theil geworden durch die am Montag gefeierte Eröffnung der Bahnstrecke Straßburg.Lauterburg- KermerShetm.

Mit welcher veforgniß die Völker und Cabinctte der habsburgischen Monarchie nach Süden schauten, zeig ten die Wiener und Pesther Blätter, welche fast ausschließ­lich sich mit den Vorgängen am Balkan beschäftigten unb über innere Politik kaum beiläufig berichteten. Jnbeß hat sich bie Stimmung in @üb-Ungarn, Kroatien unb Dal natien in Folge bet serbisch n Mißerfolge bebeutenb ge­klärt. Dabei läßt Tisza die Gerichte eifrig gegen omla. dinistische Umtriebe vorgehen. Daß Andrassy sich auf fein TuSculum zurückgezogen, hat auch beruhigend gewirkt.

Der italienische Senat hat am 26. d. Ml«, das Frei Hafengesetz mit 114 gegen 102 Stimmen angenommen. Die russische Regierung hat ihren Gesandten in Rom, Baron llexküll Gyllenbandt, zum Botschafter ernannt.

Zn Frankreich wirft die Koalition der Gegner der republikanischen Verfassung und de- liberalen Ministeriums ihren Schatten weithin durch'« Land. Auch die Orleanisten fühlen sich wieder ermuthigt, und es ist von neuen Fusions- Verhandlungen, die in Genf mit den Legitimisten stattfanden, Vie Rede. Da« Laad wird aus einer Ueberrafchung in die anbete geworfen: am 21. bereitete der Senat bem Unter» richtsminister bei bem Universitätsgesetz eine Niederlage, am 22. erteilte die Deputirtenkammer bem Minister bcö Innern «in Vertrauensvotum. Das Cabtnet denkt nicht an seinen Rücktritt; die Linke predigt kaltes Blut, aber Broglie bildet »ach wie vor Im Elysöe und im Senat die Reihen, mit

K.lfche Ehre.

Tine Erzählung aus dem Leben von Ernst v. Waldow.

(Fortsetzung.)

Tagesbericht.

DerReichsanzeiger" pudlizirt das Gesetz betrtffenb bie Veranlagung und Erhebung der direkten Staatssteuern nach dem Etatsjahre.

Graf Hany Arnim wird am 1. August in Paris er» «artet, wo er sich wie bereits gemeldet mit seiner Familie dauernd niederlassen wird. Sein Geschäftsführer ist bereite vor einigen Tagen in Paris angelangt und hat für den Grafen in einer dem Are de Triomphe benach­barten Straße ein Hotel gemietet.

Ein hoher türkischer Würdenträger, dessen Einfluß im Rathe der hohen Pforte beträchtlich ist, Obfan Effendi, Musteschar (Unterstaatssekretär) im Ministerium der öffent­lichen Arbeiten hat Anfangs Juni Konstantinopel verlassen um sich nach London und Parts zu begeben. Die Mission Odian Essendes ist eine geheime aber man hält sie für gewichtig, weil er als eine Persönlichkeit von hoher Stel» lung, für dieselbe gewählt wurde. Außerdem sagt man daß Odian Effendi das besondere Vertrauen Midhat Pa- fcha's genißt. Odian Effendi befindtt sich zur Zeit in Paris.

Die von uns gestern mitgetheilte Nachricht desBasfiret", nach welcher Graf Zichy in Konstantinopel erklärt hätte, daß Oesterreich gezwungen fein würde, Serbien zu okku- piren, wenn der Krieg nicht in 15 Tigen beendigt wäre, wird von Wien aus bementitt. Uebrigen« hat derPesti Naplo" bie Meldung des türkischen Journal« sehr ernst ausgenommen und an dieselbe eine herbe Kritik der öster­reichischen Politik geknüpft.

Die letzten Tage haben auf dem Kriegsschauplätze einige Zusammenstöße zwischen den Serben unb ben Türken ge- bracht, die jedoch die Entscheidung zwischen den beiden Theilen wenig gefördert haben. Am hartnäckigsten scheint bei Saitschar gestritten zu werden, wo nach einer Depesche von Semlin vom 25. d. seit drei Tagen ein furchtbarer Kamps entbrannt war. Da nach einer etwaigen grobe»

Die spanische Exkönigin Isabella wird in Santander erwartet, wo der König sie persönlich in Empfang nehmen will. Der Ministerpräsident CanovaS hat Herrn Joss Garcia Barzanallana, dem Bruder deS früheren Ministers ree Königin Isabella, den Posten eines FinanzministerS übertragen

Zur Vorbereitung auf die demnächstige große orien talische Debatte ist dem englischen Parlament das sehr umfangreiche Blaubuch vorgelegt worden, welches in 544 Schriftstücken dieCorrefpondenz über Angelegenheiten der Pforte unb beS Aufstanbes in Bosnien unb der Herzego­wina" enthält. ES gibt einen geschichtlichen Einblick in ben Gang der diplomatischen Verhandlungen, soweit Eng­land an denselben betheitigt gewesen, ohne freilich überall die innersten Triebfedern bloßzulegen. Ein zweites Blau­buch bringt die Schriftstücke, welche die Ermordung der Co-suln in Salonichi zum Gegenstände haben.

