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Marburg, Freitag, 28. Juli 1876.

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Konklave zu regeln und mit einem demüthigen Bekenntnisse ihrer Schwäche endigten."

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au« seinen bisherigen Routen abzulenken. Die gegenwär­tigen Frachtsätze auf den französischen Esenbahnen seien

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, lotete die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; ftaafenftein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

zu erdrücken. A!S um das Jahr 1860 die Aera der neuen Handels - und Zollvcrlräge begann, habe die Regierung der Landwirlhschaft, der Industrie und dem Handel Er leichterungen jeder Art, um der ausländischen Concurreuz zu begegnen, in Aussicht gestellt, wozu insbesondere Ver­wohlfeilerung des Transportes gehöre; statt derselben seien jedoch nur größere Belastungen eingetreten. Beim Ab­schlüsse der Verträge zwischen dem Staate und den großen Eisenbahngesellschaiten im Jahre 1845 sei nach je 15 Jahren eine Revision der Eisenbahntarife vorgcschrieben worden. Weshalb habe man diese Garantie gegen daö Monopol außer Anwendung gelassen? In den wenigen Fällen, wo die Eisenbahngesellschaften durch Ermäßigung der Frachten auf Erleichterung des Verkehrs Rücksicht genommen hätten, sei das Resultat auch financiell günstig gewesen. Alles, was sich auf die Tarifirung und Classification der Eisen- bahngüter beziehe, müsse künftig unter die Leitung und Aufsicht deS Ministers der Landwirthschaft und des Han­dels gestellt werden. Dies Alles muß für Deutschland, wo ja das Eisenbahnwesen großen Reformen entgcgengeht, sehr lehrreich genannt werden.

Die Vorlage des BlaubucheS gibt der englischen Prefie Gelegenheit, die Politik des DrcikaiserbundeS scharf und sehr ungünstig zu kritistren. So sagt dieTimes" am Schluß eines längeren Artikelsdie Lehre die aus allem dem gezogen werden kann, ist die, daß wenn die drei Kaiser- michte, wie sie betheuern, von dem Wunsche beseelt find, diese Trubel zu einem Ende zu bringen, sie die Präten- stoncn ihrer Tripelallienz und die damit verknüpfte politische Arroganz bei Seite legen müssen. England will nicht allein in Europa mit in Betracht gezogen sein, sondern auf gleichem Fuße mit irgend einem Staate stehen. Wenn auf die Einwände und Rathschläge England'- in Berlin oder

Falsche Ehre.

Sine Erzählung auS dem Leben von Ernst v. Waldow.

(Fortsetzung.)

Doch jetzt mußte die trauliche Unterhaltung der Beiden, öiesr so angenehme Ruhe vor einem Feste oder einer Ge­sellschaft unterbrochen werden, denn es war Zeit zum An- lleiden, da Elmar versprochen hatte, mit seiner Mutter ein Ltündchen früher zu kommen als die übrigen Gäste.

»Mache Dick heute recht schön, Mütterchen," rief El var noch der Mutter zu, als er in sein 3untrer ging,

sie erwiderte lächelnd:Ei gewiß, ist'S doch ei« hoher W und Freudentag für mich."

Elmar stand vor seinem Schreibtische im Begriffe den- ikcheu zu schließen^ als jein Blick auf der Stelle haften olick, wo der inhaltsvolle Brief im verborgenen Fache ruhte.

