r. 162.
Marburg, Freitag, 14. Juli 1876.
XL Zahrglng.
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Oft« ober Tirnvk Armee Obersten Leschjann gegen die vor Widdin operitende Armee Osman Pascha'S unterstützen. Einer Meldung der .Neuen Fr. Pteffe" zufolge roäre ein ferbo wallachischeS Regiment in Deiigrcd kriegsrechtlich de cimirt worden, weil eS vor dem türkischen Geschützfeuer bei Sabina Glava ReißauS machte. Die Nachricht, daß mehrere Kriegskorrespondenten verwundet oder ermordet seien, stellt sich als unrichtig heraus.
Belgrad, 11. Juli, 8 Uhr 10 Min. Abends. Die serbischen Truppen sind in ihrem Marsch nach Widdin vorgedrungen, ohne auf Widerstand von türkischer Seite zu stoßen. Alle Vorbereitungen sind von den Serben mit Geschick uyd Energie getroffen, um in der in den nächsten Tagen dort unvermeidlichen Schlacht alle Chancen des Erfolges für sich zu hoben.
R a g u s a, 11. Juli, Abends. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus türkischer Quelle hat bei Podgorizza ein Gefecht stattgefunden, in welchem zwei Bataillone regulärer türkischer Truppen und Freiwillige aus Hotti, Podgorizza, Scutari und Castratti gegen 5000 Montenegriner kämpften. Der Feind wurde mit einem Verluste von ca. 400 tobten und ebensoviel Verwundeten, darunter gegen 30 Offiziere, aus seinen befestigten Stellungen vertrieben. Auf dem Schlachtfelde wurden eine Anzahl Waffen, sowie Munition und Abzeichen der montenegrinischen Oifiziere erbeutet. Der Verlust der türkischen Truppen wird auf 11 Tobte unb 25 Verwunbete angegeben.
Konstantinopel, 11. Juli, 8 Uhr 15 Min. Es sind in verschiebenen Stabttheilen Einzelexcesse gegen Christen vorgekommen, die auf Schlimmeres in der nächsten Zeit schließen lasten. Die Polizei ist nirgend- eingeschritten.
LnkehrS und Beschränkung des Postanweisungs-Verkehr-
freut, Ljt Oesterreich, hat in einzelnen Kreisen Beunruhigung kn1’isnvvrgerusen. Dieser von Seiten der österreichischen Re-
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unb sei es bas schönste unb ebelfte, bie Liebe ihres Sohnes
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geschiebenheit gelebt, bie nur unterbrochen wurde durch die zeitweiligen Besuche deS Sohnes dieser kränkelnden unb etwas launenhaften Anverwandten.
Die augenfälligen Huldigungen dies-- Cousin-, de- in
giening veranlaßten Verfügung liegen indeß, wie wir von znindiger Seite e. fahren, keinerlei politische Motive zu Grunde, sie ist eine rein finanzielle Verwaltungsmaßregel. Die Oesterreich- Jnteresten so nahe berührenden Ereignisse an der unteren Donau üben selbstverständlich einen starken Druck auf die österreichische Valuta au- und eS ist unter solchen Umständen nicht möglich, die Umrechnungen ohne kbeutenben Verlauf der Staatseinnahmen zu vollziehen Dos ist die einzige und natürliche Erklärung für diese Maßregel. UebrigenS ist eine solche Beschränkung deS Malischen Geldverkehr« In der betreffenden Scparaikon Kation ausdrücklich ausgenommen worden, alterirt die be
richtete dasselbe mit Kunstsinn unb Geschmack auf Glänzendste ein; wollte et doch seine einzige Tochter, Erbin seines ReichthumS, in die Welt etnführen.
Hildegard, welche ihre Mutter früh verloren, hatte dahin bei einer Tante in Dresden in fast klösterlicher
eS ja doch Niemand — und da- war die Hauptsache dabei, denn gleich seiner Mutter war der Wahlspruch: „Alles thun um den Schein zu wahren", maßgebend für sein Denken und Handeln geworden.
