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■flietgett nimmt entgegen: u“ Grpedition b. Blatte«, fomie die Annoncen-Bureaux gen Th- Dietrich L Co. in «nffel und Hannever; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; ftnafenftetn & Bögler in Kyttfud a. M, Berlin, Leip-
Köln it; Rudolf Bloße Si Berlin, Frankfurt a. M. re.
3uar6urg, Freitag, 21. Juli 1876.
XL )ahtMg.
DcrhcUchk Jrilimg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition b. Blatte« sowie bie Aimoncen-Bureaur von L. Daube & Eo. in Frankfud a. M.: Jüger'sche Buchhandlung in Frankfud a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Sorte«
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Die Wahlbeweguug
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Die Thätigkeit der politischen Parteien für die bevorstehenden Wahlen ist bis jetzt vorzugsweise auf die innere Befestigung oder Neubildung der Parteien, auf die Änderung und Gruppirung verwandter Elemente gerichtet; auf der rechten, wie auf der linken Seite zeigt sich theil- weise noch ein unklares Gähren; neben den eigentlich politischen Gesichtspunkten wirken namentlich auch die äugen blicklichen wirthschastlichen Schwierigkeiten und Verstim-
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omngen erheblich auf die Wahlbewegung ein. Es wird abzuwarten sein, welche Stellung die verschiedenen Partei gruppen, nachdem dieselben zu einer Klärung gelangt sind, zu den praktischen politischen Aufgaben im Reiche und in Preußen und demgemäß zur Regierung zu nehmen gedenken.
Di« Auffassungen, die Ziele und die Wege der Regie-
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rung selbst liegen in ihrem Wirken und Schaffen, sowie in ihren unumwundenen Erklärungen in Bezug auf alle Gebiete des staatlichen Lebens klar vor Aller Augen, — und das Vertrauen dürfte gerechtfertigt fein, daß die große Mehrheit der Bevölkerung die befolgte Politik in allem Wesentlichen nach wie vor zu unterstützen bereit ist.
Die Regierung darf es als einen der erfreulichsten Erfolge der inneren Entwickelung während der letzten zehn Jahre erkennen, daß die Parteigruppen bis weit in das liberale Lager hinein sich immer entschiedener mit ihr zu gemeinsamem praktischem Wirken auf dem Boden der That fachen und der wirklichen Bedürfniffe des Staats- und des Volkslebens vereinigt haben.
Sie hat es ferner mit Freuden und Genugthuung begrüßt, daß auch die streng konservativen Gruppen, welche der neueren Gesetzgebung auf dem inneren BerwaltungS- mid dem kirchenpolitischen Gebiete zuerst mit lebhafter Sorge unb Entfremdung gegenüberstanden, sich neuerdings in ihrer parlamentarischen Vertretung den Anschauungen und Be strebungen der Regierungspolitik wesentlich genähert und en der Fortbildung der betreffenden Gesetzgebung sich immer mehr betheiligt haben.
Ans diese Thatsachen gründet sich die Zuversicht, daß auch die nächsten Wahlen der Regierung im Reichstage und im Landtage Mehrheiten sichern werden, welche ent- schloffen sind, den Ausbau des nationalen Werkes, sowie dm Fortgang deS inneren ReformwerkeS auf dem allseitig gelegten^festen Grunde wirksam zu fördern.
Auf dem allseitig gelegten festen Grunde; — denn die Regierung Hilt In allen Beziehungen mit voller Ueber- zeugung an den wesentlichen Grundsätzen fest, von welchen st« bei ihrem gesammten bisherigen Wirken ausgegangen ist. Sie wird sich da wo die praktische Erfahrung und
dringende Bedürfniffe des Volkswohls neue Erwägungen nothwendig machen, diesen Forderungen gewiß nicht entziehen. Ebenso wie sie in den letzten Sessionen um erkannter Bedürfniffe deS Staats- und Volkslebens willen Verbefferungen der vor Kurzem erlaßenen Gesetze in wichtigen Punkten angestrebt und zum Theil bereits erreicht hat, — so wird sie auch ferner die bessernde Hand ihrer feite nicht zurückhalten, wo es sich um unzweifelhafte Jn- tereffen der öffentlichen Wohlfahrt handelt, und sie wird eintretenden Falls gewiß auf die Mitwirkung aller der Parteigruppen rechnen dürfen, welche ihr seither mit immer wachsendem Verständniß und Sinn für praktisch-politischeS Wirken erfolgreich zur Seite gestanden haben.
