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gnietgen nimmt entgegen: Expedition d. Blatte», <Mte die Annoncen-Bureaux Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. dirtrich in Frankfurt a M ;

jenftein & Vogler in "t a- SR-, Berlin, Leip» ,in. »om ic; Rudolf Moffe p, Berlin, Frankfurt a. M. re.

JRarfiurg, Dienstag, 25. Juli 1876.

XI, ZihtMg.

QMrtlrfiMje Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

ES liegen unS heute einige Einzelheiten vor über die Unterredung des österreichischen Botschafters in Konstan­tinopel mit dem Großvezier, in welcher dem letzteren die Sperrung des Hafens von Klek amtlich notifizirt wurde. AIS Graf Zichy Namens seiner Regierung die Erklärung abgab, daß die Zustände in den südslavischen Provinzen Oesterreich - Ungarn's die Aufrechterhaltung der strengsten Neutralität erheischen, und daß sonach die österreichisch- ungarische Regierung gezwungen sei, den Hafen von Klek für Zugänge von türkischen Truppen, Munition und Lebens mittel zu sperren, zeigte sich der Großvezier durch diese Er klärung im hohen Grade konsternirt und sagte zum Grafen Zichy, die Sperrung des Hafens von Klek unterscheide sich unwesentlich von einer Kriegserklärung und sei mit dem Verluste Bosniens und der Herzegowina fast identisch. Der Großvezier bat wenigstens um einen Ausschub dieser Maß­regel, da sechs Dampfer mit Truppen und Munition nach Klek unterwegs seien, die man retour beordern müßte und wodurch der ganze türkische Feldzugsplan alterirt erschiene. Gras Zichy erklärte, ganz strikte und positive Weisungen zu haben, von denen er nicht ermächtigt sei, auch nur um ein Haar breit abzuweichen auch würde diesfalls eine Reklamation unnütz sein, da Oesterreich sich selbst in seinen vitalen Interessen bedroht steht und die Zwangslage ener­gische Maßregeln erheische.

Vom Kriegsschauplatz sind noch folgende Telegramme eingetroffen:

Wien, 21. Juli, Abends. Ein der österreichisch- französischen Staatseisenbahn-Gesellschast gehöriges Dampf­boot mit Paffagieren ist auf der Fahrt stromaufwärts von Baziasch nach Belgrad von serbischen Wachen mit einem ernsten Angriff bedroht worden. Ein herbeigeeilter serbischer Major verhinderte die Wachen zu feuern und verhütete so ein sonst unvermeidliches Unglück. Der österreichische Generalkonsul, Fürst Wrede, ist in Folge dieses Vorfalls beauftragt worden, von der serbischen Regierung zu ver­langen, daß sämmtliche serbischen Wachtposten an der Donau gänzlich eingezogen werden, um so mehr, als es der Intervention der österreichischen Regierung zu danken ist, daß die Pforte sich verpflichtete, mit der Donauflottille nicht über die Mündung des Timok hinaus operiren zu lasten. Die serbische Regierung hat sich beeilt, die Ein­ziehung sämmtlicher Wachtposten an der Donau über das eiserne Thor hinaus zu versügen. Wie daSTelegraphen- Korrespondenzbureau" erfährt, würde, wenn die serbische Regierung aus die Aufforderung Oesterreichs nicht eingegangen wäre, eine sehr ernste Repression seitens Oesterreich einge treten sein.

Pest,.,den 22. Juli. Von maßgebender Seite wird bestätigt, daß Rumänien der Pforte eine Note überreicht

hat, welche unter Androhung eines Eintritts in die Aktion Concesstonen verlangt. Die Pforte hat noch keinen Beschluß gefaßt. UebrigenS haben alle Mächte das rumänische Memoire als undiskutirbar bezeichnet, nachdem Oesterreich mit dieser seiner Ansicht die Initiative ergriffen hatte.

