Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Mittwoch, 26. Juli 1876.

fr. 172

XI. Jahrgang

OberheMe Jritung

L von

[2772 irkt.

rtinte,;

Tan- i («ittgen niximt entgegen: e Tin- lie @n>ebtttoe b. Blatte«,

Erscheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für baS Quartal mit bet wöchentlichen BeilageJäuftrirteS Eonnta,«blatt" durch bie Expedition (Koch'sche »uchbruckerei) bezogen Werf, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 3 Wart 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). JusertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pf«, berechnet.

-gu bie Annoncen-Bureaux eg xh. Dietrich & Co. in [.fei und Hannover; Th. helrich in Frankfurt a- M ; hydt «senstein & Vogler in aüfurt a- M, Berlin, Leip- , Köln k ; Rudolf Moste Berlin, Frankfurt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Eqieditivn d. Blatte« sowie die Annoncen-Bureaux von ® L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Reke- rneyer in Berlin; Carl Schütz- (er in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

lehke Wendung der Dinge bezüglichen Depeschen, deren wesentlichste Stellen wir im Wortlaute folgen lasten:

Am 1. Juli schrieb Lord Derby an Lord A. Loftus wie folgt:Der russische Botschafter besuchte mich heute und wünschte zu wisten, ob im Falle eines Krieges zwischen der Türkei und Serbien I. M Regierung beabsichtige, wie man ihm gesagt habe, bei der Politik strenger und abso­luter Nichtintervention zu bleiben. Ich erklärte, daS sei unzweifelhaft der Fall. Allein eS müsse klar festgehalien werden, daß I. M. Regierung sich nicht verbindlich mache, sich auch dann noch der Einmischung zu enthalten, wenn, was ich übrigens nicht als wahrscheinlich annehmen könne, andere Mächte einen anderen Weg einschlügen."

Drei Tage später, am 4. Juli, billigte Lord Derby in einem Briefe an Sir Hen,y Elliot, den englischen Bot­schafter in Konstantinopel, die bezüglich der Ermordung der türkischen Minister von letzterem angenommene Haltung. Mit Rücksicht auf die Befürchtung, eS könnten unter dem Eindruck der Thal die übrigen Diplomaten darauf bringen, daß zum Schutze der fremden Staatsangehörigen Kriegs schiffe nach Konstantinopel beordert würden, erhält der Bot­schafter die Weisung, sein BeußersteS zu thun, um den Gedanken an eine Heranziehung der Flotten abzuwehren.

Ueber Oesterreichs Haltung macht Graf Beust dem Minister die Mittheilung, Graf Andrasty habe ihm die Versicherung «theilt, die Monarchie befolge wie England eine Politik der Nichtintervention unter den heutigen Ber- hältnisten. Am 10. Juli schrieb bann Lorb Detby an Sir A. Buchanan nach Wien: Der österreichische Bot­schafter theilte mir heute ben Inhalt eines Telegramms mit, welches ihm von seiner Regierung hinsichtlich ber Be gegnung ber Kaiser von Oesterreich unb Rußlanb in Reich­stabt übermittelt worden war. Das Ergebniß dieser Be gegnung wurde für sehr besriedigend erklärt. Die Kaiser hatten sich unter den heutigen Verhältnissen für eine Po­litik ber Neutralität erklärt. Wenn bie Berhältniste es erheischen, ober befonbere Fragen sich ergeben sollten, war man übereingekommen, eine allgemeine Berstänbigung aller Großmächte anzustreben. Graf Beust fügte hinzu, der Vorschlag zu einer Konstitution für die aufständischen Pro vinzen sei erfolglos geblieben.

Lord A. Loftus meldete am 11. telegraphisch aus Pe­tersburg : Das Ergebniß der Begegnung zwischen den Kai fern von Oesterreich und Rußland ist mir als sehr besrie bigenb berichtet worden. ES wurde eine beiderseitige Ver­ständigung erzielt, daß dem Kampfe im Orient gegenüber eine neutrale Haltung beobachtet werden solle unb daß, falls es nothwendig sein sollte, mit den europäischen Mäch ten Rath gepflogen werde.

Vom Kriegsschauplatz trafen folgende Depeschen ein:

seines Verführers, ohne zu fragen unb fast ohne ein klares Unheil über Dasjenige, was er that, zu haben.