Wenn nun die Parteien bei ihren vorbereitenden Erwägungen und Neubildungen Angesichts der Wahlen auch ihre Stellung zur Regierung in’« Auge fassen müssen, so können sie über den Standpunkt der Regierung selbst nicht im Mindesten im Zweifel fein.
ES würde auf einer schweren Verkennung der politischen Lage beruhen, wenn irgend eine Partei erwarten wollte, daß die Regierung sich die in dem aufgestellten Parteiprogramm niedergelegten Grundsätze aneignen sollte.
Das Programm der Regierung ist in großen geschichtlichen Thatsachen und in bedeutsamen Akten der Gesetzgebung verzeichnet, und die alten oder neuen Parteien haben ihrerseits zu erwägen, ob und in wie weit sie sich diesem Programm der Regierung anschließen und zur weiteren Verwirklichung desselben unter Berücksichtigung der öffentlichen Zustände und Bedürfnisse mitwirken wollen.
Diejenigen Parteien aber, welchen es mit solchem Zusammenwirken Ernst ist, werden sich von vorn herein nicht mit Kräften verbinden dürfen, welche seither die grundsätzliche Bekämpfung der Wege der Regierung auf ihre Fahne geschrieben haben.
Eben so wenig wie die gemäßigten Liberalen, welche die Regierung bei jener allseitig grundlegenden Thätigkeit der letzten Jahre erfolgreich unterstützt haben und in der Fortführung der bisherigen Politik aufrichtig unterstützen wollen, sich in Wahrheit mit den grundsätzlichen Wider- sachern der RegierungSpolitik aus der Fortschrittspartei verbinden können, welche feit zehn Jahren jenes gemeinsame Wirken Schritt vor Schritt bekämpft haben, eben so wenig könnte die Regierung auf die Gemeinschaft mit einer konservativen Partei rechnen, welche sich unter die Führung von Männern begeben wollte, die bisher die Personen und Die Politik der höchsten Staatsmänner in herausfordernder und verletzender Weise angegriffen haben.
Die Thatsache mag an und für sich von Bedeutung fein, daß auch diese bisherigen schroffen Widersacher sich
zum Anschluß an ein Programm bewogen finden, welches den früheren Gegensatz zu verwischen unb eine Annäherung herbeizuführen bestimmt scheint; aber die Worte eines Programms, welche überdies mannigfachen Deutungen unterliegen, können gegenüber jenem jüngsten thatsächlichen Wirken der Parteimänner nicht entscheidend in'S Gewicht fallen.
Soll durch die neue Parteibildung in Wahrheit ein vertrauensvolles Zusammenwirken angestrebt werden, so muß vor Allem auch der Regierung selbst das Vertrauen und das Zusammenwirken möglich gemacht werden. (Pr.-C.)
Tagesbericht.
Wie bereits in einem Theile der Exemplare unserer gestrigen Nummer gemeldet, wiederholt die „Prvvinzial- Cvrrespondenz*, daß der seitherige Reichstag zur Be- rathung der großen Justizgesetze und zur Feststellung deS nur bis Ende Dezember bewilligten Reichshaushalts im Spät- herbste nochmals zusammentreten werde. Die erste Session des neuen Reichstags müsse sich in den ersten Monaten des kommenden Jahres anschließen, während der preuß. Landtag, welcher diesmal noch nicht in den letzten Monaten dieses Jahres versammelt werden könne, bald nach Neujahrsanfang eine kurze Session halten müsse. Als angemessener Zeitpunkt für die Neuwahl zum preußischen Abgeordnetenhaus wird der Monat October, für die Reichstagswahl der Januar unmittelbar vor der LandlagSsesston bezeichnet. Den Wahlen dürfte die formelle Auflösung des Abgeordnetenhauses und deS Reichstags vorauSgehen.
