Marburg, Sonnabend, 8. Juli 1876.
Nr. 1S7
XI. Jahrgang
Deutsches Reich.
876.
Juli.
88,00
10,70
Ein anderer Wohnort sollte gewählt werden, Frau M.
und, was
Die mannigfachen Geschäfte freilich, di« mit einem Um-
M wieder wankend gemacht. Doch der Energie der
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Strapatze sein mußte, habe ich in der bereits angedeuteten Abne gung gegen dasselbe gleich im Anfänge meiner Schilderung über ihn einfließen lassen, die Ursache soll nämlich die gewesen sein, daß eö ihm vor langen Jahren pas i sine, statt von Kassel nach Marburg zu fahren, er glück- . lich von Kasiel nach Warburg kam, eine Verwechslung, deren Wiederholung er stets fürchtete.
Diefeömal sollte so etwas oder ähnliches ihm nun nicht passiren, die Gattin hatte die gesammte Direktion über die ReiseauSführung übernommen und führte dieselbe mit wun derbarer Geschicklichkeit auch durch. Die Möbel wurden verladen und Abends im „Engel* der Heimath nach einer kleinen AbschiedSfcte Nachtlager genommen, um am anderen Morgen direkt dem neuen Wohnsitze mit Dampf zuzueilen. Hier wurde der „Ritter" bezogen bis die neue Wohnung wohnungsfertig war; daS war nun Alles das Werk der Frau und ohne jegliche Anstrengung und Aufregung für M. war der gefürchtete Akt an ihm vorübergegangen.
M. wollte nun keineswegs in Marburg verweilen, ohne irgend einem Berufe obzuliegen. Er wollte eigentlich sich wissenschaftlich beschäftigen, natürlich aber nicht in dem Fache, das er seither berufsmäßig getrieben hatte. Zum großen Verdruß seiner Frau wählte er Mineralogie, verbunden mit Steinsammlung. Zunächst wurde eine Anzahl HülsS , Lehr- und Handbücher mit und ohne Illustrationen gekauft, dann wurden Pappkästchen aagesertigt, und dann bei jedem Spaziergange nach links und rechts geschaut, ob nicht ein merkwürdiger Stein am Wege liege, mit dem die
*»6te es diejeSmal durchzusetzen, daß sein Vorschlag bei ta Gattin Annahme fand.
in seinen Rocktaschen verschwinden zu lasten, bis sie vollgepfropft waren — so hat man ein naturgetreues Bild von meinem Freunde M.
Dazu kam nun noch die weitere Liebhaberei, diese Steine und Steinchen sorgfältig zu waschen, hierzu hatte er fortwährend drei Porzcllannäpfe und mehrere Bürsten im Gebrauch, und wenn nun die Säuberung vollendet war und so und soviel Handtücher mit dem Abtrocknen durchnäßt waren, dann zeigte es sich, daß keiner der gefundenen und mühsam vorbereiteten Steine würdig war, in die Sammlung ausgenommen zu werden. Sie wurden alsdann in den Hof getragen und wenn der Hausen zu groß geworden, wurden sie mittelst Schubkarrensuhre, wozu ein eigener Dienstmann engagirt war, wieder der freien Natur zugeführt, um vielleicht schon in den nächsten Tagen in M.'s Rocktaschen dieselbe Wanderung von vorn an wieder durch, zumachen.
Das war nun Alles recht gut und ging eigentlich Niemand etwas an, wenn nicht Frau M. ihren täglichen Aerger darüber gehabt hätte, den nuu sie ihrerseits in den eignen Passionen, wie etwas Putz und GesrUfchaflSsucht und dcrgl. zu verschmerzen eifrigst bemüht war.
Daneben war nun M. aber auch ein gar liebenswürdiger Gesellschafter, wenn er AbcndS seinen Schoppen trank oder sein l’Hombre im Winter regelmäßig zweimal wöchentlich spielte, dann merkte man absolut nichts von seinen „wistenschastlichen Pastionen", und kam jemals die Rede darauf, dann äußerte er lächelnd: „Nun eine Beschäftigung muß man doch haben I" und damit war eS gut.
