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Marburg, Sonnabend, 22. Juli 1876.

XI. Jahrgang

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PariserSiede* in Konstantinopel aus.

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Gerüchte über die bevorstehende Abdankung des Murad machen seinen Bruder Abdul Hamid, den berechtigten Thronfolger zu einer Persönlichkeit

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Einen so kurzen Zeitraum?" unterbrach Elmar taing« Redefluß,davon weiß ich nichts I*

Das kann ick mir wohl denken,* erwiderte dieser ifehe,Sie befanden sich in allzugroßer Aufregung, doch ich htzrte deutlich, daß Sie zu Graf K. sagten:

In drei Tagen, mein Herr, werde ich Ihnen Summe zusenden und mein Wort eintösen.*

für die sich alle Welt intcrcsstrt. Wir sind in der Lage, über den Prinzen folgende Mittheilungen machen zu können. Abdul Hamid ist der zweite, am 22. September 1872 ge borene Sohn des GroßsuitanS Abdul Medjid, von männ­licheren Sitten, als fein erstgeborener Bruder und gilt für einen strengen Beobachter der Vorschriften des Propheten. Er ist intelligent; seine Erziehung besv gte ein sehr guter französischer Lehrer. Abdul Hamid hat eine Schwäche, oder wenn man will, Liebhaberei für Maurerarbeit; zu seinem Vergnügen entwirft er Grundrifle, mit denen sein Kabinet angefüllt ist. Die prekäre Lage seines Landes ist ihm jedoch nicht unbekannt und er wird, wenn er das Wohl feines Volkes dadurch fördern kann, seinen Liebhabe­reien Gewalt anthun. Nützlicher ist seine Vorliebe für Landwirthschaft. So hat Hamid riesige Strecken auf den Höhen zwischen Pera und Bujukdere urbar machen lasten und dort eine Musterfarm errichtet, deren Ställe mit Thirren der besten Rasten angefüllt sind.

an den Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten von Amerika.

Großer und guter Freund!

Untergange, lösen Ihre verpfändete Ehre ein, rechtfertige« Sie vor den Augen der Dame, welche vielleicht bald Ihre Gemahlin sein dürfte und wem erwächst daraus ein Schaden? Niemand, sobald eS uns gelungen ist was schon in den nächsten Tagen geschehen sein kann die benöthigte Summe aufzutreiben, ersetzen wir sie ganz ein» fach, ich zahle dann die 1000 Thaler nach Empfang der wirklichen Quittung an das Bergamt von Raberg aus, welches die Summe von hier aus der Haupikaste zu er­heben hat. Somit wird nur eine leere Form verletzt und das Ganze ist eigentlich Nichts weiter, als eine Anleihe; denn, fügte er fast lächelnd hinzu,wir stehlen ja nicht, ei behüte, wir sind sogar sehr sichere Schuldner und wer­den mit tausend Freuden daS Geliehene zurückcrstatten.

WaS überdies mich betrifft, so deckt meine Forderung an die Behörde fast jene 500 Thaler, die auf meinen Theil kommen, und ich nehme also im Grunde nur mein Eigen- thum."

Elmar war weit davon entfernt, durch diese sophischen Gründe überzeugt zu sein, sein Rechtsgcföhl empörte sich, und zu anderer Zeit hätte er dem falschen Freunde für immer verächtlich den Rücken gewendet, jetzt vermochte er nichts darauf zu entgegnen, nur schwere Seufzer hoben die gemarterte Brust.

Ter Versucher nahte ihm zum zweiten Male in seinem L den; er war ihm erlegen an jenem Abende, als er sich zum Spiele verleiten ließ wider seine bessere Ueberzeugung und den Warner in der eigenen Brust. Die Ehre vor der Welt, jener bohle Begriff, ihm opferte er damals Alles, und auch jetzt verlockt ihn der falsche Schein, und sein strauchelnder Fuß beschreitet abermals den Jrrpfad.

Er denkt nur an die Geliebte, an den verhaßten Neben­buhler und seinen Triumph über ihn, wenn er demselben noch Hute, in Hildegards Gegenwart, seine Schuld zahlen kann, vaS verpfändete Wort einlöst und somit den Flecken tilgt, der an seiner Ehre haftet.

