Ir. 168.
Marburg, Sonnabend, 15. Juli 1876.
XL MWIg.
Hildegard aber ließ sich durch diese Kriegslist nicht täuschen, der Instinkt ihre» reinen Herzens sagte ihr, daß Feodor Elmar hafte, und fie hütete sich in des Ersteren Gegenwart, dem Geliebten ein Zeichen des Gefühls zu geben, das ihr ganze- Sein erfüllte. Sie hoffte, daß die Zeit ihrer Liebe günstig sein und die Schranken ebnen würde, die jetzt noch so unübersteiglich schienen.
DaS Benehmen ihres BaterS bestimmte sie noch besonders zu dieser Handlungsweise, da er, ein viel zu feiner Diplomat, um offen für den Neffen und gegen Elmar Partei zu nehmen, die Sache ruhig ihren Gang gehen ließ, im Stillen hoffend, daß die Schwärmerei Hildegards für den schönen und geistvollen jungen Mann (die er übrigens ganz natürlich fand) sich allwählig geben und sie dann später ganz willig die Hand des Grafen K. zur Ehe annehmen würde.
In seinen Augen waren nämlich Liebe und Ehe zwei grundverschiedene Dinge, und es erschien chm nicht noth- wendig zum Glücke, daß Ein- das Andere bedinge und ergänze.
Frau von Wesienhagen, die, wenn auch selten (eS mußte ost Kränklichkeit vorgeschützt werben, denn die Garderobe Der armen Frau war nicht mehr so reich, daß sie sich mit Anstand hätte zeigen können), so doch einige Male den Salon des Grafen S., wo Hildegard prästoirte, besucht hatte, erkannte mit dem von Muttersorge geschärften Blicke, daß das junge Mädchen Elmar liebe, wenn sie auch dies Gefühl noch mit zarter, jungfräulicher Scheu zu verbergen bemüht war.
Frau Eleonore tröstete daher oft den Sohn, wenn dieser sich mit der Heftigkeit seiner leidenschaftlichen Natur über HildegartS Kaltsinn beklagte und dem schmerzlichen Gedanken Raum gab — sie liehe ihn nicht.
ES war dies ganz natürlich, denn Elmar war noch zu jung und unverdorben und liebte zu innig, um nicht von steter Furcht gepeinigt zu werden, daß es ihm nicht gelingen würde, die Geliebte zu erringen.
Indessen hatten sich die pekuniären Verhältnisse der kleinen Familie bedeutend verschlechtert.
Elmar, der mehr als je in der Gesellschaft lebte, wo er Hildegard zu sehen gewiß war, brauchte viel Geld, um seinem Range gemäß aufzutreten und nicht hinter den reichen Genoften zurückzubleiben.
Von den Tausend Thalern booten Geldes, deren wir Erwähnung thaten, war nicht viel mehr wie die Hälfte übrig, als die Rothwevdigkeit eintrat, zum Schluffe der Saison im eigenen Hause eine kleine Gesellschaft zu geben.
Ernst und sorgenvoll sehen wir daher eines Morgen« Mutter und Sohn die Möbeln und Geräthe des --- Salons — einer genauen Prüfung unterwerfen, deren Resultat ein sehr niederschlagendes war.
„Wie verschossen ist der rothe Sammet", sagte seufzend der Sohn; und die Mutter fügte hinzu: „Sammel ist überhaupt für ein Damenziwmer jetzt maarais genrel* „Und diese Mottenlöcher!" fuhr Elmar fort und streifte mit der feinen Hand den abgeschabte» Ueberzug „Reue Gardinen und ein Lüstre sind nun unbedingt nochwenbig."
„Ebenso ein Teppich", sprach Eleonore seufzend.