Cettinje, 21. Juli. Am 16. Juli haben die Mon­tenegriner nach flebenstündigem Kampf die äußeren Ver­schanzungen von Nevestnje genommen. Die Cornmunikatiou von Nevestnje nach Mostar ist gänzlich in den Händen der Montenegriner.

Belgrad, 22. Juli. Bei Gramada (östlich von Alexinatz) auf serbischem Gebiete wurde ein Angriff der Türken zurückgeschlagen; ein neuer Angriff wird erwartet. Blimpicz hat einen stürmischen Versuch der Türken, ihn über die Drina zu werfen, stegreich zurückgeschlagen. In Folge HochwasterS verlor Alimpicz zwei Ponton-Brücken. Laut Privatmeldung ergreifen die Türken überall die Offen­sive. Tschernajeff hat sich in der Richtung nach Alexinatz zurückgezogen.

Belgrad, 22. Juli. Vom Kriegsschauplatz wird offiziell gemeldet: Nach dem Kampfe bei Bjelina am 20. Juli haben die Serben 200 Türken begraben und große Beute gemacht. Die serbischen Truppen find den Schan­zen von Bjelina näher gerückt. Der Kampf in der Nähe von Widdin war ohne Bedeutung. Eine Compagnie Frei- willige schlug sich bei Novo-Selo auf türkischem Gebiete gegen einen überlegenen Feind. Seit drei Tagen beerdigen die Türken ihre in dem Kampfe bei Saitschar am 18. Juli Gefallenen, während sie die gefallenen Serben auSgeplün- bert und verstümmelt auf dem Schlachtfelde liegen laffen. Der dort gefallene Kirleff war nicht serbischer Oberst, fon» dem einfacher Freiwilliger.

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Berlin, 22. Juli. Der deutschen Reichsregierung konnte bis jetzt von Seiten der französischen Regierung eine Mittheilung über die im Jahre 1878 stattfindende internationale Ausstellung deshalb nicht zugehen, weil das bezügliche Gesetz erst noch der Zustimmung des Senats bedarf. Die Senatskommission zur Vorprüfung der Vor­lage ist unseren Informationen nach dem Projekte günstig gesinnt und es dürfte die französtsche Regierung in kürzester Zeit in der Lage sein, den auswärtigen Regierungen defi­nitive Mittheilungen machen zu können. Es wird sich als­dann der deutsche BundeSrath voraussichtlich jedoch nicht vor Jahreswechsel mit dieser Angelegenheit zu befaffen haben. ES soll dagegen der Reichsregierung von Seiten deutscher Industrieller eine Vorstellung zugegangen fein, welche für die deutsche Betheiligung eine Beschränkung der Ausstellung von Waffen und Kriegswerkzeugen wünscht.

Srfchemt täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrtrteS konntagStlatt" durch die Expedition (floch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pf», (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebübr für die gehaltene Zelle 10 Pf». Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.

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Tagesbericht

DerReichs-Anzeiger" erklärt, daß die deutsche Re­gung dem Agenten der deutschen Bank in London, Pietsch, in einem Briefe an dieTimes" angeblich auf Ersuchen M in Vollmacht der deutschen Regierung Erklärungen Her deutsche Silberverkäufe abgegeben, zu einer solchen Veröffentlichung keinen Auftrag oder Vollmacht erlheilt hat.

