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i «ureigen nimmt entgegen: Ke Erpedttivn d. Blatte», iTjuie die Annoncen-Bureaux :Ln xh. Dietrich & Co. in iftffd und Hannever; Th. 'Dietrich in Frankfurt a. M-; kmasenstein & Vogler in fcarffürt a. M, Berlin, Sei»« L Löln ic; Rudolf Stoffe k Berlin, Frankfurt a. St. ic.

Marburg, Mittwoch, 19. Juli 1876.

XL Iltzkgttg.

OdtchcUlhc Jcilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & So. in Frankfurt a. St.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. St.; Jnvalidendank, A. Sete« meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS 6onntag6»latt* durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen Ätz Start, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Start 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,. Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.

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jajammen, daß derselbe Zeile für Zeile die liberalen Ten

denzen überhaupt verdammt, und eben damit die preußische

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die Liberalen auf der Hut sein!"

Der .Tribüne" scheint da» Dilemma ganz unlösbar, in welches die neue Partei gleich Anfangs durch ihre Stellung zu den Maigesetzen gebracht wirb. »Sie will tiverseit« die Ansprüche der römischen Kurie dem Staate zyrnüber nicht unterstützen, andererseits aber auch die Art M Weise nicht billigen, wie der Staat seine Rechte der Arche gegenüber geltend gemacht hat."

Der kouservative Aufruf.

Die Presse aller Parteien widmet dem konservativen Wahlaufrufe ihre volle Aufmerksamkeit.

Die Blätter radikaler Färbung sind mit demselben sehr Wjufrieden, dieFrankfurter Zeitung" versteigt sich zu llotgen Witzen in ihrer Art. Sachliches bringen dieselben nicht.

Bon den nationalliberalen Stimmen citiren wir wört-

Falsche Ehre.

Eine Erzählung aus dem Leben von Ernst v. Waldow.

" (Fortsetzung.)

Hatte nun ein Laut dieser geflüsterten Worte Elmars Ohr erreicht, oder errieth er mit dem Instinkte deö Hasses deren beleidigenden Sinn, genug, er errölhete tief, sein leicht verletztes Ehrgefühl trieb ihn an, der Gesellschaft zu zeigen, daß nicht die Rücksicht auf die mütterliche Mahnung «der auf einen ihn möglicher Weise androhcnden Geld- derlust da» Motiv seines Ablehnens sei, deshalb sagte er wch jetzt in möglichst ruhigem Tone zu seinem Begleiter: »Run, Herr v. Scvering, ich glaube, diese Herren hier haben Recht, wenn sie uns vorwerfen, daß wir zu vor­schnell über das Spiel und seinen Reiz abgeurtheilt haben: »ie wär's, wenn wir versuchten, uns eine andere Meinung davon zu verschaffen? Und ohne die Antwort seines Be Sleiters, welche nur in einem mißbilligenden Kopsschütteln Bestand, abzuwarten, belegte Elmar schnell entschlossen eine liarie mit zwei Goldstücken.

Elmar hatte sich nirdergesetzt. Man machte ihm be keüwillig Platz und verfolgte sein Spiel mit großem Jnte- ttffe. Er gewann ein Mal über das andere Mal und bald schichtete sich ein hübsches Häuflein Gold« und Silber siblke vor ihm aus. Der Dämon de» Spieles hatte seine ersaßt, sein Auge glühte, sein Herz schlug fast hör­bar, und mit einem Gefühl von Schadenfreude, das ihm H so sremd war, sah er tu das bleiche Antlitz be» «aokhalterS, seines, wie er seit dem Auftritt von heute «ldend glaubte, bevorzugten Nebenbuhlers.

Da legte sich eine Hand schwer auf seine Schulter, und «everingS Stimme flüsterte in sein Ohr:Hören Sie aus, junger Freund, ehe sich das Glück wendet!"