„Wenn Hildegard, die doch gewiß kommt, sich hier wohl fühlte — öfter käme! O Herzensmama (und Elmar umarmte schmeichelnd die Mutter), mache es möglich, es muß hier eine ganz neue Einrichtung angefchafft werden; — mir schaudert bet dem Gedanken, daß. Hildegard oder ihr Vater dies ärmliche Ameublement sehen könnten; —- was müßten sie sich denken. Wir können uns ja, was die übrigen Ausgabe« betrifft, auf'S Aeußerste einschräuke« —
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St. Thomas errichtet. Die Stamm- den Orten,. für welche sie bestimmt von denselben erzielten Jungen sollen Kommunikationen verwendet werden. France", welche- am 11. d. M. von
Fort de France paare verbleiben sind, und erst zur Herstellung Da- Packetboot
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Französischen Blättern geht die Nachricht zu, daß in Konstantinopel ein Abgesandter der Familie Karageorgewitsch angekommen sei, welcher sich mit dem Divan in- Einvernehmen setzen soll. Vornehmlich möchte die vertriebene Fülstenfamilie erfahren, unter welchen Bedingungen Fürst Peter den serbischen Thron besteigen könne, fall- Milan Obrenowitsch von der Pforte besiegt und desselben entsetzt werde.
Bekanntlich hat die Turiner „Gazzetta bei Popolo" kürzlich die auffallende Nachricht gebracht, König Victor Emanuel habe in Turin, wo er unerwarteter Weise erschienen sei, einen Abgesandten de- Marschalls Mac Mahon empfangen und mit demselben über die Eventualitäten, welche auS dem Kriege im Orient entstehen könnten, sich unterhalten. Die Nachricht wurde sofort durch die italienische „Agenzia Stefani" und von der „Correspondance Universelle" bementirt, von der letzteren unbedingt und in der gemessensten Form. Die „Gazzetta bei popolo" erhält jedoch ihre Behauptung hinsichtlich beS Empfanges eines Gesandten der französischen Regierung durch König Victor Emanuel in Turin aufrecht und wird darin von andern Turiner Blättern unterstützt. Wie uns aus Rom geschrieben wird, dürfte sich da- italienische Dementi nur auf ben Passus beziehen, welcher von der Miffion de- französischen Abgesandten handelt. Nach der neuesten Version wäre die Ernennung des Generals Eialdini zum Vertreter der italienischen Regierung in Frankreich Gegenstand bet Unter«
Bei Lesung der KriegSbepescheu wird man häufig 20 Jahre zurückversetzt in den letzten russisch-türkischen Krieg. Die Orte Widdin, Kalafat, Rustschuck rc. stehen noch lebhaft in aller Zeitgenossen Gedächtniß. Die Erinnerung an jenen Krieg gewährt aber auch zugleich einen instruktiven Vergleich mit dem gegenwärtigen Kampfe. Vor 22 Jahren rückten die gutgeschulteu, gutbewaffneten und starken Armeen Rußlands über den Pruth durch die Donaufürsten- tb ümet bis an die türkische Grenze. Sie machte« daselbst vor den zahlreichen türlischen Festungen Halt und konnten trotz mächtiger Anstrengungm keinen Schritt weiter machen, da alle festen Plätze mit den neuesten Geschützen armlrt waren und sich im besten VertheidigungSzustand befanden. Heute stehen die schwachen Schaaren der Fürsten von Serbien und Montenegro fast vor denselben Plätzen, auf deren Ausrüstung die Pforte seitdem alle ihre Mittel verwandt hat. Selbstverständlich können die heutigen Feinde der Pforte nicht daran denken, auch nur einen Angriff auf bie für sie unerreichbaren Festungen zu machen. ES teäre
Die Kommission zur Vorbereitung einer ReichS-Medi- zinalstatistik hat bekanntlich schon einen Gesetzentwurf bett, ein Leichenschaugesetz ausgearbeitet. Dasselbe ist vom Sun« beSrathe gutgeheißen worben unb soll noch einer Durchbe- rathung des ReichSgesunbheitsamteS unterworfen werben, um ihn sodann in einer der nächsten Sessionen dem Reichstage vorzulegen. Derselbe hat ben Zweck, bie noch immer vorhandene Möglichkeit des LebendigbegrabenwerdenS zu beseitigen, bie Entdeckung von Verbrechen gegen daS Leben möglichst zu sichern, die Behörden in den Stand zu setzen, beim Auftreten ansteckender Krankheiten rechtzeitig durch geeignete Maßregeln die Weiterverbrettung zu verhüten unb die Grundlage zu bilden für eine praktisch unb wissenschaftlich bemerkbare Mortalitätsstatistik, ohne welche die Medizinalpolizei an die Lösung der wichtigsten hygienischen Fragen nicht herantreten kann.
rebung des Königs mit dem Gesandten des Präsidenten der französischen Republik gewesen, indem in offiziellen Kreisen in Paris Einwendungen gegen die Sendung des Generals erhoben worden sein sollen.