Hatte ihn doch damals Severlng in jener schrecklichen Nacht auch nur ganz allgemeine Mittheilungen gemacht und auf seine Fragen auSchweichend geantwortet jetzt stellte er nicht einmal mehr solche, eS war ihm Alles vollständig gleichgültig er hätte fein eigenes TodeSurtheil unter­schrieben, bie Verzweiflung machte ihn säst stumpfsinnig er gehorchte Severing, wie der Verurtheilte dem Henker.

*

Wir wollen Elmars Seelenkämpfe nicht schildern, fein Leiden war eine Qual ohne Unterlaß und Ende.

ES gab für ihn kein Glück, keine ungetrübte Freude mehr, denn die Zärtlichkeit der Mutter, daS Lächeln ber Geliebten, sie erhöhten nur baS Schmerzgefühl feiner Brust.

Der Freubenbccher war vergiftet durch feine Schuld. Bald nach seiner Genesung hatte ihm sein künftiger Schwieger­vater eine ziemlich bedeutende Geldsumme übergeben unb ihm lächelnb gesagt, baß er bamit seine kleinen Junggesellen- schnlden bezahlen möge, da ein solider Ehemann dergleichen später nicht mehr haben dürfe.

Hoch errölhend und ein wenig verlrtzt hatte Elmar bie Gabe zurückgewiesen, daraus aber von dem Grafdu zu feiner tiefen Demüthigung unb Empörung vernommen, baß stch jene Wucherer bei dem Gerüchte von seiner Verlobung mit Hilbegarb und seiner darauf folgenden Krankheit an Graf S. gewandt und ihm ihre Wechsel präsenkirt, welche der­selbe sofort eingelöst halte unb Elmar jetzt übergab.

Graf S. glaubte ober, baß Elmar vielleicht noch ander «eilige Verpflichtungen zu erfüllen habe, unb bat ihn noch einmal freundlich, die vorerwähnte Geldsumme dazu zu verwenden.

Elmar« Stolz »ar gebrochen, et umarmte ben gütigen Mann und nahm bailenb bas Geld an, sobald als möglich

Wien, 24. Juli. DieWiener Montagsrevue" be» spricht die Eventualität eines neuen Thronwechsels in Konstan­tinopel und stellt denselben als möglich hin. Im Uebrigen konstatirt sie den religiösen Charakter des Krieges.

Belgrad, 24. Juli, 7 Uhr 10 Minuten Morgens. Zwischen Rumänien unb Serbien ist ein Schutz- unb Trutz- bünbniß zu Stanbe gekommen, über besten nähere Einzel­heiten gegenwärtig ber serbische Minister MiloSkowitz in Bukarest die Verhanblungen sührt.

P a t a t s ch i n (Hauptquartier beS Fürsten Milan), 24. Juli. 37 christliche Dörfer in ber Umgegenb von Pirol unb Akpalanka sind von ben Türken verbrannt wor­ben. Die Einwohner wurden niedergemetzelt, nut Wenige entflohen, 40 sind hier eingetroffen. Der Bevollmächtigte von Montenegro, Mascha Vribica, b-fiadet sich im Haupt­quartier deS Fürsten Milan. Minister Risticz entwirft eine Note, durch welche bie europäischen Kabinette über Serbiens Lage und Stellung insormirt werden sollen. Der Kriegsminister Nicolic inspicirt jetzt bie Drina Armee und übernimmt nächstens bas Kommando derselben. Serbien hat 90,000 Hinterlader via Bukarest erhalten. General Tschctnajeff und der Chef des Generalstabs, Becker, wurden gestern vom Fürsten Hierselbst empfangen.

Konstantinopel, 24. Juli. Nach einem Regie rungS-Telegramm aus Mostar vom 24. Juli stieß Mukhtat Pascha gestern Morgen bei Bichina unweit Neve sirr je auf ben Feind unb nahm nach achtstündigem Gefecht alle Stel­lungen der Montenegriner ein; letztere mußten stch unter großen Verlusten zurückziehen.