, Elmar schüttelte mit dem Kopfe und ausblickend sah er * das Gesicht seines vis-a-vis, de« Grasen Feodor, dcffen

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- Reichs Regierung.Daß Einige» in dem Aufmfe steckt, rurg. »as den Liberalen zu denken geben kann, ist eine Sache jür sich. Die Macht der neuen Partei ist jedenfalls nicht fein st! z» unterschätzen, die Zeitumstände kommen ihr zu Statten. C« geht ein konservativer Luftzug durch daö Land. Mögen

liegenden Ausrufs verlaffen will."

DerBerliner Lörsenkourier" faßt sein Urtheil über den Wahlausrus derdeutschen konservativen Partei" dahin

arten.

i 1876: s Rf Ablhei Blum Inder» 90 Pi., ilenckk l8lty

[1781

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[172! lich drei Berliner Blätter:

DieNationalliberale Correspondenz" faßt ihr Urtheil htlflfo die Worte zusammen:

^Rach alledem sehen wir nicht recht, was durch die ind Hal, Gründung dieserDeutschen konservativen Partei" an der diSherigen Situation geändert sein soll. Der Standpunkt ihrer verschiedenen Elemente ist bei Licht besehen vollkommen der alte geblieben; der Unterschied ist nur, daß diese ver­schiedenen Elemente diesmal in einen Topf zusammenge- . werfen sind. Daß ihnen diesesviribus unitisl, wie die § .Kreuz Zeitung" hofft, eine wesentliche Stärkung bereiten len der »ürde, bezweifeln wir um so mehr, als die einzelnen Kräfte D.O. durch ein Blatt Papier über die örtliche Zersplitterung über

~ ganz Deutschland und über die sehr wesentlichen Verschie- I denheiten, welche ihnen durch die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse in den einzelnen Staaten ausgeprägt sind, nicht . hmauszehoben werden. Wir sehen al|o nicht, daß auf llyvo koufervativcr ©eite eine wesentliche Aenderung vorgegangen Jfl8t»5ee; die Frage, ob durch die Bildung der neuen Partei dennoch eine wesentliche Verschiebung der bisherigen poli-

* tischen Lage ein treten solle, dürfte daher lediglich darauf

hinauslaufen, ob die Regierung ihrerseits den bisherigen Standpunkt festhalten oder denselben im Sinne deS vor

DieGermania" um auch die Stimme der Ultra­montanen zu referiren sagt:

Wenn die Gründer der neuen Partei der Meinung sind, sie könnten die ganze Controverse dadurch aus dem Wege räumen, daß sie dem Staate das Recht vindiciren, kraft seiner Souveränctät fein Verhältniß zur Kirche zu ordnen," und wenn sie glauben, dieStaatsgewalt den entgegenstehenden Ansprüchen der römischen Kurie gegen­über unterstützen" zu muffen so mögen sie uns die Versicherung gestatten, daß sie auf diesem Wege niemals denKulturkampf" soweit er wenigstens die katholische Kirche angeht aus der Welt schaffen werden.

Tagesbericht

Kaiser Wilhelm wird, nach den darüber getroffenen Bestimmungen, am 19. Juli von Insel Mainau nach Salz­burg abreisen und am Abend deffelben Tages, 9^2 Uhr, daselbst eintreffen. In Salzburg findet das Zusammen­treffen mit dem Kaiser Franz Josef statt. Beide Kaiser bleiben am 20. Juli beisammen, worauf Kaiser Wilhelm am 21. Juli Nachmittags die Reise nach Gastein sortsctzt, wo derselbe bis zum 12. August bleiben wird.

Einer der Gründe, welche die Gegner deS Projektes der Reichseisenbahnen wider daffelbe zu Felde geführt haben, ist der, daß die Reichseisenbahnverwaltung nicht in der Lage sein würde, berechtigten Beschwerden des Publikums Berücksichtigung angedeihen zu taffen. Fürst Bismarck wieS in seiner im Herrenhause gehattenen Schutzrede auf das Beispiel der als ausgezeichnet allgemein anerkannten Reichs- Postverwaltung hin. Wir können auf ein anderes und uns dünkt noch näher liegendes Beispiel verweisen, nämlich die Reichseisenbahnverwaltung in Elsaß Lothringen. Dort sind eigene EisenbahnauSschüsse gebildet worden, in welchen die Direktionen gemeinschaftlich mit Vertretern be» Handelsstandes, der Landwirthfchaft, der Gemeinden u. f. w. sich über Reformen und Erleichterungen des Eisenbahnver­kehrs berathen. Diese Einrichtung hat sich vortrefflich be­währt, indem sie einen fruchtbaren Wechselverkehr zwischen den Verkehrsintereffenten geschaffen hat. Der Eifer der deutschen Elsenbahnverwaltung wird von den zum Theil doch widerwilligen Reichsländern mehr und mehr anerkannt, während man hier zu Lande sich noch immer nicht von einer unmotivirten Voreingenommenheit losmachen kann.