Auffallend war unS nur manchmal noch an ihm, daß er während dcü Sommers niemals von Reisen sprach, ja er war sogar sehr zufrieden, wenn feine Ehchälite 6—8 Wochen während der schönen Jahreszeit ihre Verwandte
ocdnnng zu einer vollen Vereinbarung gelangt ist. — Bemerkenswerth ist eS, daß das halbamtliche Blatt die Rede über die Simultanschule noch jetzt veröffentlicht. Es stad aber, wie bekannt, so viele falsche Vorstellungen in die Presie darüber gelangt, daß der Wortlaut al« Wegweiser für daS richtige Verständniß dienen soll.
Darmstadt, 5. Juli. Unmittelbar vor dem AuS- einandergehen der zweiten Kammer hat der Finanzausschuß noch eine intercstante Berechnung darüber aufgestellt und und drucken lasten wie sich die Ueberschüste der Haupt» st-atScaste zu Ende des Jahres 1878 nach Maßgdbe der Beschlüste zweiter Kammer gestalten werden. Wir heben daraus daS Wesentlichste hervor. Nach dem außerordentlichen Haupt-Voranschlag waren angesetzt 6,011,137 Ml. Ferner sollen nach den Beschlüssen der zweiten Kammer in diesem Voranschlag nicht verausgabt werden: im Resort dcS Ministeriums deS Innern 265,485 Mk., in dem der Justiz 27,500 Mk., zusammen 292,985 Mk, so daß sich der Ueberschuß Rest erhöht aus 6,304,122 Mk. Dagegen sollen nach Beschlüssen zweiter Kammer noch davon bezahlt werden zur Tilgung deS Rvthschild'schen Anlehens und der Provinzial Straßenbau-Schuld 1,660,098 Mk.; einer sollen nach den Vorlagen der Regierung noch bezahlt werten: zur Station Isenburg der Main-Neckarbahn
Der französische Botschafter in Berlin, Vicomte de Gontaut - Biron, soll, wie wir vernehmen, in Ems vom Reifet von Rußland das Großkreuz des StaniSlausotdevs «halten haben.
den 42 Vorlagen 35 perfekt geworden sind. Was' nun aber das sachliche Resultat betrifft, so wird man zugestehen wüsten, daß die Beraihungen der nicht erledigten Vorlagen einen sehr wohlthäligen Einfluß auf die weitere Gesetzgebung haben werden. Es ist also kein Grund, die Er- gebniste der dreijährigen Legislaturperiode nicht als bedeu- tungsvoll zu kennzeichnen. — Das NothstandSgesetz ist sofort nach seiner Genehmigung der Allerhöchsten Sanktion unterbreitet und eS steht die Publikation dieses Gesetzes in den nächsten Tagen bevor. Gleichzeitig werden die von den Ministern dcS Innern und der Finanzen vereinbarten Ausführungsbestimmungen zur Kenntniß gebracht werden; diese schließen sich den bei Den früheren Siurmfluthen er, lassenen an. — Die „Prov. - Corr." kommt gestern ebenfalls auf die Justizgesetze zu sprechen und meint ebenfalls, wie bereits v'fic^öS gemeldet ist, daß die Berathung dieser Gesetze in der nächsten Herbstsession zu erwarten ist. — In Ergänzung der Auslassungen deS Ministers des Innern irn Abgeordnetenhause bespricht die „Prov. - Corresp." die Wtädteordnung, wie dieselbe aus dem Herrenhause gekom» men ist und meint, es wird Niemand behaupten wollen, daß hiernach diese Städteordnung ein reaktionäres Werk sei. Es wird schließlich das Bedauern ausgesprochen, daß man nicht, wie beim Competenzgesetz, auch über die Städte-
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[2
Eine Badereise.
Humoreske von A. R.
(Fortsetzung.)
Doch schon am nächsten Morgen war man indessen dicht wenig erflaunt, daß M. auch rasch handeln könne, denn eS verbreitete sich das Gerücht, er sei bereits um seine Entlassung auS dem Staatsdienste eingekommen, und
Lage-bertcht.