Belgrad, 23. Juli. Vom Kriegsschauplätze wird osficiell gemeldet: Die Türken griffen am 21. Juli mit 2000 Mann Nizams unb Artillerie bie serbischen Ver­schanzungen bei Klein - Zwornik an, inbem sie bie Haupt- gemalt des Angriffs gegen bie Redoute richteten, bie das türkische Ufer ber Drina beherrscht und die Verbindung zwischen Groß - Zwornik unb Bjelina erschwert. Obwohl biefe Redoute nur von zwei Kompagnien vertheidigt wurde, so würbe boch der türkische Angriff sowohl hier als auf allen anderen Punkten abgeschlagen unb zogen sich bie Türken mit einem Verluste von 100 Tobten zurück. Bei bem am 20. Juli von ben Türken aus bie serbischen Verschanzungen unternommenen Angriffe betrug ihr Verlust 1000 Mann, während bie Serben nur 200 Mann an Tobten unb Verwunbeten verloren. Gestern sanb bei Rakitnitza am Timok (auf türkischem Gebiet) ein Gefecht statt, bei welchem bie Türken vollständig in die Flucht ge­schlagen wurden. In ber Schlacht bei Veliki Jzwot am 18. Juli wat da« Feuer besonders heftig. Die serbische Artillerie fügte ben Türken einen Verlust zu, bet auf 2000 bis 3000 Mann geschätzt wirb, worunter mehrere höhere Offiziere. Die Serben verloren bei blefcr Gelegenheit teinc

LJ»""' s=g -

mit bemselbkn zu Severing eilenb, um ihm bie 500 Thaler, welche ihm einem Judaslohn gleich dünkten, zurückzuer­statten.

Severing wies die Summe entschiede« zurück es sei jetzt zu spät, sagte er kalt, ließ sich weder zu einer Erklärung dieser rätselhaften Worte, noch zur Annahme deS Geldes bewegen.

Trostlos kehrte Elmar in feine Wohnung zurück noch einmal hatte er ben Schimmer eines HoffnungSfterncS in ber Nacht feines TrübsalS aufleuchten sehen er war erloschen unb Dunkelheit umhüllte Bieber seinen Pfad.

ES war Herbst, Der Wind jagte die gelben Blätter von den Bäumen unb trieb sie in kleinen Wolken vor stch her, ein feiner Regen schlug an die Fenster es war kalt unb unfreunblich braußen.

Desto heimischer unb wohliger war's im warmen Zimmer, und besonders in demjenigen, in welchem Hilde­gard unter blühenden Blumen selbst eine liebliche Blume träumend saß.

In einem Cabinet hinter diesem Gemach befand sich Der Gegenstand, mit dem sich ihre Gedanken soeben be­schäftigten, Elmar, ihr Verlobter, lag, den schmerzenden Kopf auf die weichen Kiffen einer Causeuse gebettet, in in einem leichten Schlummer.

Da erweckte der Eintritt be« VaierS Hildegard au« ihrem Sinnen.

Ist Elmar nicht hier?" fragte der Graf augenscheinlich erregt,ich habe ihm eine Mitthcilung zu machen, die ihn oufs Höchste überraschen, aber auch alteriren wird. Denke Dir, sein Freund, unser Aller Bekannter, Herr v. Seve­ring , hat. sich an der ihm anvertrauten Kaffe bie nichts» würdigsten Betrügereien zu Schulden kommen taffen, indem er schon feit fast einem halben Jahre auf mehrere mit der größten Kunstfertigkeit gefälschte Quittungen der Provin-

>e Dost

Ueber die Kämpfe bei Bjelina, bei Gramada und am

Airf^t besessen, die Festungen zu besetzen; Milan sei nie 77^eter im Besitze des Rechtes, noch der Muschirwürde ge-

, 3Jt»

»en per

n Se- Haut- . Ber- Riebet- Carl [1800

.2M Pfg-e : fofoffl chwatu roejend

Tagesbericht

Heute sind es weniger die widerspruchsvollen Berichte « serbisch-türkischen Kriegsschauplatz, welche uns interes. -n, al» die diplomatischen Berichte be» englischen Blau h- und die Verhandlungen und Verwickelungen, welche i den Gang der Ereigniffe von Einfluß sein dürsten. Die hochoffiziise Wiener MontagSrevue stellt einen neuen rvnwechsel in Konstantinopel in Aussicht. Daß dadurch

- wie dieR. Fr. Pr." hört die Ntcderlegung der lassen, Räumung der Festungen und Bes tzung derselben irch türkische Truppen, widrigenfalls bie Türken in Ser einrüden. Da» Ultimatum betont, nur Fürst Michael, hetaerjeit vom Sultan zum Muschir ernannt, habe das

[1785 Die auch unS gemeldete Nachricht von ber reuerlichen Be- --Ädigung des Fürsten Wrede wird von derBudapester eht eh Korrespondenz" bementirt.