Die königlich würtembergische Telegraphendirection hat dekretirt, daß Telegramme politischen Inhalts, welche in bet Zeit von Abends 8 bis Morgens 7 Uhr an Zeitungs- Redaktionen aufgegeben werden, um die namhaft ermäßigte

Gebühr von 70 Prozent des gewöhnlichen Telegraphen­tarifs im Gebiete der würternbergifchen Telegraphenverwal» tung befördert werden sollen. Diese gerechte Berücksich­tigung der Preffe kann allen Telegraphenverwaltungen nur als nachahmenswertheS Beispiel empfohlen werden.

In Folge der Verhandlungen, welche zur Zeit wegen AbschluffeS eines deutsch-griechischen Handelsvertrages statt- finden, dürste den HandelSverhältniffen Griechenlands eine nähere Beachtung zu schenken sein. Die HauptauSsuhr- artikel Griechenlands bilden Korinthen und süße Weine. Merkwürdiger Weise verdanken die Griechen den Handels« betrieb im Großen dem Vorbilde, welches deutsche Kauf­leute gegeben haben. Vorzugsireife sind eS nämlich Deutsche (in PatraS z. B. die Herren KlauS und Hamburger), welche sowohl den Korinthenhandel als das WeingeschSft in die Hand genommen haben. Ihr Eifer hat aber auch die Griechen zur Bildung von Weinbau- und Weinexport- Gesellfchaften angeiporut, und griechische Fabrikanten sabri- cireu neuerdings sogar Schaumweine. Die griechische Ko« rinthenauSsuhr beträgt zur Zeit etwa 170 Millionen Pfund, wovon auf Deutschland 5 Millionen kommen dürften. Korinthen sind im Zollverein noch mit einem Eingangs­zoll von nahezu 100 Prozent belegt; sie zahlen 12 Mark pro Centner, d. h. etwa eben so viel, als sie an Ort und Stelle kosten. Die Zolleinnahme reprisentirt demnach etwa eine Summe von 600,000 Mark; da nun Griechenland eine Ermäßigung des Eingangszolles um 2 Mark pro Centner wünscht, so würde der Ausfall nur 100,000 Mark betragen, was um so leichter zu verschmerzen fein wird, wenn sich ein schwunghafter Handel mit deutschem Sprit entwickelt.

DerReichs Anz." meldet: Nach hier eingegangenen Nachrichten auS Smyrna ist es dort vorgestern zu Ruhe« störungen gekommen, bei denen einige Läden angegriffen und 11 Einwohner der Stadt verwundet worden sind. Die Veranlaffung zu dem Tumulte gab die Anwesenheit von 3000 bewaffneten türkischen Freiwilligen, welche in Smyrna ihre Einschiffung abwarten sollten. Inzwischen ist die Ruhe jedoch wieder hergestcllt, und sind die Straßen der Stadt durch starke militärische Patrouillen gesäubert worden. Von den in Smyrna lebenden Deutschen ist keiner verwundet worden. Im Hasen von Smyrna liegen gegenwärtig acht sremde Kriegsschiffe, deren Besatzung bei Erneuerung von Unruhen zum Schutze der Einwohner herangezogen werden kann.

Eine neapolitanische Zeitung bringt folgende kostbare römische Korrespondenz:Vor einigen Tagen hieß eS, die

schmale Lippen ein geringschätzendeS Lächeln umzog; so wie er sich aber beobachtet glaubte, sprach er zu Elmar gewandt in höflichem Tone:Wenn Sie irgend etwas, vielleicht ein vorher gegebenes Versprechen, am Weiterspielen hindert, Herr von Weffenhagen, so bitte ich Sic dringend, { sich durchaus nicht zu geniren, es bedarf keiner Revanche!"