Am russischen Hofe ist oer Kronprinz von Italien m t feiner Gemahlin zum Besuche eingetroffen. Am 27. b. begeben sich Beide nach Moskau und Tags darauf wird bas dänische und das griedjif te KönigSpaar von Kopen­hagen zu Schiff in Petersburg ankommen. Der Reichs­kanzler Fürst Gortschakow feierte kürzlich seinen 78. Ge­burtstag und erhielt oazu die verbindlichsten Glückwünsche des Kaisers und der Kaiserin. Der türkische Botschafter Kabul! Pascha hat seine Beglaubigungsschreiben überreicht, der russische Botschafter bei der Pforte, General Jgnaliew, hat zu einer Reise nach Petersburg vier Wochen Urlaub genommen.

Der Gesundheitszustand de« türkischen Sultan« soll ein so sehr schlechter fein, daß die Möglichkeit einer dem- nächstigen Thronentsagung mehr und mehr an Wahrschein­lichkeit gewinnt. Ueber den diplomatischen Austausch zwischen Ö sterreich und der Pforte wegen deS Hafen« von Klek ist noch nicht« Näheres bekannt geworden; neuerdings brachte der halbofficielle .Basstret" die ziemlich unwahrscheinliche Nachricht, dafe Oesterreich Serbien besetzen werde, wenn der Krieg nicht binnen 14 Tagen beendet sei. Zur Deckung oer Kriegskosten beabsichtigt die Pforte für drei Millionen L. Papiergeld auszugeben. Auf dem serbisch-türkischen

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verkennbare Aehnlichkeit zwischen beiden durch daS Gutachten Sachverständiger konstatirt wurde ward d-r Verdacht so dringend, daß man eine Haussuchung und sofortige Verhaftung deS stark Gravirten anordnete.

Elmar selbst konnte von alle dem keine Ahnung haben, va bie ganze Sache als Geheimniß behanbelt wurde und da» Gerücht von Severings Gefangennahme sich in der Stadt erst am Abend te« Festes im S.'schen Hause oer- breitete, also einen ganzen Tag nach der wirklich erfolgten.

Doch eilen wir zu Elmar, wir finden ihn jetzt allein in seinem Gefängnisse.

Er meinte das Schwerste überwunden zu haben, nach­dem er vor jenen ernsten Männern, welche unter steifen Amtsmienen ihre Rührung nur mühsam verbergen konnten, ein offene« Bekenntrriß feiner Schuld abgelegt unb sie zu l'tzt gebeten hatte, das Papier, in welchem sich die 500 Thaler befanden, und dessen Verst.ck er genau bezeichnete, feiner Mutter da« Geld an jene Kaffe al« Erfa^ zu geben.

Darnach hatte man feine Kleider untersucht, und da man nichts Gefährliches, etwa ein Messer oder einen Dylch, darin entdeckt, war er in feine Zelle geleitet worden -

Anzeigen nimmt entgegen: bie (Etyebttion b. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von G L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete- meyer in Berlin; Carl Schütz. ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer ben Werttagen nach Sonn» unb Feiertagen. Preis für ba« Quartal mit der wöchentlichen Beileae IliltrirtM . . .. .. .... ....

«"Druckerei) bezogen 84 »«k durch bie W des fcdfn Reichs i «artM W'(Äfigebfe3-Änl'fflFjÄ gtfilel Ä0*'* _ 3ür tn der Expedition zu ertherlenbe Auskunft unb Annahme von Abreffen werben 85 Pf«, berechnet. 1 8 *

benen er die Republikaner au« dem Felde zu manövriren Kriegsschauplätze neigt sich die Wagschale de« Glücks mehr Die Ultramontanen unb Legitimisten leisten ihm unb mehr ben Türken zu, obwohl entscheibende Schläge reblich Beistand und unter den eigentlichen Constitutionellen bisher weder erfolgten, noch für's Erste aller Wabrsckein- herrscht weniger Energie als je. Das Cabinet hat nach*-

einer Berechnung auf Grund der letzten Abstimmungen im Senate 144, in der Diputirtenkammer 150, also in beiden Kammern 294 Gegner; dagegen wird eS im Senate von 139, in der Deputirtenkammer von 350, also im Ganzen von 489 Mitgliedern unterstützt; der Unterschied zu seinen Gunsten beträgt 195 Stimmen, eS besitzt danach eine ab­solute Mehrheit von 78 und eine relative von 195 Stimmen.