Seiner die er nur durch ein Perbrechen, da«

Wilhelm.

von Bismarck.

.Alles verloren die Ehre nicht!' Wahrlich, mein junger Freund, ich gäbe Viel darum, könnte ich Ihnen helfen."

Elmar sprang auf, eilte auf ihn zu, warf sich an seine Brust und rief außer sich:Helsen Sie mir, oder zeigen Sie mir wenigstens einen RettungSweg l"

Severing machte sich sanft los, legte sinnend die Hand an seine Stirne und sagte leise:Mir kommt da ein Ge­danke." Elmar bewegte sich nicht, er blickte Severing mit weitgeöffneten Augen an, er wagte kaum zu athmen, um ihn in diesem kostbaren Nachdenken nicht zu stören. Doch j'tzt schüttelte Severing leise den Kopf, machte eine ab­wehrende Handbewegung und sagte:Nein, es geht nicht, eS wäre zu gefährlich."

Gefährlich?" rief der junge Mannnennen Sie mir oen Weg, für mich gibt es keine Gefahr, der ich nicht freudig trotzen würde!"

Severing erwiderte Nichts, sondern ging an seinen Schreibtisch, den er behutsam öffnete und aus dem er bann, an einer verborgenen Feder drückend, einige Papiere heraus- nahm.

Fast tonlos sagte er darauf, auf dieselben deutend, zu Elmar, der hinter ihm stand:Füllen Sie diese Quittung über 1000 Thaler aus Sie besitzen eine seltene Ge­schicklichkeit, Namen und Handschriften nachzumachen durch mich honnorirt sie die Berg-AmtS-Kaffe uns Bei­den ist geholfen."

Ec hatte seiner Gewohnheit zuwider die Worte kurz und hastig heraus gestoßen und erwartete jetzt in athemloser Spannung die Wirkung derselben.

Elmar war unwillkürlich zurückgetreten, et brauchte Zeit, sich klar zu machen, waS man von ihm verlangte er begriff eS jetzt.Unmöglich!" rief er entsetzt,das wäre ja eine Fälschung ein Betrug!"

Severing wandte sich um, seine Stirn war ruhig/ sein Auge zuckte nicht:DaS weltliche Gerücht würde eS so nennen", sagte er in fast gleichgültigem Tone,vor dem Richterstuhle GotteS gilt ein anderes Gesetz.

Wir retten durch diese That einen Familienvater vom

Ueber Gerüchte einer bedenklichen Erkrankung deS Sul­tans Murad, bringt der LondonerStandard" folgende interessante Korrespondenz:Konstantinopel ist fast gänz­lich von Trupp n entblößt und es geht das Gerücht, daß die türkische Polizei auSmarschiren soll, um die Armee zu verstärken, der sich auch 3000 Softa's unter Führung eines Priesters anschließen werden. Im Ganzen ist die Situation keine sehr günstige. Den Türken mangelt in trauriger Weise ein thätiger Sultan, e n entschlossener Großvezier und ein junger und geschickter Feldherr. Der GesundheitS- Zustand des Sultans flößt große Leforguiffe ein. Seine schwache Konstitution hat sich niemals nach dem Schlage erholt, den der Selbstmord seines Onkels, sowie die Er­mordung Huflein Avnt's ihr versetzt haben und er ist gänz lich untauglich für Regierungsgeschäfte. Viele erklären post tiv, daß sich bei ihm Symptome einer Gehirnerweichung gezeigt haben und daß sein Zustand ein drohend gefähr­licher ist. Ich glaube selber, daß seine Abdankung sehr nahe bevorsteht und unvermeidlich ist. Jeder Augenblick kann uns die Kunde von feiner Abdankung bringen und daß fein Bruder Abdul Hamid an seiner Stelle regiert." In ganz demselben Sinne spricht sich auch der Korrespon-

Deutschei «eich.