DaS KriegStheater an der Donau hat sich in drei vollständig von einander getrennte Kampfplätze getheilt. Im Norden an der serbisch - bosnischen Grenze nur eine kurze Strecke von der Donau und österreichischem Gebiete entfernt hat Ranko Alimpits mit einem serbischen Corps türkisches Gebiet beschritten und den befestigten Platz Rje lina nach mehrtägigen Angriffen genommen. An dieser Nachricht ist deßhalb kaum zu zweifeln, weil dieselbe von Wien auS bestätigt wird, wo eine starke Voreingenommen . hcit gegen die Serben herrscht. An der Südostgrenze Serbiens befindet sich der Centralpunkt des Kampfes, die serbische Hauptmacht steht daselbst unter Fürst Milan und General Tschernajeff der stärksten türkischen Armee gegenüber. Auch hier wäre von serbischen Erfolgen zu sprechen, da General Tschernajeff schon tief in ottomanisches Gebiet eingedrungen ist und die wichtige Straße von Nisch nach Sofia besetzt hält, wenn nicht der türkische General Osman Pascha ebenfalls serbisches Gebiet betreten und den tief im Innern ded Landes liegenden Ort Saitschar bedrängte. Auffällig ist, daß von keiner Seite angegeben wird, ob Osman Pascha mit der gesammten im Lager von Nisch vereinigten Macht seinen Zug unternommen hat oder nicht. Es ist die« nicht wahrscheinlich, da sonst das nur noch- dürftig verschanzte Saitschar schon gefallen sein müßte. Wo aber im anderen Falle sich das Groö der osmanischen Streitkräfte befindet, darüber verlautet nichts. Vom dritten Kampfplätze aus, dem montenegrinischen, verlautet heute, daß die Söhne der schwarzen Berge den als vorgeschobene Schanze von Podgoritza zu betrachtenden festen Ort ÜJietun genommen hätten. Bestätigung bleibt abzuwarten, da die Mitlheilung von Ccttinje allein auögeht. Bemerkenöwerth ist indessen,^.daß von Konstantinopel aus heute alle Nachrichten fehlen.
Ueber Athen erhalten wir die Mittheilung, daß zwischen England und der Türkei Pourparlers wegen einer Anleihe von zwei Millionen Pfund an die letztere gepflogen worden sind und schon zu einem günstigen Abschlüsse gcsührt haben. Die Zahl der vom Vicekönig von Egypten ter Pforte zu- gksagten Truppen beträgt 12,000 Mann. Der Khetive will die kriegsgewohnten Truppen, welche den Feldzug nach »besiinien mitgemacht haben, senden.
kenthoss zu Der [167
An der rumänischen und ungarischen Grenze sind große Mengen von Munition und Waffen ergriffen worden, welche nach Serbien bestimmt waren.
Die neuesten Telegramme vom orientalischen Kriegsschauplatz bringen folgende Nachrichten:
Belgrad, 6. Juli, Vorm. Nach zweitägigem heftigem Kampfe haben die serbischen Truppen unter Ranko Alim- pitsch Bjelina genommen. — Ein erneuerter Sturm der Türken auf Saitschar ist zurückgeschlagen worden, wobei die Türken große Verluste erlitten. — General Tchernajeff fetzt seine Vorwärtsbewegung gegen Pirol fort.
Petersburg, 5. Juli. Ein Telegramm der „Agence Internationale" bestätigt die Erstürmung deö Lagers von Babina Glava bei Nisch durch General Tschernajeff. Die Türken ließen Alles zurück, selbst die Geschütze. O fizielle Feier bestätigt die Richtigkeit der Nachricht. — Die Petersburger (russische) Zeitung veröffentlicht ein Telegramm aus Nizano (?) nach welchem die JnsurgentenchesS sich unter großem Zustrom der Bevölkerung in Trubara zu sammengefunden haben und Milan zum Fürsten von Bosnien proklamirt, ihm auch bereits den Eid geleistet haben.
Wien, 6. Juli. Einer Meldung ans Skutari zufolge, haben die Türken vor Podgoritza von den Montenegrinern eine Schlappe erlitten. — Aus Semlin wird weiter gemeldet: Das Corps des General Tschernajeff hat gestern Pirol (südöstlich von Alpalanka auf der Straße nach Sophia) besetzt. — Aus Giurgevo erfährt man: Ein türkische« Kanonenboot mit drei Transportschiffen, welche 3000 Mann an Bord haben, geht soeben stromaufwärts.