Hob ja einmal ein Seufzer seine Brust, wenn er den Reichthum Anderer sah. so tröstete ihn sein Selbstbewußt- sein mit dem festen Glauben, sich das Alles durch eigene Kraft zu erringen; kein Wunder, fühlte er sich doch im Vollbesitze all' bet Mittel, sein Ziel schnell unb leicht zu erreichen.
So stauben die Sachen, als Elmar fein 23. Jahr zurückgelegt hatte. In dem darauf folgenden Winter machte der junge Mann in einer Gesellschaft bei Graf Z. die Bekanntschaft einet Dame, welche zum ersten Male in der B.'scheu Gesellschaft auftrat, der Comteffe Heidegard von S. unb biese- Begegnen sollte entscheibend für fein Herz werben.
Schon nach bem ersten flüchtigen Sehen fühlte er, daß der Eindruck, welchen die Gräfin auf ihn gemacht, ein bleibender fein werde, und bald gestand er sich mit bangem Herzklopfen, daß er sie heiß und innig liebe und in ihr das Jveal gefunden habe, das feiner glühenden Phantasie mit allen Reizen geschmückt vorgeschwebt.
Mit der Kraft einer reinen, vom Gifthauche entwür- oigender Vergnügungen noch nicht verdorbener Natur gab Elmar sich diesem neuen, beseligenden Gefühle mit einer Leidenschaft unb Inbrunst hin, welche Eleonore, bet er seine Liebe nicht verhehlte, mit banger Sorge erfüllte.
Doch bald beruhigte sich bas Mutterherz roieber, wie wäre es wohl auch möglich gewesen, 'baß ein Mäbchen,
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, ab. welches illigsten
Ulfen, Bruder
einem Direktor erwartet man eine wesentliche Hebung dieser Institution.
Die vom Generalpostamt vor einigen Tagen erlassene Likanntmachung betreffend die Aufhebung deS Postvorschuß-
S-lscht Ehre. M
Erne Erzählung aus bem Leben von Ernst v. Waldow,'
Tagesbericht
Die ReichSkommisston zur Berathung deS Patentgesetzes e|rb Ende August oder Anfang September in Berlin zu fanmentreten. Seitens des Reichskanzler-Amts ergehen gegenwärtig bezügliche Einladungen an Industrielle, denen hchimmte Fragen zur Beantwortung vorgelegt werden.
Die ©efammtleltung der nach dem letzen französischen Kriege eingerichteten Staatsbrieftaubenzucht wird mit dem l. Oktober in Berlin von der neuen Ingenieurschule in »er Kurfürstenstraße aus erfolgen. Diese neue militärische Institution hat sich seit ihrer Gründung in höchst erfreulicher Weise entwickelt und zählt auf den fünf Stationen ßtraßburg, Metz, Würzburg, Mainz unb Köln schon untere Hunbert ausgewachsener Brieftauben, mit benen euch bereit» Flugversuche angestellt stnb, bie ein ganz erfreuliche- Resultat ergeben habe. Durch die neuerdings 181 ~ trsolgie Stellung de- gefammten Brieftaubenwesens unter
rnasche, Reich.
** Berlin, 12. Juli. Die Begegnung bet Kaiser von Oesterreich und Rußland in Reichstadt hat unzweisel hast den Beweis geliefert, daß das Drei Kaifer-Büudniß im vollen Einvernehmen besteht. ES hat aber weiter bestätigt, daß das Einverstänbniß zwischen Rußland und Oesterreich die schwere Prüfung bestanden hat, die durch den Gegensatz der Jnteresten der beiden Reiche zu den Wirren in der Türkei entsprungen war. Allerdings ist eine Besorgniß in den leitenden Kreisen über eine Trübung deS freundschaftlichen VerhältnisteS nicht gehegt worden, wie solche in der Preste zum Ausdruck gelangte. Wenn man allerdings eine Lösung der orientalischen Frage von dem Drei Kaisn-BÜndniß erwartet, so ist man betrogen, eine solche ist nicht möglich. Thatsache ist nur, daß durch dieses Bündniß ein einseitiges Eingreifen der nordischen j jr-r «>>>,-. ,«. u agsafea.