In Frankreich, wo man in den letzten Kriegsjahren den Werth der Brieftauben hoch anzuschlagen gelernt hat, wird seit jener Zeit der Briestaubenzucht bekanntermaßen eine große Aufmerksamkeit gewidmet. Die transatlantische Kompagnie stellt gegenwärtig mit einem Stamme von 40 Paaren der schönsten Brieftauben von Anvers intereffante Versuche an, welche die Brauchbarkeit der Brieftauben für den transatlantischen Dienst erproben sollen. Neben der Hauplstation St. Nazaire, werden Stationen in Newyork,
!chc freundliche Beinamen, geeignet dem Dummen gruseln g machen. ES hat fich daS jetzt wesentlich geändert und „ar hauptsächlich — wie daS im deutschen Vaterlande rfber noch üblich ist — durch daS Beispiel beS AuSlanbes.
vor wenigen J-Hren in England, dem Musterstaate realer Anschauung, bie liberale Partei in ben Wahlen ne vollstäubige Niederlage erlitt, und die konservative
Anreigen nimmt entgegen: die «Hedition d. Blatte» sowie bie Annoncen-Bureaux von L- Daube & Co. in
Lage-dertcht.
Wie wir erfahren, ist die Zusammenkunft deS Kaisers Wilhelm mit dem Fürsten Bismarck zu Würzburg durch die Kaiserbegegnung in Reichstadt veranlaßt. Die Lage bet Dinge ließ eine neuerliche Zusammenkunft der drei Kaiser unb der drei Kanzlet als wünschenSwerth erscheinen. Da nun bie Verhältnisse eine direkte Betheiligung des deutschen Kaisers und des Fürsten Bismarck umhunlich machten, wurde der gedachte Ausweg gewählt, welcher eine schnellere Verständigung ermöglichte. Die in Reichstädt getroffenen Vereinbarungen wurden ohne Verzug nach Würz bürg mitgetheilt, und eS ist denn auch bet rückhaltslose Beitritt des deutschen Reichs zu den erwähnten Beschlüssen bereits erklärt worden.
ferbatioen Grundsätze annahmen, wo blieben da die seit httigen Vorurtheile?
In Deutschland hat die konservative Richtung, seither in verschiedene Parteigruppen zerspalten, inmitten der groß-
Havre nach Newyork abging, hat eine große Zahl von Brieftauben mitgenommen, mit welchen die gedachten Versuche, die intereffant zu werden versprechen, unverzüglich angestellt werden sollen.
«metaen nimmt entgegen:
Sfcwbttio* d. Blatte», t“tie Ännoncf—
«.Dietrich
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fo wenig fern, baß fie vielmehr bie Elsüllung bet Bestrebungen ist, welche wahre Berechtigung haben. Konservativ sei«, ist die Aufgabe der besten und uneigennützigsten Ä&mer unsere- Volke-.
heilen Dtni tnbet. i.
1741
»eidliche Kämpfe bestanden, sie wird und ist siegreich aus denselben hervorgegangen. Fragen wir nach der Aufgabe, »eiche die Partei sich gestellt, welche sich die „erhaltende" nennt, so wollen wir mit einem Gleichniß antworten.
Frankfurt a. M. ; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalibrndank, A. Stete* ♦ meyer in Berlin; Earl Echüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
bQä Maligen Umgestaltungen unsere- Vaterlandes in sich unter« bueferl, eidliche Kämpfe bestanden, sie wird und ist siegreich aus
iL, bie Annoncen-Bureaux r" & 6o. in
R. unb Hannover'; Th.
Kettub 'N Frankfurt a. M.;
Lafenftein & JBoglet in mntfurt a- M^Berlm, Leip.
Eüln rc; Rudolf Moste Berlin, Frantfutt a. M. rc. i*et£---———
- ' Erscheint täglich außer ben Werttagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrteS LountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche FBuchdruckerei) bezogen U Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pf», (eil. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«. berechnet.