Berlin, 20. Juli. DieSchlesische Volkztg.* leistet das Unglaubliche, indem sie die Reise des Grafen Eulenburg nach Baden Baden damit motivirt, daß derselbe dem Kaiser Vortrag über die deutsch - konservative Partei habe halten müflen. Das halbamtliche Blatt, diePro­vinzial - Correspondenz", zerstört diesen Traum des ultra- montanen Blattes in sehr trockener Weise durch die Mel­dung, Graf Eulenburg habe die der Bestätigung deS Mo­narchen bedürftigen Gesetze demselben unterbreitet. WaS nun die Parteikonstituiruiig der Deutsch-Konservativen be­trifft, so behandelt bad Regierungsorgan biefelbe sehr zurück- haltend, weist aber in entschiedener Sprache die Auffassung zurück, als ob die Regierung sich die in dem ausgestellten Parteiprogramm niedergelegten Grundsätze aneignen solle. Ueber die Neuwahlen sür das Abgeordnetenhaus gibt dieProvinzial - Correspondenz" den Monat Oktober als voraussichtlichen Termin an, für die Reichstagswahlen den Monat Januar t I. Wenngleich diese Termine noch in ziemlich entfernter Zeit anstehen, so scheint die Wahlagi- tation doch eine bedeutende bereits heute zu sein. Die Presse agitirt in starker Weise und nicht minder geschieht dieses Seitens der liberalen Partei. ES verdient be­merkt zu werden, daß daö Regierungsorgan die Erklärung Derby's wiedergibt, ein Beweis, daß man in den leitende« Kreise« die Anschauungen des englische« Staatsmannes theilt. Ueber den Fortgang des serbisch türkischen Kriege» sind die Nachrichten jo widerspruchsvoll, daß ein klares Bild zur Zeit nicht möglich ist. Man scheint aber jetzt in allen Kreisen diesen Krieg als ein lokales Uebel zu halten, welches nirgends anders seine Wunden schlägt. Die Anleihe wird vielfach zu einem Sturmlaufen gegen Herrn Camphausen benutzt, ein solche- Verfahren hat aber kein positives Motiv. DaS Projekt der Ruhmeshalle hat man, wie auS Regierungskreisen verlautet, feiner Zeit fallen lassen, weil man die Mittel zu einer eventuelle« comm rciellen Roth, die befürchtet, bereit haben wolle.

Greif-Wald, 17. Juli. Vorgestern hat, wie daS Greifsw. Tageblatt rnitlhetlt, in Eldena die Versammlung deS landwirthschastlichen Vereins ein eigenthümliches Schick­sal getroffen. Nach der Erledigung der sonstigen Tages­ordnung tarn man an den ominösen Punkt von den Vor­theilen der Agrarier für die Landwirthschaft. Da erklärte der OriSvorsteher, Geheimerrath Dr. Baumstark, er werde die Diskussion dieser unzweifelhast politischen Frage nicht dulden, weil die Versammlung nicht dem Gesetze gemäß 24 Stunden zuvor der Ortspolizeibehörde angemeldet sei.

Falsche Ehre.

Sine Erzählung au» dem Leben von Ernst v. Waldow.

(Fortsetzung.)

Und Severing zeigte ein solche« Verständniß für die dringende Nothwendigkeit, die Ehrenschuld noch heute zu bezahlen, daß er darüber die Roth de« bedrängten Fami­lienvater» zu vergeflen schien. Er verstand eS, den jungen Mann so sinnreich zu martern, indem er mit übertriebenen Farben da» auffallende Ausbleiben und Zurückziehen El er« aus der Gesellschaft und deren Verdammungsurtheil, wenn der Grund davon bekannt würde, schilderte, daß dieser sich schon, einem Paria gleich, auSgestoßen sah.

Hätten Sie nur nicht einen so kurzen Zeitraum an- Skgeden für Zahlung der Schuld das war unvorsichtig gehandelt überhaupt diese» unselige Spiel! ich mache »it förmlich Vorwürfe, daß ich Sie dahin geführt habe, ivdeflen"

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aut vqk «nuewen nimmt entgegen: nerfyret Expedition d. Blatte», vertret «-wie die Annoncen-Bureaux i.L. .1 * , Th. Dietrich & Co. in fef -.«et und Hannover; Th.