Himmel auf für die- kostbare Geschenk eine- gütigen GotteS.
Elmars Erscheinung war auch wohl geeignet, ein Mutterherz stolzer schlagen zu machen, seine hohe unb zierliche, babei aber volle unb kräftige Gestalt bewegte sich mit der Leichtigkeit unb Noblesse eines Mannes, der auf bem Par« quet groß geworden ist. Der Kopf, den er etwa- zurückgeworfen trug, mit dem reinen griechische» Profil, wat von besonderer Schönheit.
Dunkle Locken und eine fast durchsichtige Bläste deS Antlitzes verliehen ihm babei ein eigenthümlich interessante- Aussehen, besonders wenn er die Augen gesenkt hatte und deren lange dunkle Wimpern die Wange berührten. Erhob er aber den Blick, die blauen, leuchtenden Sterne unb träufelte ein Lächeln bie purpurrothen Lippen, die ein kleine- dunkle- Bärtchen beschattete, so war Elmar ein Bild blühenden Lebens.
Daß die Huldigung eine- solchen ManneS ein weibliches Herz nicht kalt lasten konnte, war natürlich unb Hildegard von S. verhehlte balb nur noch mühsam bas lebhafte Zn- tereste, welche- Elmar ihr einflößte.
Ihr Vater, ein hochangesehener Diplomat, hatte au- Gründen, die im Publikum nie recht bekannt geworben waten, seinen Abschieb aus bem StaatSbienste genommen unb erhalten, unb war barauf nach B. gezogen, in besten Mauern er feine Jugenbjahre verlebt.
Er kaufte sich ein schönes Hau- auf dem T Platze unb
_ ------ Wenn sie mit Blicken, wie sie nur eine Mutter hat,
«Cummer unb Noth waren ihm noch unbekannte Schreck daS geliebte Kind betrachtete, wenn er, noch spät arbeitend, Jr unfc mu6te er sich auch im Hause kleine Entbehrungen bei der Lampe ihr gegenüber saß, hob ein Gefühl stolzen Wiegen, so verstimmte ihn da- nicht sehr, sah und ahnte Glücke- ihre Brust und zugleich stieg ein Dankgebet zum
stehenden Postverträge zwischen beiden Staaten gar nicht und kann daher nach keiner Richtung hin mit der Kündigung von Verträgen, wie sie im Kriegsfälle vorzukommen pflegt auf gleiche Stufe gestellt werden.
Der Kampf in den türkischen Donauländern hat die südflavische Bevölkerung Oesterreichs in viel bedeutendere Aufregung versetzt, als man bisher annahm. Mit der Hinneigung zu den slavischen Stammesgenosten ist das Mißtrauen und man kann sagen, die Feindschast gegen Un gant erwacht. Das alte Bestreben nach Befreiung der ungarischen Herrschaft macht sich In den slavischen Grenzländern wieder sehr bemerklich. Im kroatischen Landtage zu Agram hat der Abg. Folnegowitz am 8. d. Mts. folgende Interpellation an den BanuS, welcher dem Landtage gegenüber allein verantwortlich ist, eingebracht: 1. Was ist schuld daran, daß unter Euer Excellenz Regierung bie Frage betreffs der Integrität deS Landes keinen Schritt nach vorwärts gebracht wurde, während die ungarische Militärgrenze einverleibt wurde? 2 Gedenkt (Sure Ex- cellenz mit Hinsicht auf die Veränderung des statuö quo in unserer nächsten Nähe alle gesetzlichen Mittel anzu wenden, damit die vitale Frage betreffs der Integrität unserer Nation ihrer Lösung entgegengeführt werde? 3. Wenn die ungarische Regierung diesem Bestreben vielleicht nicht entsprechen wollte, obwohl dies von ihr laut § 65 des Ausgleichsgesetzes mit vollem Rechte verlangt werden darf; ja, wenn dieselbe diesem Bestreben Widerstand entgegengesetzt, was mit Hinsicht aus ihre Handlungsweise sehr wahrscheinlich ist, hält es dann Euer Excellenz als erster Würdenträger der parlamentarischen Regierung Kroa- tien's mit Ihrer Pflicht und Würde, dann mit den Jn- tereffen der Nation vereinbar, wenn Sie diese ungarische Regierung auch fernerhin mit Ihrem entscheidenden Einfluß zu Mterstützen helfen? 4. Hat Se. Excellenz der Banus bie Kröne auf die virtuellen Rechte der Königreiche Kroatien, Slavonien und Dalmatien und auf die Gefahr aufmerksam gemacht, daß dieselben in Folge der Erfolge des serbisch, montenegrinisch-türkischen Krieges gegenstandslos werden könnten, wenn ja, mit welchem Erfolge, wenn nein, aus welchem Gründe nicht?