Konstantinopel, 5. Juli. Die türkischen Verlustlisten weisen nach, daß die Armee seit Beginn des Aufstandes einen Verlust von 33,984 Mann an Tobten, Verwundeten und Vermißten erlitten hat.
Sammlung zu bereichern wäre. Die Passion nahm immer größere Dimensionen an, so daß fast Niemand mehr mit ihm spazieren gehen wollte, am wenigsten aber seine Frau. Man denke sich einen behäbigen, kurzsichtigen und deßhalb mit der Brille bewaffneten Herrn, mit einem Stachel- und Hakenstock ausgerüstet, mit dem fortwährend entweder
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae Ätluktrtrtt» hlI,A
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uen unk ekannt«, >•. Lin- esten uni litten da tt Ortn, , ander« tend er. eibunga »inen auf nanentn, 1 [508 No. 7.
iftno - ’Äin anderer Wohnort foule gewühlt werde 98 7öl Mirmte für Kassel, M. aber für Marburg 98*0üi t«ade nicht häufig vorkam, passtite hierbei, nämlich M. 102,70 ,r ' - - - - -------
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90*50 6 i®8t nun einmal unvermeidlich verbunden find, hatten M.
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96,76 datlin halte er eS zu verdanken, daß der Umzug wirklich
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux oon Th- Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; fiaafenftein & Vogler in »rantfurt a- M, Berlin, Leiv- «a, 661 n «; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
*•* ® Werk gesetzt wurde. Ein Stein war ihm namentlich _ L- J®n dem Herzen gefallen, als seine Frau die Bereitwillig- 78*,50 Eilt zu «kennen gab, selbst nach Marburg zu reisen und
Anzeigen nimmt entgegen: die EMditton d. Blatte« sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schliß- ” ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Ar Wohnung zu miethen, bi« sich Gelegenheit böte, ein de« Haus zu «werben. Daß für M. das Reifen eine
** Berlin, 6. Juli. Es wird in fortschrittliche» I Blättern erzählt, daß der Landtag durchaus keine Ergebnisse aufzuweisen habe. Man wird diese radikalen Tiraden ohne weiter auf den materiellen Inhalt der erledigten Ge
und Hakenstock ausgerüstet, mit dem fortwährend entweder besuchte und er dann ein gemüihliches Junggesellenleben der Schmutz oder Staub durchwühlt wurde, und der j führen konnte, « nahm dann seinen Mittagstisch im „Ritter", sich dann schleunigst bückte, um einen Stein oder Steinchen ging nach Herzenslust Steine suchen und wusch dieselben
1104,751 «ach wenigen Tagen fand dasselbe seine volle Bestätigung, ) 98,25 i kenn eS stand eines schönen Morgens in der Kasseler Zeitung: Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben aller
j 7oo 60 ö»ädigst geruht dem rc. rc. die nachgesuchte Entlassung aus ) 88,00 । dem Staatsdienste zu ertheilen. DaS war eine Nachricht, ) 88*00i an der durchaus nicht mehr zu zweifeln war, und von der- 89,25> selben Stunde an sah man M. nicht mehr um 8 Uhr Ati* ®ot8en0 und 2 Uhr Mittags aus's Amt gehen, auch um ’ 80 401 12 und 6 Uhr nicht mehr von demselben zurückkehren, 8-2/25« sonst täglich geschah.
99,70 k Es ist nun eine allbekannte Geschichte, daß man bei 98,10* solch bewaudten Umständen nicht auf halbem Wege stehen 63>66, Meibt. So g ng eS auch Herrn und Frau M.
, t ^ürkei läßt die an der russischen Grenze im Kan- setze einzugehen, am'besten dadurch widerlegen, daß von kasuS belegeue Festung Datum aus's Eiligste in Berthe!-^ " ,n ----------- "" - ■ — 0
dignngszustand setzen und armirt dieselbe mit neuen weittragenden Hinterladern. Schon im Laufe dieses Monats sollen, wie uns berichtet wird, die neuen Erdwerke vollendet sein.
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