Vom serbisch -türkischen Kriegsschauplätze sind folgende Telegramme eingelaufen:
Wien, 18. Juli, Abends. Der „Polit. Korresp.* wird auS Ragusa gemeldet: Die ganze Ebene von Gaczko und die Stadt Metochia haben sich den Montenegrinern ergeben; ebenso Revesinje und mehrere auf der Straß« nach Gaczko liegrnde Blockhäuser. Die Besatzung von Metochia flüchtete mit dem Pascha unter Zurücklassung von Gepäck und Waffen in daS befestigte Lager. Mostar, das von der türkischen Bevölkerung verschanzt ist, wird von den Montenegrinern ernstlich bedroht. Man erwartet bet Blagaj eine Schlacht. Gerüchtweise verlautet, Mukhtar Pascha sei mit seinen Truppen auf dem Marsche nach Mostar begriffen. Derwisch Pascha solle den Oberbefehl in Bosnien übernehmen. — Wie dieselbe Korrespondenz ferner meldet, hat der Kaiser heute den neu ernannten türkischen Botschafter, Aleko Pascha, zur Entgegennahme seiner Kreditive in feier» licher Audienz empfangen.
Wien, 19. Juli. Das Tageblatt meldet aus Kön
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Falsche Ehre.
Sine Erzählung aus dem Leben von Ernst v. Wa ldow.
(Fortsetzung.)
Einer von Elmars vermögenden Freunden war nicht zu Hause, ein anderer fertigte ihn mit der verlegen vorgebrachten Entschuldigung ab, daß er sich augenblicklich selbst in bedrängter Lage b.find«, ein dritter rielh ihm, sich die benöthigte Summe aus ein Pfand zu leihen — das war llllrS, was Elmar erreicht hatte.
Nun blieben noch die Wucherer — sie wiesen ihm mit anzüglichen Reden und kurzen Worten ab, so hohe Zinsen rr auch bot.
LS schlug ‘/t auf elf Uhr. Die Stirne mit kaltem Schweiß bedeckt, von Fieberschauern geschüttelt, stand Elmar, ans einer kleinen, ziemlich verrufenen Seitengasse tretend, woselbst er den letzten Versuch gemacht, in der S.-Straße M — was nun beginnen? eine Frag«, auf die er keine Antwort fand; sein Geist war förmlich stumpf geworden durch bie Erfahrungen der letzten Stunden. Fast mecha-
hatte er fein Gesuch bei den verschiedenm Personen, bi« er ausgesucht, vorgebracht, hatte sich dann mit den gebräuchlichen Redensarten verabschiedet, — um seine er- ■Nofen Bemühungen an einem anderen Orte fortzu-
Doch jetzt wußte er keinen Rath mehr — er hatte nur «n einen Gedanken, und der verließ ihn keinen Augen« — das Geld — das Geld muß noch heute ge< 8«w \Ätrben unb sollte ich dafür meine Seele zum Pfände Die Leute gingen, die meisten scherzend unb laut er« Wenb, an ihm vorüber, er hörte sie nicht, bis einer bet ^oruberwandelnden, welcher verwunbert bie hohe, schlanke ®«|talt betrachtet«, die regungslos an der Ecke be« HauscS sich umwandt« unb Wessenhagen erkennenb, benselben “Mete unb zugleich feinen Arm ergriff. Elmar blickte
erschrocken auf unb sah in das bleiche Gesicht Ernst Se- veringS. Er faßte sich gewaltsam und stammelte einige verwirrte Worte. Severing, der mit schnellem Blick« ben Zustanb, in welchem ber junge Mann sich besanb, erkannt hatte unb ben Grund desselben ahnte, faßte seinen Arm festet unb zog ben Widetstanbslosen mit sich fort, in seine nahe, in ber S.-Straße telegene Wohnung, nach ber sich auch Elmar hatte begeben wollen, wie ihm jetzt einfiel.