Ein Schauer durchrieselte ihn, er hatte heute noch gar ?°cht an jene unselige Sache gedacht; jetzt plötzlich überfiel eine unerklärliche Angst, welche ihn antrieb, daS Fach öffnen und das Schreiben herauözunehmen. Er hielt ® in der Hand am besten wäre eS vielleicht, es gleich ?ptte ben Flammen zu übergeben die Brücke abzubrechen, " ihn mit der Vergangenheit verband, und doch schwankte eS war, als hielt ihn eine unsichtbare Macht davon -«ruck; aber ebensowenig vermochte er, daS Dokument wieder °° dem bisherigen Versteck zu bergen, dies erschien ihm einmal ganz unsicher.

innenb blieb er in der Mitte deS Zimmers stehen; ".'ich belebten sich seine Züge, er hatte eine gute Idee, inh er an sein Bett, rückte eS vorsichtig ab, und

" in die dicke, mit gepreßten rothen Sammeiblumcn erechte Tapete einen Schnitt machte, schob er den verhäng- ovalen Bries hinein und verklebte hierauf den Einschnitt Gummi, jo daß keine Spur davon zurückblieb.

u «tnat athmete jetzt erleichtert auf, es war ihm, a'S ttnt Last von seinem Herzen gefallen, so frei und glück­

lich fühlte er sich; er hatte beschloffen, das Papier in dem Versteck bis zu seiner Abreise zu belaflen und eS dann zu vernichten, die fünfhundert Thaler jedoch der Armenkasse zu überweisen.

Als er die Arbeit beendet, blieb er noch auf den Knieen liegen und es war ihm, als müffe er ein Dankgebet für seine Rettung sprechen, dann stand er auf und begann sich schnell anzukleiden.

Elmar war fast damit zu Ende gekommen, als die Thür sich leise öffnete und seine Mutter mit einem Lächeln auf den Lippen und schon in voller Toilette auf der Schwelle erschien. Elmar blickte sie mit aufrichtiger SBe- wunderurrg an, schlang dann seinen Arm um ihre schlanke Taille und rief:HerzenSmama, Du bist ja zum Verlieben schön I"

Frau von Wessenhagen war auch in Wahrheit eine anziehende Erscheinung; ein Kleid von perlgrauem AtlaS schmiegte stch in schweren Falten um ihre hohe, aber graziöse Gestalt, das glänzende, dunkle Haar, deS in welligen Scheiteln zu beiden Seiten das zarte Oval des Gesichtes umrahmte, war mit einer Spitzenbarbe geschmückt, die von großen Stiefmütterchen aus farbigem Sammet gehalten wurde.

Ich nehme Dein Compliment an, mein lieber Sobn und gebe es Dir zugleich zurück;" dabei betrachtete sic Elmar zärtlich und fügte in bewegtem Tone hinzu:Ich mülte Gott so recht aus der Tiefe meines beglückten Mutterherzens danken für das Geschenk, das seine Gnade mir heute vor vierundzwanzig Jahren verlieh, aber auch Dir, mein Elmar, Du Trost und Stolz meines Lebens!" Er neigte das erglühende Antlitz auf die ihm dargereichte Hand, die Mutter hielt ihn lächelnd in seiner gebückten Stellung fest und sagte, indem sie den goldenen Knopf, der das feine Hemd aus der Brust zusammenhielt, geschickt ent fernte;Betrachte Dich einmal im Spiegel, jetzt erst ist Deine Toilette beendet,"

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anderwärts geachtet worden wäre, so dürfte schon lange eine einheitliche Meinung erzielt und die letzte Extremität, d. h. der Krieg, vermieden worden sein. Nichts in diesen Schriftstücken ist bedeutsamer, als die Uebcrzeugung die sie gewähren, daß die einzige Hoffnung auf eine Lösung in dem PreiSgeben aller exklusiven Liguen und einem freimü- thigen Appell an da das Urtheil Europa's liegt." Etwas kräftiger noch ist die Sprache desStandard." Derselbe sagt:Die Konsequenz, Vorsatzfestigkeit und Geistesbreite, welche die Depeschen charakterisiren, ständen in angenehmem Kontrast mit dem Wankelmuth, der Unentschloffenheit und Uneinigkeit, welche jene Mächte verriethen, die es so hoch- müthig unternahmen, die Geschicke Europa's in privatem

Mengen L ÄÄ Merhkssische Zeitung mit der Gratis-Beilage Mustrirtes Sonntagsblatt werden von allen Postanstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.