Elmar erglühte, das Haupt stolz erhebend antwortete er:Sie irren, Herr Graf, ich stehe Ihnen mit Vergnügen zu Diensten, und zwar so lange, als die Herren hier e» wünschen werden, denn ich lege zu wenig Werth aus die mir gewordene zufällige Gunst der Glücksgöttin, als daß ich darnach trachten sollte, ihre Gabe nach der Gewohnheit inncbler Spieler schnell in Sicherheit zu bringen."

Graf K. verneigte sich stumm. Man spielte weiter.

Doch eS war, als hätte Frau Fortuna das kühne Wort ihres neuen 'GünstlingS vernommen und ihm un­willig strafend den Rücken gekehrt, denn schon die nächste Karte verlor, und da Elmar gereizt durch die Konsequenz seines Unglücks, nur um so höhere Summen setzte, ver­schwand bald sein Gewinnst gleich dem Hexengolde, einem Geschenke böser Geister, das sich, der Sage nach, bei dem ersten Sonnenstrahle in ein jHäufiein Sohlen ober Asche verwandeln soll.

Da eS ElmarsEhre" nicht erlaubte, jetzt aufzuhören, spielte erauf Ehrenwort" weiter.

Im Herzen Verzweiflung, TodeSbläffe auf den entstellten Zügen, starren Auges kehrte Elmar von Weffenhagen beim Grauen des Morgens in feine Wohnung zurück, e» wie eine Wohllhat empfindend, daß die diesmal in Wahrheit kränkelnde Mutter, vom langen Wachen ermüdet, end» lich eingeschlafen war und sein Kommen nicht gewahrte.

Angekleidet warf er sich auf das Lager; doch der Schlaf schloß nicht sein brennendes Auge, denn er flieht den Un» glücklichen, welcher ihn am heißesten ersehnt.

DaS Gewissen erhob seine sSiimme und sprach laut und mahnend zu dem Einsamen.

Elmar hatte eine Summe von 500 Thalern auf Ehren­wort an Feodor von K. verloren.

*

Drei Tage nach jener Unglücksnacht für Elmar traf Hildegards siebzehnter Geburtstag, und Graf S. hatte be« schloffen, denselben so festlich wie möglich zu begehen.

Dem unglücklichen Elmar war es nicht gelungen, die hohe Summe, seine Spielschuld, bei den Wucherern, die ihn vorher schon bedient, aufzutreibeu, im Gegentheil hatten diese, mißtrauisch gemacht durch die projektirte neue und hohe Anleihe, ihn dringend an die Erfüllung seiner ander­weitigen Verpflichtungen gemahnt und im Falle, daß er sie nicht rechtzeitig beliebige, mit einer Anzeige bei seinen Vorgesetzten bedroht.

Grimm und Wuth im Herzen, die durch das Gefühl der Ohnmacht gegenüber solch rücksichtslosen Menschen, in deren Hand er sich leichtsinniger Weise gegeben hatte, noch gesteigert wurde, kehrte Elmar nach mehreren solcher pein­lichen und vergeblichen Gänge in seine Wohnung zurück.

Selbst der Schmerz über seine, wie er wähnte, von Hildegard verschmähte Liebe peinigte ihn nicht ärger als die Qual, welche er bei dem Gedanken empfand, dem ver­haßten Nebenbuhler eine auf Ehrenwort geliehene Geld­summe schuldig zu sein und damit Denjenigen einen Blick in seine dürftigen pekuniären Verhältnisse thun zu lasten, vor dem er sie auf der ganzen Welt am tiefsten hätte ver­schleiern mögen.

Hildegards Geburtstag kam. Wie hatte Elmar sich feit Monden auf diesen Tag gefreut und jetzt I

In dumpfes Hinbrüten versunken, saß er in feinem ein­samen Zimmer.

Aus die dringenden Fragen der sorgenvollen Mutter hatte er ihr fein Erlebniß mit Hildegard im Parke von