[I699 ( «ovservativ
5 Uhr. ES sind wenige Iahte her und selbst heute kann man noch erleben, daß die konservative Richtung den wun Kerlichsteu Mißverständnifteu preisgegeben wird. Au« Un« p .stand ober Bosheit nannten die Gegner die Partei — lattlonür, Junker, Ritter,- Pfoffen, Mucker — und ähn«
tei mit großer Mehrzahl an'S Ruder kam, da wurden e Denkenden stutzig in Betreff dessen, was unsere libe- -. kaltn Zeitungen ihnen seither versichert. Als gar die ton« 'jtrDOtioe Partei in der französischen Republik oben aus kam, fielen ihnen die Schuppen von den Augen. Wenn die zwei größten, politisch fortgeschrittensten Nationen die ton _ I'v1 fonnttnrn fflrunhfähr annabmm. ton blieben da die leit
Wer fich ein festes gute« Wohnhaus gebaut, zu welchem ißettl. et lange Jahre da« Baugeld gesammelt, deffeu Bestreben -----«oß sein, do« HauS gut zu erhalten, gegen Sturm und den zu j^ter sicher zu stellen und sich die Ratten vom Halse zu J?e‘ galten. Ein Thor ist der, welcher jedes Iaht in seinem "'El», neuen Hause einen Umbau vornimmt, bald einen Giebel, 6alb da« ganze Dach einreißt, um rin neues Stockwert uufzusetzm — er kommt nie zu ruhiger Arbeit in feinem i Hause, er wird der neuen Wohnung nicht froh. — Das btr ei- deutsche Volk hat in Jahrzehnte langem Ringen seine natio- (e tz^ uale Einigung, feine versaflungSmäßige Freiheit erkämpft, ||irt hat fein Hou« gebaut — das wollen die Konservativen einoulk^rhalten und auSbanen, damit eS eine Stätte friedlichen 1685) Stoffen«» treuer Arbeit, deutschen Familienlebens sei, ver- hindern wollen fie, daß jede« Jahr am Bau von Neuern ", ringeriften werde, und wollm die Statten gründlich fern [172i hasten, welche die Mauern zu unterminlrcn trachten. Das gungi- jß ihtt Ausgabe, fie steht dem früheren Ringen und Kämpfen fo wenig fern, daß fie vielmehr bie Erfüllung der Lestre-
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Falsche «hre.
Sine Erzählung au« dem Leben von Ernst v. Woldow.
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I, Ml sucht» [, HÜ Ma- Alker! olbeiii-
(Fortsetzung.)
Ein Blick genügte bem erfahrenen Weltmanne, die Gefahr zu erkennen, welche seine Hoffnungen bebrohte. Er »bebte, brnn er liebte Hildegard nicht nur mit aller Kraft, deren sein erschlaffte« Herz noch fähig war, sondern e« stand auch noch sein LebenSglück auf dem Spiele, wenn die Erbin, deren Reichthum er schon al« ihm zugehörend betrachtet hatte, einem Andern ihre Hand reichte.
Hier galt e«, schnell zu handeln. Feodor that eS nach besten Kräften und suchte dem Nebenbuhler zu schaden, wo " nur konnte.
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Er hielt da« nicht für unehrenwerth und würde sehr erstaunt gewesen sein, wenn ihm Jemand da« gesagt hätte; ... 'S »ar nach seiner Ansicht ganz einfach ein Akt der Noth [16$ Mr, der Selbstvertheidlgung gegen den, welcher ihm sein Glück mit kecker Hand rauben wollte.
Doch an Hildegards reinem, kindlichen Gemüthe prallten - aüe die giftigen Pfeile machtlos ab, ja im Gegentheil, al« achste* st- sah, baß der heimlich Geliebte geschmäht unb verläurndet »urbe, was natürlich auf bie feinste Weise unb stets ganz infinig durch einzelne hingeworfene Bemerkungen geschah, i bekämpfte sie die ihr innewohuenbe zarte Schüchternheit vertheibtgte Elmar auf’« tapferste, inbem fie zugleich iil ihrem Benehmen gegen ihn offener unb herzlicher würbe. Feodor v. K sah nun mit der ihm eigenen Schlauheit oiu, baß er ben falschen Weg eingeschlagen, ben 33er- Hltn au« Hildegard« Herzen zu verdrängen; er änderte allmälig da« Verfahren unb suchte sich Elmar zu ""Hern, inbem er nicht undeutlich zu verstehen gab, daß «en Charakter de» jungen Manne« verkannt unb seine "Saugenen Fehler gut zu machen willen- sei.