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Zwischen Deutschland und Frankreich besteht eine auf- sallende Uebereinstimmung hinsichtlich der Klagen über das Eisenbahnwesen. In beiden Ländern wird eine durchgrci- fenbe Reform der Verwaltung und der Tarife lebhaft ge­wünscht. Man sollte vorauSsctzen, daß in Frankreich die Eisenbahnen, da sie dort von Anfang an nach wohlüber legten allgemeinen Plänen und in zweckmäßigen großen Theilungen hergestellt sind und stets unter gleichmäßiger staatlicher Aufsicht und Leitung gestanden haben, im Großen und Ganzen den allgemeinen Verkehrsintereffen entsprechen und nicht zu unaufhörlichen und vielseitigen Klagen der Vertreter deS Handels, der Industrie und der Landwirth- jchaft Anlaß geben würden, wie dies in Deutschland in Rücksicht der einheimischen Bahnen der Fall ist. Die Voraussetzung ist indeffen eine sehr irrige. Wir finden dieselben Klagen, die wir erheben müffen, auch in Frank­reich wieder. So beklagen die französischen Handelskam­mern die Verworrenheit der Tarifsysteme, die jetzt nicht tun für jede Gesellschaft, sondern auch fast für jede Station und jeden Artikel differiren und so sehr kvmplicirt sind, daß ein langes Studium erforderlich ist, um zu berechnen, »aS der Transport einer Waare von einem Orte zum länderen kostet. Die Lohnbeamten sind nicht im Stande, föhne großen Zeitaufwand die billigsten Tarifsätze zu er­mitteln und da sie für etwaigen Ausfall verantwortlich sind, berechnen sie in allen zweifelhaften Fällen den höchsten Satz, und so werden sehr viele Frachtbriefe zu hoch be­lastet. Eine andere Klage der Handelskammern ist die, bofe die französischen Eisenbahnen immer einen höheren Frachtsatz erhöben als die belgischen und deutschen Bahnen, zum großen Schaden des Exportes der nationalen Häfen, denn eine geringe Frachtdifferenz genüge, um den Verkehr

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte« sowie die Annoncen-Bureaux von (5 L. Taube & Co. in Frankfurt a. M.' Jäger'sche Buchhandlung in Frantfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

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(frf»eint tfig li» aufjet ben Werktagen na» Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJUuftrirteS eonntagSHatt durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerer) bezogen Zf, Mark, durch die Postämter de» Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Beile 10 Pfa

Mr in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. '

| Nach einer Information, die wir jedoch nickt für un­bedingt sicher erklären können, sind die Forderungen Ru­mäniens an die Pforte nur von einer einzigen Macht un­terstützt worden, nämlich von Rußland. Die übrigen Mächte, auch Deutschland, haben wie bereits telegra­phisch mitgetheilt die Forderungen Rumänicn's als utt- diskutirbar bezeichnet. Ucbrigens wird eS auf das Be stimmteste für unrichtig erklärt, daß Rumänien im Falle der Ablehnung der Pforte mit einer Kriegserklärung ge­droht habe. ------------