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SpO- rtSerlin,Frankfurta.M.re.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Annoneen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendauk, A. Siete« meyer in Berlin; Carl Schütz« (et in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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4,00 b. 47,106 01,-te 0,50 k 9,60 d.

3,75 b» 1,25B.

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6,00 d« l Obüf

6 f 9*006. 8,20 h. 92,756 93,506 1,00 bS 1,5Gb 9,75 b. 7,50 b6-

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E» ist Ihnen beschleden, die hundertjährige Feier de» tage« zu begehen, an welchem da» große Gemeinwesen, an deffen Spitze Sie stehen, In die Reihe der unabhängigen Staaten eingetreten ist. Was die Begründer desselben in weiser Benutzung der Lehren der Geschichte der Staaten bildungen und mit weitem Blick in die Zukunft geordnet, hat sich in einer Entwickelung ohne Gleichen bewährt. Sie und das amerikanische Volk darüber zu beglückwünschen, ist Mir eine um so größere Freude, al« seit dem Freund- schaftövertrage, welchen Mein in Gott ruhender Ahnherr, König Friedrich II, glorreichen Andenkens, mit den Ver- einigten Staaten geschloffen hat, jederzeit eine ungetrübte ^Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika bestanden ggfmtb sich durch die Immer zunehmenden Beziehungen beider- tmi tätiger Angehörigen und in einem immer fruchtbareren 94f Austausch auf allen Gebieten de« Verkehrs und der Wiflen- 1®| fchast entwickelt und besestlgt hat. Daß die Wohlfahrt der Bereinigten Staaten und die Freundschaft beider Völker auch ferner mit einander wachsen mögen, ist Mein ausrich tiger Wunsch und Meine zuversichtliche Hoffnung. Em­pfangen Sie die erneuerte Versicherung Meiner vorzüglichen

si.2W DerTelegraph" hat seiner Zeit gemeldet, daß der ) Pfge, deutsche Gesandte in Washington, Baron von Schloezer, >t sofort am 4. Juli, dem hundertjährigen Gedenktage der Unab schwarz! hängigkeitSerklärung, dem Präsidenten Grant ein eigenhän- l'wefentj Le» Schreiben Kaiser Wilhelms übergeben habe. Der Flasch,! Wortlaut dieses Schreibens liegt jetzt vor. Es wurde am 2 Mts Zubeltage selbst den von Berlin auS erhaltenen Jnstruk- $aar( tionen gemäß durch den Gesandten persönlich überreicht

>scht, iat anb erregte um so freudigeres Aufsehen, als der Kaiser mc jebn&gn Deutschland der einzige europäische Monarch gewesen, i>aut. in jo sinniger Weise seinen Antheil an dem Feste be- ©erlitiJLiigte. Der deutsch geschriebene Bries lautet in der Rück ndet fiq Übersetzung aus dem Englischen:

R» Berlin, den 9. Juli 1876.

Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser König von Preußen rc. rc. rc.

Elmar war vernichtet er sank in daS Sopha zurück bedeckte sein Antlitz mit den Händen. Schrcck.iche Gedanken und Entschlüfle bewegten seine Seele er Mte daheim an seine Pistolen ein Druck der Hand tonnte ihn für immer von dieser Pein erlösen. Doch Wn da» «ar unmöglich sollte er al« ein Ehrloser der Welt gehen al« ein Betrüger und seine fettet! der Gedanke zerriß ihm das Hetz, eine schwere Mtine rollte über die bleiche Wange.

i*25 6> Severing sah es, ohne daß sein Herz gerührt wurde; i'oobft wie zu sich selbst sprechend, sagte er:Wie sprach 2"" FS« König Fnmz, den man den Ritterlichen nennt

Ibe Dm ^Erscheint täglich autzer dm Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für dar Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirtrS LonutnaSblatt" durch die Expedition (Koch'fche I 6 5T?nj Buchdruckerei) bezogen 84 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgedühr für die gespaltene Zelle 10 Pf».

en sp j Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.