Außer den unten unter Wien mitgetheilten telegraphischen Nachrichten sind noch folgende vom serbisch-türkischen KciegS- fchauplatze eingegangen:
Semlin, 12. Juli. Gerüchtweise verlautet, General Tschernajeff habe auf der Straße von Risch nach Sophia einen bedeutenden Sieg errungen. Ein Theil des Co>pS dtS General Tschernajeff soll den Anführer der serbischen
Der Minister der lanbwirthschaftlichen Angelegenheiten lstädter ftt die Ausstellung einer Statistik der ansteckenden Thier« nb frei stturkheiten seitens bet KreiSthierärzte angeordnet. Die ^rtspvlizeibehörden haben die KreiSthierärzte in ber Samm- [1735 fang deS baju nöthigen Materials zu unterstützen unb lüe Privatthierärzte zugezogen werden sollten, vafür zu gegen, daß die von ihnen genommenen statistischen Notizen uch den vorgeschrtebenen, von jedem KreiSlhierarzl zu er» engenden Formularen zusammengetragen werden.
Da hörte fie in einer Soiree bei Graf Z., wie man ßch über ein Fräulein von Herden lustig machte,-«eil sie feine Nadelarbeiten verfertigt, mit dem Vorgehen, solche zu Geschenken für ihre Angehörigen verwenden zu wollen, und van hernach in der L 'jchen Stickerei-Handlung unter den Gegenständen, welche zum Verkaufe gearbeitet waten, eben dich Arbeiten gesehen hatte.
Eleonore hörte in bet schlaflosen Nacht, welche auf jene Gesellschaft folgte, unaufhörlich bie herzlosen Bemet ‘“«gen unb Scherze ber sonst so zarten gefühlvollen Damen «id schauerte vor einem Erwerbe zurück, der sie im Falle «Qtr Entdeckung mit dem Fluche ber Lächerlichkeit bedrohte. L Sie besaß Ja noch übet tgufenb Thaler von ihrem so idel verwalteten Kapitale, und sie beschloß, weise geworden ^rch manche Etsahrung während ihrer ersten, unpraktischen Wirthschaftssührung, so sparsam und haushälterisch wie Evglich damit umzugehen.
In dem äußeren Leben konnte freilich nichts geändert •*btti, unb Frau von Wessenhagen galt in B. wenn auch JW gerade für reich, so doch für eine ziemlich vermögende ottu, bie von den Zinsen ihre- Kapitals ein, wenn auch £‘iutfgejogene8, so doch recht angenehmes und bequemes «dm führen konnte. .;--
Was fagte aber Elmar zu diesen trübseligen pekuniären ^ khaltniffen? — Je nun, et hotte den glücklichen Leicht- ■~n Jugend, die Alles noch in lichten Farben erblickt, li* °^e — und die Welt seiner Illusionen Wüt nodp UHU JCl cv uuo jiyu ,Jy durch einen Hauch aus der rauhen Wirklichkeit ge-,verschmähen könnte. u«vt worden. ~