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AuS Paris gehen unS gleichzeitig zwei Informationen , über Vorgänge in Nizza zu, die jedoch wohl kaum in einem Zusammenhang stehen können. Wie wir einerseits erfahren, tat die deutsche Reichsregierung daS Konsulat in Nizza suspendirt, was dort einen gewiffen Eindruck gemacht hat. Andererseits wird un« Folgendes geschrieben:Die Blätter haben nach derNordd. Allgem. Zig." einen angeblichen Aufruf des NationalcomitsS in Nizza publizirt, welcher von der Rückgabe Nizza'« an Italien handelt. Nach den ein- zegangenen Erkundigungen existirt in Nizza oder überhaupt denAlpes maritimes" kein Counts solcher Art und wir können versichern, daß dieses Dokument von zwei oder drei sehr wenig bekannten Persönlichkeiten mit Unterschriften ver­schon ist." ________________

Französischen Blättern ist telegraphisch mitgetheilt worden, daß Feldmarschall Graf Moltke den Kaiser um seine Ent­lastung gebeten habe. Der Kaiser hat es jedoch verweigert, diesem Wunsche gerecht zu werden.

Die italienische Regierung trügt sich trotz aller Demen- Ü- mit dem Gedanken der Kammerauflösung. Der Minister

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de« Innern, Ricotra, hat vor seiner Abreise nach Mon- toatini ein Cftkularschreiben an die Präfekten erlassen, worin er sie ersucht, ihm in vertraulicher Weise mitzutheilen, welche Aufnahme die Nachricht von der Auflösung der Depu i tiktenkammer und der Anordnung von Neuwahlen bei der ^'Vevölkerung der Provinzen finden würde,

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Die jüngst von Berlin aus verbreitete Nachricht, die Pforte habe gegen die Sperrung des Hafens von Klek in Sim Protest erhoben, «ar nicht unrichtig, sondern nur verfrüht. Der fragliche Protest ist am 20. d. M. durch dm Botschafter der Türkei in Wien überreicht worden.

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Dem Vernehmen nach hat Serbien um die diplomatische Lermittelnng deS deutschen Reiches behufs FriedenSfchluffeS Btt der Türkei nachgesucht und es ist dieser Gegenstand auf der Salzburger Konferenz besprochen worden. ES ist noch Acht bekannt, ob der Reichskanzler den serbischen Wünschen zünftig gestimmt ist.

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Eine Erzählung auS dem Leben von Ernst v. Wal dow.

(Fortsetzung.)

Elmar richtete fich aus mit übermenschlicher Anstrengung - er streicht mit der bebenden Hand über die Stirn jetzt ist ihm Alle» klar das ist Severing, fein böser ^ist, der Dämon, dem er seine Seele verkauftl Er hat die Geliebte errungen er nennt es sein, das höchste brdenglück weh ihm eS erhöht nur die Last seines Bends er ist ein Unwürdiger, ein Verbrechern

Zu spät! ruft er verzweifelnd feine Sinne ver- »irten sich abermals, und in wilde Fieberphantasien aus brechend, sinkt er in Die Arme des Arzte« und M besorgtes Sater« der tövtlich erschrockenen Braut ..

DaS heftige Nervenfieber, welche« Elmar in jener für verhüngnitzvollen Nacht ergriffen, war vvy ihm gewichen, bi« Kraft seiner Jugend, die Kunst.der Aerzie wie die auf­opfernde Pflege der Mutter hatten fein Leben erhalten, erholte er sich nut langsam.

Der Körper gena« allmählich nicht die Seele.

Tiefe Schwermuth wechselten mit Anfällen erzwungener, Mi übertriebener Lustigkeit, dabei hatte fein ganzes Wesen

Scheues, AengstlicheS, da« feiner Natur früher ganz Mmb gewesen.

, Auch seine Liebe für Hildegard äußerte sich oft auf Merbare Weise, in leidenschaftlicher Zärtlichkeit über« Mmcnb, dann wieder die Gegenwart der Braut oder Zigsten« ein Alleinsein mit ihr scheu vermeidend.

Die zärtliche Mutter ertrug alle diese Launen eine« AconvaleScenten wie sie e« nannte mit himmlischer ^tduld, ebenso Hildegard.

SRan schob da« All« auf dir Reizbarkeit der durch

Krankheit angegriffenen Nerven, confultirte alle Aerzie, und da keine der Arzneien anfchlagm wollte, riethen diese dem Patienten nach Italien zu gehen, um den rauhen Herbst und Winter in dessen mildem Klima zuzubringen, wovon' sie ihm sichere Genesung versprachen.