Da« englische Blaubuch , über die orientalische Frage [1'vi |kgt jetzt vor. Wir entnehmen demselben folgende auf die

m timof werden von beiden Seiten Einzelheiten veröffentlicht, m neue Argumente für die bezügliche Auffaffung von dem der Gefechte in« Feld zu führen. Es scheint fast rwuie, als wolle die Pforte ihre bisherige Zurückhaltung und ie Thatsache, daß die türkischen Truppen noch nicht in 'Serbien eingerückt sind, entschuldigen, indem sie erst noch !st« Ultimatum an Serbien gestellt hat. Sie fordert darin

fffen, llerwenigsten jetzt, wo er sich gegen seinen Sou- m kr&n empört; man habe bisher in ©tambul bas serbische v» Nck kejatzungsrecht unter Milan nur stillschweigend hingehen ido^7 affen. Dieses Ultimatum hätte man stch gewiß ersparen "Winnen; statt besten wäre der Einmarsch der türkischen ^I^flruppen, wenn er möglich war, ein besseres Mittel gewesen, ItflltN zu erzwingen, wa« man hier von Serbien fordert.

-in M "Et Oesterreich in Konflikt gerathen, und die Differenzen ou *>'«wischen Rumänien unb ber Pforte scheinen auch größer IP 0* "E> "uter geworden zu sein.

m <tne neue für die Pforte ungünstige Wendung ber Dinge » 1 'fe^en fein wirb, bürste auf der Hand liegen; als Nach- li 1uo, )(gtr wird theil« der Bruder des Sultans Murad, Abdul 6tn"fn )amib, theil« der Sohn be« verstorbenen Sultans Prinz , , jufiuf Jzzebin bezeichnet. In ber Gegenüberstellung dieser <ibtn Namen liegt implicite der Bürgerkrieg. Die Türkei st nun auch wegen ber Grenzverletzung, welche durch die jHeilnahme eine« türkischen Kriegsschiffes im Hasen von (an dem Kampfe gegen die Montenegriner erfolgte,

96

64

48

98

Elmar sank stöhnend zurück fein Widerstand war Maschinenmäßig gehorchte er den Anweisungen

z-l,«- ei««.

Ane Erzählung au« bem Leben von Ernst v. Walbow.

(Fortsetzung.)

°8tn Stein erweicht nicht so da« Herz ScveringS ®mn dieser Mensch Überhaupt da« besaß, wa« manHerz"

Elmar saß stumm unb regungslos ein Bild ber Verzweiflung unb schmerzlichen Reue. Dann erhob er sich bebend unb flehte fast zu ben Füßen seines Verführers 10Ü to Erbarmen das heißt um Erlaffung ber an ihn ge- - leiten schrecklichen Forderung.

Z , Die Bitten bie Thränen be« Unglücklichen hätten

Er hielt e« jetzt auch nicht einmal mehr für nöchig, pne Weigerung in schöne Worte zu kleiden, die ihm doch y so geläufig waren wozu auch bie MaSke I Elmars 64 *®e er ja sicher verband sie boch bie Kette gemeinsam begangener Schuld für ewig. Er sagte daher auch jetzt ? gleichgültigem Tone:Beenden wir diese Komödie, mein ottunb, die Zeit drängt!"

. Der junge Mann war aufgeftanben, eine feste Ent- Itf >vofienheit sprach au« seinen Zügen:Und wenn ich * weigere, diese neue Nichtswürdigkeit zu begehen, wenn 7 W vorziehe,diese Komödie zu beenden?" Er zeigte die Pistolen, bie über seinem Bette hingen.

I Sv würbe ich Ihre Leiche morgen ben Gerichten über 1 nebst einer Denunciation man würbe Ihre Hand-

1®3 erkennen unb Ihr Name würbe mit Schmach be

6,74.«H Sie selbst hätten sich freilich ber Schanbe feig durch ' 7l|i S Flucht in« Jenseit entzogen auf Ihrer Mutter

1 Braut bliebe sie haften -- diese würden büßen