Ueber die ungü nstige Lage der serbischen Armee melden diePreffe" und dieNeue Freie Presse" gleichlautend, daß die Armee Tschernajew's zwar intact, aber in Folge der Gefechte bei Pandiralo in vollem Rückzüge begriffen sei. DaS neueste serbische Bulletin stellt den Rückzug zwar nur als eine strategische Maßregel dar; daS letztgenannte Blatt bringt dagegen aus Semlin, 25., Folgendes:Privat­nachrichten melden, daß große Verwirrung in der serbischen Armee herrscht; bei der Jbar Armee mangelt cs an Pro­viant. Die Verlegung des Hauptquartiers von Paratschin nach Saitschar bestätigt sich nicht. Die türkische Tiinok- Armee, angeblich 50,000 Mann, st.ht auf serbischem Bo­den auf den die Stadt Saitschar beherrschenden Höhen. In Belgrad herrscht in Folge dieser Gerüchte große Be­stürzung, einz lnc Eonsulate bringen ihre Archive in Sicher­heit. Leschjanin soll vom Commando der Timok- Armee enthoben und durch Brigadier Horvatovich gersetzt werden; Tschernajew beschuldigt ihn, durch ungeschicktes Manövriren das Ausgeben dec Position von Sabina Glawa und damit die Offensive und den Rückzug veranlaßt zu haben. Da auch gegen General Alimpits Klagen wegen Unfähigkeit einliefen, so begab stch der Kriegsaitnister Nikolics an die Drina, um zu untersuchen, ob derselbe schuldig sei an den Mißerfolgen bei Belina. In Belgrad verlautet, Milan beabsichtige, nach der Residenz zurückzukehren, um FcicdenS- verhandlungen einzuleiten, nöthigenfalls aber der Katastrophe durch Uebergang über die Save auszuweichen." Ein Theil von Tschernajew's Armee bildet jetzt ben rechten Flügel der Ostarmee unter L-schjanin; diese Stellung ist durch einen türkischen Flankenmarsch bedingt, der Rest deS Tschernajew'schen CorpS steht vor Rtsch. Die Türken sollen beabsichtigen, ihre ganze Kraft gegen die Ostarmce zu Wersen, um von dort aus vorzudringen, die serbische Südarmee zum Rückzug zu nölhigen und ihrem Corps von Risch aus den Süden Serbiens zu öffnen; da diese Absicht erkannt worden sei, habe der Ccntral-Generalstnb die Frontverände­rungen vorgenommcn. Aus Konstantinopel vom 25. meldet man amtlich bas Eintreffen «boul Kerim Pascha'S in Nisch und das Bevorstehen einer großen Schlacht.

Elmar that eS und erblickte eine Brillantrosette, welche die Stelle des einfachen Gvldknopses einnahm und im Kerzenlichte funkelte.

Er kannte die Steine, sie hatten der Mutter Verlo- bungöring geschmückt. Gerührt umarmte er die liebevolle Geberin, sie drückte fein lockiges Haupt an ihre Brust und betrachtete mit glücklichem Lächeln die reinen Züge seines edlen Antlitzes, die heute im Schein der wiederkehrenden Gesundheit strahlten.

Es war eine schöne Gruppe und werth, daß der Pinsel eines MalerS sie verewigt hätte, diese beiden glänzenden Erscheinungen magisch beleuchtet.

Doch gaben wir auf den vorstehenden Seiten eine Be­schreibung Frau Eleonorens, so wäre es unrecht, die holde Hildegard zu übergehen.

Eben schwebt sie, von Elmars Arm umschlungen, durch den Saal, und Aller Blicke folgen, manche nicht ohne Neid, die meisten aber mit aufrichtiger Bewunderung, dem schönen Brautpaare.

Hildegard trug ein Kleid von weißer Seide, darüber ein duftiges Gewebe von Brüffeler Kanten, da« von Guir- landen gehalten wurde, die aus blühender Erika mit weißen Rosen vermischt gewunden waren.

Ein Kranz derselben Blumen zierte ihre Locken, und den blendenden Hals schmückte das Geschenk des Verlobten, welches sie hoch erfreut hatte, weil es von ihm kam.

Ueberhaupt schien das Schicksal Hildegard heute für die bisher verlebten, oft hüben Stunden ihres Braut­standes entschädigen zu wollen; ihr Verlobter war so heiter und blühend, so liebevoll, wie sie ihn noch kaum nach seiner Krankheit gesehen; ihre Freundinnen und die übrigen Gäste umringten sie glückwünschend unb mustctten bewun­dernd ihren Anzug, oder lobten Elmars guten Geschmack bei Auswahl der herrlichen Perlenkette, was Hildegard noch lieber hörte. Kurz, aus allen Gesichtern strahlte ihr ein Lächeln ter Befriedigung entgegen; auch bet Vater halte

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