Al« Elmar das hörte, belebten fich seine LebenSgeister, all sein Wünschen und Sehnen schien nur ein Ziel zu kennen fort von B, soweit al« möglich I

Doch, er vermochte e« nicht, den Gedanken einer Treu nung von - Mutter und Braut zu ertragen, und Hildegard, die ebenfaUö bei der Vorstellung erbebte, den zärtlich ge­liebten Verlobten allein und krank in weiter Ferne zu roiffen, lqg dem Vater mit Bitten an, entweder ihre Ver­mählung zu beschleunigen, ober wenigstens den Winter mit ihr gleichfalls in Italien, und zwar in Elmars Nähe, zu- jubtingen.

WaS Frau von Weffenhagen betraf, so war sie trotz dem ihre Gesundheit durch Elmars Krankheit und die vielen dadurch veranlaßten Nachtwachen gelitten, doch von dem Glück über des Sohnes Verlobung und die Erfüllung ihrer kühnsten Hoffnungen so beseligt, daß sich dies auch äußer­lich in ihren Zügen aussprach. .

Zwar betrübte sie die Kränklichkeit deS Lieblings, doch tröstete sie sich mit der Versicherung der Aerzie, daß e« nur einer Ortsveränderung bedürfe, um die gänzliche Hei­lung herbeizuführen.

Auch Hildegards Vater fand sich leichter in das Un­vermeidliche, al« er vielleicht selbst anfangs gedacht. Elmar war ihm als Schwiegersohn nicht so ganz unlieb. Daß derselbe kein Vermögen besaß, war ihm ziemlich gleich (hatte er selbst doch bas seinige erst mit der begüterten Gemahlin erheirachet), zudem war der junge Mann mit so hervor­ragenden geistigen Vorzügen und einer so bestechenden Per­sönlichkeit begabt und von altem Adel, daß eS ihm

seinen deS Schwiegervaters Connexionen leicht werden mußte, in der diplomatischen Carri srr »Fortuna" zu machen.

Hildegard liebte ihn; und « hatte durch feine Ein­willigung da« Glück seines Kindes begründet ein Um­stand, der doch auch der Berücksichtigung werth war. El. mar'S Krankheit, die in eine Hypochondrie auSarten zu wollen schien, war freilich recht fatal, besonder« da Hilde­gard augenscheinlich darunter litt doch da« würde sich Alles geben, wie die Aerzte sagten.

Nun blieb für Graf S. noch eine unangenehme Sache zu erledigen und zwar war die« eine zarte Angelegen­heit nämlich die Abfindung mit feinem Neffen.

Doch arrangirte sich auch die« leichter al« zu befürch­ten gewesen war.

Gras K. war eine jener Naturen, die, wenn sie ihr Spiel verloren sehen, sich nicht in erfolglosen Versuchen zersplittern, sondern schnell zu retten suchen, was noch zu retten ist.

Und so nahm Feodor denn auch dankbar den Ersatz an, welchen ihm die Güte des Onkels bot obgleich das nicht mit klaren Worten so genannt, sondern nur ange­deutet wurde.

DaS Aequivalent war ein nettes Landgut- in der Nähe von Dresden.

Nimm Deinen Abschied, mein Junge," hatte Graf S. herzlich dabei gesagt,baue Deinen Kohl in Frieden und laß die bunten Blätter ruhen!"

Natürlich versprach Feodor alles Mögliche, nahm vor­läufig Urlaub, um sein neues Besitzthurn zu besichtigen und zugleich seiner Mutter in Dresden da« Resultat der ver­unglückten Brautwerbung mitzutheilen.

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Wir haben noch kein Wort übet Severing und sein Verhältniß zu Elmar gesagt.