Das Zimmer besanb sich Im ersten Stockwerk« unb warb durch die Straßenlaternen schwach beleuchtet.
Elmar ließ stch auf einen Divan gleiten und sah wie in einer traumähnlichen Betäubung dem geschästigen Treiben SeveringS zu, der, nachdem er seinen Mantel und Hut abgelegt, Licht machte unb von dem Tische mehrere Papiere wegzutäumen begann.
„Darf ich Sie um ein GlaS Wasser bitten, mein bester Herr. v. Severing", sprach jetzt Elmar, stch mühsam aufrichtend; er fühlte einen brennenden Durst, seine Kehle war förmlich ausgetrocknet.
„Im Augenblicke, mein armer Freund", antwortete Severing herzlich, „ich werde Ihnen das Gewünschte gleich selbst bringen*, und eilte in daS Nebengemach.
Nach einer Weile kehrte er zurück unb sagte ärgerlich: „Sie sehen mich ganz untröstlich, denken Sie stch, daß die alberne Person, meine Aufwärterin, wie schon öfter, wieder vergessen hat, mir frisches Wasser zu bringen. Nun, ich werde sie dafür morgen entlassen, aber das hilft Ihnen jetzt nichts, Sie Aerrnster. Ich würde gern selbst hinunter zum Brunnen in ben Hof gehen, allein bie Hinterthür ist geschlossen unb ich habe keinen Schlüssel dazu.*
Elmar seufzte — nicht einmal einen Trunk frischen Wassers konnte er heute auf feine Bitte erhalten, er kam stch wie bezaubert, wie von einem bösen Traume befangen vor, nur die Erinnerung an die erlittene Schmach, welche wie ein verzehrendes Feuer in feinem Herzen und Hirn
brannte, ließ ihn fühlen, daß er lebe — und daß er teilte Zeit verlieren dürfe, feine Ehre zu retten.
Da unterbrach Severing feine düsteren Grübeleien, indem er freudig auSrief: „Ei, das hätte ich bald vergessen!* und einen Wandschrank aufschließend, entnahm er demselben «ine dickbäuchige Flasche, und schnell mit Deren Inhalt das Wasserglas füllend, welches er noch in ber Hand hielt, reichte er eS Elmar, ber eS hastig an seine Lippm setzte und schnell leerte.
Ein Feuerstrom ergoß sich durch seine Abern, er sühlte stch wohlthätig erwärmt, athmete freier auf und sagte, indem er seinem Wirthe einen dankbaren Blick zuwarf: „Ich danke Ihnen für diese Erquickung, mir ist jetzt schon bedeutend besser, ich fühlte mich vorher fehr unwohl.*
Severing sprach fein Bedauern darüber au«, während er im Zimmer auf unb nieder schritt, mit lauernden Blicken jede Bewegung deS jungen Mannes verfolgend und auf dessen verstörtem Antlitze die Gedanken, welche feine Seele erfüllten, gleichsam ablefenb.
Jetzt sagte er mit bekümmerter Miene, al« er zu bemerken glaubte, daß Elmar nicht geneigt schien, ihm eine offene Mittheilung seiner Erlebnisse zu machen: „Sie müssen mich gütigst entschuldigen, mein junger Freund, wenn ich heute außer Stande bin, Sie durch ei« interessantes Gespräch zu zerstreuen. — Meine Seele ist schmerzlich bewegt; benten Sie, ein Freund von mir — ein theuerer Anverwandter, dessen Namen ich nicht nennen will, wendet sich mit der in Verzweiflung ausgesprochenen Bitte an mich, ihm auf acht Tage fünfhundert Thaler zu leihen — feine Ehre, das Glück seiner Familie hängen davon ab, daß er diese Summe spätestens morgen früh erhält — unb ist'S nicht jammervoll — keiner von allen meinen Bekannten wollte mir bamit aushelfen, obgleich ich die größte Sicherheit bot.*
Elmars Lippen verzog ein bitteres Lächeln; „ja, bie Frennbel* murmelte er vor sich hin, ,«s genügt, daß man